Bates Motel 1x09

Die erste Staffel der Serie Bates Motel nähert sich mit der neunten und vorletzten Episode bereits ihrem Ende. Die Folge Underwater wiegt die Zuschauer dabei in verhältnismäßiger Sicherheit, indem sie sich der Charakterzeichnung widmet. Doch dann kommt ein Ende mit Schrecken...
Crazy people
„Why do crazy people keep gravitating towards me?“ In Anbetracht der Situation, in der sich Norma Bates (Vera Farmiga) mittlerweile befindet, ist ihre Entrüstung durchaus nachvollziehbar. Zwischen einem mit Mädchen handelnden Freund, kettenkiffenden Motelgästen, betrügerischen Immobilienverkäufern und einem zweifelhaften lokalen Wirtschaftssystem ist es kein Wunder, dass Norma das Städtchen White Pine Bay verlassen möchte. Die verweste Leiche in Normas Bett bringt sie endgültig dazu, sich im Internet nach einem neuen Wohnort umzusehen. Ihre Präferenzen liegen dabei auf der Hand: „What are the safest cities in America?“
Ihr Sohn Norman (Freddie Highmore), der in seiner neuen Schule endlich Anschluss findet, hat aber auch nicht Unrecht: „No matter where we go. Things will always be the same.“ Allerdings liegt dies wohl eher in den speziellen Eigenheiten der Bates'schen Familienmitglieder begründet...
Underwater
Der Episodentitel Underwater spielt sicherlich auf Normans Traum an, in dem er seine Schulkameradin Bradley (Nicola Peltz) ertränkt. Das Internettool zur Traumanalyse nimmt den verstörenden Bildern im Nachhinein einen Teil ihres Schreckens, da sie im Lichte des modernen Alltags eben auf einen Traum reduziert werden. Während Norman zudem einen betont leichtfertigen Umgang mit dem Ertränken pflegt, scheint zumindest Dylan (Max Thieriot) für die potentielle Tragweite der erträumten Aggression sensibilisiert zu sein.

Der tote Hund
Im Gegensatz zu seiner Mutter - die Norman stets so behutsam wie möglich behandelt - spricht Dylan offen aus, welchen Eindruck Normans neues Haustier auf ihn macht: Der ausgestopfte Mischling ist ganz eindeutig creepy. Norma ist von dem toten Gefährten zwar ebenso wenig begeistert. Ihre ausgeprägtere Erfahrung mit Normans durch Wut gespeisten Anfällen hat sie jedoch zu einer übertriebenen Rücksichtnahme auf die Gefühlswelt ihres Jüngsten bewegt. Diese stößt erst dann an ihre Grenzen, wenn es ganz offensichtlich um Normans eigenes Wohl geht. Ihre Präferenz besteht darin, den ohnehin schon „angeschlagenen“ Norman so gut wie möglich von allem fernzuhalten, was Böse ist. Auch der Zuschauer bekommt nach Normans einfühlsameren und verletzlichen Momenten oft das Bedürfnis, ihn zu beschützen: Dank Highmores beachtlichem Schauspielvermögen nimmt man seiner Figur ihr „I have never wanted to hurt anyone“ tatsächlich ab.
Gut vs. Böse
Die gleichzeitige Existenz von Gut und Böse in Normans Innerem wird gekonnt durch die Kamera verdeutlicht, als er durch die Flure seiner Highschool geht. So löst sich die Unschärfe in seinem Umfeld auf, als Bradley auf der Bildfläche erscheint und ein Lächeln auf seine Lippen zaubert. Dabei gelingt es Highmore ausgezeichnet, seinem Gesicht - nach ausbleibendem Kontakt - schnell wieder jegliche Wärme zu entziehen.
Das Phänomen von Normans großem, aber scheinbar noch unbewusstem Zwiespalt wird auch in den Konversationen zwischen ihm und seiner Lehrerin Miss Watson (Keegan Connor Tracy) verdeutlicht. Da die offensichtlich leidgeplagte Frau meint, sich in dem introvertierten Jungen wiederzuerkennen, deutet sie das Böse, das sich in seiner Kurzgeschichte manifestiert, als bloßes Sinnbild. Dabei erweckt die Metapher eines Menschen, der von einem inneren Feuer verzehrt wird, nach den bisherigen Erkenntnissen über Norman den Anschein einer Selbstdiagnose. So passt die Vorstellung, von schwarzem Rauch erstickt zu werden, perfekt zu der stetig wachsenden Übermacht des Bösen in Norman selbst.
Emma Stoned
Der Charakter der Emma (Olivia Cooke) bringt ein hohes Maß an Leichtigkeit in die Handlung von Underwater. So ist ihr Gespräch mit Norma über die Kiffer ebenso glaubhaft wie amüsant. Die „authorative voice“, die sich das Mädchen auf Anraten von Norma dabei auferlegt, scheint dem attraktiven Graspflücker Gunner (Keenan Tracey) ebenso zu gefallen wie der Rezensentin: Der flirtige Vibe zwischen den beiden wirkt ebenso lebensnah wie Emmas erquickliche Reaktion auf den Grasmuffin („I just felt like I was being watched.“).

