Supergirl 1x10

Supergirl 1x10

In Childish Things werden im Rahmen einer klassischen „Bösewicht der Woche“-Geschichte die Gefühle einiger unserer Hauptfiguren nach außen gekehrt, was emotionale Aussprachen und reichlich Melodram zur Folge hat. Nebenbei wird die Handlung um Techmogul Lord in kleinen Schritten vorangebracht.

Winn (Jeremy Jordan) und sein Vater (Henry Czerny) in „Childish Things“ / (c) CBS
Winn (Jeremy Jordan) und sein Vater (Henry Czerny) in „Childish Things“ / (c) CBS

Wie bereits nach der letzten Episode (Blood Bonds) vermutet, schiebt die Handlung um Karas (Melissa Benoist) finstere Tante Astra in Supergirl nun erst einmal eine kleine Pause ein. Der Fokus verlagert sich somit mehr auf den zweiten großen Antagonisten der ersten Staffel des Superheldendramas, den undurchschaubaren Maxwell Lord (Peter Facinelli), welcher die titelgebende Heldin zu seinem Feindbild Nummer eins gemacht hat.

Die Macher widmen in einer Nebengeschichte um Alex (Chyler Leigh) und Hank aka J'onn J'onzz (David Harewood), die gemeinsam Lords wahre Motive ergründen wollen, dieser übergreifenden Handlung Raum. Dadurch macht diese zwar ein paar Fortschritte und präsentiert uns einen spannenden Cliffhanger zum Ende der Episode, aber den Großteil der Episode nimmt die Handlung um den guten Winn (Jeremy Jordan) und dessen mörderischen Vater ein, der aus dem Gefängnis entkommt und alles für eine Wiedervereinigung der Familie Schott gibt.

Der Aufbau der Episode ist dabei recht klassisch und äußerst simpel. Kara aka Supergirl muss ihrem Freund Winn helfen, mit der Rückkehr seines psychopathischen Erzeugers zurechtzukommen, der sogenannte Toyman (Henry Czerny) spielt ein paar Mal sein krankes Spielchen, entkommt zwischendurch seinen Verfolgern und wird letztlich von unserer Heldin dingfest gemacht. Die in Superheldenserien beliebte „Schurke der Woche“-Formel wird hier vollends ausgelebt und kann nur bedingt für große Spannung, geschweige unerwartete Überraschungen sorgen. Die Verantwortlichen haben sichtlich ihren Spaß an der überzeichneten, sehr comichaften Schurkenfigur des Toyman, der mit seinen Methoden bisweilen etwas an den Trickster aus The Flash erinnert.

Rage and hate

Doch wie eben jener Schurke aus dem „The Flash“-Serienuniversum dürfte auch der Toyman in „Supergirl“ die Meinungen der Zuschauer spalten. Manch teuflische Idee des verrückten Genies ist nämlich etwas zu viel des Guten, dass sich die Autoren mitunter nicht einmal die Mühe machen, zu erklären, wie er an die ganzen Ressourcen kommt, um seine Pläne durchzuführen, spricht für sich selbst, ebenso, wie es scheinbar komplett egal ist, wie er überhaupt erst einmal an das Wurfstern-Yo-Yo herankommt, das ihm die Flucht aus seiner Gefängniszelle ermöglicht. Viele der Szenen um den Fiesling fühlen sich an, als würde man durch ein launiges Comicheft blättern, in dem an Erklärungen gespart wird und einzig der Spaß und die Unterhaltung im Vordergrund steht.

Winn (Jeremy Jordan) und sein Vater (Henry Czerny) in %26bdquo;Childish Things%26ldquo; © CBS
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Game over

Dieses Gedankenspiel der Macher geht in Serienform aber leider nur bedingt auf, können sich diese doch nicht so einfach aus der Affäre herauswinden und die Logik ihrer Welt aussetzen lassen. Da dies jedoch in „Childish Things“ mehrfach passiert, wird man als Zuschauer immer wieder etwas aus dem Geschehen herausgerissen, fragt man sich doch, wie das alles, was der Toyman vollbringt, überhaupt möglich ist. Um über diesen Makel hinwegsehen zu können, muss man uns schon etwas Besonderes bieten, wie zum Beispiel einen Mark Hamill, der seiner abgedrehten Figur des Tricksters in „The Flash“ (ein Charakter, der in seinem Handeln auch immer wieder Logikfragen aufwirft) das gewisse Etwas gibt, weshalb man den „The Flash“-Autoren ausbleibende Erklärungen gerne einmal verzeiht. Die Figur macht in ihrer Gesamtheit schlichtweg Spaß.

