Bates Motel 2x01

Es psychot wieder! Mit dem Beginn der zweiten Staffel von Bates Motel kommen die Zuschauer endlich wieder in den Genuss der denkwürdigen Charaktere Norma (Vera Farmiga) und Norman Bates (Freddie Highmore). Die Serie Bates Motel bietet ihrem Publikum auch weiterhin die Gelegenheit, den langsamen, aber unaufhaltsamen Wandel eines sensiblen Jungen zum perfiden Serienmörder quasi live mitzuerleben.
Verborgene Wahrheit
Wie schlimm es um den berüchtigten Protagonisten Norman schon zu diesem frühen Zeitpunkt tatsächlich bestellt ist, behält die Serie geschickt für sich. Zwar wissen wir, dass der Junge bereits seinen Vater ermordet hat. Doch ob Norman auch dem Leben seiner Lehrerin Miss Watson (Keegan Connor Tracy) ein verfrühtes Ende bereitete, wird von den Serienverantwortlichen im Staffelauftakt noch nicht verraten.
Das Besondere an Bates
Bates Motel funktioniert auch in Staffel zwei immer dann am besten, wenn sich die Serie gerade mit den beiden zentralen Figuren beschäftigt. Dass der Beziehung zwischen Norma und ihrem Jüngsten etwas zutiefst Ungesundes anhaftet, tritt nur gelegentlich explosionsartig zutage, ist aber zu jeder Zeit unterschwellig zu spüren. Immer wieder wird die Möglichkeit angedeutet, dass Norman seinem Schicksal als frauenmordenden Monster vielleicht doch noch irgendwie entgehen könnte. Besonders Norma wird nicht müde, ihrem Sohn ein höheres Maß an Normalität auferlegen zu wollen. Doch während sie vordergründig alles für das Wohl ihres Sohnes tun würde, trägt sie doch in Wirklichkeit wesentlich zu dessen blutigem Werdegang bei.
Das Bild, das Norma von den Menschen hat, ist stets negativ konnotiert. Diese Weltanschauung, die sich wohl im Zuge ihrer eigenen, schweren Kindheitstraumata entwickelte, gibt sie ununterbrochen an Norman weiter. Statt ihrem trauernden Sohn im Anschluss an Watsons Beerdigung die Hoffnung zu vermitteln, dass auf der Welt nicht alles schlecht ist, vermutet sie die Schuld für das Gewaltverbrechen bei Watson selbst. Hier manifestiert sich eine der Grundlagen für Normans späteren Frauenhass. Gleichzeitig werden die Parallelen zwischen sexueller Erregung und seinen Blackouts deutlich.
Normalität um jeden Preis
Der Charakter von Bradley Martin (Nicola Peltz) sorgt in der Episode Gone But Not Forgotten gleich zweifach dafür, dass die Zuschauer überrumpelt werden. Erst stürzt sich das Mädchen nach ihrer alkoholgeschwängerten Irrfahrt von einer Brücke in die Tiefe. Die Verzweiflungstat kommt unvermittelt, und das Eintauchen ihres Körpers ins Wasser ist sehr stimmungsvoll inszeniert. An dieser Stelle zeichnet Bates Motel einen düsteren Realitätsentwurf, von dem sich Normas betont unbekümmertes Wirken daraufhin als umso künstlicher abheben kann. In der selektiven und durch und durch oberflächlichen Wahrnehmung dieser Frau haben Morde oder auch das Ausstopfen von Tieren keinen Platz.
Wie eine Art von Gradmesser für ihren Erfolg in der „normalen“ Welt betrachtet Norma den Erfolg des „Bates Motel“. Als der Bau der Umgehungsstraße für White Pine Bay nun schneller beginnt als erwartet, ruft dies bei Norma einen verbitterten Kampfgeist wach. Denn eigentlich geht es hier um weit mehr als nur kommerziellen Erfolg.
Normas Auftritt auf der Sitzung des Gemeinderates gehört nicht nur zu den besten Szenen der Episode, weil Farmiga hier schauspielerisch besonders auffällig auftrumpft. Gleichzeitig tritt in dieser Passage anschaulich zutage, wie selbstgerecht Normas Figur angelegt ist, bevor sie von dem Ratsvorsitzenden (aka „Dick“) auf den Platz einer ganz gewöhnlichen Bürgerin verwiesen wird.

