Bates Motel 2x05

Während die Teenager der US-Serie Bates Motel sich in dieser Episode den Vorzügen ihres sexuellen Erwachens hingeben dürfen - und es kurzzeitig selbst aufseiten von Norma (Vera Farmiga) zu knistern beginnt -, muss Dylan (Max Thieriot) die Schattenseiten von White Pine Bay am eigenen Leibe erfahren.
Im Großteil von The Escape Artist geht es dementsprechend regelrecht idyllisch zu. Es ist dabei nicht ganz klar, auf welche Figur der Serie sich der Episodentitel wohl beziehen soll. Handelt es sich um eine Anspielung auf die Pläne von Cody Brennan (Paloma Kwiatkowski), dem Schrecken ihres Elternhauses zu entkommen? Oder ist vielleicht Norman (Freddie Highmore) gemeint, da ihm in Gestalt von Cody eine Möglichkeit geboten wird, dem Klammergriff seiner Mutter zu „entfliehen“?
Der liebe Norman
In dieser ruhigen Folge gelingt es den Serienverantwortlichen von Bates Motel besonders gut, die Zuschauer an das Verderben zu erinnern, das die Protagonisten der Serie unweigerlich ereilen muss. Die Tragik über das unabänderliche Schicksal von Norman und Norma Bates wird in The Escape Artist dadurch schmerzhaft verstärkt, dass uns die Hauptfiguren in ihrem sympathischsten Licht präsentiert werden.
Normans Vorzüge werden im Zusammenspiel mit seinen weiblichen Altersgenossen deutlich. So äußert er seine Missbilligung darüber, dass sich Emma Decody (Olivia Cooke) mit Gunner (Keenan Tracey) einlässt - obwohl es sich bei ihm ja schließlich um einen Drogendealer handelt. Während man aus den warnenden Worten auf eine aufrichtige Sorge um Emmas Wohlergehen schließen kann, werden in seinem Umgang mit Cody gleichermaßen Normans Feinfühligkeit und seine Unschuld betont.
Doch egal wie empathisch, ängstlich und gehorsam sich Norman auch verhalten mag - in der vorangegangenen Episode Check-Out (2x04) haben die Zuschauer bereits auf eindringliche Weise erfahren müssen, dass er die Saat des Bösen bereits in sich trägt. Die Tatsache, dass er sich seines eigenen Fluches nicht bewusst ist und sich seinen verhängnisvollen Blackouts zudem hilflos ausgeliefert sieht, schürt tiefes Mitleid für den liebenswürdigen Jungen.
Die liebe Norma
Auch Norma kann in dieser Episode von Bates Motel einige Sympathiepunkte sammeln. Als Emma sie zu ihrer Meinung über erste sexuelle Erfahrungen befragt, tut Norma ihr Bestes, um dem Mädchen nicht die Freude an dieser aufregenden Zeit zu verderben. So verbirgt sie den furchtbaren Schrecken, den es für sie bedeutete, ihre Unschuld zu verlieren. Farmiga gelingt es in diesem Austausch ausgezeichnet, hinter den aufmunternden Worten Normas subtil eine durchdringende Traurigkeit zum Vorschein kommen zu lassen.
Auch als sich Norma dem Kampf gegen die Umgehungsstraße stellt, macht sie dabei im Grunde genommen einen liebenswerten Eindruck. So legt sie eine fast schon kindliche Freude an den Tag, als ihr ein Biologe mit dem auffälligen Namen Bryan Fuller sein Gutachten über die Auswirkungen der Bauarbeiten auf die Umwelt präsentiert. Überhaupt wohnt dieser Szene samt Normas ungläubiger Reaktion auf die in Bedrängnis geratenen „Pistol River pocket gophers“ (Lat.: Thomomys umbrinus detumidus) eine erfrischende Komik inne.
Humor
Gleiches gilt im Übrigen auch für ihren Umgang mit dem kürzlich obdachlos gewordenen Alex Romero (Nestor Carbonell). Zwar kommt man kaum darum herum, an Normas mütterlicher Autorität stets einen unangenehmen Beigeschmack wahrzunehmen. Doch wenn sich ihre Strenge gegen den grummeligen Sheriff richtet, macht dies einen geradezu possierlichen Eindruck. Und als es dann für einen Moment lang gar zu einem Anflug von Anziehung zwischen den beiden Figuren kommt, scheint die Atempause von dem Verderben, das in White Pine Bay nie allzu weit entfernt ist, perfekt.

Norma und Norman, ganz normal?
Selbst die Interaktion zwischen Norma und ihrem Jüngsten, die der Serie sonst als verlässliche Quelle für nagendes Unbehagen dient, wirkt in dieser Episode zuweilen ungewöhnlich gewöhnlich. Der Gesichtsausdruck, der sich bei der ersten Sichtung von Cody auf Normas Gesicht breit macht, ist dabei fast ebenso erquicklich wie die Panik, die in Anbetracht dieses Zusammentreffens von Norman Besitz ergreift.
