Ariel, die jüngste und trotzigste Tochter von König Triton, sehnt sich danach, mehr über die Welt jenseits des Meeres zu erfahren, und verliebt sich bei einem Besuch an der Oberfläche in den schneidigen Prinz Eric. Da es Meerjungfrauen verboten ist, mit Menschen in Kontakt zu treten, geht Ariel einen Pakt mit der bösen Meerhexe Ursula ein, der ihr die Chance gibt, das Leben an Land kennenzulernen, aber letztlich ihr Leben - und die Krone ihres Vaters - in Gefahr bringt.
Filmkritik „Arielle, die Meerjungfrau" durch Adam Arndt exklusiv für Serienjunkies.de
Walt Disney setzt das Projekt der Realverfilmungen von Zeichentrickklassikern mit „Arielle, die Meerjungfrau“ fort. Halle Bailey übernimmt die Hauptrolle und Rob Marshall die Regie für das Unterwasserabenteuer.
Das Filmstudio Walt Disney hat bereits zahlreiche Zeichentrickklassiker zu Realfilmen werden lassen und dabei stellenweise gigantische Erfolge erzielt, denn man muss sich nur mal die Box-Office-Ergebnisse von „Alice im Wunderland“ (2010), „The Jungle Book“ (2016), „Die Schöne und das Biest“ (2017), „Der König der Löwen“ (2019), „Aladdin“ (2019) anschauen, die vor der Pandemie allesamt knapp eine Milliarde US-Dollar oder mehr am weltweiten Box Office hatten einspielen können.
Nun ist „Arielle, die Meerjungfrau“ dran, deren Originalzeichentrickversion aus dem Jahr 1989 eine ganze Generation von Kindern begeisterte und lose auf dem Märchen von Hans Christian Andersen basiert. Für mich als Rezensenten gehört der Zeichentrick zusammen mit „Der König der Löwen“ zu meinen persönlichen Disney-Lieblingen, der herrliche, fantasiereiche Animation mit wunderbaren Songklassikern und lebendigen, anthropomorphischen Charakteren verbindet.
Rob Marshall („Chicago“, „Mary Poppins' Rückkehr“) darf nun die Unterwasserwelt zum Realfilm machen und kann dabei auf einen vielversprechenden Cast setzen. Angeführt wird der Film von Halle Bailey (Grown-ish) als Meerjungfrau und impulsive Königstochter Arielle. Jonah Hauer-King („Die unglaublichen Abenteuer von Bella“) spielt Prinz Erik, Javier Bardem mimt König Triton und Melissa McCarthy (Brautalarm!, Gilmore Girls) die Unterwasser-Hexe Ursula.
Im englischen Original sind außerdem Daveed Diggs („Hamilton“) als die Stimme von Sebastian, Awkwafina („Raya und der letzte Drache“) als Scuttle und Jacob Tremblay („Luca“, „Raum“) als Fabius (aka Flounder) zu hören.
Weitere erwähnenswerte Rollen spielen Noma Dumezweni („Mary Poppins' Rückkehr“) als Königin Selina, die Mutter von Erik, und Art Malik (Homeland) ist als Sir Grimsby mit dabei, ein königlicher Berater.
Das Drehbuch liefert David Magee („Life of Pi“, „Wenn Träume fliegen lernen“), die Filmmusik stammt von Alan Menken und die Originaltexte vom bereits verstorbenen Howard Ashman. Neue Texte und auch einige Originalsongs für diese Version liefert Lin-Manuel Miranda („Hamilton“, „In the Heights“) ab.

Die Geschichte des Realfilms hangelt sich relativ nah an der Zeichentrickversion entlang. Arielle ist fasziniert von der Oberflächenwelt und sammelt Gegenstände, die ins Meer gespült werden. Eines Tages entdeckt sie das Schiff von Prinz Erik, das bei einem Sturm Schiffbruch erleidet. Arielle rettet den Prinzen insgeheim und möchte ihn näher kennenlernen. Der König hält jedoch wenig von der Welt der Menschen und meint, dass sie eine Gefahr darstellen.
Als Meerhexe Ursula sieht, dass ihre Nichte davon träumt, ein Mensch zu sein, bietet sie ihr einen unmöglichen und unfairen Deal an, denn im Gegenzug für ihre Stimme schenkt sie ihr Beine statt ihrer Schwimmflosse und gibt ihr drei Tage, um einen Kuss der wahren Liebe einzusammeln (woran sie sich selbst wegen der Art des Zaubers jedoch nicht erinnert). Unterstützt wird Arielle von der Krabbe/Krebs Sebastian, dem Fisch Fabius/Flounder und dem Vogel Scuttle.
