Supergirl 1x06

Supergirl 1x06

In Red Faced findet Supergirl ein Ventil für ihre angestaute Wut, deren Ursprung verschiedene Gründe hat. Während erneut alles andere als subtil einige Parallelen zwischen den verschiedenen Charakteren aufgezeigt werden, überzeugt in dieser Woche allen voran Hauptdarstellerin Melissa Benoist.

Supergirl (Melissa Benoist) und Lucy Lane (Jenna Dewan Tatum, r.) in „Red Faced“ / (c) CBS
Supergirl (Melissa Benoist) und Lucy Lane (Jenna Dewan Tatum, r.) in „Red Faced“ / (c) CBS

Auch in der sechsten Episode der ersten Staffel von Supergirl, das gestern übrigens eine Bestellung einer vollen ersten Staffel - also eine Erweiterung um sieben Folgen auf insgesamt 20 - erfuhr, bleiben die Serienmacher bei ihrer bewährten Formel für den Aufbau der Handlung um die junge Superheldin. Das hat zur Folge, dass sich die Geschichte um eine weitere Prüfung und Lektion für unsere Protagonistin im Grunde genommen nicht allzu überraschend gestaltet. Trotzdem gefällt Red Faced ein Stück weit besser als die vorangegangene Episode How Does She Do It?, da die einzelnen Handlungsebenen einfach stimmiger als noch zuvor ineinandergreifen.

Die zahlreichen Querverbindungen zeichnen zwar wie so oft arg offensichtliche Parallelen zwischen den Charakteren und ihren persönlichen Problemen, die gerne etwas subtiler verpackt sein könnten. Dass man über diesen für den Zuschauer geläufigen, bisweilen ein wenig uninspirierten Ansatz der „Supergirl“-Autoren durchaus hinwegsehen kann, liegt vor allem an Melissa Benoist, die in „Red Faced“ besonders positiv in Erscheinung tritt. Aber auch die Nebendarstellerriege leistet solide Arbeit, wobei man der talentierten Besetzung gelegentlich ein paar wenig abgedroschenere Dialoge wünschen würde.

War zone

Dieser Kritikpunkt fällt unter anderem in der Nebenhandlung um James (Mehcad Brooks) und Lucy Lane (Jenna Dewan Tatum) auf, deren glückliche Beziehung Kara schmerzvoll vor Augen führt, dass sie womöglich nie eine vergleichbare, intime Erfahrung machen kann, da sie eben nicht „normal“ ist. Während das sehr aufrichtige, gefühlvolle Schauspiel von Melissa Benoist das Dilemma ihrer Figur glaubhaft und nachvollziehbar transportiert (eine Dialogszene mit James nach einer kleinen Sparingseinheit steht exemplarisch für den sehr guten Auftritt von Benoist in dieser Folge), ärgere ich mich persönlich dann schon etwas über die Szenen, bei der Lucy, James, Kara und Winn (Jeremy Jordan) einen gemeinsamen Spieleabend miteinander verbringen.

Alex (Chyler Leigh) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Red Faced%26ldquo; © CBS
Alex (Chyler Leigh) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Red Faced%26ldquo; © CBS

Threat

Lucy, die zuvor im Rahmen eines militärischen Testeinsatzes auf Supergirl getroffen war, feuert ein paar Giftpfeile in Richtung der jungen Heldin ab, die dazu beitragen, dass sich in Kara nur noch mehr Wut sammelt. Die Szene an sich ist für meinen Geschmack aber leider viel zu klischeehaft, was überhaupt für den gesamten Handlungsstrang um James, Lucy und deren Vater General Sam Lane zutrifft. Dieser ist gar nicht gut auf Aliens mit Superkräften zu sprechen und ein überzeugter Gegner von Supergirl sowie Superman. James kann er auch nicht besonders gut leiden, weil dieser ja viel zu schlecht für seine geliebte Tochter ist und dann auch im Bunde mit dem Mann aus Stahl steht. Hier greift man mit Karacho in die Fernsehtropenkiste - dass Lucys Vater die ganze Zeit extrem austauschbar bleibt und keinen eigenen Charakter bekommt, macht das Ganze nicht besser.