Doch Bates Motel wäre nicht Bates Motel, wenn die Zuschauer allzu lange in dem wohligen Gefühl der Normalität schwelgen dürften. So stellt man zu den freundlichen Klängen einer Variante von „Dancing in the Moonlight“ nicht nur fest, dass Norman beiläufig in einem Handbuch der Taxidermie blättert. An anderer Stelle wird einem noch wesentlich beklommener zumute. Als Norma ihren Sohn mit ihrer „Women can be tricky“-Rede konfrontiert, wird einem so unweigerlich bewusst, welche grausamen Blüten diese vielleicht unbedarft geäußerten Worte noch treiben sollen: „It's you and me, Norman. It has always been you and me.“
Der arme Dylan
Bis Norma kurz vor dem Ende der Episode die Schreckensbotschaft überbracht wird, dass ihre Kollaboration mit dem Gangsterboss Nick Ford (Michael O'Neill) allem Anschein nach ein erstes Todesopfer gefordert hat, wird sowohl ihr als auch Norman zur Abwechslung mal eine Spur von Leichtigkeit gegönnt. Anders verhält es sich für den bemitleidenswerten Dylan.
Nicht nur sieht sich Normas Erstgeborener seit seinem Auszug aus dem Anwesen seiner Mutter in der vorangegangenen Episde der Einsamkeit preisgegeben. Dies äußert sich beispielsweise in Dylans Versuch, seinen Bruder anzurufen. Zu allem Überfluss gerät der leidgeplagte junge Mann aufgrund des stupiden Verhaltens von seinem Vorgesetzten Zane Carpenter (Michael Eklund) auch noch in Lebensgefahr.
Als Zane und er in die Schussline von Mitgliedern des gegnerischen Drogenkartelles geraten, tritt eindrucksvoll das Ausmaß von Dylans Verzweiflung zutage. Die Erkenntnis über die eigene Entstehung und die damit einhergehende Verzweiflung manifestieren sich in einer Rücksichtslosigkeit gegen das eigene Wohl, die bereits als lebensmüde interpretiert werden kann.
Doch immerhin sieht es aus, als würde es für Dylan nun endlich ein wenig bergauf gehen. So bringt ihm seine Verzweiflungstat die Anerkennung von Zanes Schwester Jodi Wilson (Kathleen Robertson) ein. Und bei ihr handelt es sich offenkundig um eine mächtige Verbündete...
Fazit
Aus dem Austausch zwischen Carlton Cuse, dem Miterfinder und Executive Producer von Bates Motel, und Bryan Fuller geht hervor, dass der Erfinder von NBCs Hannibal durchaus Gefallen an dem „Psycho“-Prequel gefunden hat. Ob Cuse sich wohl für die lobenden Worte revanchieren wollte, indem er seinen fiktiven Biologen auf den Namen Fullers getauft hat?
Abseits dieses potentiell humorigen Details und der brutal inszenierten Machtkämpfe im Drogenmilieu darf sich die Dunkelheit in dieser Episode von Bates Motel nur in unterschwelliger Form ausbreiten. Dabei fühlt sich The Escape Artist zeitweise fast wie ein Coming-of-Age-Film an.
Obwohl sich böse Zungen vielleicht etwas mehr Dramatik von der Folge erhofft haben könnten, kann die Geschichte um Emma und Gunnar ebenso erfreuen wie die um Norman und seine Cody. Zum einen kann man sich in dieser Serie sicher sein, dass jede Idylle und alles Glück den Charakteren über kurz oder lang um die Ohren fliegen wird. Zum anderen dient die Leichtigkeit hier wieder einmal als Kontrast, vor dem sich Sequenzen wie Normas Warnung vor dem weiblichen Geschlecht umso schärfer abzeichnen können.
Gleichzeitig kann die Episode in Bezug auf die Charakterzeichnung überzeugen. Obwohl Cody noch nicht lange ein Teil der Serie ist, ist sie als Figur doch schnell lebendig geworden. Neben dem adäquaten schauspielerischen Einsatz von Paloma Kwiatkowski liegt dies besonders in der Arbeit der Drehbuchautoren begründet. Mithilfe authentischer Dialogzeilen wie „You never have to worry about me telling shit to parents“ oder „I keep forgetting you like your mum“ lassen sie einen sehr natürlichen Flair aufkommen.
Überhaupt ist es lobenswert, wie menschlich die Protagonisten in dieser Episode erscheinen. So legen sowohl Norma als auch Emma eine gewisse Tollpatschigkeit an den Tag, ohne dass diese Szenen übertrieben oder gar albern wirken würden. Highmore kann selbst unorthodoxe Geständnisse wie sein „I guess I feel safe with you“ zu Cody überzeugend präsentieren. Und Farmigas Schauspielkunst lässt man wohl am besten für sich selbst sprechen.
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 1. April 2014(Bates Motel 2x05)
Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x05
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