Nun ist Arielle also eine Meerjungfrau-außerhalb-des-Wassers und kann die Welt der Menschen ein wenig kennenlernen, zumindest bis Ursula in menschlicher Gestalt erneut eingreift...

„The Little Mermaid“, wie „Arielle, die Meerjungfrau“ im Original heißt, hatte von Anfang an einen schweren Stand, weil gewisse Menschen im Internet ein Problem mit dem Casting von Bailey als Arielle hatten. Dabei wird wohl stets vergessen und/oder schlichtweg ignoriert, dass wir es hier mit einer Fantasykreatur zu tun haben, die letztlich jede Gestalt haben könnte. Nur ist das Original bei manchen so „heilig“, dass es für diese Personen nur eine mögliche Darstellung zu geben scheint...
Bailey ist stimmlich zumindest eine hervorragende Wahl für die Protagonistin und liefert zum Beispiel eine beeindruckende Neuinterpretation des Songklassikers „Part of Your World“ ab. Auch schauspielerisch ist Bailey charmant und nahezu fantastisch als Arielle.
McMarthy als Ursula ist ebenfalls eine gute Wahl, die optisch recht nah ans Original kommt und auch einige Spielfreude mitbringt. Bardem hat als Triton zwar nicht so viel zu tun, ist aber ebenfalls okay. Am meisten ausgebaut wurde die Rolle von Erik, wobei Jonah Hauer-King mich mit seinen Blicken teilweise an einen Ryan Gosling erinnert hat, ohne jedoch aus dem Stand dessen Qualität oder Charme zu erreichen.
Dennoch kriegt der Prinz mehr zu tun, seine backstory wird am ehesten erweitert, dadurch, dass explizit gezeigt und erwähnt wird, dass er einst adoptiert wurde und offener als der Rest für die Unterwasserwelt ist. Zudem darf er diesmal sogar einen eigenen Song singen. Auch sein Hof spielt eine größere Rolle, inklusive seiner Adoptivmutter, die ähnlich wie Triton einige Bedenken hat. Zudem darf das einfache Volk in einer längeren Sequenz Arielle zeigen, was an der Oberfläche so anders ist als unter dem Meer...

Allerdings zeigt die Realverfilmungen auch die Grenzen von realistischen Tierdarstellungen auf - oder anders gesagt: Was bei Bären, Löwen, Tigern oder anderen Wald- und Dschungelwesen noch ganz gut klappt, funktioniert hier eher semi. Gehörte es zum Charme des Originals, dass überall fröhliche Fische jeglicher Gattung oder andere Meeresbewohner herumschwammen, kommen diese maximal bei einigen Songs zum Einsatz - und dann irgendwie auch vermeintlich blass und leblos oder sie wirken nur wie Deko. In meinen Augen fehlt damit etwas die Lebendigkeit bei der Sache.
Wie schon bei „Der König der Löwen“ wählt man die realistische, man könnte sagen, langweilige Gestaltung, statt hier zu stilisieren und expressive Wesen zu erschaffen. Die Ernüchterung, die einsetzte, als Poster zu Fabius oder Sebastian veröffentlicht wurden, zieht sich somit durch den ganzen Film. Die Sidekicks unterstützen Arielle vor allem auch in den Parts, in denen sie keine Stimme hat, doch die Sprüche und der Humor zünden hier leider auch eher selten.
Dazu wurde die Lauflänge des Films etwas zu künstlich aufgeblasen, um vor allem die menschliche, königliche Seite auszuschmücken, was im Endeffekt aber wenig Frisches oder Weltbewegendes hinzufügt. Weniger und knackiger, wie bei den Zeichentrickvarianten gezeigt, ist eben doch bisweilen mehr...
Einen schwierigen Stand hat die Optik des Films allerdings im Allgemeinen, denn Filme wie „Aquaman“, „Black Panther: Wakanda Forever“ oder „Avatar - The Way of the Water“ aus der jüngeren Vergangenheit haben imposantere, lebendigere und beeindruckendere Unterwasseraufnahmen gezeigt, mit denen „Arielle, die Meerjungfrau“ selten mithalten kann. Vielmehr wirken die Fischmoves der menschlich anmutenden Meerwesen lachhaft oder albern - außerhalb von Songdarbietungen zumindest.
