Supergirl 2x01

Supergirl 2x01

Alles neu macht der Herbst für Supergirl? Nun, nicht alles, aber einiges. Die Maid aus Stahl feiert einen sehr unterhaltsamen Start in ihre zweite Staffel, die so manche Veränderung mit sich bringt. Jetzt unter anderem mit dabei: Karas Cousin Kal-El, besser bekannt als Superman.

Kara (Melissa Benoist) und Cat Grant (Calista Flockhart) in „The Adventures of Supergirl“ / (c) The CW
Kara (Melissa Benoist) und Cat Grant (Calista Flockhart) in „The Adventures of Supergirl“ / (c) The CW

Nachdem die erste Staffel von Supergirl auf ihrem ursprünglichen Heimatsender CBS nicht die Zuschauerzahlen generieren konnte, die sich die Senderverantwortlichen vorgestellt hatten, fiel die Superheldinnengeschichte über die aufstrebende Kara Danvers aka Supergirl glücklicherweise nicht der Absetzungsaxt zum Opfer. Stattdessen stand für die bekannte DC-Heldin ein Senderwechsel zu The CW an (ein Gemeinschaftsunternehmen der CBS Corporation und Warner Bros. Entertainment, was die Versetzung erleichterte), wo „Supergirl“ ab diesem Herbst durch die Lüfte segeln wird und sich mit vielen anderen DC-Helden in bester Gesellschaft wähnt.

Das oft sehr positive, lockerleichte und jugendhafte „Supergirl“ (Melissa Benoist) hätte von Anfang an eh besser zum „Superhelden-Network“ The CW gepasst, sagen jetzt einige, womit sie durchaus Recht haben. Ob The CW jedoch in der Lage ist, ein finanziell durchaus kostspieliges Format wie „Supergirl“ zu stemmen (die Pilotfolge allein soll 14 Millionen US-Dollar gekostet haben, die Gesamtkosten der ersten, 20-teiligen Staffel sollen sich auf 70 Millionen US-Dollar belaufen), steht auf einem gänzlich anderem Blatt. Der Auftakt der zweiten Staffel zeigt aber neben einigen (ungewollt frechen?) Meta-Anmerkungen zum Senderwechsel („Finally home...“) aber, dass das Team um Superheldenguru Greg Berlanti voller Elan neue Geschichten erzählen will.

Great Caesar's ghost!

So lässt man sich bei all den effektreichen Aufnahmen in The Adventures of Supergirl den Beginn der Staffel einiges kosten und fährt sogleich schwere Geschütze auf. Dass sich hier und da noch einige Budgetkürzungen bemerkbar machen werden (Calista Flockharts Rolle der Cat Grant wird etwas kleiner ausfallen, da die Produktion ins günstigere Vancouver verlegt wurde, während Flockhart in Kalifornien residiert), ist nicht vermeidbar. Die Auftaktepisode bietet jedoch reichlich andere Gründe, warum die zweite Staffel von „Supergirl“ ein Erfolg für „The CW“ werden könnte und sich die Investionen sowie das Vertrauen in die Serie und ihre starke Darstellerriege gelohnt haben.

Fresh start

Während andere The CW-Serien wie The Flash oder Arrow bereits in ihre dritte respektive fünfte Staffel gehen und sich gewisse Erzählmuster etabliert haben, die gelegentlich eine Frischzellenkur gebrauchen könnten, kommt „Supergirl“ in der ersten Folge seiner neuen Staffel unglaublich frisch daher. Nicht nur beim Cast gab es ein paar Veränderungen, generell weht ein wunderbar frischer Wind durch die Serie. Die Autoren wissen einfach, auf welchem Network sie nun laufen, und dass hier eine deutlich jüngere Zielgruppe als noch bei CBS auf sie wartet. Dementsprechend sausen wir nahezu durch diese angenehm flott erzählte Episode, die nur selten auf Bremse drückt und dennoch ungemein viel unter einen Hut bringt, ohne dabei zu überfordern.

Erster Punkt auf der Tagesordnung: Die Einführung von Superman, der in Staffel eins noch ein gesichtsloser Charakter gewesen ist. Jetzt schlüpft Tyler Hoechlin in diese wiederkehrende Nebenrolle, die bereits nach wenigen Minuten eine gute Ergänzung für die Serie darstellt. Das liegt nicht nur an dem grundsympathischen Hoechlin, der sowohl den etwas tollpatschigen, aber fähigen Reporter Clark Kent als auch den selbstsicheren Superman treffend verkörpert. Es liegt auch daran, dass Superman tatsächlich nur eine Nebenfigur ist und Kara mit familiärem Rat zur Seite steht. Zwar bekommt der Mann aus Stahl ein paar Szenen zugeschustert, in denen er auftrumpfen und die Schau stehlen darf. Grundsätzlich wird aus „The Adventures of Supergirl“ aber eben keine One-(Super)Man-Show, was bei Vielen eine Befürchtung gewesen ist.

