Supergirl 1x17

Nachdem Supergirl (Melissa Benoist) in der letzten, äußerst gelungenen Episode Falling ordentlich an Vertrauen bei der Bevölkerung von National City hat einbüßen müssen, hätte manch einer vielleicht erwartet, dass sich die Episode Manhunter größtenteils mit Karas Aufgabe beschäftigt, das nach ihrem unfreiwilligen Amoklauf verlorene Vertrauen in ihre Heldenfigur wieder zurückzugewinnen. Die ersten Versuche in diese Richtung werden aber gerade einmal zu Beginn und kurz zum Ende der Episode thematisiert - mehr Spannung verspricht die Frage, was mit Hank Henshaw passiert, der sich nun als Martian Manhunter J'onn J'onzz der Öffentlichkeit preisgegeben hat (beziehungsweise preisgeben musste, um Alex vor Kara und die junge Superheldin vor sich selbst zu retten).
Und tatsächlich präsentiert man uns hier eine recht turbulente Geschichte, die etwas Licht ins Dunkel bringt und über diverse Flashbacks die verschiedenen Charaktere etwas näher beleuchtet. Problematisch ist dabei lediglich, dass der Episode an sich oftmals ein wenig der Rhythmus abhanden geht, trotz thematischer Parallelen zwischen den unterschiedlichen Figuren. Die Handlung gestaltet sich hier und da etwas unrund und vertraut darüber hinaus auf ein paar zweckdienliche Plotelemente, die Fragen aufwerfen. Die große Auflösung am Ende kommt dann sogar etwas überraschend, auch wenn die neuesten Entwicklungen in „Supergirl“ durchaus reizvoll und vielversprechend sind.
Rock bottom
Mit Hank (David Harewood) als enttarnte außerirdische Lebensform weht nun ein rauer Wind durch die Hallen der DEO, wo sich alsbald eine Militärdelegation unter Führung von Colonel James Harper (Eddie McClintock) einfindet, die den ganzen Laden auf den Kopf stellen will, um herauszufinden, was Hank beziehungsweise J'onn alles in seiner Funktion als Chef der Organisation verbrochen hat. Harper zur Seite steht indes Lucy Lane (Jenna Dewan Tatum), die als eine Art Mittelsfrau fungieren und die Hexenjagd - um nichts anderes dreht es sich hier, wie Alex treffend anmerkt - mit leiten soll. Während sich Kara und Alex (Chyler Leigh) natürlich Sorgen um J'onn machen, kommen einige Geheimnisse ans Tageslicht, die drastische Konsequenzen nach sich ziehen.

Refugee
Der Blick zurück auf J'onns Vergangenheit, wie er von einem mit Hass auf Aliens erfüllten Hank Henshaw im peruanischen Dschungel verfolgt wird (leichte Erinnerung an den Actionklassiker „Predator“ werden wach) und das Aufeinandertreffen zwischen Jeremiah Danvers (Dean Cain) und dem Marsianer füllt clever ein paar Lücken in der Hintergrundgeschichte von J'onn J'onzz. Als Zuschauer kann man in Zeiten der akuten Flüchtlingskrise gar einen realen Bezug zu J'onns Leidensgeschichte herstellen, dem von vielen Menschen aufgrund seiner Andersartigkeit Intoleranz und Hass entgegengebracht wird, die wiederum auf blinder Angst beruhen - wie es der alte Hank Henshaw, aber auch Harper deutlich zeigen. Harper ist ein unausstehlicher Charakter und soll auch ein solcher sein, seine sehr eindimensionale Figurenzeichnung gerät dennoch etwas plump und flach.
Ebenfalls etwas eigenartig ist die Vorstellung der Autoren, dass wir nach dem kurzen Intermezzo zwischen Jeremiah und J'onn glauben sollen, dass sich zwischen den beiden nun ein besonderer Bund geformt hat. Dies geht für meinen Geschmack etwas zu schnell, auch wenn David Harewood in seiner Doppelrolle und Ex-Superman Dean Cain sich schauspielerisch insgesamt gut schlagen. Es ist in gewisser Weise nachvollziehbar, warum J'onn sich dem letzten Wunsch Jeremiahs verpflichtet fühlt, bewahrt dieser ihn doch vor dem Tod. Etwas umfangreicher, um die Glaubwürdigkeit zu steigern, hätte dieser Trip zurück in die Vergangenheit meiner Meinung nach aber schon sein dürfen.
