Supergirl 1x18

Nur wenige Tage nach dem internationalen Kinostart des Superheldenblockbusters Batman v Superman: Dawn of Justice kommt es nun auch auf der Mattscheibe zum groĂen Aufeinandertreffen zweier legendĂ€rer DC-Heldenfiguren. In der Episode Worlds Finest geben sich nĂ€mlich Supergirl (Melissa Benoist) und The Flash (Grant Gustin) die Klinke in die Hand, nachdem lange Zeit nicht sicher war, ob es aufgrund der verschiedenen Heimatsender zu diesem Crossover kommen wĂŒrde. Im Gegensatz zu Zack Snyders fatalistischer, bisweilen deprimierender Gewaltorgie prĂ€sentieren uns die Macher hier eine hochunterhaltsame Superheldengeschichte mit zwei sehr sympathischen Charakteren, die am Ende zeigen, dass die Welt eben nicht nur ein trost- und hoffnungsloser Ort ist.
Ein Schelm, wer Böses bei diesem krassen Unterschied zwischen der millionenschweren Filmproduktion und den charmanten Fernsehserien denkt - vor allem vor dem Hintergrund, dass Zack Snyder sich zuletzt noch eher ablehnend gegenĂŒber der jugendlichen Leichtigkeit und lockeren Art von Grant Gustins „The Flash“ geĂ€uĂert hat. Doch eben in dieser Leichtigkeit und Lockerheit liegt die unbestrittene StĂ€rke von „The Flash“ und „Supergirl“. Um diese Kernelemente herum können Serienschöpfer Greg Berlanti und Co. immer wieder dramatische Geschichten entwerfen, die finstere Wendungen nehmen und unsere Helden von einer ganz anderen Seite zeigen. Doch im Kern sollen uns die Abenteuer von Supergirl und The Flash und ihre Entwicklung zu Symbolen der Hoffnung inspirieren. Nicht umsonst nennt man es eine Heldengeschichte.
Joining forces
Und auch wenn das Crossover-Event zwischen der Maid aus Stahl und dem scharlachroten Speedster zwischendurch einige holprige Phasen durchstehen muss und gelegentlich ein paar Logikfragen aufwirft, gelingt die ZusammenfĂŒhrung dieser beider Welten ausgesprochen gut. Sogar so gut, dass man als Zuschauer gewillt ist, hier und da mal ein Auge zuzudrĂŒcken und die Zusammenarbeit des neuen dynamischen Duos (nein, nicht Winn und Barry, obwohl die beiden auch ein herrliches Gespann abgeben) einfach nur zu genieĂen.

Red and blue
Im Grunde Ă€hneln sich beide Heldenfiguren sehr, selbst die Formate an sich folgen einem fast identischen Ton, was die Kombination dieser beiden Serienwelten etwas einfacher macht, als zum Beispiel das raue Arrow mit dem lockerleichten „The Flash“ zu verknĂŒpfen - obwohl auch dies weitaus besser klappte, als viele gedacht hatten. Kara und Barry haben durchaus einige Gemeinsamkeiten. Beide haben Erfahrungen durchlebt, mit denen sie lernen mĂŒssen umzugehen. Die Verbindung dieser zwei jugendlichen Charaktere, die immer wieder Ă€hnliche Probleme bewĂ€ltigen mĂŒssen, sei es als Superheld oder in ihrem Privatleben, fĂŒhlt sich organisch an. Und so dauert es nur den Bruchteil einer Sekunde, bis man mit dem neugebildeten Team mitfiebert.
Das Duo muss sich in der Event-Episode „Worlds Finest“, die dieser Bezeichnung mehr als gerecht wird, mit Livewire (Britt Morgan) und der verfluchten Siobhan Smythe aka Silver Banshee (Italia Ricci) herumschlagen, die beide persönlich Rache an Cat Grant (Calista Flockhart) respektive Kara Danvers und Supergirl nehmen wollen. Bevor Barry, den es im Zuge seines Geschwindigkeitstrainings in die Welt von Kara verschlagen hat, zurĂŒck in seine Heimat kehren kann, willigt er ein, zusammen mit Supergirl, die ihm im Gegenzug bei der Reise zurĂŒck auf seine Erde helfen will, den unheilvollen Bösewichten das Handwerk zu legen. Das ist wiederum leichter gesagt als getan.
Brute strength and amazing speed
Bevor es jedoch etwas actionreicher zugeht, steht zunĂ€chst mal der SpaĂ im Vordergrund. Nachdem Siobhan ihre mysteriösen SuperkrĂ€fte - ein Ultraschall-Schrei - fĂŒr ihre Rache gegen Kara einsetzt und diese scheinbar leicht bewusstlos aus dem Verlagshaus von CatCo Worldwide Media segelt, taucht plötzlich The Flash auf und rettet die Dame in Not, die aber eigentlich gar keine Hilfe nötig gehabt hĂ€tte. Das peinlich berĂŒhrte Gehabe Barrys, den entflammten Pullover von Kara zu löschen, ohne dabei ihre Oberweite zu berĂŒhren, ist schon einmal einen ersten Lacher wert - doch dabei bleibt es natĂŒrlich nicht.
