The Walking Dead 7x01

The Walking Dead 7x01

Hier ist sie: eine der am meisten erwarteten Serienepisoden des Jahres. The Day Will Come When You Won't Be ist der Aufakt der siebten Staffel von The Walking Dead und womöglich der Beginn einer neuen Ära. Wen tötet Negan und was wird sich für Rick und Co verändern?

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Folge „The Day Will Come When You Won't Be“ (7x01) / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Folge „The Day Will Come When You Won't Be“ (7x01) / (c) AMC

Was wurde nicht alles spekuliert, kritisiert und gerätselt im Vorfeld dieser Auftaktfolge der siebten Staffel von The Walking Dead. Und nun ist sie hier, die Episode The Day Will Come When You Won't Be. Wie man es von Regisseur Greg Nicetero gewohnt ist, gibt es dabei keine lineare, sondern eine halbwegs verschachtelte Erzählung. Besonders im Fokus stehen dabei zwei Alpha Dogs: Rick (Andrew Lincoln) und Negan (Jeffrey Dean Morgan) und die Frage, wer künftig das Sagen hat.

Seit vielen Jahren ist Rick hierbei bei unserer Gruppe der Wortführer und Entscheider, wobei das immer wieder in verschiedenen Abstufungen von demokratischer Abstimmung bis Ricktatur sein konnte. Nun, da Negan seine Macht demonstriert, soll Rick zum Schoßhund degradiert werden - und das versucht sein Gegenüber, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen. Das gelingt ihm besser, als es einem Governor, einem Gareth oder anderen Gegnern je gelungen ist.

I'm gonna kill you

Das bereits im Vorfeld veröffentlichte Sneak Peek ist dabei unser Episodeneinstieg und stellt uns vor vollendete Tatsachen. Negans stahlumwickelter Baseballschläger Lucille war bereits im Einsatz und Rick verspricht Negan, dass er ihn irgendwann für diese Tat umbringen wird. Ein Satz, der so auch direkt aus der Comicvorlage stammt.

Doch der Anführer der Saviors zeigt sich wenig beeindruckt, auch nicht von seiner Waffe der Wahl, dem guten alten Beil. Stattdessen hält er es für die richtige Zeit für eine Lektion und schleppt ihn in den Wohnwagen. Mehrfach macht er ihm dabei klar, dass nun nach seinen Regeln gespielt wird und sämtlicher Besitz und die ganze harte Arbeit für ihn sein soll. Ricks Kampfgeist ist zu diesem Zeitpunkt ungebrochen, weswegen er auch versucht, die im Wohnwagen platzierte Axt zu erreichen, als Negan ihn provoziert, doch natürlich hat er ein Gewehr parat, mit dem er Rick erschießen könnte. Negans Ziel scheint klar: Rick zu brechen und gefügig zu machen.

Wie die Knochen eines Hundes wirft Negan deswegen auch Ricks Beil bei dem kurzen Trip in die von Untoten umzingelten Wälder aus dem Wohnwagen und verlangt von ihm, es trotz Lebensgefahr zu apportieren. Zwar kann er mit Mühe und Not auf den Wohnwagen klettern und die Waffe holen, doch die Verschnaufpause gönnt Negan ihm nicht und schießt ins Dach, so dass nur ein Sprung an den aufgehangenen Kettenzombie aus dem sechsten Staffelfinale noch Rettung bietet. Das Katz-und-Maus-Spiel ist aber noch lange nicht vorbei und des Öfteren greift Negan zu Ricks Gunsten mit seiner Waffe ein, bis Rick versteht, wer das Sagen hat oder zumindest den Sinn der Übung versteht, auch wenn er sich immer noch nicht ganz beugen will - aber so ist Rick eben.

Tatsächlich dauert es mehr als ein Viertel der Episode, bis wir ein Opfer aufseiten Ricks Gruppe sehen. Bis dahin sehen wir alle Möglichkeiten in schnell geschnittenen Flashbacks und dann folgt die Auflösung des „Eeny-Meeny“-Abzählreims aus Ricks Sicht.

Auf der folgenden Seite steht, wen Negan umbringt! Spoiler

Suck my nuts!

Wie schon an dieser Stelle vermutet, ist dann Abraham (Michael Cudlitz) derjenige, den die volle Wut Negans erwischt und der mit dem Baseballschläger so sehr malträtiert wird, dass nichts von seinem Kopf mehr übrigbleibt. Er war es, der im Angesicht des neuen Schurken nicht zurückgewichen ist. Er ist derjenige, der körperlich die größte Bedrohung ist, er ist derjenige, den man im Knast aufmischen würde, um zu zeigen, dass man der große Macker ist.

Gruppenintern macht sein Tod besonders Sasha (Sonequa Martin-Green), Rosita (Christian Serratos) und Eugene (Josh McDermitt) zu schaffen, könnte sie aber auch zu neuem Handlungsmut animieren. Eugene etwa darin bekräftigen, die Munitionsproduktion anzukurbeln.

