Supergirl 1x20

Supergirl 1x20

Better Angels, das Finale der ersten Staffel von Supergirl, kommt hier und da ein wenig ins Stocken, verdient sich als Staffelabschluss insgesamt aber eine gute Bewertung. Starke Charaktermomente und knackige Actioneinlagen wiegen dabei den etwas holprigen Plot und unrunden Erzählfluss auf.

Melissa Benoist als Kara aka Supergirl in „Better Angels“ / (c) CBS
Melissa Benoist als Kara aka Supergirl in „Better Angels“ / (c) CBS

In der Supergirl-Episode aus der Vorwoche, Myriad, hatte man uns am Ende noch im Ungewissen gelassen und die Geschichte mit dem Cliffhanger beendet, dass sich nun die beiden Danvers-Schwestern, die gerhirngewaschene Alex (Chyler Leigh) und Kara als Supergirl (Melissa Benoist) im direkten Duell gegenüberstehen würden. Im Staffelfinale Better Angels schafft man jedoch recht schnell klare Verhältnisse und diesen von Fiesling Non (Chris Vance) erzwungenen Konflikt aus dem Weg, was auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich ist.

Manch einer hätte erwartet, dass in diese Angelegenheit mehr Zeit investiert werden würde, doch bereits nach kürzester Zeit sind die Wogen bereits wieder geglättet, während sich eine neue Bedrohung für die Menschheit manifestiert, der sich Kara stellen muss. Was folgt, ist eine klassische Heldengeschichte, passend zu der CBS-Serie, die sich im Laufe ihrer ersten Staffel bisweilen zu ungeahnten Höhen aufschwang, in der jedoch noch längst nicht alle Schönheitsfehler beseitigt sind. Die Lösung des Problems und die Bewältigung der Gefahr, die von Non und Indigo in „Better Angels“ ausgeht, liegt dabei mal wieder in einem der zentralen Aspekte des jungen Superheldenformats: das Vertrauen in sich selbst und ein ansteckender Optimismus, den manch Superheldenblockbuster in jüngster Zeit schmerzlich vermissen hatte lassen.

Role model

Nach Betrachtung der kompletten ersten Staffel von „Supergirl“ ist dies wohl auch die große Stärke der Serie: die Verbreitung von Hoffnung, ein stets sehr positiver Grundton, der eben nicht nur Leid und Verderben suggeriert, sondern eine Erzählung ermöglicht, die wir uns von einer Superheldengeschichte auch ein Stück weit erwarten. Zeigt uns die strahlenden Ikonen mit Superkräften, wie sie wachsen, sich entwickeln, tief fallen, sich wieder aufrappeln und letztlich inspirieren. „Supergirl“ ist dieser Linie immer treu geblieben und hat aus dieser simplen Formel, die in verschiedensten Variationen Comicfans weltweit fasziniert und diese sich mit den Aushängeschildern der großen Verlage wie DC Comics oder Marvel identifizieren lässt, eine eigene, ansprechende Geschichte geschaffen.

Kara (Melissa Benoist); Eliza Danvers (Helen Slater) und Alex (Chyler Leigh) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS
Kara (Melissa Benoist); Eliza Danvers (Helen Slater) und Alex (Chyler Leigh) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS

Black and white

Keine Frage, das Superheldengenre mal etwas aufzumischen und eben nicht nur strahlende Helden als Protagonisten zu haben, hat auch seine Reize. Und zu viele „positive Energien“ können gerne mal in Kitsch, aufgesetztem Melodram und gar Langeweile enden. Diese Stolperfallen zu umgehen, war in der ersten Staffel von „Supergirl“ und ist auch nach wie vor für die Serienmacher eine der größten Herausforderungen, die sie zu bewältigen haben, was sich auch in „Better Angels“ zeigt. Gelegentlich driftet man hier nämlich sehr stark in eine Richtung ab, die fast schon zu positiv und heldenhaft anmutet, was manch einem sicherlich etwas übel aufstoßen wird.

