Supergirl 1x15

Die gute Nachricht vorweg: Der gewaltige Holzhammer aus der letzten Episode (Truth, Justice and the American Way) wurde für die neue Folge Solitude erst einmal wieder eingepackt. Wir bekommen eine leicht überdurchschnittliche Geschichte zu sehen, in der der hohe Wert des Teams Supergirl deutlich aufgezeigt wird und nebenbei die Fans der Comicvorlage mit einigen charmanten Anspielungen sowie einer bekannten Antagonistin verwöhnt werden.
Als Widersacherin der Woche tritt nämlich das Alien Indigo auf, eine hochintelligente Lebensform, die über ihre besonderen Fähigkeiten Zugriff auf die komplette Infrastruktur und digitale Welt der Menschheit hat. Ihr Ziel: die Auslöschung der menschlichen Spezies. Den Anfang soll dabei National City machen, das von einer nuklearen Katastrophe bedroht wird, die Supergirl (Melissa Benoist) gemeinsam mit dem DEO verhindern muss. Bis diese Parteien sich aber wieder in die Augen blicken können, vergeht jedoch eine ganze Weile. Zwischen Kara und Hank (David Harewood) herrscht aufgrund des Todes von Astra (Laura Benanti) nach wie vor Funkstille.
Hard experiences
Doch, wer die Sorge hatte, die Autoren würden das Geheimnis von Alex (Chyler Leigh), die eigentlich für das Ableben von Astra verantwortlich ist und nur von Hank geschützt wird, unnötig in die Länge ziehen, wird hier nun zum Ende der Folge große Augen machen. Man weiß, dass dieser Konflikt zwischen den beiden Schwestern und Hank schon bald für großes Drama sorgen wird. Diese absehbare Eskalation generiert jetzt nicht unbedingt Spannung, die Macher packen den Stier jedoch etwas unerwartet bei den Hörnern und präsentieren uns zum Abschluss der Folge die Auflösung dieser Notlüge, die dafür sorgen sollte, dass die bedeutsame Schwesterbeziehung von Kara und Alex nicht gefährdet wird.

Reaction
Es ist äußerst positiv, dass dieses „Problem“ nicht unnötig hinausgezögert wird und Alex Kara die Wahrheit sagt. Nicht nur, dass einem die sehr sture, dickköpfige Kara ein Stück weit auf den Geist gehen kann, was sich mit der ehrliche Ansage von Alex wohl wieder etwas legen sollte. Die gesamte, sehr emotionale Szene zwischen den beiden ist ein Höhepunkt der Episode, man merkt hier doch die hohe Wertigkeit ihres Verhältnisses. Auch die Einbeziehung von „Ziehvater“ Hank Henshaw hat eine wunderbare Note, war er doch von Anfang an bereit, alles dafür zu tun, um die Schwesterbeziehung der beiden Danvers-Damen zu beschützen. Der einfache Händedruck und Blick von Kara zu Hank sagt mehr als tausend Worte: Es ist eine Art Dankbarkeit und Verständnis für ihn, der selbstlos den Zorn Karas für das Wohl der Töchter seines guten Freundes Jeremiah Danvers auf sich zog.
Auf einem emotionalen Level funktioniert dieser Schlusspunkt hervorragend, auch, weil er gut verdeutlicht, wie wichtig das kurzzeitig erschütterte Teamgebilde für jedes einzelne Mitglied sowie für das Wohl und Wehe der Welt ist. Natürlich waren Astras Tod und Hanks Lüge von Beginn an sehr konstruiert, sodass es letztendlich auf eine derartige Szene hinauslaufen musste. Die Charaktere, ihre Beziehungen untereinander und die Darsteller sind aber stark genug, um dieser Auflösung des offensichtlichen Konflikt doch etwas sehr Kraftvolles und Ergreifendes zu geben, weshalb ich als Zuschauer sehr zufrieden mit dieser Entwicklung bin.
On the same side
Generell zeigen die Autoren in Solitude sehr ordentlich auf, was den Teamgedanken der Freunde um Supergirl ausmacht, indem sie die eingespielte Truppe etwas aufbrechen und losgelöst voneinander agieren lassen. Die Moral der Geschichte ist zwar recht einfach verpackt - ohne gegenseitige Hilfe ist sowohl das DEO als auch Kara aufgeschmissen -, die Parallelmontagen zwischen beiden Seiten sowie der Trotz von Hank und Kara, die beide der Meinung sind, dass sie ohne den jeweils anderen erfolgreich Menschenleben retten können, haben aber ein paar sehr kurzweilige Momente zur Folge.