SelbstverstĂ€ndlich kann man den plötzlichen Auftritt von The Flash zum absolut perfekten Zeitpunkt in Frage stellen, ebenso wie Barry sogleich seine GeheimidentitĂ€t ĂŒber den Haufen wirft und sein wahres Ich einer Gruppe wildfremder Menschen offenbart. Ein bekanntes Problem in den Geschichten um den Speedster, das schon fast zu einem Running Gag avanciert. Als Zuschauer sieht man aber schnell ĂŒber diese kleineren Zweckdienlichkeiten hinweg. Der Moment, als Barry seine FĂ€higkeiten prĂ€sentiert und die versammelte Mannschaft mit einer Runde Eis ĂŒberrascht, ist schlichtweg groĂartig, was gröĂtenteils an der herrlichen Reaktion Benoists beziehungsweise Karas liegt. Auch die geekige bromance zwischen Winn (Jeremy Jordan) und Barry bietet uns ein paar sehr amĂŒsante und charmante Augenblicke.
Crossing the line
Die Existenz von Parallelwelten und dem Multiversum ist dann auch relativ schnell erklĂ€rt (bilde ich mir hier etwa eine Referenz an The Man in the High Castle und 11.22.63 ein?), sodass sich Team Superflash recht zĂŒgig der Aufgabe widmen kann, Siobhan und ihre VerbĂŒndete Livewire dingfest zu machen. Dabei zeigt sich, dass Supergirl und The Flash durchaus verschieden agieren: WĂ€hrend sie als supermĂ€chtiges Alien zumeist einfach nur auf den Putz haut, erwartet Barry schon eher einen Plan, um die Schurkinnen aufs Eis zu legen. Nach dem fehlgeschlagenen ersten Versuch, bei dem das Superhelden-Duo sehr naiv vorgeht und ordentlich auf die MĂŒtze bekommt, wird klar, dass ein ordentlicher Schlachtplan nicht die schlechteste Idee gewesen wĂ€re.

The enemy of my enemy
Siobhan als Comicschurkin Silver Banshee gefĂ€llt mir allein vom Design her (es erinnert ein StĂŒck weit an eine DĂa de los Muertos-Verkleidung) recht gut, und auch die Zusammenarbeit mit der aus dem DEO-GefĂ€ngnis befreiten Livewire ist aufgrund deren beiderseitigen Motive nachvollziehbar. FĂŒr ein paar Fragezeichen sorgen aber die SuperkrĂ€fte von Silver Banshee, die auf einem alten Fluch basieren. Anscheinend kann sie aber nicht nur extrem laut schreien. Auch mit einem krĂ€ftigen Schlag schickt sie Supergirl auf die Bretter. Italia Ricci und ihrer gelungenen Darbietungen möchte ich hier keinen Vorwurf machen, doch die FĂ€higkeiten von Silver Banshee sind mir doch etwas zu schwammig und unklar definiert. Auch dass Siobhan sehr unbehelligt durch die RĂ€umlichkeiten der DEO schreiten kann, ist etwas eigenartig.
Die finale Auseinandersetzung zwischen Supergirl und The Flash auf der einen und Silver Banshee und Livewire auf der anderen Seite ist dann recht flott, aber stellenweise ebenfalls ein klein wenig komisch: The Flash ist doch recht schnell ausgeknockt, und auch Supergirl wirkt etwas hilflos, trotz praktischer Ohrstöpsel gegen Silver Banshees Geschrei. Letztlich kommt es zu einem schönen Moment, als sich Supergirl erst schĂŒtzend vor die Bewohner von National City stellt, die sich dann wiederum schĂŒtzend vor dee geschlagenen Helden positionieren. Das Vertrauen zwischen Supergirl und den Menschen der Stadt ist wieder hergestellt, Livewire und Silver Banshee aber noch lange nicht besiegt. GlĂŒcklicherweise schreitet die Feuerwehr von National City zur Tat, die mit einer gezielten Ladung Wasser auf Livewire dem Spuk ein Ende bereitet und diese einen Schock erleidet, von dem auch Silver Banshee betroffen ist.
Power move
Somit sind unsere Antagonisten furchtbar einfach geschlagen, was einen schon etwas stutzig macht, hĂ€tte das Superheldenteam doch wohl auch selbst auf diese Lösung kommen können. Ohne das beherzte Einschreiten der BĂŒrger und BĂŒrgerinnen National Citys hĂ€tte man aber wiederum den Bogen zu Supergirls BemĂŒhungen, deren Vertrauen zurĂŒckzugewinnen, nicht so galant schlieĂen können. Barrys Ratschlag, dass Kara es nicht erzwingen soll, endlich wieder als Schutzengel der Stadt wahrgenommen zu werden, zahlt sich letzten Endes aus. Der junge Speedster weiĂ wie kein anderer, dass es manchmal gut ist, sich als Superheld etwas zurĂŒckzunehmen und nicht die komplette Last der Welt auf seinen Schultern zu tragen. Manche Dinge brauchen eben Zeit.
