Supergirl 1x16

Supergirl 1x16

Supergirl gone bad. Die Episode Falling zeigt uns die sonst so zuvorkommende und pflichtbewusste Heldin von einer ganz anderen, weitaus düstereren Seite. Das Ergebnis: eine insgesamt sehr unterhaltsame Folge, die in den richtigen Momenten viele emotionale Treffer landen kann.

Melissa Benoist als Kara aka Supergirl in „Falling“ / (c) CBS
Melissa Benoist als Kara aka Supergirl in „Falling“ / (c) CBS

In den bisherigen Episoden der ersten Staffel von Supergirl bot sich der jungen Hauptdarstellerin Melissa Benoist schon so einige Male die Chance, ihr Talent auzuspielen und Supergirl von den verschiedensten Seiten zu präsentieren. Benoist hat sich wöchentlich gesteigert und steht nun in der Episode Falling vor einer ganz besonderen Herausforderung: aus dem gutherzigen Schutzengel National Citys eine unsympathische Schurkin zu machen, die zu einer handfesten Gefahr für die Stadt und Karas Lieben wird. Und auch diese Aufgabe meistert Melissa Benoist mit Bravour.

Rotes Kryptonit, eine Erfindung des vor wenigen Wochen wieder auf freien Fuß gesetzten Maxwell Lord (Peter Facinelli), macht in „Falling“ aus der besonnenen Maid aus Stahl eine unaustehliche, extrem arrogante Person, mit der nicht gut Kirschen essen ist. Eigentlich wollte Lord seine neueste Entdeckung als Waffe gegen Non (Chris Vance) und seine Anhängerschaft nutzen und diesem eine Falle stellen. Als jedoch Supergirl im Zuge einer simplen Rettungsaktion unter den Einfluss des synthethischen Kryptonits gerät, legt dieses einen tief in ihr unterdrückten Zorn frei, der fortan die Kontrolle über Kara übernimmt und sie dadurch auf sehr finstere Pfade führt.

Going off the rails

Dem Autorenteam hinter „Supergirl“ bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten, mit dieser neuen Prämisse und den Veränderungen ihrer Hauptfigur zu spielen, was eine abwechslungsreiche, bisweilen extrem kurzweilige und amüsante, aber auch überraschend drastische und oftmals gar sehr ernste Episode nach sich zieht. Erneut stimmt hier sowohl die Mischung als auch die Balance dieser verschiedenen Aspekte, so dass etwaige Logiklöcher und Zweckdienlichkeit gekonnt kaschiert werden und man als Zuschauer allen voran seinen Spaß an dieser Folge hat. Benoist beziehungsweise Kara von dieser komplett neuen Seite zu sehen, ist ein frischer Einfall, der im Sinne einer eher Procedural-typischen Folge reichlich Spannung, gleichzeitig aber auch ein paar weitreichende Entwicklungen für den weiteren Verlauf der Staffel verspricht.

Winn (Jeremy Jordan); James (Mehcad Brooks) und Cat Grant (Calista Flockhart) in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS
Winn (Jeremy Jordan); James (Mehcad Brooks) und Cat Grant (Calista Flockhart) in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS

Breakdown

Man bedient sich bei der Einführung des roten Kryptonits mal wieder bei den DC Comics, in denen Superman mehrfach von dieser Substanz beeinflusst wurde und im Zuge dessen zum Beispiel seine Superkräfte verlor. Wie es Lord gelungen ist, diese „Waffe“ gegen Kryptonier zu erschaffen, bleibt wie immer bei den wissenschaftlichen Erklärungen in „Supergirl“ recht vage, der Effekt der unheilvollen Materie ist aber weitaus origineller, als dass Supergirl „nur“ ihre besondere Fähigkeiten verliert. Dadurch, dass das rote Kryptonit wie ein Mittel wirkt, das in Kara ein Ventil öffnet und ihren unterdrückten Emotionen freien Lauf lässt, entspinnt sich nicht nur eine unterhaltsame Geschichte mit einer gänzlich veränderten Hauptfigur, sondern auch ein hochinteressanter Blick in Karas inneres Seelenleben, das weitaus aufgewühlter ist, als manch einer gedacht hätte.

Natürlich haben wir zunächst unseren Spaß daran, Kara mal extrem selbstbewusst beziehungsweise arrogant (diese beiden Attribute trennt wie so oft nur ein ganz schmaler Grat) zu sehen, völlig von sich selbst überzeugt und unaufhaltbar, ganz wie ihre Chefin und Mentorin Cat Grant (Calista Flockhart). Diese ist zunächst auch recht angetan von dem neuen Biss ihrer Assistentin, wobei recht schnell deutlich wird, dass dies nicht nur eine kurze Laune Karas ist, sondern sie von Minute zu Minute mehr korrumpiert wird, was sie letztlich zu einer furchtbar gemeinen, hinterhältigen und manipulativen Schlange macht.

