Supergirl 1x14

Truth, Justice and the American Way - Worte, bei denen das Herz eines jeden stolzen US-Amerikaners gleich schneller schlägt und man die Staatsflagge der USA geradezu im Wind, leicht vom Sonnenschein durchschimmernd, wehen sieht, während irgendwo ein Tränchen verdrückt wird. Ja, zynischer kann man eine Kritik wohl kaum einleiten, doch wenn der aktuellen Supergirl-Episode nur eine Sache fehlt, dann ist es eben genau eine solche Szene.
Einer der größten Kritikpunkte von „Supergirl“ - nicht nur meiner Meinung nach, wie ich wöchentlich in vielen Kommentaren unter den Rezensionen zur Serie lese - ist ohne Frage das Problem der Subtilität. Oder besser: die fehlende Subtilität. Es ist dem Autorenteam schon ein paar mal gelungen, Geschichten für die Maid aus Stahl zu entfernen, in der die Moralkeule weniger heftig geschwungen wird und man sich als Zuschauer selbst etwas aus der Erzählung herausfiltern muss. Genauso haben die Serienmacher aber auch schon ein paar Folgen fabriziert, die uns furchtbar offensichtlich die „Lektion der Woche“ vorkauen und dem Zuschauer von vornherein abgenommen wird, selbst nachzudenken und eine Kernaussage auszuarbeiten.
True justice
„Truth, Justice and the American Way“ fällt leider für die meiste Zeit in letztere Kategorie von „Supergirl“-Episoden, wird uns hier doch furchtbar simpel vorgebetet, wie ein gerechtes Justizsystem zu funktionieren hat, welche Wertevorstellungen uns von den bösen Buben unterscheiden und warum man überhaupt für die Gerechtigkeit im amerikanischen Sinne eintreten muss. All dies sind relevante Themen und passen auch zur Handlung der Serie, in der ein Maxwell Lord (Peter Facinelli) seit einigen Episoden unter menschenverachtenden Bedingungen von der DEO gefangen gehalten wird. Leider trifft einen der von mir schon oft erwähnte (und gefürchtete) Holzhammer in dieser Folge mit voller Wucht, so dass man sich wohl mehrfach dabei erwischen wird, wie man die Augen verdreht.

Ethics
Dabei sind viele Ideen in „Truth, Justice and the American Way“ gar nicht einmal so verkehrt: Wie bereits erwähnt, ist es gut und wichtig, dass Lords Inhaftierung von einem moralischen Standpunkt aus infrage gestellt wird, womit man schon einmal ein Stück weiter als die Kollegen in The Flash bezüglich ihres Metahumankerkers ist. Auch die Parallelen zwischen den verschiedenen Handlungssträngen machen die Folge zu einer fließenden Angelegenheit, die im Großen und Ganzen ordentlich unterhalten kann. Nur die Art und Weise, wie der Inhalt der nächsten neuen Lehrstunde für unsere Heldin transportiert wird, ist mir ein Dorn im Auge.
Es hätte gerne ein bisschen weniger Pathos sein können, selbst wenn Supergirl (Melissa Benoist) - wie ihr Cousin Superman - allein schon von ihrem Wesen und ihrer Charakterausrichtung wohl eine der amerikanischsten Superheldenfiguren ist, die existieren. Positiv fallen indes einige der eher actionreichen Szenen auf, ebenso wie die schauspielerischen Leistungen der Darsteller. Hauptdarstellerin Melissa Benoist darf sich zum Beispiel einmal von einer ungemein bockigen und sehr sturen Seite zeigen, was ihr mit Bravour gelingt. Ob ihr Charakter dem guten Hank Henshaw (David Harewood) dabei aber so erbost und teilweise unfair gegenübertreten muss, steht derweil auf einem anderen Blatt Papier.
Judgement is upon you
Denn so interessant es auch ist, Benoist mal wieder von einer anderen Seite zu sehen, fühlt man schon etwas mit Henshaw mit, der die Schuld von Astras (Laura Benanti) Tod auf sich genommen hat, um Alex (Chyler Leigh) zu schützen, jetzt aber ordentlich Breitseite von Kara kassieren muss. Ob diese Astra tatsächlich auf ihre Seite hätte ziehen können, ist alles andere als sicher. Karas emotionaler Abschied in Form einer „kryptonischen Beerdigung“ verdeutlicht aber, dass sie der Verlust ihrer Tante schwer trifft, handelt es sich bei dieser ja immerhin um Familie. Und von dieser hat Kara bekanntermaßen nicht mehr besonders viel.
