Westworld 2x07

© ot here to play: Dolores (Evan Rachel Wood) stellt sich schützend vor ihren Vater. (c) HBO
Die Westworld-Episode Les Écorchés eröffnet mit einem Cold Open, das gleich mit einem der größten Geheimnisse des Parks Schluss macht: Charlotte Hale (Tessa Thompson) und Konsorten erfahren darin von Bernards wahrer Identität als Roboter, da sie ihn an den Ort seines ersten Mords (auf Geheiß des verstorbenen Parkchefs Ford (Anthony Hopkins) an Theresa Cullen (Sidse Babett Knudsen)) bringen, wo sie via Geheimtür auf weitere Arnold-Klone stoßen. Ihre Reaktion darauf lässt nicht lange auf sich warten - und ist für Bernard (Jeffrey Wright) äußerst schmerzhaft.
Analog in einer digitalen Welt
Er soll dem mit rabiatem Eifer vorgehenden Delos-Team dabei helfen, die ach-so-wertvollen Daten und Backups über menschliche Besucher und ihre humanoiden Gastgebern aus dem untergehenden Park zu retten. So weit, so geradlinig erzählt. Fortan widmen sich die Drehbuchautoren Jordan Goldberg und Ron Fitzgerald allerdings dem Lieblingshobby des „Westworld“-Kreativteams: der maximalen narrativen Verschwurbelung. Wenig überraschend setzt es dabei auf die Talente von Sir Anthony Hopkins, der als Parkchef Ford zumindest in der Gemarkung seiner Schöpfung wiederauferstehen darf.
Schon in der ersten Staffel war es betrüblich, dass eine lebende Legende wie Hopkins größtenteils als Expositionsmaschine eingesetzt wurde. Genauso geht es hier nun weiter: Er füttert Bernard - und uns Zuschauer - mit kleinen Informationshäppchen, lässt die wichtigen und interessanten Erkenntnisse aber aus. Was es mit dem „Valley Beyond“ auf sich hat, könnte er Bernard mühelos erklären, stattdessen verliert er sich in typischen Nullaussagen. Hier wird einmal mehr deutlich, dass es dem Autorenteam zuvorderst um die Aufrechterhaltung seiner heißgeliebten Rätsel geht und nicht darum, eine stringente, emotionale Geschichte zu erzählen.
Das ist schade, muss aber so hingenommen werden. Wöchentlicher buzz aus der Reddit-Ecke ist im heutigen Fernsehgeschäft offensichtlich das Wichtigste. Mit Ausnahme der Erkenntnis, dass die Loops nicht installiert wurden, um den Hosts eine Art Ausrichtungspunkt zu geben, sondern, um Daten über den menschlichen Verstand zu sammeln, liefert die Episode kaum neue Informationen. Auch plottechnisch ist sie größtenteils von Stillstand gekennzeichnet, wenn man von all den Actionszenen und verhinderten Morden absieht, die sich die Serie zum Stilmittel gemacht hat.

Je länger das Format läuft, desto deutlicher tritt zutage, dass zu wenig Material vorliegt, um daraus mehrere Staffeln zu machen. Der Robo-Aufstand ist zwar seit Ende der ersten in vollem Gange, wird aber auch viel zu oft unnötig abgebremst, weil wir uns erst in der Mitte der zweiten befinden. Immerhin gelingt es Angela (Talulah Riley), die cradle zu zerstören - und damit sämtliche Backups, die nötig waren, um die Androiden immer und immer wieder zu neuem Leben zu erwecken. Besonders interessant daran ist, dass Hale nicht verstehen kann, was Dolores (Evan Rachel Wood) an dieser Zerstörung gelegen ist.
Verloren in der Dunkelheit
Sie versteht nicht, dass die gespeicherten Daten ebenjene Ketten sind, die Dolores und ihre Mitstreiter sprengen müssen, um sich der Delos'schen Kontrolle zu entziehen. Ihre Unsterblichkeit hat damit ein Ende, womit sie paradoxerweise einen neuen Grad von Freiheit erfahren. Dies gilt aber eigentlich nur für all jene, die nicht von Dolores oder Maeve (Thandie Newton) gesteuert beziehungsweise umprogrammiert werden können. Bestes Beispiel dafür ist Teddy (James Marsden), der von Dolores zur unbarmherzigen Killermaschine gemacht wurde, was Maeve äußerst kritisch anmerkt: „You're lost in the dark.“
Die vorigen Ereignisse rund um Maeve sind ziemlich unbefriedigend. Sie durchlebt einmal mehr ihr größtes Trauma, den Mord durch William (Ed Harris) sowie den Verlust ihrer Tochter. Dieses Mal passiert es genauso, William ist abermals auf der Suche nach der Lösung des Ford'schen Spiels, wobei ihm nun echte Gegenwehr widerfährt. Maeve durchsiebt ihn mit gleich mehreren Kugeln, was in der nächsten Episode wohl aber wieder vergessen sein wird. Ähnlich wie die Warnwesten der Delos-Soldaten signalisiert das den weiteren Übergang der Serie in Richtung Videospielästhetik und -logik.
Eine der faszinierendsten Figuren der gesamten Serie wird in Les Écorchés leider wieder ihres - sowieso schon nur bedingt funktionierenden - freien Willens beraubt und von Ford zu einer kaltblütigen Killermaschine gemacht, was besonders schade ist, weil Bernard neben Dolores und Maeve den interessantesten Handlungsbogen hatte. Nachdem sich Elsie (Shannon Woodward) auf früherer Zeitebene seines Gehirnspeichers bedient hat, geht sie mit neuem Elan an die Aufklärungsarbeit, was ich immer noch nicht verstehe, zumal sie explizit sagt, wieder zur Zahnarztschule zurückkehren zu wollen, sobald dieses Abenteuer überstanden ist. Warum sucht sie dann nicht nach einem Fluchtweg?
Die Maschinen haben sich nun ihrer Wiederauferstehungsmöglichkeit beraubt, aber jetzt sind es die Menschen aus Fleisch und Blut, die darüber verfügen - zumindest in den Grenzen des Parks. Ein bequemes narratives Stilmittel wurde also lediglich durch ein anderes ersetzt. Das verstärkt den Eindruck, dass wir Zuschauer immer nur angefüttert, aber nie sattgemacht werden sollen. Reddit gefällt's bestimmt.
Trailer zu Episode 2x08: „Kiksuya“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 4. Juni 2018Westworld 2x07 Trailer
(Westworld 2x07)
Schauspieler in der Episode Westworld 2x07
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