Die neue Bradley
Nachdem sie mehrere Monate in einer psychiatrischen Einrichtung verbracht hat, ist es gegen Ende der Episode wieder Bradley Martin, die die Zuschauer vor den Kopf stoßen soll. Statt den Mord an ihrem Vater gesellschaftsverträglich aufgearbeitet zu haben, schwingt sie sich nun zur eiskalten Rächerin auf.
Promiskuitiv verschafft sie sich Zutritt in das Zuhause von Gil (Vincent Gale). Der hatte nicht nur mit Jerry Martin zusammengearbeitet, sondern vielleicht auch mit der gleichen Frau (Miss Watson) geschlafen. Während es wohl kaum ein Gericht geben dürfte, das Gil aufgrund dieser Indizien als Jerrys Mörder verurteilen würde, ist seine Schuld in Bradleys Augen allem Anschein nach hinreichend bewiesen.
Dass das Mädchen Gil ungerührt hinrichtet, stellt zwar einen hübschen kleinen „WTF-Moment“ dar. Doch leider lässt Bradleys Entwicklungssprung von der aspirierenden Prom-Queen zur Psychopathin zu wünschen übrig. Zum einen macht die nun zum Bösen konvertierte Schülerin mitsamt der obligatorischen Zigarette und der unheilschwangeren Schminke einen allzu künstlichen Eindruck, was auch Nicola Peltz' Schauspiel nicht verhindern kann. Zum anderen wirkt der gesamte Handlungsstrang im Vergleich zum zentralen Konflikt der Serie ungefähr so verlockend wie die Chips vom Vorabend.
Die Vernachlässigten
Die Figuren von Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell), Dylan (Max Thieriot) und Emma Decody (Olivia Cooke) werden im Staffelauftakt zwar nicht gänzlich außen vor gelassen, kommen aber definitiv zu kurz. Romero zeichnet sich zumindest durch sein Misstrauen gegenüber Norman aus und macht zudem dadurch neugierig, dass ihm ein verdächtiger Besucher am Grab von Miss Watson so absolut egal ist. Dylan und Emma hingegen werden vorübergehend zu Statisten degradiert. Ihre Aufgabe scheint sich in Gone But Not Forgotten darauf zu beschränken, durch ihr verhältnismäßig normales Auftreten noch stärker zu betonen, dass mit Norma und Norman etwas absolut nicht mit rechten Dingen zugeht...
Fazit
Sobald das zuckende Licht der Blitze im Hause der Familie Bates Normans ausgestopften Hund erfasst, wird man als Zuschauer wieder von der Welt von Bates Motel in Beschlag genommen. Vera Farmiga und ihrem sich stetig noch verbessernden Ko-Star Freddie Highmore ist es zu verdanken, dass der Reiz einer Geschichte, die doch so unabwendbar ins Verderben führt, auch in der Bates Motel ungebrochen bleibt. Das Duo aus Norman und Norma verbringt dabei das Kunststück, trotz all ihrer immer stärker zutage tretenden Fehler doch so sympathisch zu wirken, dass man die unvermeidliche Eskalation so sehr fürchtet, wie man sie als Freund des Thriller-Genres insgeheim wohl gleichzeitig herbeisehnt.
Da der Mörder von Miss Watson auch nach einem viermonatigen Zeitsprung nicht überführt ist, darf sich das Publikum noch für eine Weile der unterhaltsamen und fast krimihaften Spurensuche hingeben. Ist Norman derartig von der Toten besessen, weil er sie ermordet hat? Oder soll Watsons Perlenkette - mit der der Knabe so herrlich geistesabwesend herumspielt - am Ende doch nur von einem Mann namens Eric ablenken?
Bedauerlicherweise können einen die weniger zentralen Erzählstränge momentan nicht in gleicher Weise in den Bann ziehen wie das Verhältnis zwischen den beiden wichtigsten Charakteren von Bates Motel. Während vielversprechende Figuren wie Romero schlichtweg nicht genug zu tun bekommen, steht mit Bradley vorübergehend ein verhältnismäßig uninteressanter Charakter im Vordergrund, der sich zudem nicht sonderlich authentisch verhält. Obwohl es recht viel verlangt ist, dem Schulmädchen seine neue Rolle als Killerin abzunehmen, wohnt auch diesem Teil der Handlung dramaturgisches Potential inne. Schließlich wendet sie sich in ihrer Panik ausgerechnet an Norman...
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 5. März 2014Bates Motel 2x01 Trailer
(Bates Motel 2x01)
Schauspieler in der Episode Bates Motel 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?