The Walking Dead 7x02

The Walking Dead 7x02

Die The Walking Dead-Episode The Well stellt ein herrliches Kontrastprogramm zum Staffelauftakt dar. Morgan und Carol lernen eine neue Gemeinschaft namens the Kingdom und deren exzentrischen Anführer King Ezekiel kennen.

Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Folge „The Well“ (7x02) / (c) AMC
Szenenfoto aus der „The Walking Dead“-Folge „The Well“ (7x02) / (c) AMC

Nach dem intensiven und nervenzehrenden Staffelauftakt schaltet The Walking Dead mit The Well, der zweiten Folge der siebten Staffel, ein paar Gänge runter. Dennoch gibt es viel zu entdecken und zu verarbeiten - beispielsweise einen Tiger mitten in der Zombie-Apokalypse.

Traum oder Fantasie?

Nein, wir haben uns nicht eingebildet, dass Morgan (Lennie James) und Carol (Melissa McBride) Hilfe von zwei Männern namens Daniel und Colton angeboten bekommen haben. Während Morgen den Weg zur medizinischen Versorgung allein gehen kann, ist Carol so geschwächt, dass sie auf einem Wagen transportiert werden muss und sich dabei einbildet, dass die Toten noch lebendig sind. Die angestauten Schuldgefühle plagen sie also weiter. Der Krankentransport gerät aber tatsächlich in eine Untotenmeute, worunter auch eines der Pferde leiden muss. Allerdings kommt bald Verstärkung, die sich mit allerhand Waffen der Bedrohung annimmt. Morgan markiert sich derweil den Rückweg und hinterlässt am Wegesrand auch etwas im Briefkasten.

Zwei Tage später hat Carol das Gröbste überwunden und es ist an der Zeit, dass sie den Anführer der Gemeinde kennenlernt. Morgan warnt sie bereits vor, King Ezekiel (Khary Payton) sei etwas ganz Besonderes. Vorher jedoch sehen wir, dass das Kingdom ein paradiesischer Zufluchtsort zu sein scheint, wo unter freiem Himmel unterrichtet wird, Lebensmittel angepflanzt und Tiere gezüchtet werden, während es schon für die Kleinsten Reitstunden gibt.

Ezekiel liebt es theatralisch und so findet die Begegnung auch im Auditorium statt, wo neben der rechten Hand Jerry (Cooper Andrews, #BestDude) auch der weibliche Tiger Shiva (#BestTiger) wartet. Der Sprachduktus des Königs passt sich der Inszenierung an und ist geschwollen und verschroben, sodass Carol weiterhin nicht so recht ihren Augen traut und selbst zur Performance übergeht. Naivchen Carol ist also wieder da und hat nur noch das Adjektiv amazing als Beschreibung parat - zumindest gegenüber dem Tigerhalter. Die Regeln sind einfach: Man darf im Kingdom alles, solange man dafür seinen Teil beiträgt. Dann sind einem auch köstliche Früchte, die Carol aber zunächst freundlich ablehnt, gewiss und auch für Musik ist gesorgt. Also: alles zu schön, um wahr zu sein?

This place is a damn circus!

In Anwesenheit von Morgan kommt dann wieder die Skeptikerin in Carol durch, die glaubt, dass der gesamte Ort sowie Ezekiel selbst nur eine Märchenveranstaltung ist, die keineswegs sicher scheint und dass sich alle Anwesenden nur etwas vormachen. Man könnte fast von einer noch einfältigeren Version vom anfänglichen Alexandria sprechen, zumindest, wenn man es aus Carols Warte betrachtet. Ein großer Unterschied ist jedoch, dass die Bürger hier keineswegs wie Lämmer auf der Schlachtbank hoffen, dass niemand sie jemals findet. Vielmehr sind die Kämpfer, darunter der Anführer selbst, durchaus vorbereitet. Schutzkleidung, Schuss- und Stichwaffen sowie Pferde und Autos zeugen davon, dass man sich zu verteidigen weiß, zumindest gegen die Untoten. Wie das gegen eine Gruppe wie die Saviors aussieht, steht wohl auf einem anderen Blatt.

Carols Impuls ist also die Flucht respektive Isolation, nachdem sie genesen ist. Morgan will sie zwar nicht in den sicheren Tod entlassen, sieht aber mit der Zeit ein, dass diese Entscheidung nicht bei ihm liegt.

Jetzt das Angebot von Sky Ticket entdecken

Schweinische Delikatesse

Schon nach wenigen Tagen vor Ort wird Morgan von Ezekiel und seinem Vertrauten Richard in einige Geheimnisse eingeweiht. Eine kleine Gruppe von Schweinen wird etwa fortgeschafft und frisst sich an einem Untoten voll, was aber volle Absicht ist, wie man später noch erfährt. Nebenbei werden die geheimen Ausflüge genutzt, um auch weniger erfahrene Gruppenmitglieder zu trainieren, wie etwa Ben, der aber noch nicht bereit ist und von Morgan und Ezekiel gerettet werden muss. Ob nun Schein oder Sein, Ezekiel spricht beim Rückzug davon, dass er Hoffnung auf eine Heilung der Untoten hat. Sind diejenigen dort vielleicht Verstorbene aus der Siedlung?