Supergirl“s Toyman hingegen bleibt trotz der sehr prominenten Verbindung zu einer unserer Hauptfiguren und die Folgen, die sein Auftreten für diese hat, letztendlich eine eher unbedeutende Karikatur, die ein paar ausgefallene Spielereien in ihrem Ärmel hat und aufgrund ihres puren Wahnsinns schreckliche Dinge tut. Die Figur dient vielmehr als plot device für die weitere Entwicklung der Handlung um Winn und Kara, worunter wiederum auch all die Szenen etwas leiden, in denen Winn uns seine problematische Beziehung zu seinem Vater näherbringt. Da der Toyman für uns kein vollwertiger Charakter ist, können wir nur schwierig Bezug zu Winns Leid nehmen und so fällt es im Grunde genommen einzig und allein Jeremy Jordan zu, mit seinem Schauspiel unsere Empathie zu wecken.

Just like me

Dies gelingt dem Darsteller zugegeben auch recht gut, auch wenn die tragische Vater-Sohn-Geschichte jetzt nicht sonderlich originell und frisch ist. Die Parallelen zwischen Papa Schott und dem Sohnemann, die aufgezeigt werden, bilden jedoch die Grundlage für eine solide Erzählung und verhelfen Winn zum nächsten (manche würden sogar sagen längst fälligen) Schritt in seiner Charakterentwicklung. Winn möchte nicht wie sein Vater enden, der seine Emotionen (genauer: Wut) immer in sich hineinfraß, sich deshalb zu einer schweren Straftat hat hinreißen lassen und schließlich komplett verrückt wurde. Der technikbegabte Computerspezi will nun einen anderen Weg gehen, um mit seinen Gefühlen hauszuhalten und nicht von diesen früher oder später korrumpiert zu werden.

Kara, die ebenfalls aus einer Familie kommt, in der die Bewältigung von Emotionen nicht immer bestmöglich verläuft (nicht wahr, Astra?), gibt ihm dabei Halt und führt ihm immer wieder vor Augen, was für eine gute Seele er eigentlich ist, dass er stets nur das Beste für seine Mitmenschen will und niemals wie sein Vater sein wird. Die Autoren drücken in den zahlreichen Szenen zwischen Kara und Winn schon kräftig auf die Melodramdrüse, weshalb sich einige Momentaufnahmen so anfühlen, als würde man eventuell etwas zu dick auftragen. Das Darstellerduo Melissa Benoist und Jeremy Jordan kann diese hoch emotionalen Phasen der Episode aber tragen und harmoniert gut miteinander.

Sensitive

Etwas nervig ist das „Will they, won't they“-Gehabe zwischen diesen beiden Figuren zwar schon, ich finde es aber gut, dass wir (endlich) den nächsten Schritt in der „Beziehung“ zwischen Kara und Winn machen, indem letzterer über seinen Schatten springt und seinen Gefühlen freien Lauf lässt, als er Kara beichtet, schwer in sie verliebt zu sein. Auf die schmalzige Sequenz am Ende, als Kara gedankenverloren zu einer triefigen Popballade durch den Nachthimmel fliegt, hätte ich verzichten können. Wie sich das Verhältnis zwischen den beiden Charakteren ob der klaren Aussprache (und dem folgenschweren Kuss) aber in nächster Zeit gestalten wird, interessiert mich schon. Dies könnte die Dynamik unter den Figuren auf den Kopf stellen und für etwas Abwechslung sorgen. Einzig die Befürchtung, dass die Serie wieder ein klein wenig zu soapig werden könnte, macht sich wahrscheinlich nicht nur bei mir breit.

Winn (Jeremy Jordan) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Childish Things%26ldquo; © CBS
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I love you. Do you love me?

