Bates Motel 1x04

Bates Motel 1x04

Die Serie Bates Motel verzichtet geschickt darauf, die Verwirrung über Halluzination und wahrhaftigen Schrecken aufzulösen. Stattdessen verlangsamt sich die Handlung, um uns die Protagonisten näherzubringen - und gleichzeitig neue Abgründe anzudeuten.

Dylan (Max Thieriot) gehört trotz seiner illegalen Arbeit zu den normalsten Menschen in „Bates Motel“. / (c) A&E
Dylan (Max Thieriot) gehört trotz seiner illegalen Arbeit zu den normalsten Menschen in „Bates Motel“. / (c) A&E

Die Episode Trust Me liefert Indizien über die Vergangenheit der Familie Bates. Dank der mehr oder weniger subtilen Offenbarungen wird der Zuschauer ein banger Zeuge davon, wie eine Reihe von misslichen Umständen unweigerlich zur Eskalation führen können. Während Norma (Vera Farmiga) von ihrem Mord an Keith Summers eingeholt wird, darf sich ihr Sohn eine kurze Auszeit als Teenager gönnen.

Umworben

Das Verlockende am Charakter des Norman Bates (Freddie Highmore) liegt darin, dass man ihm glaubt, wenn er die Worte „I am decent“ über die Lippen bringt. Trotz seiner mysteriösen Blackouts ist er in erster Linie ein heranwachsender Junge, dem sein toxisches Umfeld zum Verhängnis werden soll.

Erst einmal darf Norman aber den Luxus genießen, gleich von zwei gleich alten Damen umworben zu werden. Durch Emma Decodys (Olivia Cooke) Vater - Harry Potters Professor Quirinus Quirrell (Ian Hart) - erhalten wir Klarheit über ihre Gefühle für Norman. Da Emma aber wegen ihrer Grippe zunächst verhindert ist, kann sich Norman auf Mädchen Nummer zwei konzentrieren.

Verdacht

Dylan (Max Thieriot) gibt sich in einer Welt voller Abgründe als „Normalo“ zu erkennen, der sogar gegenüber seiner verhassten Mutter Zugeständnisse macht, indem er sie vor Zack Shelby (Mike Vogel) warnt. Dylans „I don't trust him“ ist in den Augen der Zuschauer mehr als begründet - schließlich hat der attraktive Gesetzeshüter zwar momentan keine Leichen im Keller, aber eine chinesische Zwangsprostituierte. Dementsprechend hoch steigt der Adrenalinspiegel, als Zack Norman in einer dunklen Gasse auflauert.

Als der Polizist Norman nach dem vieldeutigen Ausspruch „Death is profound, isn't it?“ auch noch zu einem Angelausflug an einen höchst geheimen Platz einlädt, schrillen endgültig die Alarmglocken. Gleichzeitig ist es nicht zu übersehen, dass sich Norman versteift, während Shelby von Norma schwärmt. Unterschwelliges Unbehagen zu säen - auch wenn die Eskalation zunächst ausbleibt - ist eine große Stärke von Bates Motel.

Norman Bates (Freddie Highmore) berichtet seiner Mutter von Shelbys Kellergeheimnis. © A%26amp;E
Norman Bates (Freddie Highmore) berichtet seiner Mutter von Shelbys Kellergeheimnis. © A%26amp;E

Wahrheit?

Als Norman seiner Mutter von dem schrecklichen Szenario berichtet, das er in Shelbys Haus vorgefunden hat, tut sie es als eine von seinen Halluzinationen ab. Dennoch macht sich Norma bei der nächsten Gelegenheit selbst ein Bild von der Lage. Doch statt Discokugeln und einem angeketteten Mädchen findet sie nur Kisten voller Weihnachtsdekorationen und anderes Gerümpel. Statt sich - wie ihr Sohn - gegenüber dem Polizisten durch auffälliges Verhalten verdächtig zu machen, gehen ihr die beschwichtigenden Lügen routiniert über die Lippen. Hat sich Norman das Mädchen tatsächlich nur eingebildet? Doch woher kommen die blauen Flecken auf seinem Knöchel, wenn sie nicht aus dem Klammergriff der verzweifelten Gefangenen resultieren? Normans Gespräch mit Zack über das Thema Vertrauen ist ein gutes Beispiel dafür, wie oft in Bates Motel die allgegenwärtige Lüge die Oberhand gewinnt.