Ezekiel erkennt Morgans Talent mit dem Stab und bittet ihn alsbald, Ben unter seine Fittiche zu nehmen, weil weder Schuss- noch Stichwaffen bisher nach seinem Gusto waren. Dabei kommt wieder einmal der Cheesemaker (RIP) zur Sprache und wir sehen, dass Ezekiel ein völlig anderer Anführer ist, als wir es bisher gesehen haben. Einer, der sich wirklich um seine Gefolgschaft sorgt und möchte, dass sie sich selbst helfen können. Am ehesten erinnert er dabei an Deanna (Who's Deanna?), zeigt sich aber in Überlebensaspekten viel fortschrittlicher.

Drink from the well, replenish the well

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC

Seine Maxime ist eine der Nachhaltigkeit und der Solidarität, was ein wirklich bemerkenswertes Motto in der Welt von The Walking Dead ist, dem man eigentlich nacheifern sollte, aber dann hätten wir keine dramatische, sondern eine harmonische Serie, oder etwas, das wie Little House on the Prairie wäre, wo die Lebensumstände eben für Konflikte sorgen. Solange alle an einen Strang ziehen und dafür sorgen, dass es auch morgen noch Vorräte gibt, lässt sich so ein Modell aufrechterhalten.

Carol ist daran aber nur bedingt interessiert. Warum das so ist, kann sie selbst nicht hinreichend artikulieren. Vielleicht ist sie einfach ein gebranntes Kind, das schon zu oft erlebt hat, wie vielversprechende Gruppenstrukturen durch selbstsüchtige Gruppen und Einzelne zerstört worden sind. Wie der Hulk will sie deswegen nur eines: ihre Ruhe. So tut sie zwar interessiert, beachtet das Treiben und lauscht der Musik, bereitet aber insgeheim den Abgang vor, indem sie sich Waffen, Verpflegung und Kleidung stibitzt.

Für Morgan bedeutet Nachhaltigkeit auch Wissensvermittlung. Zunächst sträubt er sich, Ben Aikido beizubringen und sein Nachschlagewerk zu teilen, weil er eine Identitätskrise hat. Die Situation rund um die Wölfe und auch Carols Rettung verstoßen gegen seinen temporären Zen-Lebensstil. Doch sobald er in einer Gruppe ist, kann er diesen eben nicht mehr aufrechterhalten. Das Pazifismus-Extrem ist wohl nicht anwendbar, wie er langsam selbst einsieht. Ben ist wissbegierig und hat laut eigener Aussage bereits alle Bücher, nebst der Klimaanlagen-Lektüre, schon zweimal gelesen. Schon bald sollen beide wieder aushelfen, denn es steht ein wichtiger Termin an, der auch Schusswaffen nötig machen könnte.

Schwein gehabt

Wie sich herausstellt, werden die Schweine für Negans Saviors angefüttert, wahrscheinlich mit der Absicht über kurz oder lang den ungeliebten Deal mit Negan zu beenden, indem seine Leute durch das Essen sterben. Ganze acht Tiere schulden sie der Gruppe. Da sind Spannungen vorprogrammiert und Richard gerät an Langhaarträger Terry, von dem die Provokation ausgeht. Gavin, der Rädelsführer dieser Gruppe, zeigt sich nachsichtig, weil Ezekiel ebenfalls einschreitet und keinen Ärger will. Doch womöglich ist wieder nur die erste Verfehlung umsonst (siehe Daryl), denn Gavin droht mit Konsequenzen, wenn bei der nächsten Fuhre etwas von der verabredeten Menge fehlen sollte - dann wäre Richard nämlich dran.

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC

Morgan erfährt später von Ben, dass sein Vater ein guter Freund Ezekiels war. Er hat zu den besten Kämpfern der Gruppe gehört und zu acht Opfern, die bei einer Eskalation vor rund einem Jahr ums Leben gekommen sind. Spätestens seitdem wird der Deal mit den Saviors vor dem Rest der Bewohner des Kingdoms geheimgehalten. Darum möchte man auch den Kampf nicht riskieren, weil man weiß, dass man dabei den Kürzeren ziehen würde. Negans Vorgehensweise hat System und zeigt Erfolge. Mittlerweile wissen wir von drei Ortschaften, die Negan unter seiner Baseballkeule hat. Was kann man also tun?

Don't bullshit a bullshitter

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC

Carol kann diesmal nicht unbemerkt gehen. Zwar schleicht sie sich an Morgan vorbei, doch Ezekiel ertappt sie beim Fluchtversuch in der Dunkelheit und richtet einige Worte an sie. Ähnlich wie Morgan damals in Alexandria durchschaut er ihr Spiel und merkt, dass sie sich nur unschuldig gibt, es aber eigentlich faustdick hinter den Ohren hat.