Abraham und Rick waren sich eigentlich nie so richtig nahe, beide hatten unterschiedliche Auffassungen, was die Führerschaft anging, wobei der Moment, als Abe seine Botschaft auf die Landkarte geschrieben hat („Sorry, I was an asshole. Come to Washington. The new world's gonna need RICK GRIMES!“) wohl der größte Bondingmoment der beiden ist und Morgan (Lennie James) nach Alexandria geführt haben dürfte.

Nun müssen wir wohl oder übel auf tolle Wortneuschöpfungen oder Euphemismen wie „Motherdick“, „Dolphin Smooth“ oder „Dingleberry“ verzichten. Doch die Figur hat in gewisser Weise ihre Funktion erfüllt, lässt aber zwei trauernde Damen zurück, die hoffentlich neuen narrativen Drive erhalten und aus seinem Schatten heraustreten können - und nicht nur unter Depressionen leiden.

Daryl, the immortal

Daryl kann sich nicht mehr beherrschen. Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Day Will Come When You Won%26#039;t Be%26ldquo; (7x01) © AMC
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Daryl (Norman Reedus) bäumt sich nach Abrahams Tod auf und verpasst Negan einen heftigen Faustschlag. Doch statt auch ihn umzubringen oder von Dwight umbringen zu lassen, lässt er ihm das durchgehen - und zwar mit einer fadenscheinigen Begründung. Daryls Tod wäre ein wahrhaftiger Schock gewesen, den sich die Autoren jedoch nicht trauen - sehr wahrscheinlich wegen der Beliebtheit der Figur. Ich frage mich aber: Wenn nicht jetzt, wann dann? Oder gehört er tatsächlich zum Club der Unsterblichen? Stattdessen scheint seine Aktion zu etwas anderem zu führen, was im Vorfeld oft gerüchtet wurde. Es gibt ein zweites Todesopfer in der Episode.

RIP Glenn

Nach sieben Staffeln und zahllosen Nahtoderfahrungen, inklusive dem fast Baseballschlägertod in Terminus und dem Dumpstergate hat es nun also Glenn (Steven Yeun) unvermittelt doch noch erwischt und damit denjenigen, den Rick in Atlanta im Serienpiloten sein Überleben zu verdanken hat.

Die Auswirkungen sind in meinen Augen deutlich tragischer als bei Abraham: Er ist Gruppenmitglied der ersten Stunde, werdender Vater und ein Moralkompass der Gruppe, der bis zum Massaker an den Saviors, durch die Zombieapokalypse gekommen ist, ohne ein Menschenleben zu nehmen. Dabei wird sein Tod noch etwas expliziter zur Schau gestellt als der von Abraham.

Comicspoiler zum Opfer in den Comics voraus!

Glenn ist es ebenfalls, der in der Comicvorlage durch Lucille stirbt, wobei dort auch das Auge, das aus dem Schädel zu springen scheint, in den Fokus der visuellen Gestaltung gelegt wird. Abraham stirbt dort indessen durch den Pfeil durchs Auge, der in der TV-Serie Ärztin Denise erwischt hat.

Zurück zur Serienversion

Durch die Tatsache, dass die gesamte anwesende Gruppe und seine Frau Maggie in der TV-Version zuschauen müssen, wie ihr guter Freund stirbt, haben diese Szene und die Episode an sich eine große emotionale Schwere, wobei Maggies Reaktion am schmerzhaftesten zu beobachten ist. Details wie das Zucken des kopflosen Glenn machen die Szene noch härter und der geschmacklose Witz, dass Lucille ein Vampirbaseballschläger ist, bringt die angespannte Situation weiter zum Eskalieren.

Rick vor der unmöglichen Wahl

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Day Will Come When You Won%26#039;t Be%26ldquo; (7x01) © AMC
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In einer Anspielung auf den Serienpiloten (Rick und der Panzer) sehen wir Rick dann wieder auf dem Wohnwagen, umzingelt von Untoten. Diesmal gibt es keinen Glenn, der ihn retten kann - er ist auf sich allein gestellt und hoffnungslos unterlegen. Denn Negan schubst ihn rum, wie es ihm passt und spielt mit seinem Leben, wie sadistische Kinder mit Insekten.

Das Gerücht, dass die Macher elf verschiedene Szenarien für die Folge gedreht haben sollen, stellt sich als wahr heraus, denn die bekommen wir kurz zu sehen, als Rick über Negans Worte nachdenkt, was noch passieren könnte, wenn er seine Befehle nicht befolgt. Im Morgengrauen folgt dann die finale Erniedrigung, denn die Gruppe verweilt immer noch in ihren unterwürfigen Positionen und wartet auf die Rückkehr der beiden. Da Rick noch Kampfgeist besitzt, setzt Negan seine ultimative Schwäche ein: Carl.

