Bates Motel 2x04

Nachdem Norma Bates (Vera Farmiga) ihren Söhnen in der vorangegangenen Episode Caleb eröffnet hatte, dass es sich bei ihrem Bruder Caleb (Kenny Johnson) gleichzeitig um Dylans (Max Thieriot) Vater handelt, spitzt sich die Lage weiter zu. Während alle Mitglieder der Familie Bates durch die Hölle gehen, sorgen in Check-Out einzig Emmas (Olivia Cooke) romantische Verstrickungen mit ihrem cupcake boy Gunner (Keenan Tracey) für einen Hauch von Frohsinn in Bates Motel.
Das flackernde Licht in der Finsternis
Die Hoffnung, dass sich Norman je in romantischer Hinsicht für sie interessieren könnte, scheint Emma mittlerweile aufgegeben zu haben. Diese Tatsache stimmt zwar insofern betrüblich, als dass der Einfluss des sanftmütigen Mädchens vielleicht Normans blutrünstigen Werdegang hätte verhindern können. Gleichzeitig handelt es sich bei ihrer Figur aber um eine derartig zarte und liebenswerte Gestalt, dass man ihre Neuausrichtung auf Gunner insgeheim begrüßt.
Zwar geht selbst mit diesem Handlungsstrang aufgrund von Emmas Mukoviszidose ein trauriger Beigeschmack einher. Doch dieser löst sich spätestens beim Anblick des vor Freude nur so strahlenden Mädchens in Luft auf. Es bleibt zu hoffen, dass Emmas Schwarm tatsächlich so unbescholten und sympathisch ist, wie es bislang den Anschein hat.
White Pine Bay
Auch abseits der „familiären Probleme“ der Hauptcharaktere aus Bates Motel gibt es in White Pine Bay keinen Mangel an verhängnisvollen Konflikten. Während Dylan trotz all seiner Probleme fast stoisch weiter seiner kriminellen Arbeit nachgeht, kann sich sein Chef Zane Carpenter (Michael Eklund) nicht zusammenreißen. Statt sich die warnenden Worte des Sheriffs Alex Romero (Nestor Carbonell) zu Herzen zu nehmen, steckt er - allem Anschein nach - lieber dessen Haus in Brand.
Obwohl dieser Nebenhandlungsstrang bezüglich seiner Intensität nach wie vor nicht mit dem Geschehen im Umfeld von Norman Bates mithalten kann, profitiert er doch durch den sich zuspitzenden Machtkampf und vor allem durch Romeros packende Ausstrahlung. Als kompromissloser Wächter über das zugegebenermaßen instabile Gleichgewicht in seiner Stadt, macht er einen wahrlich bedrohlichen Eindruck: „I can be a really nice guy. Till I break you.“
Kettenreaktion
Es ist schwer zu sagen, welches Mitglied der Familie Bates in dieser Episode am meisten zu leiden hat. Dylan wird durch die Hiobsbotschaft über die inzestuösen Hintergründe seiner Zeugung in eine Art Identitätskrise gestürzt. Zudem fühlt er sich stärker denn je durch seinen Bruder und seine Mutter ausgeschlossen.
In seinem Schmerz weiß er sich nicht anders zu helfen, als einen Teil seiner Frustration an Norman auszulassen: „Maybe we don't all know who we are.“ Durch seine unheilschwangeren Worte scheint er dafür sorgen zu wollen, dass auch Norman bald nicht länger in seliger Unwissenheit schwelgen kann. Doch statt noch weiter zu gehen und ihm die Wahrheit über seine gefährlichen Blackouts zu erzählen, weist Dylan Norman harsch von sich. Obwohl er dabei einen aggressiven Eindruck macht, siegt hier letzten Endes die Bruderliebe über das Bedürfnis, nicht als Einziger verflucht zu sein.
Das Böse
Später lässt auch Norma die Gelegenheit verstreichen, ihrem Jüngsten die Wahrheit zu sagen. Das Fatale besteht darin, dass Norman aufgrund seiner Unwissenheit nicht die Chance erhält, eine entsprechende Vorsicht an den Tag zu legen und Situationen zu meiden, die bei ihm zu psychotischen Schüben führen. Einen weiteren, kleinen Stubser in Richtung des Bösen erhält Norman zudem von dem von der Schule geflogenen Wildfang Cody Brennan (Paloma Kwiatkowski). Er vertraut dem Mädchen genug, um sie grob in das dunkle Geheimnis einzuweihen, das Caleb umgibt. Und er lässt sich von Cody gar zu einem Ausflug ins King's Motel überreden, um Normas Peiniger „einen Schrecken einzujagen.“
Bevor es jedoch zu dem - trotz der improvisierten Waffe kaum vielversprechenden - Übergriff kommen kann, ergreift Norman die Flucht. Tut er dies wirklich, weil er vermeintlich keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte? Ist er sich seines bedrohlich gegen Cody erhobenen Armes dabei gar nicht bewusst? Oder ahnt Norman vielleicht doch, dass etwas Schlimmes passieren könnte, wenn er einem Mann zu nahe kommt, den er aus tiefstem Herzen hasst?