A new color

Cats neue Assistentin Siobhan (Italia Ricci) bekommt dies als Erstes zu spüren. Nach dem kurzen Schäferstündchen im Besenschrank mit Winn (Jeremy Jordan) möchte sie eine ungeheuerliche Geschichte über Supergirl veröffentlichen, was jedoch von Cat abgeschmettert wird, weiß sie doch um die Bedeutung der Heldin für die Stadt. Als Siobhan dann den Daily Planet kontaktieren möchte, schreitet die „neue“ Kara intrigant zur Tat, was Siobhans Entlassung zur Folge hat. Einen schnippischen Kommentar kann sich Kara da natürlich auch nicht verkneifen.

Benoist merkt man von Beginn ihrer Transformation der freundlichen Kara zu einer unaustehlichen Zicke großen Spaß an dieser neuen Facette der Figur an und auch die Autoren finden anscheinend großen Gefallen daran, Kara - für ihre Verhätnisse - sehr untypisch, extravagant und überheblich zu zeigen. Die Parallelen zu Cat Grant sind nicht von der Hand zu weisen, doch Kara geht noch einen Schritt weiter und kennt kurze Zeit später überhaupt keine Grenzen mehr. Wo man Cat wohl noch eher ein Gewissen zumuten würde, verhält sich Kara absolut skrupellos und entwickelt sich zu einer Bedrohung für die Bewohner von National City.

Bad seed

Dabei zeigt man uns anfänglich in ein paar charmanten, wenn auch etwas klischeehaften Aufnahmen, wie sehr Supergirl doch in ihrem Ansehen der Menschen von National City gestiegen ist, dass sie zu einem Vorbild und zu einem Idol geworden ist, zu dem die Leute aufblicken. Cat weiß um diese Macht und ist ihr stärkster Verteidiger, was sie übrigens in CBS' Talkformat „The Talk“ an der Seite von Kelly Osbourne mehr als deutlich macht. Doch, als Cat am eigenen Leib erfährt, dass Supergirl von dem rechten Pfad abgekommen ist (in einer sehr aufregenden Szene, als Supergirl Cat von ihrem Hochaus wirft), wendet sich das Blatt. Supergirl ist ein neues Feindbild, eine unkontrollierbare Macht, eben genau das, was ein Maxwell Lord aus ihr machen will: die Geißel der Menschheit, die ohne mit der Wimper zu zucken gewaltiges Chaos und Leid anrichten könnte. Und die Menschen wären hilflos.

Supergirl (Melissa Benoist) als Idol in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS
Supergirl (Melissa Benoist) als Idol in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS

Take the pain away

Zugegeben, etwas leicht lassen sich die guten Bürgerinnen und Bürger von National City schon von der Meinungsmacherin Nummer eins, Cat Grant, überzeugen, dass Supergirl von jetzt auf gleich böse geworden ist. Melissa Benoist legt sich aber auch ordentlich ins Zeug, die eigentlich ursympathische Kara sehr furchterregend zu machen. Dabei darf man jedoch nie vergessen, dass Kara vom roten Kryptonit nicht böse gemacht wird, sondern, dass es das Böse in ihr offenlegt. Vor allem im emotionalen Streitgespräch mit Adoptivschwester Alex (Chyler Leigh) zeigt sich die ganze aufgestaute Wut Karas nach dem Verlust ihrer Tante (Karas neues Outfit erinnert nicht umsonst an Astra). Dies öffnet letzten Endes auch Alex die Augen, die nach der Heilung Karas weiß, dass die beiden sich abermals mit diesem Thema befassen müssen. Das Unterdrücken von Gefühlen, vor allem von Zorn, wird nie ein gutes Ende nehmen, wie der Extremfall um Kara gezeigt hat.

Ihre bisherigen Taten gehen natürlich nicht spurlos an Supergirl vorbei, seien es persönliche Verluste oder einfach nur ein kleines Gefühl des Unverständnisses, warum Hank (David Harewood) in seiner Martian-Manhunter-Form nicht im Kampf gegen außerirdische Bedrohungen helfen kann, was wiederum nach Karas Wandlung zu großem Frust in ihr und fiesen Provokationen gegenüber Hank führt. In gewisser Art und Weise wird Kara hier sehr menschlich gezeigt, einer tief verwurzelten Seite von ihr wird die Fassade genommen und so zeigt sich eine gemeine Fratze, die wohl ein/e jede/r in sich trägt. Nur bei ihr ist diese Offenlegung ihres Charakters umso drastischer, lässt sie ihrer Wut doch auf verheerender Art und Weise freien Lauf.

