Bates Motel 1x03

Bates Motel 1x03

Die Serie Bates Motel kann sich in der dritten Episode selbst übertreffen. Die überaus fähigen Schauspieler verhelfen dem gut durchdachten Plot zu einem unerhörten Tiefgang. Im Umfeld von Norman Bates manifestiert sich eine haarsträubende Wahrheit...

Norman Bates (Freddie Highmore) erfüllt in „Bates Motel“ pflichtgemäß seinen Auftrag. / (c) A&E
Norman Bates (Freddie Highmore) erfüllt in „Bates Motel“ pflichtgemäß seinen Auftrag. / (c) A&E

Welch eine großartige Folge von Bates Motel! Überall lauern Geheimnisse, die regelrecht süchtig machen: Narben, Keller, Blackouts, Vergeltung. Selten ist etwas nur gut oder nur schlecht oder überhaupt wie es scheint. Was sich im Umfeld der Familie Bates in einer verlockenden Vielfalt von Graustufen entfaltet, setzt ganz neue Dimensionen von creepy.

Fremd zu Hause

Obwohl man die Übung „Ich mit Knarre vor dem Spiegel“ auch schon in so manch anderem Format gesehen hat, macht Dylan (Max Thieriot) dabei in seiner unschuldigen Rohheit doch eine sehr gute Figur. Wie bereits in der Episode Nice Town You Picked, Norma ... (1x02) nimmt der große Halbbruder von Norman (Freddie Highmore) innerhalb seines Familienverbundes ohne Umschweife wieder die Position des Außenseiters ein. Er verhöhnt nämlich erneut das intime Verhältnis von Mutter und Bruder: „Good morning, Mr. and Mrs. Bates!

Gleichzeitig hat Dylan seinen Bruder aber noch nicht aufgegeben. Er erkennt den toxischen Einfluss, der von der engen Mutter-Sohn-Beziehung ausgeht, und ermuntert Norman dazu, sich zu emanzipieren: „There is a whole world out there - you need some perspective.“ Es ist zudem schlichtweg großartig, wie sich in dem Gespräch der Brüder beiläufig herausstellt, dass sich Norman nicht an den Vorfall mit dem Schnitzelklopfer aus der vorangegangenen Folge erinnern kann.

Guten Morgen Mr. (Freddie Highmore) und Mrs Bates (Vera Farmiga). © A%26amp;E
Guten Morgen Mr. (Freddie Highmore) und Mrs Bates (Vera Farmiga). © A%26amp;E

Äußerlich unbefleckt

The dead girl is calling us from the grave!“ Emma Decody (Olivia Cooke) möchte das Rätsel um die chinesischen Zwangsprostituierten aufklären. Sie macht dabei so einen herzergreifend empathischen Eindruck, dass man sie am liebsten in den Arm nehmen würde. Norman ist durch die ehrlichen Gefühlswallungen seiner Schulkameradin allerdings derartig überfordert, dass er sich aggressiv von ihr abwendet. Mit dem schmutzigen Inhalt des asiatischen Notizbuches will er - insbesondere in dem von vielen Augen beobachteten Umfeld seiner Highschool - nichts zu tun haben: „I am not obsessed with it!

Wie stark Norman die sadistischen Zeichnungen dabei tatsächlich verfolgen, wird kurz darauf auf wohl inszenierte Weise nachgeliefert. Der Blick in Normans Innenleben hat dank der Bilder seiner zusammengeschnürten Lehrerin eine eindrucksvolle Intimität inne. Auch, dass der Junge in der Flut der Gelüste, die übermächtig über ihn hereinbricht, ohnmächtig wird, passt sehr stimmig in das Gesamtbild.

Normans Frauen

Vera Farmiga gelingt es ausgezeichnet, sich in der Rolle der Norma deren charakteristische Fassade aufzuerlegen. „Does your son have a history of blackouts?“ Kann oder will sie dem Arzt diese Frage nicht mit einem „Ja“ beantworten?