Für ein paar Wermutstropfen sorgen dann jedoch erneut einige der zahlreichen Charaktermomente. Natürlich haben viele davon amüsante kleine Zwischentöne (der gute Winn aka Toyman Junior muss so manch schnippischen Kommentar über sich ergehen lassen), während diverse emotionale Ansprachen (siehe die finale Szene der Folge oder auch die Gespräche zwischen Kara und Lucy sowie Winn und Neu-Assistentin Siobhan) ihr Ziel nicht verfehlen. Dennoch merkt man der Folge an, dass man hier und da mal wieder etwas behutsamer auf die „komplizierte Liebesbeziehungs-Drüse“ hätten drücken können.
Commitment
So kehren wir zum Beispiel zu Lucy (Jenna Dewan Tatum) und James (Mehcad Brooks) zurück, deren Beziehung schließlich durch Lucy beendet wird. Sie sieht nicht nur, dass James nicht in der Lage ist, ihr die Wahrheit zu sagen, sondern auch, dass er in Kara verschossen ist. Lucys Entscheidung ist konsequent und richtig, ein seltsamer Beigeschmack bleibt trotzdem, kommt es einem doch so vor, als hätte man eine dementsprechende Szene zwischen Lucy und James schon ein paar Mal zuvor gesehen. Dieses „on/off“-Spielchen zwischen den beiden ist leider ein Stück weit ermüdend. Aus diesem Grund nimmt man sämtliche Aufnahmen um dieses Liebesdreieck auch etwas gleichgültig wahr.

Out of time
Bei dem angedeuteten Techtelmechtel zwischen Siobhan (Italia Ricci), die doch nicht ganz so cool und selbstsicher ist wie gedacht, und Winn (Jeremy Jordan) habe ich indes eher weniger Probleme damit, dass diese beiden Figuren irgendwie zueinanderfinden, merkt man doch schon eine eigenwillige, charmante Verbindung zwischen ihnen. Ich frage mich eher, ob es diese sehr kleine Nebengeschichte um Siobhan, ihren untreuen Vater und der Gemeinsamkeit der ungelösten Familienprobleme bei ihr und Winn in dieser Folge gebraucht hätte. Übernimmt man sich hier vielleicht etwas? Zumindest ist dieser Handlungsstrang recht clever verbunden mit einem dubiosen Leak zu einer Website für notorische Fremdgeher, bei der auch Siobhans Vater angemeldet ist.
Trotzdem fühlt sich ihre und Winns Geschichte gefährlich nebensächlich an und droht mal wieder komplett unter den Tisch zu fallen. Und dabei finde ich sie gar nicht mal so uninteressant und bin sogar gespannt, wohin die Beziehung dieser beiden Figuren gehen könnte. Ob Siobhan vielleicht nur ein gemeines Spiel mit Winn treibt und ob dieser vielleicht endlich mal etwas Glück in der Liebe hat. Etwas stutzig macht mich indes Cats (Calista Flockhart) Verhalten, die die brisanten Insiderinformationen zu der Schmuddel-Website nicht weiter nachverfolgen will. Warum eigentlich? Dies ist doch ein gefundenes Fressen für sie. Doch ihre moralischen Überzeugungen sprechen dagegen, was etwas eigenartig ist, ist sie doch stets auf der Suche nach den pikantesten Nachrichten. Während ich dieses Handeln als nicht ganz charakterkonform empfinde (außer, sie hat selbst etwas zu verbergen), finde ich später wiederum stark, wie sie sich angesichts der akuten Bedrohung für National City und seine Bewohner einsetzt.
