Westworld 1x05

Wie es der Man in Black (Ed Harris) bei seiner Unterhaltung mit Parkchef Robert Ford (Anthony Hopkins) am Ende der Westworld-Episode Contrapasso deklamiert, wollen auch wir Zuschauer uns nicht einfach nur unterhalten lassen, sondern sind auch stets auf der Suche nach einem tieferen Sinn, nach einer Bedeutung, die fiktionale Welten für unser Leben haben könnten. Zu diesem Zeitpunkt suchen wir danach in „Westworld“ aber vergeblich - die Serie ist viel Schau, aber wenig Einblick.
The biggest game there is
Das wird nicht nur im Handlungsbogen des Man in Black deutlich, sondern auch im anderen großen der Episode, in dem Dolores (Evan Rachel Wood) und William (Jimmi Simpson) die Hauptrollen spielen. Zu Beginn stehen sie vor der berüchtigten Wüstenstadt Pariah, wo Logan (Ben Barnes) das nächste große Abenteuer wittert. Der Anblick ist hinreißend, die Liebe zum Detail bei der Ausgestaltung dieses Ortes atemberaubend. Abgesehen von diesen optischen Leckerbissen wiederholen sich dort aber nur bereits bekannte Handlungselemente.
Zwischen William und seinem Kumpel Logan, der sich immer mehr als unausstehlicher Vorgesetzter herauskristallisiert, brodelt es weiterhin wegen der unterschiedlichen Vorstellungen, die sie vom Aufenthalt im Park haben. Dabei wird abermals betont, dass sie nicht nur zum Vergnügen dort sind, sondern auch, um Informationen für eine potentielle Akquise einzuholen. Sie gehören zu dem Unternehmen, von dem Ford in der letzten Episode noch gesagt hatte, dass es ein Fehler war, sich mit ihm einzulassen. Viel mehr erfahren wir darüber nicht.
Logans Abenteuerlust lässt die Reisegruppe mehrere gewagte Aktionen unternehmen. Um mit einer Söldnertruppe gemeinsame Sache machen zu können, müssen sie einen Sprengstofftransport überfallen, was nur mit größtmöglichem Waffen- und Körpereinsatz glückt. Die Opfer sind natürlich allesamt Androiden - außer Dolores, die von William in letzter Sekunde gerettet wird. Später wird sie es sein, die dank bisher ungekannter Pistolerakünste ihren Begleiter vor der Ergreifung bewahrt. Dazwischen liegt jedoch eine lange Passage, die größtenteils Bekanntes wiederkäut.
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Als Dank für den gelungen Tauschhandel lädt Kontaktmann Lawrence aka Alonzo (Clifton Collins Jr.) die um Slim (James Landry Hebert) dezimierte Gruppe zur Teilnahme an einer riesigen Orgie ein, die von Regisseur Jonny Campbell natürlich in all ihrer Unzüchtigkeit ausgeleuchtet werden muss - und das nicht nur einmal. Dort erleidet Dolores erneut Visionen, die sich vor allem aus Erinnerungen an vergangene Besuche in Pariah speisen. Zwischendurch wird sie vom verärgerten Ford zur Analyse gebeten, wobei wir erfahren, dass sie und der ominöse Arnold einst den Plan hatten, „Westworld“ zu zerstören.
Never saw anything as beautiful
Nach dem Gespräch lässt Dolores uns und ihr imaginäres Gegenüber wissen, dass sie die Fähigkeit zu lügen entwickelt hat: „I didn't tell him anything.“ Offen bleibt die Frage, wer ihr eintrichtert, im Erzählstrang mit William das Labyrinth zu verfolgen. Ist es etwa Arnold, mit dem sie immer noch kommuniziert, obwohl er seit 34 Jahren tot ist? Oder sehen wir sie zu unterschiedlichen Zeiten - ganz so, wie es ihr auch selbst zu widerfahren scheint? Ich persönlich finde es ja nicht besonders interessant, wenn uns die Serienschöpfer Nolan und Joy so offensichtlich zum Puzzeln animieren wollen.