Kann man sich aber als Zuschauer von diesen mitunter recht aufgesetzten Momenten sowie ein paar sehr melodramatischen Szenen freimachen, bietet einem das Staffelfinale eine immer wieder packende Geschichte an, die von starken, emotionalen Darbietungen des Casts, deftigen Actionsequenzen zum genau richtigen Zeitpunkt und einer gewissen heroischen Epik lebt, die vor allem im letzten Drittel der Episode zur Entfaltung kommt und bei dem einem oder anderen für etwas Gänsehaut sorgen könnte. Insbesondere, was die Effektarbeit angeht, hat man sich noch ordentlich Budget für die Finalepisode aufgehoben, was sich auf beeindruckende Art und Weise bezahlbar macht.

On the air

Wo Darstellerriege und visuelle Schauwerte überzeugen, krankt es aber ein wenig an der Erzählstruktur von Better Angels, die mit einigen Sehgewohnheiten bricht. Der Einstieg in die Episode ist ein voller Erfolg, sehen wir doch einen flotten Kampf zwischen Kara und Alex, in dem letztere dank Kryptonitanzug und -klinge die Oberhand behält, während Kara nachvollziehbarerweise Skrupel hat, ihrer Schwester etwas anzutun. Als Beobachter ist man sofort mittendrin im Geschehen und fiebert bei dieser Auseinandersetzung mit, die letztlich durch eine beherzte Ansprache von Eliza Danvers (Helen Slater) an ihre Tochter Alex beendet wird. Der Appell an ihr wahres Ich und die Gefühle, welche von Myriad unterdrückt werden, befreit Alex von ihrem unheilvollen Bann.

Die gleiche Taktik wendet Supergirl im Folgenden bei der Bevölkerung von National City an, nachdem Maxwell Lord (Peter Facinelli) es fertiggebracht hat (als Technik-Ass anscheinend ein Leichtes), das Antlitz der Heldin auf sämtliche Übertragungsbildschirme der Stadt zu übermitteln und ihr Symbol - das Familienwappen der Els von Krypton und ein Zeichen der Hoffnung - auf den Telefonen aller Stadtbewohner erscheint. Die Formulierung „positive Propaganda“ verbietet sich eigentlich, doch nichts anderes betreibt Kara, die mit einer ähnlichen Ansprache wie Eliza gegenüber Alex an die Menschen appelliert. Und zwar damit, dass sich diese wehren müssen, dass sie dankbar für deren Vertrauen ist und sie gemeinsam zurückkämpfen müssen, so düster die Lage auch ist.

Carpe diem

Der Plan ist von Erfolg gekrönt, Karas emotionale Rede an die Nation beziehungsweise National City zeigt eine ihrer wahren Stärken auf: die Fähigkeit, Menschen erreichen und inspirieren zu können. Dankbar für das Vertrauen der Stadtbewohner liegt es nun an diesen selbst, sich von der Gedankenkontrolle Nons zu befreien. Supergirl ist aber mehr als nur eine Retterin in der Not, sie ist zu einem Symbol für die Stadt und ihre Menschen geworden, einer der zentralen Handlungsstränge der Staffel und eine Entwicklung, die nun ihren vorzeitigen Höhepunkt findet. So fließend dieser Teil des Plots erzählt ist, so irritierend ist es dann auf einmal, als Myriad passé ist und wieder Ordnung in der Stadt einkehrt, ohne dass Non und Indigo wirklich dingfest gemacht wurden.

James (Mehcad Brooks) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS
James (Mehcad Brooks) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS

Just in case

Die beiden Bösewichte werden im letzten Akt natürlich noch zu Fall gebracht. Etwas holprig geht die Tempodrosselung im zweiten Drittel der Episode dennoch vonstatten. Hier wollen die Autoren noch einmal die Gelegenheit nutzen, ihre Figuren zur Entfaltung kommen zu lassen, was größtenteils auch gelingt. Die Verschnaufpause, die für die meiste Zeit zu einer Abschiedstournee für Kara von ihren Liebsten und Nächsten verkommt, nimmt dann aber doch etwas sehr viel Laufzeit ein. Man möchte ein emotionales Grundgerüst konstruieren, das Karas Entscheidung, sich im Ernstfall für die Menschheit zu opfern, noch mehr Gewicht und Dramatik verleiht. Dem Zuschauer ist dies aufgrund Karas Entschlossenheit aber eh schon längst klar, so dass es die vielen melodramatischen Szenen zwischendurch eigentlich gar nicht so sehr gebraucht hätte.

