Westworld 2x08

© egisseurin Uta Briesewitz liefert in âKiksuyaâ solch wirkmĂ€chtige Bilder am laufenden Band ab. (c) HBO
In ihrer zweiten Staffel nahm die HBO-Dramaserie The Leftovers eine entscheidende Ănderung vor, womit sie mehr als nur einem Nischenpublikum schmackhaft gemacht werden konnte. Statt in jeder Episode ausschweifend von den groĂen Mysterien ihrer fiktionalen Welt zu erzĂ€hlen, verkleinerten Damon Lindelof und Kollegen den Fokus auf einzelne Handlungsbögen, manchmal sogar einzelne Figuren. So schufen sie ein gröĂeres Identifikationspotential mit Charakteren, deren LebensumstĂ€nde fĂŒr die Zuschauerschaft zuvor nicht nachvollziehbar waren.
Nicht eine Welt, sondern viele
Ganz Ă€hnlich verfahren die Westworld-Autoren Carly Wray und Dan Dietz nun mit der Episode Kiksuya. Innerhalb einer Stunde machen sie darin aus einer bislang randstĂ€ndigen One-Note-Figur einen echten Charakter, der sogleich interessanter ist als die meisten angestammten. Selbst in einem bombastischen Sci-Fi-Format wie âWestworldâ sind eben manchmal die leisen Töne viel effektiver als der laute Knall. Ob das nun so beibehalten wird - wie es im Falle von âThe Leftoversâ passiert war - darf allerdings angezweifelt werden. Die Grundkonstellation der Serie lĂ€sst solche Spotlights schlichtweg viel schwieriger zu.
Im Mittelpunkt steht also Akecheta (Zahn McClarnon), der bisher ĂŒberwiegend als Ghost-Nation-Krieger mit stoischem Blick und noch undurchdringlicherem Habitus aufgefallen ist. Hinter dieser Fassade ist aber lĂ€ngst eine Entwicklung im Gange, die mit der von Dolores (Evan Rachel Wood) oder Maeve (Thandie Newton) vergleichbar ist. Verantwortlich dafĂŒr ist - wie soll es anders sein? - die Liebe. Akecheta hat einst ein „warmes, einfaches Leben“ gefĂŒhrt, als festes Mitglied eines Stamms, zutiefst verbunden zu seiner Ehefrau Koha (Julia Jones).
Doch dann hat jemand in der ParkfĂŒhrung beschlossen - vielleicht war es ja Ford (Anthony Hopkins) persönlich -, dass es an der Zeit sei, Akecheta einen neuen Handlungsbogen aufzudrĂŒcken, in dem er nun die Rolle des kaltblĂŒtigen Kriegers einnehmen sollte. Das fĂŒhrte zur VerstoĂung aus dem Stamm, wobei allerdings eine Entwicklung losgetreten wurde, die keiner wirklich vorauszuahnen wusste, auĂer natĂŒrlich des Mannes an der Spitze. Beim Anblick von Koha grĂ€bt Akecheta Erinnerungen aus, die eigentlich lĂ€ngst gelöscht sein sollten. Das gedankliche Labyrinth ist einmal mehr entschlĂŒsselt worden.
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Fortan begibt er sich auf die Suche nach ebenjenem Labyrinth, nach dem mythenumwobenen âValley Beyondâ, das er fĂŒr das Ausgangstor in eine andere Welt hĂ€lt, in der er nicht fremdbestimmt leben muss. Trete man laut seiner Lesart durch es hindurch, gelange man von der âfalschenâ in die ârichtigeâ Welt. Auf diese Reise will er Koha mitnehmen, die sich in einem besonders rapiden Fall des Stockholm-Syndroms auf die gemeinsamen Erinnerungen mit ihrem Kidnapper besinnt. Hier folgt die Serie dem vielleicht Ă€ltesten, auf jeden Fall aber ausgetretensten Pfad des GeschichtenerzĂ€hlens - der Motivation durch die groĂe Liebe.
Eine neue Stimme
Man kann das nun schmalzig finden, aber dann wĂŒrde man dem grandiosen Auftritt von Zahn McClarnon Unrecht tun, der nach seinem Auftritt in der zweiten Staffel von Fargo abermals beweist, dass er auch den höchsten schauspielerischen Herausforderungen gewachsen ist. Dieser Mann sollte definitiv mehr Arbeit und Status bekommen. Seine Figur macht sich jedenfalls âauf der anderen Seite des Todesâ auf die Suche nach Koha, die er allerdings bei den stillgelegten Androiden im KĂŒhlkeller findet. Zehn Jahre lang hat er fĂŒr diese Erkenntis gebraucht - so lange konnte er den Tod und damit ein Update vermeiden.
Wir Zuschauer erfahren davon durch die Augen von Maeves Tochter (Jasmyn Rae), zu der Akecheta eine besondere Zuneigung hegt, weil sie ihm einmal das Leben gerettet hat. Am Ende der Episode erfahren wir allerdings einen weiteren, noch triftigeren Grund fĂŒr diese spezielle Verbindung: Maeve, die von einem plötzlich ĂŒberraschend aufmerksamen und reumĂŒtigen Sizemore (Simon Quarterman) gesundgepflegt wird, kommuniziert ĂŒber das âMesh-Netzwerkâ, das zwischen den Hosts aufgebaut werden kann, mit Akecheta. So kann sie auf einen weiteren schlagkrĂ€fitgen Mitstreiter in ihrem eigens angezettelten Robo-Aufstand zĂ€hlen.
Genau das sind die Geschichten, die ich mir immer von Westworld erhofft habe. Wenn dann auch noch die langweiligen ErzĂ€hlstrĂ€nge wie um William (Ed Harris) auf ein Minimum reduziert werden, kann die Serie ihr Potential beinahe voll ausschöpfen. Allerdings steht zu befĂŒrchten, dass es so nicht weitergeht. Sicher wird in Zukunft wieder wertvolle ErzĂ€hlzeit auf die Delos-internen Machtspielchen oder die Suche des Man in Black nach - ja, was eigentlich? - verschwendet. Aber hey, wenigstens können wir dann an eine Episode wie Kiksuya denken und uns an die gute, alte Zeit „erinnern“.
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Trailer zu Episode 2x09, âVanishing Pointâ:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 11. Juni 2018Westworld 2x08 Trailer
(Westworld 2x08)
Schauspieler in der Episode Westworld 2x08
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