Evil blonde computer face
Die Bedrohung stellt in Solitude das optische Mystique-Double Indigo dar, die - wie sich später herausstellt - die mittlerweile achte Version des großen Superman-Nemesis Brainiac ist. Die Verantwortlichen sind sich indes keiner Hommage verlegen und bauen sogar kleine Erwähnungen der Brainiac- und auch Supergirl-Schöpfer ein (ein Liefertruck trägt zum Beispiel das Nummernschild PLASTINO, nach Al Plastino, dem Zeichner dieser beiden Figuren). Indigo als Seriencharakter - übrigens überzeugend von Laura Vandervoort verkörpert, die in der Superman-Serie Smallville Supergirl als auch eine Form von Brainiac spielte - macht sich derweil sehr ordentlich als mächtiges, fast spielerisch böses Feindbild für unsere Heldin.
Die Fähigkeiten von Indigo sind durchaus interessant, und wie es scheint, wird sie auch in naher Zukunft noch eine Rolle spielen, möchte Non (Chris Vance) sie doch nach ihrer vermeintlichen Niederlage gegen Team Supergirl für seine undurchschaubaren Pläne nutzen. Darüber hinaus lockert man die „Bösewicht der Woche“-Formel ein wenig auf, indem schließlich Winn der entscheidende Faktor dafür ist, dass Indigo aka „a glorified Windows Vista“ via Malware ausgeschaltet werden kann. Die Autoren strecken sich zwar ein wenig, machen sie Winn doch zu der Instanz schlechthin, wenn es um Computerprobleme, Hackertum und dergleichen geht, doch der sympathische IT-Techniker hat sich diesen Ruhm auch verdient.

Predators and prey
Die direkte Auseinandersetzung zwischen Kara und Indigo fühlt sich unterdessen nicht ganz so gewaltig an, wie vermutlich von den Serienmachern gedacht. Das kurze Scharmützel zwischen den beiden Powerfrauen ist ganz nett mit anzusehen - das Aufhalten des Nuklearsprengkopfs, der auf National City zurast, verläuft aber eher spannungsarm. Den Autoren scheint es in diesen Szenen aber weniger darum zu gehen, dass Supergirl wie erwartet den Tag retten wird, sondern eher darum, das DEO und die junge Heldin wieder zusammenzuführen und den emotionalen Schlusspunkt vorzubereiten. Die Effektarbeit bezüglich der pixeligen Indigo kann sich indes sehen lassen, während die Ansage der finsteren Zeitgenossin, dass Kara indirekt für den Absturz des Gefängnisschiffes Fort Rozz auf der Erde verantwortlich ist, ein klein wenig im Nichts verläuft.
Warum genau wird Indigo kurz vor ihrem scheinbaren Tod noch diese Spitze gegen Kara los? Sehr wahrscheinlich nur, um zu verdeutlichen, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist und ein Wiedersehen zu erwarten ist. Die Einbeziehung des Brainiac-Charakters ist aber im Großen und Ganzen ein sehr netter Fanservice, wobei es die Verantwortlichen hiermit auch fast ein wenig übertreiben. Karas und James' Ausflug zur Fortress of Solitude, Supermans Festung der Einsamkeit, schreit nämlich ganz gewaltig danach. Zwar können die beiden hier wertvolle Informationen über Indigo vom Planeten Culo gewinnen, der Abstecher zu diesem prestigeträchtigen Schauplatz an sich verpufft aber ein wenig. Immerhin dient er als Namensgeber für die Episode, die letztendlich zeigen soll, dass Einsamkeit nicht besonders schön ist und einen hilflos machen kann, während man im Team durch gegenseitiges Vertrauen große Dinge erreichen kann. Ganz ohne Holzhammer geht es dann wohl doch nicht.
Fazit
Die Episode Solitude stellt eine Steigerung zu der vorangegangenen Folge dar und präsentiert uns eine kurzweilige Geschichte mit vielen Referenzen an die Comicvorlage und das DC-Universum. Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass viele Aspekte in der Episode nur angerissen werden, siehe Indigo und einige der Liebeleien zwischen den verschiedenen Charakteren, die nur bedingt zünden wollen. Einen großen Pluspunkt verdient man sich jedoch mit dem hochemotionalen Schlusspunkt der Folge, als zwischen Kara, Alex und Hank Klartext gesprochen wird. In Szenen wie diesen merkt man einfach, was für eine Kraft in der Beziehung der Danvers-Schwestern und den beiden Darstellerinnen Melissa Benoist und Chyler Leigh steckt.
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 1. März 2016(Supergirl 1x15)
Schauspieler in der Episode Supergirl 1x15
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