Supergirl 1x11

Supergirl 1x11

In Strange Visitor from Another Planet konzentriert sich die Handlung auf ein imposantes Alien der Woche, das in Verbindung mit Hank und dessen tragischer Vergangenheit steht. Dazu präsentiert man uns eine emotionale Nebengeschichte um Cat Grant, die diese mal von einer anderen Seite zeigt.

Alex (Chyler Leigh), Kara (Melissa Benoist) und Hank (David Harewood) in „Strange Visitor from Another Planet“ / (c) CBS
Alex (Chyler Leigh), Kara (Melissa Benoist) und Hank (David Harewood) in „Strange Visitor from Another Planet“ / (c) CBS

Anders als in den letzten Wochen der Superheldenserie Supergirl werden in der aktuellen Episode Strange Visitor From Another Planet mal nur zwei verschiedene Handlungsstränge behandelt, die thematisch eher lose miteinander verknüpft sind. Diese kleine Abkehr von der Fülle an Handlung und Vielzahl an verschiedenen Handlungsebenen, die zahlreiche Episoden von „Supergirl“ bisher mehrfach in der ersten Staffel der CBS-Serie geprägt haben, macht sich sogleich bemerkbar. Ebenso macht sie sich bezahlt, ist es doch für uns Zuschauer recht erfrischend, mal nicht mit Nebenkriegsschauplätzen noch und nöcher erschlagen zu werden.

Strange Visitor From Another Planet“ lässt sich auf zwei Geschichten herunterbrechen: Zum einem müssen sich Supergirl (Melissa Benoist), Alex (Chyler Leigh) und Hank (David Harewood) in einer sehr Procedural-artigen Handlung einem fiesen Alien stellen, das furchtbare Erinnerungen in Hank aka J'onn J'onzz weckt. Zum anderen lernen wir den entfremdeten Sohn von Cat Grant (Calista Flockhart) kennen, der nach National City kommt, was Cat die Chance gibt, Wiedergutmachung in Sachen mütterlicher Verantwortung zu leisten.

Alle anderen Nebengeschichten, so prominent oder wahrhaft nebensächlich sie auch in letzter Zeit gewesen sind - sei es die Handlung um Maxwell Lord, das Techtelmechtel zwischen Lucy und James oder aber auch die amourösen Spannungen zwischen Winn und Kara -, werden hier ausgeblendet. Dies tut wiederum der Episode selbst sehr gut, die herrlich flott vonstattengeht, bisweilen großartig unterhält und nicht allzu viel Anlass zur Kritik gibt.

Space and time

So, wie Kara Winn etwas Zeit und Raum geben will, um deren fehlgeschlagene Anbandelung in der letzten Episode (Childish Things) etwas zu verarbeiten, entscheiden sich auch die Serienmacher dazu, ihre neuste Episode mal etwas komprimierter zu gestalten. So geben sie dem einen oder anderen Charakter eine Pause und folgen der Devise, dass weniger oftmals wirklich mehr sein kann. „Strange Visitor From Another Planet“ zeigt eindrucksvoll, dass es eben nicht immer wirklich notwendig ist, eine Folge mit allerlei sehr zweitrangigen Momentaufnahmen aufzublasen (bestes Beispiel: etliche Szenen zwischen Lucy und James in den letzten Wochen), sondern sich auch mal sehr fokussiert einem Aspekt oder zwei Aspekten zu widmen und diese inhaltlich sowie emotional etwas tiefgehender zu ergründen.

Miranda Crane (Tawny Cypress); Hank (David Harewood) und Supergirl (Melissa Benoist) in %26bdquo;Strange Visitor from Another Planet%26ldquo; © CBS
Miranda Crane (Tawny Cypress); Hank (David Harewood) und Supergirl (Melissa Benoist) in %26bdquo;Strange Visitor from Another Planet%26ldquo; © CBS

Something real

In „Strange Visitor From Another Planet“ bringt man uns auf diese Art und Weise zum Beispiel den Charakter von Hank Henshaw aka J'onn J'onzz näher, was wiederum eine mehr oder minder starke emotionale Regung bei den Zuschauern hervorrufen dürfte. Über den Auftritt eines tödlichen White Martians, eine Rasse der außerirdischen Marsbewohner, die J'onns Familie sowie das Volk der Green Martians aus purer Bosartigkeit einst komplett ausgelöscht hat, involviert man uns als Zuschauer in eine sehr packende, mitunter actionreiche, aber auch tragische Geschichte, in der J'onn immer mehr an Profil gewinnt und man sehr mit dieser Figur mitfühlt.