Astras Gatte Non (Chris Vance), der sich in eine zweiwöchige Trauerphase begibt, legt in Truth indes erst einmal eine kleine Pause ein, was den Serienmachern die Chance auf einen klassischen „Fall der Woche“ gibt, der wiederum thematisch recht gut zur übergreifenden Handlung um den weggesperrten Maxwell Lord passt. Der ehemalige Chefwächter (aka Master Jailer) des abgestürzten Gefängnisschiffes Fort Rozz treibt sich nämlich in National City rum und schaltet einen flüchtigen Insassen nach dem anderen aus - ohne Skrupel und mit harter Hand. Doch ist dies der richtige Weg, Gerechtigkeit walten zu lassen? Besteht denn keine Chance auf Vergebung und Gnade, nachdem eine Strafe abgesessen ist?
Fool me once
Kara wird zunächst von Gutmensch James Olson (Mehcad Brooks) auf den Trichter gebracht, dass die Methoden der DEO vielleicht doch nicht so das Wahre sind, findet er sich doch in einer neuerlichen Drucksituation wieder, als Cat (Calista Flockhart) nach Antworten auf das Verschwinden von Maxwell Lord verlangt. James hat absolut Recht mit seiner Kritik an der Organisation um Hank Henshaw und wie diese mit Lord umgeht. Kara selbst sieht keine andere Möglichkeit, das gemeingefährliche Techgenie im Zaum zu halten, die Entziehung seiner grundlegenden Menschenrechte sowie die Chance auf einen fairen Prozess hat er sich mit seinen Schandtaten immerhin selbst eingebrockt.

The burden of power
So einfach ist es aber nicht, was Kara schließlich mit eigenen Augen erkennt, als sie sieht, wie der Master Jailer vorgeht. Erneut wird die Frage aufgeworfen, was Kara für eine Heldin sein will, für welche Werte und Ideale sie einstehen möchte und dass mit ihrer besonderen Rolle als übermächtige Superfrau auch eine besondere Verantwortung einhergeht, gerecht und fair zu handeln. Diese Lebenslektion fühlt sich durchaus vertraut an, unsere Protagonistin lernt abermals etwas dazu und wird zu einer besseren Heldin. Die Entwicklung des Charakters ist schlüssig und nachvollziehbar, das Muster, wie diese abläuft, hingegen bereits jetzt schon ein klein wenig ausgelutscht.
Auch Karas Läuterung am Ende der Episode, als sie Lord auf freien Fuß setzen lässt, kommt etwas abrupt. Zwar ist es gut, dass sie sich fortan an eine Art Kodex halten will, aber Maxwell Lord nach seinen Taten einfach so wieder zu befreien, finde ich dann doch etwas eigenartig. Man einigt sich schlussendlich auf einen „Wenn du uns verpetzt, dann schwärzen wir dich an“-Deal, was wohl zur Folge haben wird, dass die Geschichte um Lord etwas ruhen gelassen werden könnte, da man sich arrangiert hat. So richtig zufrieden bin ich aber mit der Auflösung der Maxwell-Lord-Problematik nicht. Gab es keinen Zwischenweg, ihm vielleicht den Prozess zu machen? Auf der anderen Seite ist die DEO anscheinend in keinster Weise zu irgendetwas befugt, wodurch sie früher oder später eh unter Zeitdruck geraten wären. Ein komischer Beigeschmack bei der vorzeitigen Schließung der Akte Lord bleibt dennoch.
Driven to tell the truth
Zu diesem Beigeschmack kommt, wie bereits erwähnt, die gehörige Portion amerikanischer Pathos hinzu, die sich in Truth, Justice and the American Way finden lässt. Ebenfalls etwas fehl am Platze scheint mir die Einführung der neuen, sehr hochnäsigen Assistentin Cats mit dem exotischen Namen Siobhan Smythe (Italia Ricci). Bei ihr handelt es sich um eine bekannte Figur aus dem DC-Canon, die bereits sowohl als Alliierte Supergirls als auch als Schurkin (unter der Bezeichnung Silver Banshee) aufgetreten ist. In „Truth, Justice and the American Way“ kauft sie Kara nun relativ schnell den Schneid ab, was wohl verdeutlichen soll, dass es für unsere Hauptfigur immer schwieriger wird, sich um all ihre Pflichten zu kümmern - ob als Superheldin oder Bürokraft.
