Bates Motel 1x08

Bates Motel 1x08

In der neuen Folge von Bates Motel lernen wir Norman stärker lieben und fürchten zugleich. Während Dylan ein neues Durchsetzungsvermögen an den Tag legt, werden Norma ihre Grenzen aufgezeigt. Ein Ende mit Schrecken leitet die finale Eskalation ein...

Norman Bates (Freddie Highmore) und der liebenswerte Will Decody (Ian Hart) in „Bates Motel“. / (c) A&E
Norman Bates (Freddie Highmore) und der liebenswerte Will Decody (Ian Hart) in „Bates Motel“. / (c) A&E

Die Episode A Boy and His Dog vollbringt das Kunststück, Norman Bates' (Freddie Highmore) innere Dunkelheit stärker zum Vorschein zu bringen und den Jungen trotzdem noch etwas sympathischer werden zu lassen. Die Tatsache, dass die Einflussnahme durch Norma (Vera Farmiga) oder Will Decody (Ian Hart) Normans schrecklichen Werdegang auch dann begünstigt, wenn sie aus guter Intention heraus geschieht, birgt eine besondere Tragik in sich. Auch das undurchsichtige - aber nicht minder düstere - Treiben in White Pine Bay trägt seinen Teil zu dem unheilschwangeren Flair von Bates Motel bei.

Unabwendbares Verhängnis

Trotz des grausigen Vorgangs, den das Ausstopfen von Normans Hund darstellt, sorgen die freundliche Musik und Will Decodys väterliches Wesen für eine fast schon gemütliche Stimmung. Obwohl die Nähe zu der liebevollen und gutherzigen Emma (Olivia Cooke) und ihrem einfühlsamen Vater für Norman eine wohltuende Abwechslung zu dem erdrosselnden Kontakt zu seiner Mutter darstellt, scheinen auch die wohlgemeintesten Impulse einen verheerenden Effekt auf die geistige Gesundheit des Jungen zu haben.

Once you get past the blood and guts of it all, it's really quite beautiful work“, sagt Will und weiß dabei nicht, wie sehr sein neuer Schützling diese Worte in Zukunft beherzigen wird. Das Verstörendste dabei ist, dass man eine ausgeprägte Sympathie für den sensiblen Jungen empfindet, dem nichts ferner läge, als eine geliebte Kreatur dadurch zu „entehren“, sie einfach „unter die Erde zu bringen“. Das enthusiastische Glitzern in Normans Augen spricht jedoch Bände. „Whats the harm in letting a young person follow their passion?“ Wir haben da so eine grobe Vorstellung im Kopf...

Dylan (Max Thieriot) und sein Kollege Remo (Ian Tracey). © A%26amp;E
Dylan (Max Thieriot) und sein Kollege Remo (Ian Tracey). © A%26amp;E

Sowohl Emma als auch Norma verschlimmern unabsichtlich Normans derzeitige Lage: Emmas Freundschaftsbeweis in der Schule trägt dazu bei, dass Normans fragiles emotionales Gleichgewicht gestört wird und er sich im Umgang mit seiner Lehrerin zu einem Anflug von Aggression hinreißen lässt. Die therapeutische Sitzung, die der Junge danach über sich ergehen lassen muss, stellt eigentlich eine echte Chance für die Aufarbeitung seiner verdrängten Probleme dar. Doch Norma hat ihren Sohn so lange dazu gebracht, seine gefährlichen Gefühle zu ersticken, dass er sich derer nun nicht einmal mehr wirklich bewusst ist.

Norma wird panisch bei dem Gedanken, dass ihr Sohn wie ein „Sonderling“ erscheinen könnte. Dies offenbart sich auf erquickliche Weise in dem Moment, in dem Norman ihr von seinem neuen Hobby berichtet. Normans Psychologe macht zudem den Fehler, mit Normas ausgeprägtem Kontrollbedürfnis das Herzstück ihrer Auslegung der Mutterschaft zu attackieren: „You have a strong influence on Norman. Maybe a need to control things?“ Normas Angst um die intakte Fassade ihres Sohnes führt so in Kombination mit ihrer kindlichen Reaktion auf die Kränkung dazu, dass sie Norman eine potenziell heilbringende Therapie verwehrt.

Raue Sitten

Normas ausgeprägter Charme, mit dem sie einst Zack so spielerisch für sich gewonnen hatte, erweist sich im Umgang mit Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell) als wirkungslos. Für ihre teils bezirzenden, teils bedrohenden Bemühungen wird sie durch den undurchsichtigen Gesetzeshüter so beherrscht wie kaltblütig abgestraft: „I might have to burn you down to the ground.“ Dass diese Worte nicht unbedingt metaphorisch zu verstehen sind, beweisen gewisse Geschehnisse der Vergangenheit...