Dabei funktioniert diese Erzählung gleichzeitig losgelöst von den bisherigen zentralen Handlungssträngen der Serie, auch wenn die Autoren ein paar Parallelen zwischen dem furchtbaren Schicksal J'onns und Supergirls Vorgeschichte ziehen, kann diese doch die Wut und die Schmerzen des Martian Manhunter aufgrund der Dinge, die ihr selbst widerfahren sind, ein Stück weit nachvollziehen.

Der Blick in J'onns Vergangenheit offenbart uns ein scheußliches Bild von Massenmord und Genozid. Das Trauma, das der Marsianer von diesen schrecklichen Vorfällen auf seinem Heimatplaneten davongetragen hat, wird uns durch kurze, ruckartige Rückblicke gezeigt, die einfach grauenhaft sind. David Harewood holt dann wiederum alles aus dem Leid seines Charakters heraus und spielt groß auf: Trauer, Angst vor dem, was der White Martian noch anrichten könnte, Schuldbewusstsein sowie eine unbändige, fast schon erschreckend große Wut, seinen ehemaligen Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen. Harewood wird vor die schwierige Aufgabe gestellt, eine ganze Reihe an verschiedenen Emotionen wiederzugeben und meistert diese mit Bravour. Dem Darsteller kommt hierbei auch seine starke Präsenz, sein würdevolles Auftreten zugute, die mit dafür sorgen, dass er hier eine sehr sehenswerte Darbietung zum Besten gibt.

The last son of Mars

Das Leid von J'onn J'onzz ist für uns als Zuschauer absolut nachvollziehbar, der monströse White Martian, welcher nur aus dem Grund zu existieren scheint, um alle Green Martians auszurotten und auf der Suche nach diesen extrem skrupellos vorgeht, untermauert nur noch die Angst J'onns. Letztlich droht J'onn selbst von seinen Rachegedanken konsumiert zu werden, als sich ihm die Chance bietet, den White Martian dafür büßen zu lassen, was er ihm, seiner Frau, seinen Töchtern und seinem Volk angetan hat. Supergirl, die gute Seele in Person, kann ihn jedoch von dieser folgenschweren Tat abhalten, die ihn für immer verändern und nicht besser als den gewissensbefreiten White Martian machen würde.

Hanks beziehungsweise J'onns sehr persönliche, tragische Vorgeschichte wird innerhalb einer Episode gekonnt behandelt und zu einem sehr runden Abschluss gebracht, der zumindest aus rein emotionaler Sicht für mich nicht viel zu wünschen übriglässt. Ein paar Fragen stellt man sich aber dennoch, so zum Beispiel, ob die Motivation der White Martians, alle Green Martians zu töten, wirklich nur darauf fußt, dass sie das pure Böse verkörpern oder ob mehr dahintersteckt.

Auch dass J'onn trotz seiner Fähigkeiten nicht in der Lage dazu ist, einen anderen Gestaltwandler in seiner direkten Umgebung zu erkennen (nur so kann sich der White Martian in Gestalt einer Senatorin in die heiligen Hallen der DEA reinschmuggeln), ist etwas seltsam und müssen wir unerklärt hinnehmen. Dafür bekommen wir aber eine Antwort auf die Frage aus der letzten Woche, warum J'onn ungern seine Kräfte einsetzt. Tut er dies, lockt er nämlich unfreundliche Zeitgenossen wie den White Martian an, die aufgrund ihrer gemeinsamen Herkunft gedanklich miteinander verbunden sind.

Not alone

Die angesprochenen Kritikpunkte sind aber im Großen und Ganzen nur kleine Details, die mich persönlich weniger stören, da der Handlungsbogen um J'onn J'onzz in sich sehr gut strukturiert ist und vor allem auf emotionaler Ebene voll und ganz überzeugt. Da verzeihe ich auch die eher hektisch inszenierten Actionsequenzen, bei denen man nicht immer weiß, wo gerade oben oder unten ist. Dafür macht das Design des grässlichen White Martian wieder einiges her, ebenso wie der knackige Showdown zum Ende der Episode, als sich Supergirl und The Martian Manhunter dem außerirdischen Scheusal stellen. Zwischendurch übertreiben es die Macher vielleicht etwas mit dem Effektgewitter, das zerstörerische Auftreten des Antagonisten der Woche hinterlässt aber definitiv Eindruck und macht ihn zu einer ernst zu nehmenden Bedrohung, bei der man sich nicht sicher sein kann, wie unsere Helden ihm Einhalt gebieten sollen.