Doch alles in allem ist Winns Entscheidung, Tacheles zu reden, absolut löblich, vor allem, weil es für uns als Beobachter irgendwann wahnsinnig ermüdend wird, wenn man den liebenswerten Nerd in Gegenwart von Kara herumdrucksen sieht. Die „Beziehungsfrage“ stellt in „Supergirl“ ohnehin immer wieder ein kleines bis mittelgroßes Problem dar, für das die Macher noch keinen vollends zufriedenstellenden Lösungsansatz gefunden haben. Dies liegt vordergründig an dem hohen Soapfaktor, den dementsprechende Szenen mit sich bringen, aber ab und an auch an dem eigenartigen Verhalten der Charaktere.

In Childish Things betrifft diese Kritik zum Beispiel James (Mehcad Brooks) und Lucy (Jenna Dewan Tatum), deren gemeinsamer Nebenhandlungsstrang nicht nur extrem zweitrangig ist, sondern darüber hinaus auch etwas eigenartig abläuft. Die Szenen um Cat (Calista Flockhart) und Lucy sind zunächst ein Fest, was vor allem an der unwiderstehlich direkten Art der Medienchefin sowie Flockharts natürlichem Selbstbewusstsein liegt, das sich auf Cat überträgt. Zuerst werden ein paar wichtige und richtige Kommentare (Lucy: „I want to work for a cool, powerful kick ass woman instead of a bunch of angry old white men.“) ausgetauscht, die ganz im Sinne des Formats sind, in dem uns Woche für Woche vor Augen geführt wird, dass Frauen nicht weniger kompetent oder gar viel fähiger als ihre männlichen Gegenüber sind. Danach kommt es zu einem kleinen Beziehungszwist zwischen Lucy und James, der ein paar Fragen aufwirft.

Burden

Die äußerst selbstbewusste Lucy setzt James nämlich etwas die Pistole auf die Brust, so dass diesem schon fast gar nichts anderes mehr übrig bleibt, als das (für sie) Falsche auf die Frage zu antworten, ob er möchte, dass Lucy fortan als Leiterin der Rechtsabteilung von CatCo mit ihm unter einem Dach arbeitet. Dieses Beziehungsdrama ist für mein Empfinden ein Stück weit zu aufgesetzt und dem Episodentitel entsprechend kindisch.

Zusätzlich begeben wir uns zurück zu der leidvollen Kara-James-Thematik, lässt die Episode doch offen, ob die beiden vielleicht eines Tages doch mehr als nur gute Freunde sein könnten. Oder haben sie nur die Sorge, dass mit Lucy bei CatCo die ganze Geheimniskrämerei um Karas Superheldenidentität schwieriger zu verbergen sein wird? Richtig klar wird es nicht und wirkliche Fortschritte machen wir an dieser Front um Lucy, James und Kara auch nicht. Vielleicht ist dies auch ein Grund dafür, dass man diese Nebenhandlung zwischenzeitlich komplett vergisst und sich erst zum Ende der Folge wieder daran erinnert, dass zwischen Lucy und James zu Beginn der Episode etwas vorgefallen war.

Weitaus erinnerungswürdiger, weil auch wesentlich prominenter in die gesamte Episode integriert, ist da schon die Geschichte um Alex und Hank, die sich auf ein riskantes Spielchen mit Maxwell Lord einlassen. Während erstere den Unternehmer bei einem Abendessen ablenkt, dringt Hank dank seiner Fähigkeiten als Martian Manhuter (was kann der Außerirdische eigentlich nicht?) in dessen Labor ein, wo er Informationen sammeln will und die Jane Doe entdeckt, an der Lord irgendwelche Experimente ausführt. Dieser Handlungsstrang wird zwar eher gemächlich vorangetrieben und einige Szenen wirken dabei wie Wiederholungen aus vorangegangen Episoden (das Gespräch zwischen Alex und Lord zum Beispiel, in dem es mal wieder darum geht, warum letzterer Supergirl eigentlich so hasst). Eine recht spannende Auflösung sorgt aber dafür, dass man definitiv dranbleibt und mehr über den nahenden Konflikt zwischen Team Supergirl und Lord erfahren möchte.