Smythe ist alles andere als sympathisch, weshalb der Zugang zu ihrem Charakter nicht gerade einfach ist. Cat scheint zumindest beeindruckt und möchte Kara durch die neue Konkurrenzsituation wohl etwas fordern. Die Medienmogulin selbst schlüpft außerdem abermals in die Rolle der Mentorin, dieses Mal aber für James, der mit sich, seiner Berufung und dem Beziehungsstress mit Lucy (Jenna Dewan Tatum) hadert. Die Quintessenz ist, dass die Wahrheit immer die einzig richtige Antwort auf alle Fragen ist - keine besonders ausgefallene Moral der Geschichte, aber immerhin Anstoßpunkt genug für James, Lucy eventuell in das Geheimniss Karas einzuweihen, ist das Leben mit dieser Lüge doch Anstrengung pur - für ihn wie für seine Beziehung.

Last request
Die zwischenmenschlichen Nebengeräusche innerhalb der Episode gehen hier fast ein wenig unter, sind jedoch auf einem sehr soliden Level und werden gut von den Darstellern und Darstellerinnen getragen. Ich persönlich erfreue mich dann auch noch an den eher wuchtigen Kampfeinlagen zwischen Master Jailer und Supergirl, in denen ersterer mit Ketten in die Schlacht zieht und Supergirl mal eine brachiale Kopfnuss ausprobiert, die es in sich hat.
Das Tempo des etwas anderen Duells gefällt mir gut, gleichzeitig stellt man sich als Zuschauer aber auch ein paar Fragen, zum Beispiel, wie der Master Jailer Supergirl letztlich gefangen nehmen kann, was nach einem kurzen Szenenwechsel einfach passiert ist. Oder wie gut sich Alex ohne Superkräfte gegen den gut gepanzerten Richter und Henker in Personalunion durchsetzen kann (die „Laser-Guillotine“ ist sehr interessant, während der Fiesling selbst mich etwas an Sauron aus „Der Herr der Ringe“ erinnert). Diese vermeintlichen Kritikpunkte fallen jedoch aufgrund des hohen Unterhaltungswertes aber nicht allzu sehr ins Gewicht.
Master Jailer kann letzten Endes dingfest gemacht werden, wobei es etwas eigenartig ist, dass Supergirl ihn einfach so hinrichtet (so scheint es zumindest), nachdem sich die gesamte Episode unter anderem darum gedreht hat, jedem einen fairen Prozess einzuräumen und keine Lynchjustiz zu betreiben. Für die nächste Episode bleibt abzuwarten, wie groß die Kluft wirklich ist, die nun zwischen Kara und Hank klafft. Für ein übergreifendes Mysterium sorgt indes das geheimnisvolle Projekt „Myriad“, welches von Non angeleiert wurde und bei dessen Erwähnung selbst das Hologramm von Karas Mutter zusammenbricht. Hier lässt man uns weiterhin im Dunkeln tappen.
Fazit
Truth, Justice and the American Way ist schlussendlich eine solide Episode, die sich durch ihre allzu offensichtliche Wahl von Themen und mangelnden Nuancen in der Behandlung dieser aber selbst ein Bein stellt. So richtig neu und erinnerungswürdig gestaltet sich die Handlung nicht, dafür überzeugt aber zumindest die Darstellerriege weiter auf gutem Niveau, ebenso wie die flotten Actioneinlagen („Here comes the sun!“)
Interessant sind unterdessen ein paar Anspielungen auf das bevorstehende Crossover mit The Flash und anderen Serien aus dem DC-Universum („I thought masks were only big in that other city“ - Central City? Star City? Gotham City?) sowie auf den beliebten DC-Antihelden Lobo, der sich seine Brötchen als interstellarer Kopfgeldjäger verdient, ein ungemütlicher und sehr rauer Zeitgenosse ist und eine spannende Figur für die Serie wäre. Insgesamt baut Supergirl aber nach zwei guten bis sehr guten Episoden in der aktuellen Folge leider etwas ab, macht man es sich grob zusammengefasst doch viel zu einfach. Das geht besser.
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 23. Februar 2016(Supergirl 1x14)
Schauspieler in der Episode Supergirl 1x14
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