Im Gegensatz zu Emma, die stets ein hohes Maß an Ernsthaftigkeit verströmt, handelt es sich bei Bradley Martin (Nicola Peltz) um einen typischen Teenager, der trotz des komatösen Vaters einen spielerischen Umgang mit dem Leben pflegt - Emoticons inklusive. Die Interaktion der beiden Jugendlichen wirkt ebenso stimmig und natürlich wie das wirre Gespräch zwischen Norman und seiner Mutter, in dem er Norma die Wahrheit über den Werkzeuggürtel von Keith Summers verschweigt.

Why would you want to keep that thing?

Glücklicherweise ist das Beweisstück für den Mord an dem Vergewaltiger nicht dem misstrauischen Sheriff Alex Romero (Nestor Carbonell) in die Hände gefallen, sondern Deputy Zack Shelby (Mike Vogel). Während seine Figur zunächst ein wenig dem Klischee eines treudoofen Cops aus der Provinz entspricht, überrascht er schon vor der großen Offenbarung immer wieder mit unerwarteten Handlungen. Dadurch erscheint Zack lebendiger.

Erfreulichkeiten

Der fraglos düstere Flair der Bates'schen Mutter-Sohn-Beziehung wird stets von liebevollem Wohlwollen begleitet. Das Aufbrechen eines Schemas, das sich an eindimensionalen Vorstellungen von Gut und Böse orientiert, verhilft Bates Motel zu einem vielschichtigen Tiefgang und verführt zur Identifikation mit den Protagonisten. Die Kleidung, die Fernsehsendungen, die Einrichtung von Shelbys Wohnung - überall finden sich Anhaltspunkte, die sich für eine vertiefte Interpretation eignen. Auch die Tatsache, dass Norma - zumindest zeitweise - ausschließlich in der Vorstellung ihres Sohnes existiert, lädt zur Spekulation ein.

Norman (Freddie Highmore) bekommt im Krankenhaus Besuch von Bradley (Nicola Peltz). © A%26amp;E
Norman (Freddie Highmore) bekommt im Krankenhaus Besuch von Bradley (Nicola Peltz). © A%26amp;E

Details

Nachdem Norman durch eine imaginäre Version seiner Mutter den Auftrag bekommen hat, den verräterischen Gürtel zurück zu beschaffen, benutzt er bei der Durchsuchung von Shelbys Haus sein Handy statt einer Taschenlampe. In der Nachttischschublade wird dabei für einen kurzen Moment ein pornografisches Magazin sichtbar. All diese Details fügen sich so stimmig zusammen, dass man bereitwillig darüber hinwegsieht, dass Shelbys Wachhund nicht viel früher auf der Bildfläche erscheint - vielleicht war er ja gerade im Garten unterwegs.

Das gewisse Etwas

Norman und Emma auf Spurensuche, Dylan im Dienste der dörflichen Grasmafia („300 Bucks a day to hang out!“) und Normas verbissener Kampf dafür, ein neues Leben zu beginnen. Auch ohne die düstere Seite, die mehr und mehr im Hause Bates zum Vorschein kommt, könnte die Serie unterhalten. Der verstörende Twist veredelt das Format noch weiter und offenbart im diffusen Licht einer Discoleuchte die schreckliche Wahrheit über den so sanftmütig wirkenden Polizisten Shelby. Anscheinend gehört auch er zu dem Kundenkreis der Menschenhändler - und hält in der Dunkelheit eine völlig entkräftete Asiatin gefangen.

Fazit

Jede Regung der Charaktere scheint bedeutungstragend zu sein. Und da die Schauspieler den Zuschauer ähnlich in ihren Bann ziehen wie die Handlung in all ihren Facetten, kann man sich dem alles umfassenden Sog von Bates Motel kaum entziehen.

Besonders Highmore versteht es ausgezeichnet, den inneren Kampf seines Charakters auf glaubwürdige Weise nach außen zu tragen. Als er sich zu Fuß auf den Weg zu Shelbys Haus begibt, umspielt ein zaghaftes Lächeln Normans Lippen. Es sieht aus wie das Lächeln eines Dexter Morgan.

Verfasser: Thordes Herbst am Donnerstag, 4. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 3
(Bates Motel 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Was stimmt nicht mit Norman?
Titel der Episode im Original
What's Wrong with Norman
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 1. April 2013 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 18. September 2013
Autor
Jeff Wadlow
Regisseur
Paul A. Edwards

Schauspieler in der Episode Bates Motel 1x03

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