The Leftovers 2x09

The Leftovers 2x09

In Ten Thirteen wandeln sich die Guilty Remnant unter Megs Führung von einer nihilistischen Sekte in eine Terrororganisation mit steinzeitlichen Sanktionsmechanismen. Tommy Garvey kann da nur mit Schrecken zusehen - bis er eine faszinierende Entdeckung macht.

Ein Slow-Dance der besonders schauerlichen Sorte / (c) HBO
Ein Slow-Dance der besonders schauerlichen Sorte / (c) HBO
© in Slow-Dance der besonders schauerlichen Sorte / (c) HBO

Die zweite Staffel der HBO-Dramaserie The Leftovers konzentrierte sich noch stärker als die erste darauf, ihre Geschichten aus Sicht der Hauptfiguren zu erzählen. So konnte es leicht an uns Zuschauern vorübergehen, wieviel Plot in den bisherigen Episoden aufgespannt wurde. Das Finale in der nächsten Woche, I Live Here Now, wird mit ziemlicher Sicherheit Überlänge haben - ansonsten dürfte kaum genug Zeit bleiben, all die offenen Handlungsbögen zu einem befriedigenden Ende zu führen.

It doesn't matter

Andererseits ist es bei dieser Ausnahmeserie auch nicht ganz unwahrscheinlich, dass Serienschöpfer Lindelof in der Abschlussepisode lieber ein emotionales Feuerwerk abbrennen möchte, statt jedes einzelne Plotelement aufzulösen. Ten Thirteen gehört zu den plotlastigeren Episoden der gesamten Serie, vergisst aber gleichzeitig nicht, die emotionale Entwicklung einer Hauptfigur auszuleuchten. Vor allem ist die Episode jedoch eine Kettensprengung für die schauspielerischen Talente von Liv Tyler, die bisher nur einen Auftritt hatte (in Off Ramp) und nun endlich ausreichend Material bekommt, um ihr Talent zu beweisen.

Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir annehmen, dass ihre Figur Meg Abbott vor der Sudden Departure ein gewöhnliches Leben führte. In die Arme der Guilty Remnant wurde sie von jenen Ereignissen des 14. Oktober getrieben, die sie der Möglichkeit beraubten, den Verlust ihrer Mutter einen Tag zuvor - daher auch der Episodentitel - angemessen zu betrauern. Eine Rückblende zu genau diesem Tag zeichnet indes ein anderes Bild - von einer Meg, die mehrere Prisen Kokain braucht, um ein Mittagessen mit ihrer Mutter Jane (Betty Buckley) zu überstehen. Schnell wird offensichtlich, warum das so ist. Ebenso wie ihr Verlobter drängt auch die Mutter darauf, endlich einen Termin für die Hochzeit zu finden.

Wie wir alle seit Beginn der Serie wissen, wird die Mutter den Tag nicht überleben. Und schon am nächsten Tag wird Megs Schmerz darüber obsolet sein. Zwei Jahre später macht sich die Sinnsuchende deshalb auf den Weg nach Jarden, um Isaac (Darius McCrary) aufzusuchen, von dem sie wundersame Dinge gehört hat. Ihr Verlobter greift da schon nur noch halbherzig ein und bestätigt damit, was ihre Mutter zuvor über sie gesagt hatte: „You are the most relentless person I've ever known. When you have a cause, there's no stopping you.

Das Drehbuch tut sich nicht immer leicht mit Tommy (Chris Zylka).
Das Drehbuch tut sich nicht immer leicht mit Tommy (Chris Zylka). - © HBO

Entgegen der Annahme von John Murphy (Kevin Carroll), der die Auftaktepisode der zweiten Staffel dazu genutzt hatte, Isaac gewaltsam aus Jarden zu vertreiben und sein Haus niederzubrennen, verfügt der angebliche Hellseher wohl tatsächlich über solche Fähigkeiten, auch wenn die Serie das bewusst ambivalent lässt. Dass er aber die Geschichte mit den Walnüssen kennt, hebt ihn von den üblichen Wahrsagern ab, die sich meist in Allgemeinplätzen ergehen und damit bei ihren Kunden irgendeine Erinnerung hervorrufen.

I wanted to get you pregnant

Was er ihr prophezeit, erfahren wir indes nicht. Anschließend kommt es jedoch zu einer ominösen - und auch ein bisschen witzigen - Begegnung mit Evie (Jasmin Savoy Brown), die versucht, Meg mit ein paar Babykarotten aufzumuntern. Gleichzeitig offenbart die Murphy-Tochter ihren sinistren Lebensausblick, als sie Meg sämtliche Illusionen über Jarden und den umgebenden Nationalpark Miracle nimmt: „I'm sorry that you didn't find what you were looking for here. No one ever does.“ Das ist ziemlich ernüchternd, aber auch hilfreich für unser Verständnis des Folgenden.

Mit dem crash cut in die Gegenwart erwacht Liv Tyler schließlich zu neuem schauspielerischen Leben. Mit einem diabolischen Grinsen jagt Meg einer Busladung voller Schulkinder Todesangst ein, indem sie den Stift einer deaktivierten Handgranate zieht und diese im Bus hinterlässt. Für die Aktion bekommt sie vom Ältestenrat der Guilty Remnant eine Rüge, die sie aber nicht weiter interessiert. Ihre Augen erzählen eine andere Geschichte als die Wörter aus ihrem Mund. Längst plant sie genau den Anschlag, von dem sie abgehalten werden soll. In Jarden, dem einzigen Ort auf der Welt, der von der Sudden Departure verschont blieb, wo Menschen nicht denselben Schmerz spüren wie alle anderen, wird nach ihrem Willen bald eine Bombe explodieren.