Ein Hauch von Freiheit

Bradley Martin (Nicola Peltz) bringt eine gehörige Portion Unbeschwertheit in das Leben von Norman. Obwohl sie jetzt um ihren Vater trauert, erscheint das Leben an Bradleys Seite - samt Eisbechern und der ungewohnt poppigen Untermalung durch Ed Sheerans Lied „The A Team“ - ungleich süßer. Wenn man dem Songtext jedoch genauere Aufmerksamkeit schenkt, wird schnell deutlich, dass auch hier nichts so seicht-vergnügt ist, wie es im ersten Moment den Eindruck macht. Wie lange wird es dauern, bis auch Normans „Daydream“ zerkrümelt wie eine Pastete? Nach einer nur kurzen Zeit verhältnismäßiger Unbeschwertheit wird der feinfühlige Junge durch die Nachricht, dass die Hand von Keith Summers gefunden wurde, auf den harten Boden der Realität von White Pine Bay zurückgeholt.

Angst

Nach einer zermürbenden Runde Lügenpoker zwischen dem aufmerksamen Sheriff Alex „I know you did it“ Romero (Nestor Carbonell) und Norma liegen die Nerven der Mörderin aus Notwehr blank. Zu der allgegenwärtigen Angst, überführt zu werden, gesellt sich für sie aber die ungleich größere Furcht dazu, dass ihr Sohn Norman sich von ihr entfernen könnte - „Did you just whatever me?!?

Norma (Vera Farmiga) und der undurchsichtige Polizist Zack Shelby (Mike Vogel) © A%26amp;E
Norma (Vera Farmiga) und der undurchsichtige Polizist Zack Shelby (Mike Vogel) © A%26amp;E

Neben ihrem übertriebenen Nähebedürfnis, wenn es um Norman geht, manifestiert sich in Normas furiosen - und durch Vera Farmiga sehr mitreißend gespielten - Wutausbrüchen gleichzeitig ein Blick in ihre eheliche Vergangenheit. „My whole life, I've had to put up with things“ - das Ausmaß ihrer Hysterie deutet unheilschwanger an, wie erbarmungslos die Frau durch Normans Vater unterdrückt worden war.

Es lebe Dylan!

Dylan ebnet Norman auf authentisch-brüderliche Weise den Weg in die sexuelle Freiheit, die unter normalen Umständen mit der Pubertät einhergeht: „I got laid when I was twelve.“ Man ist dem Rebellen der Familie überaus dankbar dafür, dass er seinem Bruder nicht nur endlich die Möglichkeit gibt, sein Herz auszuschütten. Gleichzeitig führt Dylans empathischer Appell - „Be a 17-year-old. For five minutes!“ - zu einer lange verdienten „Auszeit“ für Norman, in der er sich als durchweg liebenswerter Junge profilieren kann. Als er und Bradley zum ersten Mal miteinander schlafen, wird dieser zaghaft-unschuldige Akt dank der unaufdringlichen Inszenierung aller Sünde beraubt.

Als Norma in der düsteren Parallelwelt des Bates Motel von dem Treiben ihres Jüngsten erfährt, scheint Normans frühere Klarstellung „I am not jealous - you are my mother, not my girlfriend“ durch den unverhältnismäßigen Zorn seiner Mutter Lügen gestraft zu werden. Für Norma verschwimmen die Grenzen zwischen einem Schutzbefohlenen und einem vollwertigen Partner. Ihre augenscheinliche Eifersucht wird nur durch die Sorge um Normans Unversehrtheit getilgt. Doch als nächtens die Tür klingelt, stehen statt ihres Sohnes die Gesetzeshüter vor Normas Tür: „You are under arrest for the murder of Keith Summers.

Fazit

Sowohl Norma als auch Norman unternehmen in dieser Episode zaghafte emanzipatorische Versuche. Obwohl Norma gewissermaßen zu ihren sexuellen Eskapaden mit Shelby gezwungen ist, scheint sie den starken Beschützer an ihrer Seite doch auch zu genießen. Norman darf sich dank Dylans aufmunternder Worte in die aufregende Welt außerhalb der Familie Bates flüchten. Obwohl Dylan das Wohl seines Bruders tatsächlich am Herzen zu liegen scheint, wird man jedoch auch hier nicht den Verdacht auf berechnendes Verhalten los. Zu genussvoll präsentiert er Norma den Streifgang ihres Jüngsten. Zudem scheint auch die Rangelei zwischen Dylan und Mrs. Bates nicht gänzlich frei von sexueller Spannung zu sein.

Neben dem Cliffhanger mit der verhafteten Norma kann man sich auch darüber freuen, bald mehr über die verhängnisvollen Bindungen und unterschwelligen Begierden zu erfahren, die der Serie Bates Motel so einen verlockend abartigen Beigeschmack verleihen.

Verfasser: Thordes Herbst am Dienstag, 9. April 2013
Episode
Staffel 1, Episode 4
(Bates Motel 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Sie können mir vertrauen
Titel der Episode im Original
Trust Me
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 8. April 2013 (A&E)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 18. September 2013
Autor
Kerry Ehrin
Regisseur
Johan Renck

Schauspieler in der Episode Bates Motel 1x04

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