Mir wäre eine geradlinigere Geschichte lieber, in der sowohl dramaturgisch als auch hinsichtlich der Charakterzeichnung und des Subtextes mehr passiert. Dass dies momentan nicht der Fall ist, lässt sich an der Unterhaltung zwischen Ford und dem Man in Black ablesen. Letztgenannter besucht den Park längst nicht mehr, weil er nach Sinn und Bedeutung in einem sinn- und bedeutungsentleerten Leben sucht, sondern weil er glaubt, zur Wahrheit über den Park beziehungsweise Arnold vorstoßen zu können. War Arnold ein Freund von ihm? Glaubt er, dass dessen Tod kein Unfall war? Will er sich deswegen an Ford rächen?
Die Beantwortung dieser Fragen könnte zu einem interessanten Handlungsfortschritt führen, allerdings werden in Unterhaltungen wie dieser eher neue Fragen aufgeworfen, schlimmstenfalls sogar diejenigen wiederholt, die uns längst beschäftigen. Am Ende lässt sich Ford nicht in die Karten blicken, sondern sein Gegenüber genauso abblitzen, wie er es in der letzten Episode gegenüber Theresa Cullen (Sidse Babett Knudsen) tat - mit einer Machtdemonstration. Alles, was wir danach wissen, ist, dass sich Ford und Mr. Black kennen. Der Rest sind Phrasen.

Die Szene funktioniert trotzdem, weil darin zwei Schauspiellegenden aufeinandertreffen, weshalb der arme Teddy (James Marsden) froh gewesen sein dürfte, nicht allzu viel Arbeit verrichten zu müssen. Er befindet sich nur deswegen nicht im Reparaturzentrum, weil sich Lawrence unfreiwillig für ihn opfern musste. Dessen plötzliches Auftauchen in Williams Handlungsbogen ist wieder so ein Puzzlestück, das uns Nolan und Joy vor die Nase werfen. Jedoch lässt sich nicht eindeutig bestimmen, ob es nun zwei unterschiedliche Zeitebenen gibt, oder ob Lawrence einfach nur über Nacht repariert wurde.
Follow the maze
Andererseits wissen wir nicht, wie lange diese Reparaturprozesse dauern. Der Techniker Felix (Leonardo Nam), selbst ein Androide, wie wir von seinem überheblichen Partner erfahren, wundert sich nämlich darüber, wie schnell Maeve (Thandie Newton) erneut eingeliefert wurde. Er selbst arbeitet nicht nur die vorgegebenen Aufgaben ab, sondern will sich mit Exkursen in die Programmierwelt weiterbilden. Am Ende gelingt ein Durchbruch, der durch das plötzliche Aufwachen Maeves dramatisch zugespitzt wird. Beim ersten Mal ist es also doch kein Zufall gewesen.
Ob dies allein auf die Bewusstseinsbildung der Androidinnen zurückzuführen ist, kann bisher nicht abschließend beurteilt werden, denn es gesellt sich ein weiteres Rätsel zum sowieso schon leicht überfrachteten Handlungsnetz. Elsie from Behaviour (Shannon Woodward) entdeckt nämlich, dass dem Host, der sich vor zwei Episoden selbstständig gemacht hat, ein Peilsender eingesetzt worden war, der Satellitensignale aussenden konnte. Gegenüber Lowe (Jeffrey Wright) vermutet sie nun, dass es jemanden geben müsse, der Daten des Parks sammle und diese entwende.
Bei mir hat das weniger Eindruck hinterlassen, als es sich das Autorenteam wohl erhofft hat. Eine Geschichte um Datenschmuggel interessiert mich ehrlicherweise nicht besonders. Sollte dies bedeuten, dass wir mehr von Elsie sehen, könnte ich allerdings umgestimmt werden. Sie ist eine der besten Figuren, hat aber sträflich wenig zu tun - und das zu einem Zeitpunkt, da bereits die Hälfte der ersten Staffel gelaufen ist. Der Fortschritt der einzelnen Handlungsbögen ist bisher nicht ausreichend. Noch wird dies von den visuellen Werten aufgefangen, aber das reicht für eine ganze Staffel nicht aus. Mehr dramaturgische und vor allem sprachlich elegantere Unterfütterung braucht es unbedingt.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 31. Oktober 2016Westworld 1x05 Trailer
(Westworld 1x05)
Schauspieler in der Episode Westworld 1x05
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