Purpose
Die Macher finden dann Gefallen an diversen Rückblicken, zum Beispiel in das Leben von Alex als verantwortungsloses Feierbiest. Die taffe DEO-Agentin bezieht in Manhunter klar Stellung für ihren Boss und Chyler Leigh transportiert das beherzte und überzeugte Auftreten ihrer Figur wie so oft mit Bravour. Wie sie von J'onn wiederum unter seine Fittiche genommen wird, entspricht eher einer gängigen Trope, doch die Chemie zwischen Harewood und Leigh stimmt einfach, so dass die besondere Beziehung zwischen diesen beiden Figuren (an welcher man übrigens lange Zeit gefeilt hat, weshalb man nun erfolgreich die Ernte einholen kann) sich für den Zuschauer auch emotional auszahlt.
Es hat sich mit Alex, Hank und Kara schlichtweg einen starkes Dreiecksgespann entwickelt, mit denen man stets mitfiebert und bangt. Supergirl sind indes die Hände gebunden: Natürlich könnte sie ihre Kräfte einsetzen, um zu helfen, doch dadurch würde sie sich nur noch mehr Feinde machen und die öffentliche Wahrnehmung bezüglich außerirdischen Lebensformen nur noch mehr anheizen. Außerdem verfügt Harper über ein besonderes technisches Spielzeug, mit dem er nicht nur J'onns Superkräfte, sondern auch einige Fähigkeiten Karas blockieren kann. Die zauberhafte Gerätschaft stellt derweil mal wieder ein gutes Beispiel dafür dar, dass die Autoren sich mal wieder schnell ein Hindernis aus den Fingern saugen, weil sie es gerade benötigen. Als Zuschauer muss man diese extrem wertvolle Errungenschaft, ein universelles Werkzeug gegen die stärksten Alienwesen, einfach hinnehmen und sollte nicht weiter fragen, wo es genau herkommt oder wie es gar entwickelt wurde.
Dissection
Manch einer sagt nun sicher, dass ich mich etwas zu sehr auf Details wie dieses versteife, doch für mein Seherlebnis ist es schon ein Faktor, wenn sich die Autoren immer wieder so simpel aus der Affäre ziehen. Sei es mit irgendwelchen zauberhaften, übermächtigen Erfindungen aus dem Nichts oder aber neuen Nebenfiguren (General Lane, Lucys Vater, lässt grüßen) wie Harper, die dermaßen einfach gezeichnet sind, was aber eh nicht besonders wichtig ist, da wir uns sofort wieder von ihnen verabschieden dürfen. Harper, der eine sehr persönliche Verbindung zu dem scheinbar toten Hank Henshaw hat, ist aus diesem Grund im Übrigen die denkbar schlechteste Wahl, um die Ermittlungen gegen die DEO zu leiten.
Aber das wissen die Autoren natürlich, die es auf dieses sehr konstruierte Drama anlegen, was sie doch eigentlich gar nicht nötig haben. Ein ruhiger, rationaler, wenig vom blanken Hass geblendeter Abgesandter anstelle Harpers hätte doch ebenfalls eine interessante und weitaus subtilere Geschichte zur Folge haben können...

The right thing
Etwas positiv stimmt mich dafür zwischendurch eine nachdenkliche Lucy, die einen solchen Part einnehmen könnte und nicht zu vergessen scheint, was J'onn J'onzz als Direktor der DEO alles bewirkt und welche Gefahren er abgewendet hat, um seine neue Heimat zu schützen. Sie wird dann aber plötzlich zur Antagonistin gemacht, damit ihr wenig später von Kara die Augen geöffnet werden können. Erneut sehen wir einen Flashback, der das schwierige Leben der jungen Kara in der Welt der Menschen zeigt und was es bedeutet, aufgrund seiner Andersartigkeit nicht in diese hineinzupassen. Die Menschen können aufgrund ihrer Angst zu schrecklich intoleranten, hassgeleiteten Scheusalen werden, wie Adoptivvater Jeremiah Kara erklärt.
Wahre Worte - warum er der jungen Damen aber sagen muss, dass es auf der Erde kein weiteres Superwesen braucht, da sie ja schon Superman haben, verstehe ich nicht ganz. Natürlich will er Kara schützen, was am besten funktioniert, wenn ihre Kräfte unerkannt bleiben. Mit dieser Aussage unterdrückt er aber ihre natürlichen Instinkte, sie selbst zu sein, Fremdenhass nicht zu fürchten und vielleicht sogar aktiv für mehr Toleranz von außerirdischen Lebensformen in dieser Weltgesellschaft zu kämpfen. Wo wäre denn Kara, wenn sie ihrem wahren Ich eben nicht freien Lauf gelassen hätte, trotz all der Risiken und Gefahren, die ihr „Outing“ mit sich bringt?