Clark Kent (Tyler Hoechlin) und James Olson (Mehcad Brooks) © The CW
Clark Kent (Tyler Hoechlin) und James Olson (Mehcad Brooks) © The CW

Taking the plunge

Aber nein, Clark beziehungsweise Superman dient vielmehr dazu, Kara im wahrsten Sinne unter die Arme zu greifen und ihr bei ihrer Persönlichkeitswerdung sowie schwierigen Entscheidungen beizustehen. Im Vergleich zu ihrem Cousin ist Kara nämlich doch noch eher ein Frischling im Superheldengeschäft. Clarke hat sein Doppelleben ganz gut im Griff - seine „menschliche“ Seite als Reporter beim Daily Planet und seine Beziehung zu Lois Lane auf der einen, sein Superheldendasein im blau-roten Spandexoutfit auf der anderen Seite. Kara hingegen hat mehr Freiheiten als jemals zuvor und denkt, in ihrem Leben angekommen zu sein. Jedoch gehen die Irrungen und Wirrungen für unsere junge Protagonistin jetzt erst so richtig los. Während sie sich als Supergirl keine Fehler leistet, machen Kara ihre Karriere sowie ihr Beziehungsleben zu schaffen.

Cat drängt Kara schon fast dazu, endlich eine Entscheidung über ihre berufliche Zukunft zu treffen, um sich klar zu werden, was sie eigentlich wirklich will. Manchmal muss man eben den Schritt gehen, der ungemütlich erscheint, der einen aus seiner Komfortzone reißt und vor neue Herausforderungen stellt, um letztlich herauszufinden, wer man wirklich ist. So zum Beispiel Karas gewagter Schritt, von nun an als Reporterin zu arbeiten, eine Berufung, die Cat lange vorhergesehen hatte. Aber auch Karas Entscheidung gegen eine Beziehung mit James (Mehcad Brooks) fällt in die Kategorie „Was will ich eigentlich von meinem Leben?“. Sie wollte lange Zeit um jeden Preis ihr Glück mit James erzwingen, nur um schlussendlich zu erkennen, dass es das Beste ist, wenn die beiden nur Freunde bleiben.

New waters

Wie lange es dabei bleibt, wird man sehen, zeigte Supergirl in der ersten Staffel doch immer wieder die Tendenz, relativ zügig in einem gefühlt endlosen Strudel an langweiligen „Will They/ Won't They“-Nebenplots zwischen Kara und James (irgendwo dazwischen war auch einmal Winn) zu versinken. James scheint zumindest ziemlich mitgenommen von Karas ehrlichen Worten. Hoffen wir, dass wir nicht erneut ein ewiges Hin und Her zwischen den beiden Figuren erleben, was mir persönlich in der Vergangenheit so einige Nerven gekostet hat.

Keep diving

Stichwort Nerven kosten: Wie bereits in Staffel eins der Superheldinnenserie wird auch in der Auftaktfolge der zweiten Staffel mehr oder minder heftig die Moralkeule geschwungen. Supergirl und Superman sind nun einmal die zwei strahlenden DC-Ikonen schlechthin, da scheinen wenig subtile Lehren und eine klassische Moral am Ende jeder Geschichte nur schwer vermeidbar. Cats emotionaler Appell an Kara, mutig und unerschrocken zu sein, um neue Dinge auszuprobieren, dürfte manchem Zuschauer etwas abgedroschen vorkommen. Und tatsächlich geht es wohl etwas eleganter. Ich persönlich habe mich längst mit dieser Art der Erzählung arrangiert und finde, dass die Serienmacher es in The Adventures of Supergirl sogar recht gut und nachvollziehbar gelöst haben. Viele andere dürften indes bei einigen Dialogszenen die heroischen Fanfaren im Hintergrund nicht aus ihren Gehörgängen bekommen.

Einen möglichen Kritikpunkt wie eben diesen fängt man aber gekonnt durch extrem kurzweilige Unterhaltung auf. Ob nun die charmante Darstellerriege, von den jeder mindestens eine einprägsame Szene bekommt (Winn avanciert mal wieder zum geheimen Star, doch auch Alex darf sowohl verbal als auch körperlich austeilen), oder die vielen kleinen spaßigen Momente zwischendurch (eine Erwähnung von Gotham lässt man sich nicht nehmen, ebenso wenig wie ein Hinweis auf den fantastischen Körpergeruch von Superman höchstpersönlich): „The Adventures of Supergirl“ zaubert mir mehrfach ein Lächeln auf die Lippen und findet eine gute Balance zwischen auflockernden Momentaufnahmen, großen Actionsequenzen sowie verheißungsvollen Andeutungen für die zukünftige Handlung.