Alien threat

Während ich mir einen Kampf zwischen The Martian Manhunter und Supergirl gewünscht hätte, der gerne etwas ausufernder und bombastischer sein dürfte (höchstwahrscheinlich eine Frage des Budgets), funktioniert die Auflösung von diesem Konflikt zumindest auf einem emotionalen Level hervorragend. Gut, Lords Zauberwaffe der Genesung, die Kara wieder normal macht, muss als simples plot device hingenommen werden. Dafür machen die Autoren aber in den Szenen um den aufopferungsvollen Hank Henshaw aka J'onn J'onzz alles richtig. Erneut kommt hier David Harewoods natürliche, extrem würdevolle Ausstrahlung zum Tragen, als sein Charakter sich schützend vor seine beiden Ziehtöchter stellt. Natürlich könnte er sich auf die Flucht begeben, doch so ein Leben möchte er nicht, nicht noch einmal. Als Gefangener kann er zumindest sichergehen, dass Alex und Kara nicht in Verdacht geraten, von seiner Geheimidentität als Außerirdischer gewusst zu haben.

Die emotionalen Momentaufnahmen stapeln sich zum Ende der Episode, so zum Beispiel, als erst Supergirl am Boden zerstört realisiert, was sie angerichtet hat oder aber auch Alex einen wundervollen Moment mit Hank in seinem Glasgefängnis teilt. Hier zahlen sich die guten Charakterbeziehungen aus, die man bis zu diesem Punkt der Staffel glaubwürdig aufgebaut hat und die uns mit den Figuren mitfühlen lassen. Selbst das angedachte klärende Gespräch zwischen Kara und James (Mehcad Brooks), dem sie sich zwischendurch sehr offensiv an den Hals geworfen hatte, geht auf, endet aber darin, dass James selbst verunsichert ist, was er eigentlich will.

Change of mind

Möglich, dass James nun eine kleine Pause einlegt, um das komplizierte „Will they, won't they“-Verhältnis zwischen ihm und Kara etwas zu entspannen. Auch er weiß, dass die Gemeinheiten, die Kara über Lucy von sich gegeben hat, tief in Kara verankert und nicht nur Folge des roten Kryptonits sind. Reuevoll, aber ihrer Schuld und Verantwortung bewusst, zeigt sich Supergirl dann letztlich auch noch gegenüber Cat, die sich wiederum in der Pflicht gesehen hat, die Öffentlichkeit vor dem bösen Supergirl zu warnen. Es liegt nun an Supergirl allein, das Vertrauen der Menschen zurückzugewinnen und wieder zu dem Symbol zu werden, das Cat nach wie vor in ihr sieht, auch wenn sie die unfreiwillige Flugstunde sichtlich erschüttert hat.

Cat Grant (Calista Flockhart) in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS
Cat Grant (Calista Flockhart) in %26bdquo;Falling%26ldquo; © CBS

Es ist ein durchaus interessanter Zeitpunkt, unsere Hauptfigur nun diese schwierige Phase durchleben zu lassen. Falling zeigt, dass Kara menschlicher ist, als sie vielleicht oftmals von sich selbst annehmen würde, und dass sie einen Weg finden muss, mit ihren Emotionen richtig umzugehen. In ihrer Position und mit ihren Kräften ausgestattet, wird sie sonst eine wirkliche Gefahr für die Menschheit, sollte sie sich abermals von verstecktem Frust und Zorn überkommen lassen. Mit Hank hinter Gittern fehlt ihr nun aber auch mit Alex ein wichtiger Fixpunkt, der den beiden Danvers-Schwestern stets Halt gab. Kurz vor dem Ende der ersten Staffel von Supergirl scheint es nun so, als müssten die beiden Powerfrauen endgültig über sich hinauswachsen und sich ihrer verdammt großen Verantwortung stellen.

Fazit

Die Episode Falling gefällt mir persönlich trotz einiger kleinerer Kritikpunkte sehr gut und bietet allen voran exzellente Fernsehunterhaltung sowie reichlich Abwechslung. Sowohl hochdramatische Momentaufnahmen (Kara bringt Alex in Lebensgefahr) als auch die sehr kurzweiligen Zwischentöne (Karas Auftritt im Cat-Grant-Stil ist superb) machen „Falling“ zu einer aufregenden, schwungvollen Episode, in der die Zeit wie im Flug vergeht. Melissa Benoist legt sich dabei besonders ins Zeug und macht ihre Figur zu einer waschechten, angsteinflößenden Bedrohung, was unter anderem dafür sorgt, dass man in den sehr düsteren Szenen komplett involviert ist und mitunter von den schlimmsten Entwicklungen ausgeht.

Der Blick auf das tief in Kara verborgene emotionale Befinden unserer Heldin ist derweil sehr spannend, interessant und für den Zuschauer leicht nachzuvollziehen, kann doch jeder persönlichen Bezug zu Kara und zu ihren unterdrückten Gefühlen nehmen. Der weitere Verlauf der Handlung ist indes nur schwer abzusehen, also kann man gespannt auf die nächsten Folgen der Superheldenserie blicken, die nun langsam, aber sicher auf die Zielgerade ihrer ersten Staffel einbiegt.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 15. März 2016
Episode
Staffel 1, Episode 16
(Supergirl 1x16)
Deutscher Titel der Episode
Wie ausgewechselt
Titel der Episode im Original
Falling
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 14. März 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 5. Juli 2016
Autoren
Robert L. Rovner, Jessica Queller
Regisseur
Larry Teng

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x16

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