Alex (Chyler Leigh); Kara (Melissa Benoist) und Hank (David Harewood) in %26bdquo;Strange Visitor from Another Planet%26ldquo; © CBS
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Paranoid

Ein interessanter Nebeneffekt von diesem Handlungsstrang ist der Auftritt der Politikerin, deren Gestalt der White Martian letzten Endes annimmt und Team Supergirl so gleich mehrfach (einmal zu viel für meinen Geschmack) an der Nase herumführt. Die US-Senatorin Miranda Crane (Tawny Cypress) ist nämlich eine entscheidende Gegnerin aller außerirdischer Lebewesen, die nur Gefahr für die Menschheit bedeuten. Am Ende der Episode, nachdem sie von Supergirl gerettet wird, macht sie aber eine komplette Kehrtwende und vertritt plötzlich die Meinung, dass man nicht alle Aliens vorverurteilen sollte, da manche von ihnen vielleicht doch gut sind. Diese 180°-Drehung ist schon fast ein wenig amüsant (und auch ein Stück weit vorhersehbar), die Figur an sich ist aber auch ein gutes Beispiel, wie man aktuelle politische Themen geschickt in eine Geschichte voller übernatürlicher Elemente einweben kann.

Die harschen Parolen von Crane, die Angst vor und demenstsprechend Hass auf Aliens predigt, dürften jeden halbwegs politisch interessierten Zuschauer an aktuelle Themen wie die US-amerikanische Einwanderungspolitik (die Bezeichnung illegal alien für illegale Einwanderer in die USA ist nahezu ironisch) oder aber auch die Flüchtlingspolitik hierzulande erinnern - die Parallelen sind schlichtweg zu offensichtlich. So einfach, wie es sich Crane mit ihren populistischen und polemischen Ansichten macht, ist es bei Weitem nicht. Und auch wenn die Serienmacher hier mal wieder ihren geliebten Holzhammer rausholen, um uns ihre liberale Gegenmeinung einzuprügeln, finde ich es positiv, dass sie sich in gewisser Weise für Toleranz und Akzeptanz und gegen Fremdenhass stark machen - ob der „Fremde“ nun aus dem Weltall oder aus einem Nachbarland kommt.

Piece of work

Mir gefällt, wie die Verantwortlichen hinter Supergirl immer wieder auch sehr politische Botschaften in ihre Geschichten einbauen. Klar, manchmal erinnern diese stark an die plumpen Leitsätze aus Zeichentrickserien wie „He-Man and the Masters of the Universe“, die dem kindlichen Publikum immer wieder zum Abschluss einer jeden Folge eine tolle Moral mit auf den Weg gegeben haben. Dieser Kritikpunkt hat auch in „Supergirl“ nach wie vor Bestand, dass uns zum Beispiel Plädoyers für den Feminismus, für Toleranz et cetera stets furchtbar wenig subtil auf dem Silbertablett serviert werden. Fakt ist aber auch, dass viele Networkserien oft aus Angst, man könnte ein breiteres Publikum mit solchen Themen abschrecken, davor zurückscheuen, auch einmal Stellung zu bestimmten Problemen in unserer heutigen Gesellschaft zu beziehen. „Supergirl“ tut dies nicht, was ich dem Format hoch anrechne.

Neben diesem Lob muss ich aber auch noch einmal ein paar kritischere Worte loswerden, die vor allem die Dialogarbeit in „Supergirl“ betreffen. Während die Darstellerriege nach wie vor sehr gute Arbeit verrichtet (Benoists Charme ist unwiderstehlich), fällt immer mehr auf, dass der Charakter von Kara zum Opfer des speechifying wird. In schöner Regelmäßigkeit schwingt sie sich zu sehr emotionalen Ansprachen auf, die im Kern richtig und wichtig sind (zum Beispiel, als sie J'onn ins Gewissen redet oder als sie Cat mal wieder auf ihre besonders charmante Art die Meinung geigt), von denen es aber in letzter Zeit recht viele gab. Vielleicht könnten die Autoren diese Monologe wieder etwas zurückschrauben, andere Superheldenserien wie The Flash oder Arrow haben ebenfalls gelegentlich mit diesem „Problem“ zu kämpfen (was nicht verwundert, stammen die drei Serien doch von den gleichen Produzenten) und müssen aufpassen, dass sie dadurch nicht zu aufgebauscht und eintönig werden.