Katie McGrath als Lena Luthor © The CW
Katie McGrath als Lena Luthor © The CW

Tagging along

Vor allem bei den vielen, für Network-Verhältnisse sehr ordentlichen Actionszenen habe ich mehrfach gestaunt. Das Budget ist zwar gekürzt worden, die Qualität der Effekte ist aber unverändert auf einem soliden Niveau. Entscheidend ist hier jedoch die Inszenierung, die sich sehr rund anfühlt und bei der die Effekte stark zur Geltung kommen. Regisseur Glen Winter gehört nicht umsonst zu den erfahrenen Recken des Geschäfts und ist schon lange an der Produktion der Superheldenserien von The CW beteiligt. Das Resultat: eine „kleine“ Blockbuster-Episode mit coolen Setpieces und reichlich Abwechslung.

Um die Rettung einer Raumfahrtfähre sowie diverse Anschläge auf National City, die eigentlich an die Unternehmerin Lena Luthor (genau, die Adoptivschwester des in der Serie inhaftierten Lex) gerichtet sind, baut das Autorenteam dann noch einige spannende Fragen für zukünftige Episoden ein, die uns einen kleinen Vorgeschmack auf die Staffel geben. Neuzugang Katie McGrath hinterlässt dabei einen interessanten ersten Eindruck als Lena Luthor, die den besudelten Familiennamen reinwaschen möchte. So richtig traut man dem Frieden aber noch nicht, und so könnte es durchaus sein, dass Lena doch nicht diejenige ist, für die sie sich ausgibt. Andererseits wäre es erfrischend, wenn eine Figur mit dem Nachnamen Luthor nicht gleich zur neuen Antagonistin wird.

The man who fell to earth

Da haben die Macher vielmehr die geheime Organisation Project Cadmus im Visier, die auch nach wie vor Alex' (Chyler Leigh) Vater Jeremiah (Dean Cain) gefangen hält und an diesem herumexperimentiert. Mit Brenda Strong (Fear the Walking Dead, „Starship Troopers“) bekommt Cadmus nun ein erstes, noch namenloses Gesicht, wandelt diese doch per Knopfdruck den Auftragskiller, welcher auf Lena angesetzt wurde, in den Superschurken Metallo um - ein oft gesehener Gegner von Superman, der mit Sicherheit schon bald in neuer Form in Erscheinung treten wird.

Aber nicht nur Gefahren von außen halten uns auf Trab, auch innerhalb von Team Supergirl brodelt es etwas. Zwischen DEO-Direktor Hank Henshaw aka J'onn J'onzz (David Harewood) und Superman gibt es nämlich noch etwas böses Blut. Der Grund dafür: Henshaw hat Kryptonit als eine Art Notfallplan gegen außerirdsche Angreifer gelagert, Superman sieht darin aber eine tödliche Waffe gegen ihn und seine Cousine. Die neue Allianz steht also auf nicht ganz so festen Beinen, während ein mysteriöser, bewusstloser Fremder (Chris Wood, dessen Rolle schon bekannt ist, hier aber nicht verraten werden soll), der am Ende der ersten Staffel mit einer Kapsel in National City abstürzte, Supergirl und Co. vor weitere Rätsel stellt. Es geht also heiß und ordentlich her in der ersten Folge der neuen Staffel von „Supergirl“, in der uns gleich mehrere neue Handlungsstränge präsentiert werden, die allesamt ihren Reiz haben.

Fazit

Supergirl startet sehr zufriedenstellend in seine zweite Staffel und legt einen gelungenen Einstand beim neuen Sender The CW hin. Die Darsteller und Darstellerinnen harmonieren wunderbar miteinander. Vor allem zwischen Neuling Tyler Hoechlin und Melissa Benoist herrscht eine starke Chemie, sodass sich deren gemeinsamen Szenen sehr natürlich anfühlen. An neuen Nebengeschichten und turbulenten Ereignissen mangelt es ebenfalls nicht, die wiederum mit ansehnlichen Effekten umgesetzt werden. Charmante Charaktermomente und flotte Action machen The Adventures of Supergirl zu einer insgesamt sehr schwungvollen Episode, die sich nicht besonders viele Makel leistet. So kann es gerne weitergehen.

Trailer zu Supergirl 2x2 „The Last Children of Krypton“:

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 11. Oktober 2016

Supergirl 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Supergirl 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Abenteuer von Supergirl
Titel der Episode im Original
The Adventures of Supergirl
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 10. Oktober 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 29. März 2017
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode Supergirl 2x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?