Bates Motel 2x06

In Plunge erleben wir einen Norman Bates (Freddie Highmore), der im Angesicht einer Extremsituation die Beherrschung verliert - mit fatalen Konsequenzen. Während Vera Farmiga in Bates Motel dafür sorgt, dass alle Norma-Szenen kleine Schmuckstücke darstellen, fühlt sich der Handlungsstrang um Dylan (Max Thieriot) etwas verloren an.
Das Ende der Sorglosigkeit
Der im Episodentitel gewürdigte „Absturz“ bereitet der Leichtigkeit, die die Serie zwischenzeitlich an den Tag legt, ein jähes Ende. Zunächst begegnen sich Emma Decody (Olivia Cooke), Gunner (Keenan Tracey), Cody Brennan (Paloma Kwiatkowski) und Norman vor der traumhaften Kulisse eines Flusslaufes. Die von Teenagerhormonen nur so strotzende Sorglosigkeit ist dabei so ausgeprägt, dass man insgeheim schon mit der nächsten Katastrophe rechnet. Doch, als Emma ihren tollkühnen Sprung ins kühle Nass beinahe mit dem Leben bezahlen muss, wird man dennoch von der Intensität der Reaktion vor den Kopf gestoßen, die Norman an den Tag legt.
Liebe Mädchen und Verderben
Es ist nicht leicht zu ertragen, wie harsch sich Norman in dieser Situation gegenüber Cody aufführt. Schließlich wird den Zuschauern besonders im Verlauf dieser Episode verdeutlicht, dass das Mädchen trotz ihres problematischen Elternhauses und ihrer Affinität für laute Musik ihr Herz am rechten Fleck hat. So spiegelt sich in der Tatsache, dass sie Emma von Normans Blackouts berichtet, die aufrichtige Sorge um das Wohlergehen ihres Freundes wider.
Es ist zwar schön, dass sich Emma und Norman in den Nachwehen des Absturzes wieder etwas näherkommen. Obwohl man das Mädchen insgeheim vor dem zwangsläufig toxischen Einfluss ihres Altersgenossen bewahren möchte, legt Norman zu diesem Zeitpunkt doch noch eine solche Wärme und Verletzlichkeit an den Tag, dass man ihm die Gesellschaft Emmas nicht vorenthalten möchte. Auf der anderen Seite leitet die Tatsache, dass Emma - ebenfalls aus einer ehrbaren Motivation heraus - Codys Informationen brühwarm an Norma weiterleitet, indirekt die verheerende Eskalation ein, mit der diese Episode von Bates Motel zu ihrem Ende kommt.
Eskalation
Die Panik, die von Norma Besitz ergreift, als sie von den neuerlichen Aussetzern ihres Sohnes erfährt, manifestiert sich in Kombination mit ihrem allzu übertriebenen mütterlichen Beschützerinstinkt in einem drastischen Akt. Indem sie Normans Aussichten auf seinen so sehnlichst erwarteten Führerschein für mindestens drei Jahre zu Grabe trägt, versetzt sie ihren labilen Sohn derart in Rage, dass er sich bei der nachfolgenden Konfrontation Codys ohnehin kaum noch beherrschen kann.
Als dann auch noch ihr gewalttätiger Vater Jimmy (Michael Rogers) auf der Bildfläche erscheint, erinnert sein Verhalten stark an das Wüten von Normans Vater, das uns zuvor in einer klaustrophobischen Rückblende vor Augen geführt wurde. Wie so oft in Bates Motel haben wohlgemeinte Interventionen schließlich schreckliche Auswirkungen, als Norman den Mann im Gerangel die Treppe hinunterstößt.