Natürlich ist es ein charmanter, liebevoller Moment, als Kara Winn (Jeremy Jordan) von seinem Wert für sie und in ihrem Leben erzählt, als sie ihre Dankbarkeit gegenüber Cat Grant (Calista Flockhart) äußert, unter deren harter Schale ein großes Herz schlägt. Man übertreibt es aber doch ein wenig mit dem Drama, was sich vor allem beim Abschied zwischen Kara und James (Mehcad Brooks) zeigt, eine Beziehung, die Kara nun doch nicht eingehen will, könnte es doch sein, dass sie in Ausübung ihrer Pflicht das Zeitliche segnet. Sie hat aus ihrer schmerzhaften Vergangenheit Lehren gezogen und ist auf den Extremfall vorbereitet, auch wenn J'onn (David Harewood) noch leichte Widerworte gibt. Während Karas Cousin von Myriad geschwächt (der Mann aus Stahl kommt ohnehin sehr schwach weg) auf dem Krankenbett liegt, muss es Kara nun richten.

Force of evil

Denn ihr Onkel Non und Indigo (Laura Vandervoort trägt erneut sehr dick auf, was aber eigentlich recht spaßig ist) planen, über die verstärkten Myriad-Wellen sämtliche Bewohner der Stadt (und letztlich auch der Erde) auszulöschen und sich dann zu neuen Welten aufzumachen, während Supergirl vor ihrem eigenen Scherbenhaufen auf der Erde steht. Nicht von den Myriad-Wellen beeinflusst startet sie nach einem etwas überraschenden Moment mit Maxwell Lord, der ihr sein Vertrauen ausspricht und gemeinsam mit J'onn in Richtung des abgestürzten Gefängnisschiffes Fort Rozz startet, von wo Non und Indigo aus ihre finsteren Pläne in die Tat umsetzen.

Das Erzähltempo zieht wieder etwas an, wobei man sich mit ein paar Zweckdienlichkeiten, so zum Beispiel, dass niemand wirklich auf dem Schirm hatte, dass Non und Co von dem militärisch abgesicherten Fort Rozz aus den ganzen Terror veranstalten, arrangieren muss. Der Kampf zwischen Kara und J'onn J'onzz auf der einen und Non sowie Indigo auf der anderen Seite gibt der Folge dann aber noch einmal einen ordentlichen Schub: J'onn triumphiert über Indigo (Und wie! Warum sich diese nicht wieder zusammensetzen kann, erschließt sich mir aber nicht ganz), während Kara in einem Anstarrwettbewerb auf Kryptonisch ihren Onkel in die Schranken weist. Die Action unterhält auf sehr gutem Niveau, doch das eye candy hebt man sich bis ganz zum Schluss auf.

Kara (Melissa Benoist) und Maxwell Lord (Peter Facinelli) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS
Kara (Melissa Benoist) und Maxwell Lord (Peter Facinelli) in %26bdquo;Better Angels%26ldquo; © CBS

After the flood

So muss sich Kara nämlich tatsächlich opfern, um die Menschheit zu retten, bleibt ihr doch keine andere Wahl, als das bewegungsunfähige Fort Rozz ins All zu bugsieren, damit die Myriad-Wellen keinen Schaden mehr anrichten können. Es kommt zur emotionalen Verabschiedung der beiden Danvers-Schwestern, die zuvor noch aufgeschoben wurde. Etwas arg rührselig sind Karas vermeintlich letzten Worte schon, doch sie geben nun mal auch die Essenz ihrer Beziehung zu Alex wieder, die sie zutiefst geprägt hat. Die Szene funktioniert somit sowohl auf charakterlicher Ebene als auch mit Blick auf Benoist und Leigh, die auch mit ihren Darbietungen ihre Figuren und deren Verhältnis im Laufe der Staffel so wertig gemacht haben.

Karas Kraftakt, als sie Fort Rozz in die Höhe hebt, nimmt dann schon episches Ausmaß an und könnte sich auch in jedem Blockbusterfilm sehen lassen. Einen etwas seltsamen Beigeschmack hat Karas Opferbereitschaft dennoch, dürften die meisten Zuschauer doch davon ausgehen, dass sie als Kryptonierin im luftleeren Weltraum überleben kann, was in dieser Version der Superheldengeschichte für das Fernsehen aber anscheinend nicht der Fall ist. Letztlich ist es Alex in Karas Pod (zweckmäßig vollkommen funktionsfähig), die ihre Schwester rettet und uns ein sehr versöhnliches Ende beschert. Vielleicht sogar ein wenig zu versöhnlich, bleiben die großen Konsequenzen doch aus, was dem Staffelfinale abschließend eine recht unspektakuläre Note gibt.