Diese thematische VerknĂŒpfung zwischen den Hauptfiguren in Supergirl und The Flash gelingt ausgesprochen gut, und auch Benoist und Gustin geben ein sehr charismatisches Leinwandduo ab, das die eher ruhigen, nachdenklichen Momente zwischen den beiden Figuren gut trĂ€gt - auch wenn die Lektionen Barrys nun nicht wahnsinnig revolutionĂ€r sind. Selbst an der Beziehungsfront hat Barry ein paar Tipps parat, hier gilt aber das Gegenteil zu dem, was sie als Superheldin tun soll: Wenn sie tatsĂ€chlich in James (Mehcad Brooks) verliebt ist, sollte sie die Gelegenheit beim Schopfe packen und nicht weiter herumdrucksen.
On fire
Interessanterweise bekommt Kara von ihrer Chefin Cat Grant gĂ€nzlich andere RatschlĂ€ge. Sie soll James erst einmal etwas zappeln lassen. Die Medienmogulin schwingt sich in Worlds Finest ohnehin zur absoluten Topform auf (ein Metakommentar zum Sender The CW ist da fast schon ein bisschen zu viel, aber immer noch urkomisch) und mustert das neue Gesicht Barry Allen sehr grĂŒndlich. Ihre VorschlĂ€ge, wie denn der unbekannte Speedster heiĂen soll, sind herrlich, ebenso wie die ErklĂ€rung, dass The Flash kein guter Name wĂ€re, hört sich dies doch eher nach einem Exhibitionisten im Trenchcoat an. Dass sie Barry dann als The Flash enttarnt, weil man ihr eben nichts vormachen kann, ist dann noch ein netter Insider, was Karas GeheimidentitĂ€t als Supergirl angeht.

Ihre Idee, wie Kara mit James umgehen soll, trĂ€gt derweil FrĂŒchte, ist der Reporter doch relativ schnell von der Eifersucht gepackt, als er sieht, wie gut sich Kara mit Barry versteht. Dies mutet manchmal mitunter etwas arg kindisch an, wĂ€hrend die klare Ansage von Exfreundin Lucy (Jenna Dewan Tatum), dass es zwischen den beiden definitiv aus ist, ĂŒberraschend erwachsen wirkt. So kommt es nur noch zu einer leicht unangenehmen, weil etwas unbeholfenen Szene zwischen Kara und James, die letztlich aber eine recht charmante Note hat - wĂŒrde James doch nur auf Karas emotionale Offenheit reagieren.
Er steht aber wie unter einem Bann und marschiert kurzerhand mit etlichen anderen Menschen durch die StraĂen von National City. Das geheimnisvolle Projekt Myriad hat nĂ€mlich von Karas Onkel Non (Chris Vance) den Startbefehl erhalten und so scheinen die Menschen wie unter Gedankenkontrolle zu stehen. Warum genau, das erfahren wir dann wohl in der nĂ€chsten Episode. Eventuell zeigen sich dann auch wieder Alex (Chyler Leigh) und J'onn J'onzz (David Harewood), die diese Episode komplett ausgesetzt haben.
Fazit
Am Ende schleudert Supergirl den guten Flash fix wieder in seine Welt zurĂŒck und der kurzweilige Besuch des schnellsten Manns der Welt ist auch schon wieder passĂ©. Ja, ich kann verstehen, wenn einige Zuschauer den gesamten Auftritt im Rahmen des Crossovers zwischen Supergirl und The Flash etwas sehr beliebig fanden. Ich kann auch die Kritik an dem allgemeinen Plot nachvollziehen, der sich hier und da ein paar Freiheiten nimmt. FĂŒr mein Empfinden gelingt der Besuch aus Central City auf Earth-1 aber dennoch, weil man uns einfach hervorragende Fernsehunterhaltung mit einer tollen, durchweg charmanten Darstellerriege prĂ€sentiert.
Dabei bleibt Worlds Finest aber immer Supergirls Geschichte, indem man die bereits etablierte KontinuitĂ€t der Staffel und vorangegangene Ereignisse geschickt in diese Event-Folge einwebt und behandelt. Zwar ist noch lange nicht richtig geklĂ€rt, wie Barrys Welt und die von Kara zusammenhĂ€ngen, welche Gemeinsamkeiten (von denen es recht viele gibt, stellen beide Welten doch eigentlich die unsere dar) und Unterschiede (Aliens hier? Metahumans da?) es gibt. FĂŒr ein erstes Aufeinandertreffen der beiden DC-Ikonen war dies insgesamt aber ein sehr zufriedenstellender Anfang und kann gerne wiederholt werden.
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 29. MÀrz 2016Supergirl 1x18 Trailer
(Supergirl 1x18)
Schauspieler in der Episode Supergirl 1x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?