Der Realismusgrad des Films führt dazu, dass der Film stellenweise eine sehr düstere Stimmung hat, die vor allem keineswegs für kleine Kinder zu empfehlen ist. Auch das Zeichentrickoriginal ist oft genug schon düster, vor allem bei den Ursula-Szenen, doch wenn einiges an Leichtigkeit durch die tierischen Nebenfiguren flöten geht, wird das auch selten auf andere Weise ausgeglichen. Eine FSK-Einschätzung von sechs Jahren halte ich also für gewagt.

Trotz der längeren Lauflänge wurde der eine oder andere Song, etwa der rund um Arielles Schwestern, gekürzt und auch der Aggrokoch fehlt. Dafür wurden jedoch einige neue Stücke hinzugefügt. Neben dem bereits genannten Prinzensong, darf Scuttlebutt beispielsweise rappen, wobei man Mirandas Handschrift deutlich heraushört. Auch einige Lyrics, etwa bei „Kiss the Girl“ und Ursulas großer Schurkennummer, wurden für die heutige Zeit modifiziert und modernisiert, um etwas weniger aufdringlich zu erscheinen. Hardcorefans könnte das auffallen, der Rest wird sicherlich wenig davon bemerken.
Wie bereits erwähnt, hangelt sich der Film grob am Zeichentrick entlang, so dass im Showdown rund um Ursula etwas Ähnliches passiert. Nur leider sehen die Effekte im Vergleich zur animierten Version nicht ansatzweise so gut aus, wie sie es sollten. Da ziehe ich lieber eine gewaltige, gezeichnete Kaiju-Ursula vor, als eine im düsteren Grau-Matsch-Unwetter animierte CGI-Version.
Es ist sicherlich immer schwer, ein neues Werk von der eigenen Erinnerung zu trennen, besonders, wenn es so prägend für den eigenen Werdegang war wie hier. Doch in vielen Belangen bevorzuge ich den Zeichentrickklassiker rund um die kleine Meerjungfrau gegenüber der Realfilmversion, weil der Charmefaktor doch deutlich höher ist. Es gibt gewisse Realverfilmungen, die ich sogar echt unterhaltsam finde, wie Aladdin oder Das Dschungelbuch und mit Abstrichen Der König der Löwen. Auch wenn gerade letzterer Film fast nichts anders macht als das Original...
Die Realverfilmung von „Arielle“ hat zwar eine tolle Halle Bailey in der Hauptrolle und einige der besten Disney-Songs der 80er und 90er im Repertoire, doch audiovisuell ist es nicht immer leicht, ins Gezeigte abzutauchen, ohne nach Luft schnappen zu wollen... Relativ unnötig ist auch das Strecken der Laufzeit. Darum wohl nur dreieinhalb von fünf Dingelhoppern.
Hier abschließend noch der englischsprachige Trailer zum nun gestarteten Film „Arielle, die Meerjungfrau“:
als King Triton
Noma Dumezweni
als The Queen
Daveed Diggs
als Sebastian (voice)
Awkwafina
als Scuttle (voice)
Martina Laird
als Lashana
Jude Akuwudike
als Joshua
Kajsa Mohammar
als Karina
Jodi Benson
als Market Vendor
Adrian Christopher
als Triton Guard #2
Yasmin Harrison
als Core Dancer
Sophie Carmen-Jones
als Dancer
Craig Stein
als Dancer
Noa Nikita Bleeker
als Merfolk
Alexia Hortal
als Merfolk
Roy Hu
als Merkid
Regie
Rob Marshall, Ben Howarth, Lisa Vick, John Sorapure, Adam Kirley
Drehbuch
Howard Ashman, Lin-Manuel Miranda, John Musker, Ron Clements, Hans Christian Andersen, David Magee
Produktion
Jeffrey Silver, Lin-Manuel Miranda, John DeLuca, Rob Marshall, Marc Platt
Kamera
Peter Robertson, Damien Beebe, Julian Morson, Dion Beebe
Schnitt
Michael Hatzer, Wyatt Smith
Musik
Michael Miller, Aidan Dykes, James Hyde, Goro Koyama, Chelsea Body, Sarah Gibble, David Krane, Michael Higham, Michael Higham, Alan Menken, Alan Menken, Simon Hayes, Alan Menken, Alan Menken, Lee Salevan, Gilbert Lake, Mike Prestwood Smith, Renée Tondelli, Eric Vetro