Wine and dine

Zuvor wollen die Serienmacher noch etwas den Charakter von Hank aka J'onn J'onzz ergründen, was aber nicht zu meiner vollsten Zufriedenheit gelingt. Wir bekommen einen kleinen Einblick in sein seelisches Innenleben und wie schwer sein Dasein bisher auf der Erde gewesen ist. Als Hank Henshaw ist er gut getarnt und möchte so wenig wie möglich auf seine Kräfte zurückgreifen, würde eine permante Nutzung dieser ihn doch nur in das Monster verwandeln, als das ihn die Menschen vor vielen Jahren gesehen haben. Da jedoch lange Zeit nicht klar ist, warum es so schlimm wäre, wenn J'onzz seine Kräfte einsetzen würde, fragt man sich schon, was das ganze Gewese eigentlich soll. Insbesondere das Risiko seines Einsatzes ist etwas schwammig erklärt. Und warum verwandelt J'onn sich vor dem Sicherheitsmann zurück in Hank Henshaw, was ihn letztlich dazu zwingt, das komplette Gedächtnis seines Angreifers zu löschen und ihn schwer mitnimmt?

Alex (Chyler Leigh) und Hank (David Harewood) in %26bdquo;Childish Things%26ldquo; © CBS
Alex (Chyler Leigh) und Hank (David Harewood) in %26bdquo;Childish Things%26ldquo; © CBS

So sehr ich meine Freude an der gut abgestimmten Darstellerriege und der Chemie zwischen den verschiedenen Schauspielern und Schauspielerinnen habe (Leigh und Facinelli haben als Duo ordentlich Feuer, Harewood bringt so viel Würde in seinem Schauspiel rüber und hat ebenfalls seinen Spaß an seiner Rolle), rundum zufrieden bin ich leider nicht. Dies liegt aber weniger an den Darstellern, sondern vielmehr an zahlreichen offenen Fragen und den hier und da etwas seltsam anmutenden Momenten in der Handlung. Der Abschluss der Episode reißt es da aber wieder etwas raus, zeigt sich doch, dass Lord Alex verwanzt hat und nun im Bilde ist, dass diese die Schwester von Supergirl ist.

Somit dürfte der nächste Schritt - der clevere Lord bringt in Erfahrung, dass Kara Supergirl ist - eigentlich nicht mehr weit sein. Was das für Konsequenzen haben wird, sehen wir in den nächsten Wochen, doch wir können wohl bereits jetzt schon stark davon ausgehen, dass „Supergirl“ eher an Tempo und Spannungen zu- und ordentlich Fahrt aufnehmen wird.

Fazit

Childish Things ist eine gute Supergirl-Episode, in der zwar bei Weitem nicht alles perfekt, das Unterhaltungslevel aber gewohnt hoch ist. Das „Bösewicht der Woche“-Konzept geht nicht ganz auf, dafür überzeugt das harmonische Zusammenspiel der Darsteller sowie die gelunge Fortführung der übergreifenden Handlung. Während man sich über das eine oder andere kleinere Detail aufregen kann (was ich zur Genüge getan habe), lassen sich in „Childish Things“ aber auch zahlreiche Elemente finden, die großen Spaß bereiten. So zum Beispiel die vielen humorvollen Momentaufnahmen (ich sage nur J'onn J'onzz als Maxwell Lord) oder aber auch, dass Supergirl immer mehr ihre Fähigkeiten meistert (Eisatem!) und man so eine stetige Entwicklung des Charakters erkennt - sowohl emotional als auch bezüglich ihrer Superkräfte.

Dass die Serie einen klaren Standpunkt hinsichtlich aktueller (feministischer) Themen bezieht, ist ebenfalls eine gute Sache und wertet „Supergirl“ als themenreiches Gesamtpaket Woche für Woche auf. Nun heißt es abwarten, ob der von mir eher kritisch beäugte Soapanteil des Formats demnächst eher zunehmen wird oder die Verantwortlichen eine gute Lösung für diesen Aspekt finden werden.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 19. Januar 2016
Episode
Staffel 1, Episode 10
(Supergirl 1x10)
Deutscher Titel der Episode
Tödliches Spielzeug
Titel der Episode im Original
Childish Things
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 18. Januar 2016 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 10. Mai 2016
Regisseur
Jamie Babbit

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x10

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