Darum ist die Zeit der Höflichkeiten auch vorbei und Carol teilt ihm ihre ehrliche Meinung mit. Doch Ezekiel kennt die meisten Kritikpunkte schon und kann sie entkräften. Die Menschen wollen jemanden, dessen Vorbild sie folgen können, besonders in einer Krise. Gleichzeitig glaubt er, dass Leute, die sich sicher fühlen, ungefährlicher und produktiver sind und genau das benötigt er für den Deal mit Negan, der ihn einiges kosten dürfe.

Zu seinem Hintergrund erfahren wir - und das im Vergleich zum Comic rasant schnell - dass er einst ein Zoowärter war. Daher kannte er auch Löwin Shiva, der er bei einer schweren Verletzung geholfen hat, weshalb sie treu an seiner Seite geblieben ist. Er ist sich bewusst, dass sie für zehn Leute isst und es ist nicht gerade einfach ist, sie über die Runden zu bringen, doch sie hilft seiner Aura und Illusion und ist eine fantastische Beschützerin. Sein Auftreten lässt sich durch seinen Theaterhintergrund erklären, da er dort teilweise auch als König in Erscheinung getreten ist. Mit diesen Aspekten hat er sich dann eine Kunstfigur geschaffen, diesen Ort aufgebaut und aus ihm einen Zufluchtsort für eine kleine Gemeinde transformiert.

Dass die Information über seine wahren Hintergründe so schnell kam, ist eine für mich als Comicleser nicht ganz nachvollziehbare Entscheidung und ich frage mich, wie viel der Vorlage in den acht Episoden bis zum Winterfinale adaptiert werden soll. Womöglich liegt es aber auch im CGI-Tiger-Budget begründet, warum man die Auftritte von Ezekiel und Shiva zum Debüt der beiden so bündelt. Diskussionswürdig ist entsprechend die Frage, warum er Carol (und in gewisser Weise auch Morgan) schon so schnell ins Vertrauen nimmt. Brodelt es bei ihm, weil er den Deal mit den Saviors satt hat? Braucht er mehr Hilfe, um den Deal einhalten zu können?

Carol jedenfalls möchte weiterhin nur gehen, wobei ihr Ezekiel einen Kompromiss vorschlägt, bei dem sie gehen und bleiben kann. Sie kriegt ein eigenes Häuschen ganz in der Nähe und der König taucht dort auch schon kurz nach ihrem Einzug mit Shiva bei Fuß auf. Morgan bleibt wohl vorerst im Kingdom und gibt sein Wissen weiter. Gefällt ihm der Führungsstil Ezekiels besser als der von Rick? Denn in Alexandria schien ihm der Einstieg nicht so einfach zu gelingen - und auch den Hinweis zur Botschaft beim Briefkasten nimmt er wieder zurück. Hat er die Brotkrumen nur für sich gelegt oder wollte er Rick und Co Indizien geben, um seine Spur aufzunehmen?

Fazit

Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC
Szenenfoto aus der %26bdquo;The Walking Dead%26ldquo;-Folge %26bdquo;The Well%26ldquo; (7x02) © AMC

Carol und Morgan, Ezekiel und Shiva sowie ihr Kingdom und insgesamt faszinierende neue Aspekte in The Walking Dead sorgen dafür, dass diese charakterzentrierte Episode hoch bei mir im Kurs steht. Ja, ich mag es, wenn es bei TWD kracht, aber genauso liebe ich alternative Lebensentwürfe und Schicksale, die etwas Überraschendes oder Neues darbieten. Ezekiel als das vollkommene Kontrastprogramm zum Führungsstil von Negan, aber eben auch dem von Rick, findet bei mir großen Anklang.

Natürlich kann man jetzt bereits sehen, dass auch diese Gemeinschaft an allen Ecken und Enden bröckelt und mit Gewalt zu einem Deal gezwungen wurde, aber dennoch ist die Philosophie dieses Königs einzigartig. Weil in meinen Augen auch die Umsetzung stimmt und zwei meiner Lieblingsfiguren im Fokus sind, gibt es fast die volle Punktzahl. Einzig, weil das Pulver in manchen Aspekten etwas schnell verschossen wird, behalte ich einen halben Stern ein.

Tatsächlich hat das Cover mit dem Tiger bei mir damals dafür gesorgt, dass ich statt den Sammelbändern von TWD auf die Einzelausgaben umgestiegen bin. Ich wollte einfach sehen, was diese verrückte Idee soll und wurde nicht enttäuscht.

Serientrailer zur nächsten Episode The Cell der Serie The Walking Dead (7x03):
Verfasser: Adam Arndt am Montag, 31. Oktober 2016

The Walking Dead 7x02 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 2
(The Walking Dead 7x02)
Deutscher Titel der Episode
Der Brunnen
Titel der Episode im Original
The Well
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 30. Oktober 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. November 2016
Autor
Matthew Negrete
Regisseur
Gregory Nicotero

Schauspieler in der Episode The Walking Dead 7x02

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?