Cat (Calista Flockhart) und ihr Sohn Adam (Blake Jenner) in %26bdquo;Strange Visitor From Another Planet%26ldquo; © CBS
Cat (Calista Flockhart) und ihr Sohn Adam (Blake Jenner) in %26bdquo;Strange Visitor From Another Planet%26ldquo; © CBS

With a little help

Die Nebengeschichte um Cat und ihren Sohn Adam ist indes eine gute Bereicherung für die Episode, zeigt sie uns doch den eher speziellen Charakter Cat Grant mal von einer anderen Seite. Normalerweise ist sie stets Frau der Lage, kühl, kontrollierend und kalkulierend. Dass sie jedoch einst ihren erstgeborenen Sohn verließ, weil sie selbst noch nicht bereit dazu war, eine Mutter zu sein, ist ein dunkles Kapitel in ihrem Leben, mit dem sie bis heute noch nicht abgeschlossen hat. In der Folge sehen wir sie überraschend hilflos und emotional, als sie wieder auf Adam trifft, dessen Enttäuschung bezüglich seiner Mutter sehr groß ist. Kara, mittlerweile Experin für alles Zwischenmenschliche, außer, es betrifft ihr eigenes Liebesleben, wechselt mal wieder die Rollen mit Cat und steht ihr als Mentorin mit Rat und Tat zur Seite, was Cat auf ihre besondere Art zu schätzen weiß.

Die Szenen zwischen Mutter und Sohn haben durchaus emotionales Gewicht, was vor allem daran liegt, dass sowohl Calista Flockhart als auch Gastdarsteller Blake Jenner überzeugend aufspielen und ein gutes Gespann abgeben. Adams Verhalten gegenüber seiner Mutter mag eventuell etwas unfair erscheinen, ist aber durchaus nachvollziehbar, bedenkt man, dass Cat einfach vor ihrer Verantwortung als Mutter davongelaufen war.

Letztlich erhält sie aber eine zweite Chance - zum einen, um sich zu entschuldigen und zum anderen, um vielleicht doch die Mutter für Adam zu sein, die dieser nie hatte. So präsentiert man uns auch in dieser Nebengeschichte einen sehr versöhnlichen Abschluss, der eventuell dem einen oder anderen Zuschauer ein Tränchen abverlangen könnte. Auch wenn es am Ende recht gefühlsduselig und sentimental wird, trifft man den richtigen Ton und zeigt uns bezüglich Cat Grant wie auch schon bei J'onn J'onzz auf, dass sich zumeist doch noch weit mehr hinter einem Charakter verbirgt, als man auf den ersten Blick zu erkennen vermag.

Fazit

Die Vergangenheit holt einen letztlich doch immer wieder ein, so sehr man auch versucht, vor ihr wegzurennen. Den Serienmachern gelingt es in Strange Visitor From Another Planet sehr gut, den emotionalen Ballast zweier wichtiger Charaktere in der Serie und für unsere Protagonistin zu ergründen und offenzulegen. Die oftmals sehr dramatische Handlung sorgt für einige sehr ergreifende Momentaufnahmen, in denen sich die Autoren auf ihren exzellent aufgelegten Cast verlassen können.

Wie so oft schleichen sich ein paar offene Fragen und kleinere Kritikpunkte ein, insgesamt verdient sich die Episode jedoch eine überdurchschnittliche Wertung, weil nicht nur die darstellerischen Leistungen passen und die Handlung sowohl unterhält (zum Beispiel Cats natürliches Selbstbewusstsein, das keine Grenzen zu kennen scheint) als auch bewegt (etliche Szenen um J'onn, zum Beispiel am Ende, als er eine Art Vaterfigur für Kara und Alex dargestellt wird). Diese Wertung passt auch, weil man einfach mal auf unnötiges Beiwerk verzichtet, mit dem man ein paar der Episoden von Supergirl in jüngster Vergangenheit gerne etwas überladen hatte. Mit einem geschickten Cliffhanger zum Ende werden wir uns in der nächsten Folge wohl wieder Maxwell Lord widmen. Oder steckt doch noch jemand anderes hinter Supergirls Doppelgänger?

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 26. Januar 2016
Episode
Staffel 1, Episode 11
(Supergirl 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Kampf der Marsianer
Titel der Episode im Original
Strange Visitor From Another Planet
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 25. Januar 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 17. Mai 2016
Autoren
Michael Grassi, Caitlin Parrish
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x11

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