Die einzige Figur, die sich jetzt noch nicht auf dem Weg nach Texas befindet, ist Tommy (Chris Zylka), weshalb das Drehbuch einen Umweg unternehmen muss, der nicht ganz einfach nachzuvollziehen ist. Meg erfährt von seinen Unternehmungen als Holy Wayne-Nachfolger und macht ihm deshalb ein Angebot: „I can do this for real.“ Der etwas leicht umfallende Tommy lässt sich davon so sehr beeinflussen, dass er gleich darauf mit seiner Mutter Laurie (Amy Brenneman) bricht und sich in die Arme seiner Vergewaltigerin flüchtet: „Take my pain away.

Evie (Jasmin Savoy Brown) gehört der Überraschungsauftritt schlechthin.
Evie (Jasmin Savoy Brown) gehört der Überraschungsauftritt schlechthin. - © HBO

Man kann das als nachvollziehbaren Handlungsfortschritt einstufen, muss es aber nicht. Immerhin ist es nicht allzu weit hergeholt, dass Tommy nun auch nach Jarden will, schließlich befindet sich dort derjenige Teil seiner Familie, von dem er sich nicht ausgenutzt fühlt. Als Meg davon erfährt, dass Kevin (Justin Theroux), Nora (Carrie Coon) und Jill (Margaret Qualley) allesamt dort wohnen, kann sie sich ein weiteres, noch viel diabolischeres Grinsen nicht verkneifen. Sie ist die neue big bad dieser Staffel - und wird erst in der vorletzten Episode als solche vorgestellt. Dank des hervorragenden Drehbuchs wird daraus kein dramaturgisches Fiasko.

What are you waiting for?

Echten Schrecken verbreitet Ten Thirteen schließlich mit der Ankunft von Meg und Tommy in der verdeckten Guilty Remnant-Zelle in Texas. Einen Gefangenen, der sich vermutlich nur dorthin verirrt hat, verdammt die Anführerin völlig ungerührt zum Tod durch Steinigung. Selbst da bleibt Tommy noch bei ihr, was nun wirklich nicht ganz einfach zu glauben ist. Er ist gebrochen, ja. Er ist am Boden, vom Leben malträtiert, ohne Anker, ohne Richtung, ohne Sinn. Aber würde er auch einem grausamen Mord tatenlos zusehen, danach sogar in Gesellschaft dieser moralisch Bankrotten bleiben? Das darf zumindest stark bezweifelt werden.

Meg geht indes auf Erkundungstour in das Camp außerhalb des Nationalparks, wo sie die einzige Brücke in den Ort inspiziert, die sie in die Luft sprengen will. Überraschend trifft sie dabei auf Matt (Christopher Eccleston), der zwar den richtigen Instinkt hat, jedoch genau das Falsche sagt. Er bringt den Tod ihrer Mutter zur Sprache, wodurch Megs Furor nur weiter angefeuert wird. Mehr denn je ist sie sich nun ihres Vorhabens sicher. Tylers Gesichtsausdruck in diesem Moment ist eine schauspielerische Glanzleistung.

Dazwischenfunken kann jetzt wohl nur noch Tommy, der mit einer einzigen Szene seinen dramaturgischen Nutzen in dieser Episode abliefert. Nachts bricht er in die - überraschenderweise unbewachte - Werkstatt der GR-Farm ein, wo er eine Entdeckung macht, die mich sprachlos zurückließ, auch wenn man durch den ersten Auftritt Evies bereits vorgewarnt hätte sein können. Entgegen der Behauptung von Geister-Patti (Ann Dowd) sind sie und ihre Freundinnen nicht departed, sondern befinden sich in Gesellschaft der Guilty Remnant.

Obwohl sie eingesperrt sind, hat es den Anschein, als wären sie freiwillig dort. Als Einzige auf dem Areal sind sie in Weiß gekleidet, die ernsten Mienen und ihre ruhige Verhaltensweise deuten darauf hin, dass sie in Megs Plan eingeweiht sind. Als registrierte Einwohner Jardens könnte ihnen der Job zufallen, die im Wohnwagen versteckte Bombe auf die Brücke zu schmuggeln. Erfahren werden wir das im Finale, das äußerst explosiv - und handlungsreich - ausfallen dürfte. Es ist eine schöne Parallele zur ersten Staffel, an deren Ende es zu ähnlich aufsehenerregenden, von den GR induzierten Ereignissen kam. Meine Vorfreude könnte größer nicht sein.

Trailer zu Episode 2x10: 'I Live Here Now'

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. November 2015

The Leftovers 2x09 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 9
(The Leftovers 2x09)
Deutscher Titel der Episode
13. Oktober
Titel der Episode im Original
Ten Thirteen
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 29. November 2015 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Februar 2016
Autoren
Damon Lindelof, Monica Beletsky
Regisseur
Keith Gordon

Schauspieler in der Episode The Leftovers 2x09

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