This is Supergirl

Etwas mehr Mut hätte ich mir da eventuell doch gewünscht, ich möchte die Entscheidung der Macher, den sicheren Weg zu wählen, aber auch nicht allzu sehr verteufeln. Ein überraschender Charaktertod (Eliza Danvers stand gefühlt kurz auf der Kippe) hätte ihnen die Möglichkeit geraubt, die schon leicht geöffneten Fässer für eine potentielle zweite Staffel anzugehen. Zumindest sehe ich derzeit keine Figur aus dem Hauptcast, deren Ableben von Sinn und Zweck gewesen wäre. Die Suche nach Jeremiah Danvers kann nun in die Vollen gehen, während man weiterhin ein Auge auf Maxwell Lord haben sollte, dem von General Lane die kryptonische Energiequelle überreicht wird, welche Non für seine Zwecke nutzte.

Während Kara einen verdienten beruflichen Aufstieg erlebt (Kara, nicht Kira!), bleibt auch ihre mögliche Liebesbeziehung zu James offen, der sie mit einem sehr schönen Geschenk überrascht. Supergirl ist eben nicht nur eine Heldin in einem Kostüm, die dank ihrer außergewöhnlichen Kräfte immer wieder den Tag rettet, sondern auch Kara, die in ihrem Leben als normaler Mensch eine starke Persönlichkeit ist, für ihre Nächsten da ist und gemeinsam mit diesen - bei der Ziehfamilie, den engen Freunden oder Arbeitsbekanntschaften - einen besonderen Bund geformt hat, auf den Verlass ist. Kitsch hin oder her, das abschließende Bild der Folge fasst einen wichtigen Aspekt der Staffel perfekt zusammen: gemeinsam stark. Was auch immer da kommen mag, siehe die geheimnisvolle kryptonische Raumkapsel, die plötzlich in National City abstürzt.

Ist es ein Vogel? Oder ist ein Flugzeug? © CBS
Ist es ein Vogel? Oder ist ein Flugzeug? © CBS

Fazit

Supergirl beendet seine erste, gute bis sehr sehenswerte Staffel mit einer ebenso ordentlichen Finalepisode, die uns im Großen und Ganzen ein Happy End gibt. Es hätte durchaus etwas gewagter sein dürfen, Better Angels funktioniert trotz einiger Makel zwischendurch dennoch sehr ordentlich, was unter anderem mal wieder der von Melissa Benoist angeführten Darstellerriege zu verdanken ist. Der Cliffhanger am Ende der Episode, wer oder was denn nun in dem kryptonischen Pod drin ist, wirkt indes etwas billig, erfüllt aber seinen Zweck.

Team Supergirl ist einem nicht nur ein Stück weit ans Herz gewachsen, die Serienautoren haben uns über 20 Folgen auch die eine oder andere wunderbare Charakterentwicklung präsentiert (zum Beispiel auch bei Nebenfiguren wie Cat oder Hank) sowie gezeigt, dass das Superheldengenre keine reine Männerdomäne ist. Ebenso wurde klar, dass die hier auftretenden Damen es faustdick hinter den Ohren haben und mitunter viel interessanter als ihre männlichen Gegenüber sind. Genug Material für eine zweite Staffel ist vorhanden, nun muss sich CBS nur endlich mal einen Ruck geben und die Bestellung perfekt machen. Eine Absetzung (trotz insgesamt mittelmäßiger Quoten) kann ich mir kaum vorstellen. Und, ehrlich zugegeben: Es wäre auch etwas schade, jetzt, wo die Charaktere so wunderbar aufgestellt wurden und es genügend spannende Fragen gibt, die man in naher Zukunft beantworten könnte.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 19. April 2016
Episode
Staffel 1, Episode 20
(Supergirl 1x20)
Deutscher Titel der Episode
Die Hoffnung stirbt zuletzt
Titel der Episode im Original
Better Angels
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 18. April 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 2. August 2016
Regisseur
Larry Teng

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x20

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