Die Kunst der Farmiga
Obwohl der Gangsterboss Nick Ford (Michael O'Neill) keinen schlechten Schurken abgibt, ist es in erster Linie der Figur von Norma zu verdanken, dass man dazu gewillt ist, dem wenig spektakulären Kampf gegen die Umgehungsstraße längerfristig Aufmerksamkeit zu schenken. Als Norma sich darum bemüht, einen Platz im örtlichen Stadtrat zu erlangen, profitiert dieser Handlungsstrang ungemein durch das Spiel von Farmiga. So kann man immer wieder beobachten, wie Norma in ihrer Nervosität die Kontrolle über ihre Fassade verliert, was sich auch sehr hübsch in ihrem „Pine White Bay“-Versprecher niederschlägt.

Während sich die Rolle von Christine (Rebecca Creskoff) und George (Michael Vartan) Helders in dieser Episode darauf beschränkt, Normas politische Ambitionen zu befeuern, machen die beiden einen etwas blassen Eindruck. Dies könnte jedoch auch darin begründet liegen, dass die Geschwister für White-Pine-Bay-Verhältnisse ungewöhnlich normal erscheinen. Immerhin führt der Helders'sche Einfluss zudem noch dazu, dass Norma trotz ihres possierlichen „Schlussmachgesprächs“ mit Ford weiterhin zu dessen Günstlingen gehört.
Der unkonventionelle Charme des Romero
Sehr unterhaltsam ist wieder einmal die Interaktion zwischen Norma und ihrem Untermieter Alex Romero (Nestor Carbonell) geraten. Trotz aller Kratzbürstigkeiten verbindet die beiden Charaktere fraglos eine gewisse Chemie. Nachdem sich dies bereits in der vorangegangen Episode The Escape Artist abgezeichnet hatte, wird der Eindruck nun auf herrlich subtile, wenngleich auch etwas skurrile Weise bestärkt. Alex warnt Norma davor, dass ihre Vorhänge zur Durchsicht einladen, wobei er fast ein wenig schelmisch wirkt. Und trotz aller Gefasstheit sieht es im Gegenzug fast wie ein Lächeln aus, was da in Reaktion auf die Worte des Sheriffs über Normas Gesicht huscht.
Fazit
Es ist ja nicht so, als wäre mir Dylan nicht sympathisch. Es sei dem leidgeprüften Jungen mehr als vergönnt, dass ihn seine Chefin Jodi Wilson (Kathleen Robertson) zum Dank für seinen Einsatz mit einem ganzen Spektrum von Fürsorglichkeiten bedenkt. Doch zum einen macht der Handlungsstrang samt der spontanen sexuellen Avancen einen etwas unplausiblen Eindruck - selbst wenn Dylan noch so aufreizend schlummert. Und zum anderen wäre es schön, wenn es hier irgendwann zu Entwicklungen kommen könnte, die in puncto Spannung über die Bedrohung einer beißwütigen Ziege hinausgehen.
Während auch die Begebenheiten um Normas Sitz im Stadtrat nicht ganz ohne Längen ist, überwiegen zum Glück auch in der Episode Plunge die positiven Aspekte. Auch auf die Gefahr hin, an eine lädierte Schallplatte zu erinnern: Neben Carbonell liefern hier besonders Farmiga und Highmore wieder einmal eine Glanzleistung ab. Die Sequenz, in der Mutter und Sohn gemeinsam auf dem Bett herumtollen, bevor sie sich kichernd durchs Haus jagen, war genug, um mir ein hörbares Geräusch des Unbehagens zu entlocken.
Das unheilschwangere Krachen, das Jimmy Brennans Körper beim zweiten folgenschweren Absturz dieser Episode von sich gibt, stimmt in Bezug auf das Überleben seiner Figur nicht sonderlich optimistisch. Glücklicherweise verhält es sich hier gänzlich anders als bei der Serie an sich - denn Bates Motel ist vom Sender A&E gerade für eine dritte Staffel verlängert worden „58999“. Endlich einmal gute Nachrichten für White Pine Bay, an denen man sich ganz ohne skeptische Hintergedanken erfreuen kann!
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 9. April 2014(Bates Motel 2x06)
Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x06
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