John Sheridan reist durch die Galaxie, während er unerwartet durch mehrere Zeitlinien und alternative Realitäten transportiert wird, um seinen Weg zurück nach Hause zu finden. Auf seinem Weg trifft er einige bekannte Gesichter wieder, während er neue kosmische Offenbarungen über die Geschichte, den Zweck und die Bedeutung des Universums entdeckt.
Filmkritik „Babylon 5: The Road Home" durch Reinhard Prahl exklusiv für Serienjunkies.de
Mit „Babylon 5 - The Road Home“ meldet sich J. Michael Straczynski nach 2006 mit einem Animationsfilm zurück, der Nostalgikern Freude bereiten dürfte, dem Franchise aber nichts Neues abgewinnt. Mehr dazu in unserem Review.
Zwei Jahre nach den Schattenkriegen kehrt Präsident John Sheridan (Bruce Boxleitner) in „Babylon 5: The Road Home“ der riesigen Raumstation den Rücken. Er zieht sich mit Delenn (Rebecca Riedy) nach Minbar zurück, um von nun an in der Hauptstadt Tuzanor zu leben. Als er ein neues, auf Tachyonen basierendes Energiesystem einweiht, kommt es zu einem Zwischenfall, der Sheridan auf eine gefahrvolle Reise durch Zeit, Raum und Parallelwelten schickt. Auf seinem Weg stößt er schließlich auf die schreckliche Wahrheit: Wenn er nicht in seine Realität zurückfindet, wird das Universum auseinanderbrechen und für immer aufhören zu existieren.
Beinahe 17 Jahre hat es gedauert, bis Michael J. Straczynski sein immer wieder erneuertes Versprechen, dass Babylon 5 nicht tot sei, endlich in die Tat umsetzen konnte. Seit 1998 hatte der Autor und Produzent versucht, seinen größten und wohl persönlichsten Erfolg weiterzuführen.
Kurz nach dem Ende der Serie wurde das Franchise mit „Babylon 5: A Call to Arms“ in Form eines Backdoor-Pilots in das kurzlebige Spin-off Crusade überführt, das aber auch aufgrund einer katastrophalen Ausstrahlungspolitik seitens TNT bereits nach nur 13 Folgen ein Ende fand.
2002 folgte der eigentlich gar nicht mal schlechte TV-Film „Legend of the Rangers: To Live an Die in Starlight“, der ebenfalls eine neue Show einleiten sollte, die aber letztlich nie verwirklicht wurde.
Der 31. Juli 2007 markierte schließlich den absoluten Tiefpunkt des Franchise. Mit nur zwei Millionen Dollar Budget hatte Straczynski die als Anthologie-Reihe konzipierte Direct-to-DVD-Produktion „Babylon 5: The Lost Tales - Voices in the Dark“ auf den Markt geworfen.
Die fünf Kurzfilme auf dem Datenträger, die in Deutschland ab August 2007 unter dem Titel „Vergessene Legenden - Stimmen aus dem Dunkel“ zu haben waren, gerieten zu einem Flop. Und das zu Recht, denn die Storyline wirkte wie aus der Zeit gefallen und die Spezialeffekte hinkten der Industrie um zehn Jahre hinterher.
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Danach wurde es ruhig um die Raumstation, die einsam im All über dem Maschinenplaneten Epsilon 3 kreist. Bis zum Mai 2023. An diesem Tag verkündete der Autor, Produzent und Regisseur stolz via Twitter: „Babylon 5 Animated Movie coming from Warner Bros. Animation & WB Home Entertainment.“
Dass der schließlich am 14. August 2023 in den USA (und einen Tag später in Deutschland) erschienene Film im Zeichentrickstil gestaltet ist, ergibt dabei mehr als nur Sinn. Zu viele Stars der Show sind inzwischen von uns gegangen. Michael O'Hare (Jeffrey Sinclair), Jerry Doyle (Michael Garibaldi), Mira Furlan (Delenn), Andreas Katsulas (G'Kar), Richard Biggs (Dr. Stephen Franklin). Sie alle haben sich zu den ewigen Sternen aufgemacht und werden den Fans in wundervoller Erinnerung bleiben.
In einem Animationsabenteuer kann man aber alle wichtigen Figuren dieser grandiosen Serie zurückholen und noch einmal vereint antreten lassen. Tatsächlich tut „Babylon 5: The Road Home“ dann auch genau das.
J. Michael Straczynski und Regisseur Matt Peters (bekannt durch zahlreiche DC-Animationsserien und „Shazam!“) schufen eine Geschichte, die das Fanherz erwärmt und hauptsächlich als Transportmittel großer Gefühle dient. Die Story beginnt zwei Jahre nach den Schattenkriegen, ein Zeitraum, der sich perfekt in den bestehenden Kanon einfügt und kurz vor den Ereignissen des dritten Fernsehfilms „The River of Souls“ angesiedelt ist.