On the run
Es wurde zumindest Zeit, dass endlich Klarheit zwischen Kara und Lucy herrscht, wobei man schon ein wenig ins Schmunzeln kommt, fällt es Lucy doch wie Schuppen von den Augen, dass Kara Supergirl ist, nachdem diese einfach ihre Brille abnimmt. Karas Appell an Lucy, die eben nicht von Angst und Hass zerfressen ist, sondern auch über den Tellerrand hinausblicken kann und über einen natürlichen Gerechtigkeitssinn verfügt, löst in der Anwältin dann eine dementsprechende Reaktion aus. Dass J'onn und Alex zu einem geheimen Ort gebracht werden sollen, an welchem im Rahmen des nebulösen Regierungsprojekts Cadmus Experimente an ihnen durchgeführt werden sollen, beißt sich mit den persönlichen Überzeugungen und dem ethischen Kodex, dem Lucy folgt.
Gemeinsam mit Kara gelingt es ihr dann auch, Alex und J'onn zu befreien. Durch den Blick in die Gedankenwelt von Harper erfährt J'onn jedoch, dass Jeremiah Danvers noch am Leben ist - und zwar dort, wo das Projekt Cadmus betrieben wird. Er und Alex befinden sich eh auf der Flucht und verabschieden sich in einem merkwürdig finalen Moment von Kara, um diesem Rätsel auf eigene Faust nachzugehen. Lucy steht indes eine Beförderung bevor: Sie übernimmt als neue Direktorin das DEO und arbeitet fortan mit Kara zusammen.
Set-back
Was Lucy genau für diese Aufgabe qualifiziert (außer die Verbindung zu ihrem Vater), erschließt sich mir nicht ganz, das neue Duo, das sie nun mit Kara bildet, ist aber eine interessante Abwechslung. Auch, dass Alex und J'onn sich nun von dem Haupthandlungsstrang abspalten, könnte eine sehr spannende Nebengeschichte nach sich ziehen. Außer natürlich, diese ereignet sich vorerst off-screen, was ich aber nicht glaube, da die Macher ganz genau wissen, was sie an Chyler Leigh und David Harewood haben. Die Charakterkonstellationen werden also auf dem Weg zum ersten Staffelfinale noch einmal ordentlich durcheinandergewürfelt, was eigentlich eine spannende Idee ist. Nur, wie wir an diesem Punkt letztlich ankommen, ist etwas konstruiert und hätte vielleicht eleganter gelöst werden können.

Als kleine Nebengeschichte fungiert in Manhunter übrigens der persönliche Rachefeldzug Siobhans gegen Kara, der aber gehörig nach hinten losgeht, auch, weil Winn (Jeremy Jordan) sich schützend vor seine gute Freundin stellt. Cat Grant (Calista Flockhart) ist indes wie immer göttlich, sei es aufgrund ihrer herrlichen Kommentare (wenn Mel Gibson einen Golden-Globe-Award präsentieren kann, kann Supergirl auch das Vertrauen von National City zurückgewinnen) oder aber auch, wie sie die falsche Siobhan an die Wand stellt.
Diese peilt nun das an, was sie sich wirklich wünscht: Ihre Rache an Kara beziehungsweise Supergirl, die sie genauso sehr hasst (warum eigentlich?). Das wollte Winn mit seiner motivierenden Ansprache wohl eher nicht bezwecken. Italia Riccis Figur wird somit für das große Crossoverevent zwischen Supergirl und The Flash in Position gebracht, wo ihre frisch entdeckten Superkräfte, woher auch immer sie diese hat, sicherlich zum Einsatz kommen werden.
Fazit
Die Supergirl-Episode Manhunter macht es sich selbst etwas schwerer, als es eigentlich sein muss und zeigt dadurch ein paar Makel in ihrem strukturellen Aufbau. Dieser weist zwar ein paar wohl überlegte Parallelen zwischen den verschiedenen Charakteren auf, dafür aber auch das eine oder andere seltsame Plotelement, das für etwas Irritation sorgt. Dennoch wird die allgemeine Handlung wie so oft sehr flott vorangetrieben, was in einigen interessanten Veränderungen endet. Zudem überzeugt die Darstellerriege gekonnt und kann so einige Unzulänglichkeiten vergessen machen. Nun darf erwartungsvoll dem Treffen zwischen der Maid aus Stahl und dem schnellsten Mann der Welt entgegengeblickt werden, welches wir nächste Woche zu sehen bekommen.
Trailer zur Crossover-Episode mit „The Flash“, „Worlds Finest“ (1x18) der US-Serie „Supergirl“:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 22. März 2016(Supergirl 1x17)
Schauspieler in der Episode Supergirl 1x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?