Auch auf der durch und durch illegalen Seite der Macht geht es nicht sehr viel feinfühliger zu. Nach einer sehr lebensnah inszenierten Kneipenschlägerei mit Remo (Ian Tracey) muss Dylan erfahren, dass seine Arbeit für die Größen der Unterwelt von White Pine Bay ein Arrangement auf Lebenszeit darstellt. Während dieser Handlungsstrang zum einen das Rätselraten darüber angeregt, wer wohl der mysteriöse Big Boss sein könnte, erhält Normans Bruder gleichzeitig die Gelegenheit, zu beweisen, dass er fraglos ausgeprägte Führungsqualitäten in sich trägt.

Normas Kampf

Jere Burns gelingt es in seiner Rolle des Jake Abernathy, der in der Episode The Man in Number 9, als erster Gast in das Bates Motel eingezogen war, durch seine bloße Anwesenheit Beklemmung zu stiften.

Obwohl auch Norma sich zunächst durch diese dunkle Aura einschüchtern lässt, heftet sie sich an Abernathys Fersen, als dieser dem Boot von Keith Summers einen Besuch abstattet. In Anbetracht der großen Gefahr, die mit ihrer Exkursion einhergehen könnte, und Normas bedingungsloser Aufopferung für ihren Sohn ist ihr risikofreudiges Verhalten an dieser Stelle nicht unbedingt nachvollziehbar.

Wieder verpassen Norma (Vera Farmiga) und Dylan (Max Thieriot) eine Gelegenheit; sich anzunähern. © A%26amp;E
Wieder verpassen Norma (Vera Farmiga) und Dylan (Max Thieriot) eine Gelegenheit; sich anzunähern. © A%26amp;E

Normas Attacke auf den ungewollten Fremdkörper Abanathy in ihrem Hotel ist hingegen aus der Wut über die Anmaßungen von Normans Therapeuten gespeist und wirkt so sehr viel stimmiger: „I do not feel powerless. Ever!“ Sie scheint den Gast vor allem darum verjagen zu wollen, um sich selbst die Richtigkeit ihres fuchsteufelswilden Ausspruchs zu beweisen.

Ein Ende mit Schrecken

Gerade, als alles verhältnismäßig gut zu sein scheint - wenn man davon absieht, dass die Zimmer des Bates Motel an Gras-Pflücker vermietet werden -, und Dylan und Norma darüber hinaus eine echte Gelegenheit zur tiefergehenden Annäherung geboten wird, wartet die Serie mit einem Schock-Moment als Cliffhanger auf. Die auffällige zeitliche Positionierung am Ende der Episode nimmt dem mafiösen Szenario zwar die Urgewalt der Überraschung. Dennoch ist der Anblick des nicht mehr allzu frischen Leichnams von Zack Shelby ein deftiger Abschluss für A Boy and His Dog. Es wird sicher etwas Zeit in Anspruch nehmen, dessen ins Fleisch gerammten Sheriffstern wieder aus der Erinnerung der Rezensentin zu verdrängen...

Fazit

Obwohl sich in der Episode A Boy and His Dog nicht alle Reaktionen der Protagonisten problemlos erschließen und die Erntehelfer-Hippies sehr stereotypisch geraten sind, kann man sich auch in dieser Folge von Bates Motel durch die stimmige Inszenierung und die beachtlichen Leistungen der Schauspieler berauschen lassen. Neben Vera Farmiga, die ihre Norma zwischenzeitlich ein wenig überfordert und gar tollpatschig erscheinen lässt, ist besonders das Spiel von Freddie Highmore hervorzuheben. Das hilflose Lächeln, das sich so oft zur falschen Zeit seines Gesichtes bemächtigt, sagt mehr über seine mentale Stabilität aus, als noch so viele therapeutische Analysen....

Zwei Episoden fehlen noch, um die erste Staffel von Bates Motel zu einem Abschluss zu bringen. Mit der Kriegserklärung, die das unappetitliche Andenken in Normas Bett darstellt, hat sich Jake Abernathy dafür auf die Spielfläche zurück katapultiert. Doch was will der unheimliche Mann? Wenn er tatsächlich - wie er sagt - zu den entscheidenden Strippenziehern unter den Menschenhändlern gehört, ist es wenig wahrscheinlich, dass er sich lediglich auf der Suche nach Keith Summers Sparbüchse befindet...

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 7. Mai 2013
Episode
Staffel 1, Episode 8
(Bates Motel 1x08)
Deutscher Titel der Episode
Ein Junge und sein Hund
Titel der Episode im Original
A Boy and His Dog
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 6. Mai 2013 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Autor
Bill Balas
Regisseur
Ed Bianchi

Schauspieler in der Episode Bates Motel 1x08

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