Der Plot selbst ist recht unterhaltsam, aber auf reinen Fanservice ausgelegt. Die Idee, einen Protagonisten durch einen - nennen wir es Reaktorunfall - durch die Zeit und diverse Versionen der Wirklichkeit zu schicken, ist zwar nicht unbedingt neu, passt aber in diesem Fall gut ins Konzept. Durch diesen Kniff wird es möglich, alle wichtigen Figuren über die Spielzeit zu verteilen und ihnen einen mehr oder weniger denkwürdigen Auftritt zu schenken.
Straczynski ist ein routinierter Schreiber, der weiß, wie man eine Story dramaturgisch geschickt aufbaut. So wechselt er etwa gekonnt zwischen emotionalen und actiongeladenen Szenen, die sich vornehmlich aus dem Kampf gegen die Schatten in den verschiedenen Paralleluniversen rekrutieren. Auf der Gefühlsebene stehen entsprechend die Wiedersehen mit Susan Ivanova (Claudia Christian), Londo Mollari (Peter Jurasik), Lennier (Bill Mumy), der Telepathin Lyta Alexander (Patricia Tallman), Captain Lochley (Tracy Scoggins) sowie G'Kar (Andrew Morgado), Dr. Franklin (Phil LaMarr) und natürlich auch Michael Garibaldi (Anthony Hansen) an.
Allerdings muss man hinnehmen, dass der Auftritt der beliebten Charaktere in „Babylon 5: The Road Home“ nicht immer unbedingt Sinn ergibt oder für den Verlauf der Geschichte notwendig ist. Ob Molari kurz vor der Zerstörung der Erde durch die Vorlonen nun mit Ivanova entspannt auf einer Terrasse Wein trinkt oder nicht, ist beispielsweise genauso wenig entscheidend, wie die nichtssagenden Auftritte von Dr. Franklin oder Lennier.
Trotz der gut gewählten neuen Sprecher greift der Fanbonus zudem nicht vollends, weil vornehmlich die Gesichter der Figuren oft zu stilisiert daherkommen und zu wenig Ähnlichkeit mit ihren Alter Egos aus Fleisch und Blut aufweisen. In Anbetracht der Tatsache, dass der Film als Liebeserklärung an die Fans gedacht ist, ist dieser Umstand doppelt schade, weil er den Sehgenuss bisweilen doch erheblich trübt.
Als weiterer großer Kritikpunkt gesellt sich die Geschichte selbst hinzu. Nicht, dass diese nicht durchaus ihre Stärken hätte... Ganz im Gegenteil dazu wird der Story-Arc temporeich vorgetragen, wechselt geschickt zwischen Actioneinlagen und Dialogsequenzen und ist vor allem in Bezug auf die Raumschlachten stark animiert und inszeniert.
Als Manko erweist sich indes, dass „Babylon 5: The Road Home“ dem Franchise schlicht und ergreifend nichts Neues hinzufügt. Weder erfährt man irgendetwas Relevantes über die Figuren noch geschieht überhaupt etwas Nachhaltiges. Im Grunde genommen lässt sich die gesamte Handlung auf die Liebe zwischen Sheridan und Delenn reduzieren. Der Plot fügt sich also geschmeidig und beinahe opportunistisch irgendwo in den Kanon ein, aber eben auch nicht mehr. Das mag unterhaltsam sein, ist aber insgesamt auch eindeutig zu wenig.
Die Frage ob man nach 17 Jahren nicht etwas mehr hätte erwarten dürfen, muss an dieser Stelle erlaubt sein. Sicherlich: Warner Bros. wird mit dem Film abklopfen, wie groß das Interesse an neuen Geschichten rund um Sheridan und Co ist und ob es sich eventuell lohnt, weiter zu investieren. Doch sind wir einmal ehrlich: Mit dem neusten Ableger hat J. Michael Straczynski zwar bewiesen, dass er sich innerhalb des engen Serienkosmos noch immer wohlfühlt, nicht aber, dass er in der Lage ist, das Franchise auf ein neues Level zu heben.
Genau das wäre allerdings notwendig. Ein so lange brach liegender TV-Schatz gehört von Grund auf modernisiert, vielleicht in Richtung einer Next Generation, um Raum für neue Figuren zu schaffen. Das tut „Babylon 5: The Road Home“ bei allem Unterhaltungswert aber nicht.
Für das nett gemeinte Geschenk an die Fans und die kurzweilige Unterhaltung ohne Mehrwert gibt es daher von uns leider nur dreieinhalb von fünf Vorlonen.
Der Film ist ab sofort bei Amazon Prime Video für 14,99 Euro zu bekommen. Eine deutsche Tonspur liegt bisher nicht vor, dafür aber deutsche Untertitel.
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Babylon 5: The Road Home im Stream
Bruce Boxleitner
als John Sheridan (voice)
Claudia Christian
als Susan Ivanova (voice)
Peter Jurasik
als Londo Mollari (voice)
Bill Mumy
als Lennier (voice)
Tracy Scoggins
als Elizabeth Lochley (voice)
Patricia Tallman
als Lyta Alexander (voice)
Mara Junot
als Reporter / Computer Voice (voice)
Piotr Michael
als David Sheridan / Trudan / Marcus Cole (voice)
Andrew Morgado
als G’Kar / Starfury Pilot (voice)
Rebecca Riedy
als Delenn / Young Sheridan (voice)