Wer lügt?
Auch an anderer Stelle verzichtet Bates Motel darauf, klare Antworten zu präsentieren. Normas schreckliches Geständnis über ihren Bruder trifft auf Calebs Variante der Geschichte. Doch wem soll man Glauben schenken? So mutet es merkwürdig an, dass Caleb Dylan das Geld für Costa Rica zurückgibt. Dieser Tatsache könnte man entnehmen, dass er es tatsächlich ehrlich mit seinem Neffen meint. Auf der anderen Seite spricht der Anblick der aufgelösten Norma auf dem Parkplatz vor dem „King's Motel“ eindringlich dafür, dass Caleb der Lügner ist. Dank einer weiteren Glanzleistung Farmigas scheint an den Torturen in ihrer Vergangenheit in diesem Moment nicht der geringste Zweifel zu bestehen...
Mutter und Sohn
In Gestalt der Geschwister Christine (Rebecca Creskoff) und George (Michael Vartan) Helders bietet sich für Norma die Gelegenheit, sich von ihren familiären Problemen abzulenken. Doch während sie in der Gesellschaft der beiden einen normalen, richtiggehend charismatischen Eindruck macht, ist sie bezüglich Norman blind für Normalität.
Die Szene, in der Norman Norma in den Arm nimmt und ihr die Worte „I'll take good care of you“ entgegen raunt, könnte man zwar theoretisch noch als adäquat für eine Beziehung zwischen Mutter und Sohn durchgehen lassen. Gleiches gilt für die Sätze, mit denen Norman gegenüber Cody seine Gefühle für Norma beschreibt. Doch in beiden Situationen gelingt es den Serienverantwortlichen, auf subtile Weise den Eindruck zu nähren, dass hier etwas falsch läuft. Gesteigert wird diese Anmutung noch dadurch, dass Norman George mit fast unverhohlenem Missfallen entgegentritt, als er seine Mutter zum Essen abholt.
Dramatische Höhepunkte
„Why did you have me, Norma?“ Als Dylan seiner Mutter vorwirft, ihn nur bekommen zu haben, um das Grauen ihres Elternhauses hinter sich lassen, bricht es einem fast das Herz. Und als wäre diese Tragödie nicht schon für sich schwer genug zu ertragen, führt sie indirekt noch zu dem zweiten verstörenden Höhepunkt dieser Episode. Denn erst als Norman in dem Streit der beiden von neuem mit der Verzweiflung seiner Mutter konfrontiert wird, löst dies einen neuerlichen Blackout aus.
Dass Norman im Zustand seiner geistigen Umnachtung noch einmal vor Calebs Tür auftauchen würde, hätte sich zwar durchaus vorhersagen lassen. Doch dies mildert nicht die Wirkung dessen, was sich im Inneren des Motelzimmers abspielt. Gekonnt wird durch die Kombination aus den Bildern, mit denen Norman das Martyrium seiner Mutter im Geiste hinterlegt und der Tatsache, dass er nun vollends aus Normas Perspektive spricht, ein Eindruck genährt, der so unheimlich wie mitreißend ist. Zwar kann sich Caleb dem Angriff seines Neffen recht problemlos erwehren. Doch wird dieses Glück auch Normans nächstem Opfer zuteil werden?
Fazit
Auch mit dieser Episode von Bates Motel geht stellenweise eine äußerst intensive Wirkung einher. Wie so oft ist dies nicht zuletzt wieder den exzellenten schauspielerischen Leistungen zu verdanken. Während einen das Leiden der Norma zu Tränen rührt, jagt einem Normans entrückter Blick kalte Schauer über den Rücken. Doch auch Max Thieriot leistet als Dylan ganze Arbeit und kann als unschuldiges Opfer seiner gnadenlosen Umwelt tiefes Mitleid heraufbeschwören.
Gleichzeitig versteht sich die Serie auch in Check-Out wieder fabelhaft darauf, den Zuschauer in quälender Ungewissheit schmoren zu lassen. Inwiefern ist sich Norman zu diesem Zeitpunkt über seine Besonderheit bewusst? Ist Caleb vielleicht tatsächlich unschuldig - und Norma reagiert auf ihn nur aus dem Grunde mit einer derartigen Abscheu, weil die traumatisierte Frau selbst einer Art Wahnvorstellung erliegt?
Während man der Handlung um Emma alleine schon aus dem Grund gerne zusieht, weil damit die dringend benötigte Leichtigkeit einhergeht, gewinnt dank Romero auch der Erzählstrang um den Krieg im Drogenmilieu an Reiz. So erscheint die Aussicht auf einen Zane, der endlich für seinen Übermut zur Rechenschaft gezogen wird, durchaus vielversprechend...
Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 25. März 2014(Bates Motel 2x04)
Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x04
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