Er malt dem jungen Grimes eine Linie auf den linken Arm und verlangt von seinem Vater, dass er ihm mit dem Beil den Arm abtrennen soll, weil sonst der Rest der Gruppe stirbt. Das ist der Moment, in dem Rick gebrochen ist („It could be me“) und in dem Negan gewonnen hat. Denn das bringt der zweifache Vater nicht übers Herz. Schachmatt also für Negan, der nun vor versammelter Mannschaft seine Konditionen wiederholt und in einer Woche seine erste Lieferung erwartet.

You belong to me!

Gleich zweifach spielt die Episode auf einen Moment an, der in den Comics viel früher, nämlich während des Governor-Runs passiert ist, aber mit größter Wahrscheinlichkeit nicht mehr im Fernsehen umgesetzt wird, auch, weil bereits bei Merle und einigen anderen Figuren Extremitäten abgeschnitten wurden. Dennoch sorgte der Moment bei mir für schweres Unbehagen, weil es eines der gefürchteten Remixelemente hätte sein können, die Showrunner Scott M. Gimple so gerne einbaut.

In gewisser Weise fühlt sich die Episode wie „The Empire Strikes back“ an. Das böse Imperium (Negan und die Saviors) wischen den Boden mit den Rebellen (Ricks Gruppe) auf und nehmen den charismatischen badass (Daryl) aus dem Spiel. Er wird nun als Druckmittel verwendet, falls Rick und seine Crew etwas versuchen sollten. (Ich bin mir bewusst, dass die Rebellenanalogie nicht ganz passt, da Ricks Gruppe ein Vielfaches an Saviors getötet hat und dabei auch äußerst brutal vorgegangen war (Stichwort: Töten im Schlaf oder in den Verbrennungsofen laufen lassen).

Die Hoffnung liegt nun auf den Leuten, die nicht bei der Konfrontation dabei waren: Carol (Melissa McBride) und Morgan etwa oder aber auch Tara und Heath, die vielleicht für Verstärkung sorgen könnten, nachdem die Wunden verarztet sind und die psychologischen Narben langsam heilen.

Family

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Day Will Come When You Won%26#039;t Be%26ldquo; (7x01) © AMC
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Tatsächlich ist es nach Negans Rückzug Maggie, die als Erstes aufsteht und zunächst alleine mit ihrem verstorbenen Mann sein will und Rick zur Vergeltung auffordert. Doch die Gruppe sieht sich trotz dieser Tragödie als Familie, die zusammenhält und sie beim Trauern unterstützen will. Der Traum eines schönen harmonischen Abendessen im Kreis der Überlebenden, bleibt eben das: ein Traum. Denn Glenn wird seinen Nachwuchs, anders als hier in der kurzen Sequenz gezeigt, nie kennenlernen dürfen.

Darüber hinaus hält Rick es in ihrem Zustand nicht für die richtige Idee, direkt wieder in die Schlacht zu ziehen. Vor allem wegen Daryl, aber auch, weil er weiß, dass das ohne einen ausgeklügelten Schlachtplan in die Hose gehen wird.

Während Rick und Co glaubten, dass das Über-die-Runden-Kommen hart war, müssen sie nun nicht nur für sich, sondern auch für Negan wirtschaften. Bis jemandem die rettende Idee kommt - Rick scheint es vorerst nicht zu sein, denn seine Augen sind am Episodenende ängstlich wie nie zuvor.

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Day Will Come When You Won%26#039;t Be%26ldquo; (7x01) © AMC
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Fazit

Negan ist am Drücker und Rick ist gebrochen. Der neue Status Quo ist da und für Ricks Gruppe brechen harte Zeiten an. Um gleich zwei Gruppenmitglieder ist die Gruppe ärmer und auch Daryls Schicksal ist in der Schwebe. Sie müssen sich etwas einfallen lassen, um Negans Forderungen erfüllen zu können.

Die Episode selbst ist eine emotionale Tortur für Fans, die fast alle Figuren, aber besonders Rick (die Entscheidung rund um Carl) und Maggie, für immer verändern wird.

Haben sich das Warten und der Cliffhanger gelohnt? Für die Serienmacher auf jeden Fall, da sie so die Diskussion und das Interesse an der Auflösung erhalten konnten. Es hätte wahrscheinlich andere Figuren gegeben, die für noch mehr Herzschmerz bei den Fans gesorgt hätten, doch immerhin gibt es für die Wahl von Abraham einen logischen Grund: Somit muss man ein Alphatier weniger brechen.

Trailer zur nächsten Episode, The Well (7x02), der US-Serie The Walking Dead:

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 24. Oktober 2016

The Walking Dead 7x01 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 1
(The Walking Dead 7x01)
Deutscher Titel der Episode
Der Tag wird kommen
Titel der Episode im Original
The Day Will Come When You Won't Be
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 23. Oktober 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 24. Oktober 2016
Autor
Scott M. Gimple
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 7x01

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