Im Grunde genommen ist auch das - durch romantische Spannungen gezeichnete - Verhältnis zwischen Dylan und Bradley schön zu betrachten. Der weiche Zug, der sich im Beisein des Mädchens bei Dylan bemerkbar macht, steht ihm gut zu Gesicht. Trotz der beidseitigen Anziehungskraft zwischen ihnen, kommt es nach Dylans einfühlsamen Worten („I know that he had to love you because who wouldn't?“) nicht zu einem Kuss. Es ist beruhigend zu wissen, dass sich Dylan scheinbar sehr wohl darüber bewusst ist, was eine vertiefte Annäherung zu Bradley in der Gefühlswelt seines Bruders anrichten könnte.
Potentieller Helfer
Trotz seiner grimmigen Grundeinstellung und seiner ausgesprochen großzügigen Toleranz für weiche Drogen macht der Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell) in seinem Zwiegespräch mit Norma einen verhältnismäßig professionellen Eindruck. Man kann nur hoffen, dass es sich bei seiner zur Schau gestellten Hilfsbereitschaft nicht nur um eine weitere Fassade in White Pine Bay handelt - denn Norma kann zu diesem Zeitpunkt jede Hilfe gebrauchen.
Kunstvolles Erschrecken
Trotz der für Bates Motel typischen unterschwelligen Bedrohung geht es zwischen der vergnüglichen Grasverarbeitung und den jugendlichen Gefühlswallungen fast harmonisch zu. Als Abernathy dann jedoch gänzlich unvermittelt in Normas Auto auftaucht, durften sich auch die Kollegen der Rezensentin an einer ausgesprochen hörbaren Reaktion erfreuen.
Mithilfe des Strafzettels an der Windschutzscheibe von Normas altehrwürdigem Gefährt haben die Macher der Serie eine geschickte Ablenkung kreiert, um die Zuschauer daraufhin umso wirkungsvoller zu überrumpeln. Der finstere Geselle ist auf der Suche nach 150.000 Dollar - und er will sie von Norma. Auch lässt Abernathy keinen Zweifel daran, was passiert, falls die Motelbesitzerin seiner Forderung nicht nachkommt: „I will kill your sons first. And then I will kill you.“ Die Tatsache, dass der skrupellose Menschenhändler seine Drohung noch um ein good night ergänzt, legt dank der damit einhergehenden Beiläufigkeit den Eindruck nahe, dass diese drastischen Maßnahmen für ihn nichts Ungewöhnliches darstellen...
Fazit
Nicht zuletzt dank der freundlichen musikalischen Untermalung ist es möglich, ganze Passagen von Underwater in verhältnismäßiger Sorglosigkeit mitzuerleben. Doch auch in der harmlostesten Begebenheit - wie in Dylans tröstenden Worten an Bradley - schwingt in Bates Motel stets das unheilschwangere Gefühl einer sich anbahnenden Eskalation mit. Obwohl die neuerliche Positionierung des Knalleffekts am Episodenende nicht die kunstvollste aller Lösungen darstellt, geht das Konzept auf. Dank dem Element der offensichtlichen Bedrohung, das Abernathy mit sich bringt, darf man sich auf ein Staffelfinale freuen, in dem sich die Protagonisten weder psychisch noch physisch in Sicherheit wiegen sollten...
Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 15. Mai 2013(Bates Motel 1x09)
Schauspieler in der Episode Bates Motel 1x09
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