Gespielt wird Sam Lane übrigens von Glenn Morshower, der in seiner Vita als Schauspieler bereits etliche Male für die Rolle eines hochdekorierten Militärangehörigen gecastet wurde. Als vollwertige Figur bleibt er aber viel zu blass und so dient er vor allem als simples Plotelement, um die nächste Lehrstunde für Supergirl einzuleiten.

Kara erkennt nämlich nach einem kleinen Vorfall auf offener Straße (dass dieser sofort publik wird, da sämtliche Handykameras auf sie gerichtet sind, ist ein nettes kleines Detail und ein schöner Verweis darauf, in was für einer von Medien bestimmten Welt sich die Superheldin bewegt), dass ihre Kräfte durchaus eine Gefahr für andere Menschen sein können. Wenn sie diese nicht unter Kontrolle hat und sich von ihren Emotionen lenken lässt, könnte sie schon bald als Feindobjekt wahrgenommen werden, was ihr auch noch einmal Henshaw (David Harewood) verdeutlicht. Es liegt an ihr, die Kontrolle zu bewahren, ihre Gefühlslage zu ihrem Vorteil zu nutzen und ihre Kräfte konzentriert zu bündeln.

Release

Die „Lektion der Woche“ für unsere Hauptfigur gefällt mir in Red Faced gut, da sie nicht nur wichtig ist, sondern auch sehr ordentlich untermauert wird. Für Kara ist es nämlich die Summe der belastenden Ereignisse um sie herum, die sie so ungehalten und folglich zu einer unkontrollierbaren Gefahr machen. Erneut folgen die Macher Schema F, was die Charakterentwicklung ihrer Heldin angeht. Das ist nicht besonders originell, aber die richtigen Szenen machen es für den Zuschauer nachvollziehbar und verständlich, warum Kara diese unterdrückten Emotionen mit sich herumträgt und es bitter nötig für sie ist, dass sie ein Ventil für sie findet. Im Zuge ihrer Boxeinlage mit James (ein altes Auto dient als Boxsack) wird uns erst richtig klar, was Kara bedrückt und vor allem: wie sehr.

Da wäre zum einen das bereits erwähnte Liebesglück von James und Lucy, das Kara wütend macht, aber nicht, weil sie neidisch auf Lucy ist und am liebsten selbst mit James zusammen wäre, sondern weil sie Angst hat, dass sie nie jemanden finden wird, mit dem sie so ein Leben führen kann. Hinzu kommt die Wut über den Tod ihrer Eltern, ihre Andersartigkeit in einer fremden Welt, dass Alex (Chyler Leigh) weiter im Ungewissen darüber ist, was wirklich hinter dem Tod ihres Vaters steckt. Und natürlich ist auch die nervenaufreibende Behandlung durch Chefin Cat Grant (Calista Flockhart) (die Kara zwischendurch sogar als Kira anspricht) alles andere als angenehm. Wen verwundert es da noch, dass bei Kara die Emotionen immer wieder über das rationale Handeln obsiegen?

Issues

Cat nimmt dann mal wieder die Rolle der verkappten Mentorin für Kara ein, macht sie doch im Zuge ihrer problembehafteten Beziehung zu ihrer eigenen Mutter eine ähnlich schwere Phase durch. Auch die sonst so kühle Medienmogulin fährt so schon einmal aus der Haut und muss Dampf ablassen, nachdem sie mal wieder das anstrengende und respektlose Verhalten ihrer Mutter ertragen musste, die sie eigentlich immer nur stolz machen wollte und um deren Anerkennung sie kämpfte. Die Wut, die Cat auf sie hat, projeziert sie wiederum auf Kara, die ihrer Vorgesetzten aber wunderbar Paroli bietet. Das Ergebnis: eine Aussprache der beiden, die einen schönen kleinen Charaktermoment zwischen Benoist und Calista Flockhart darstellt. Die Botschaft ist klar und deutlich: Kara muss einen Weg finden, ihren aufgestauten Gefühlen freien Lauf zu lassen, doch davor muss sie erst einmal wissen, was es überhaupt ist, dass sie so belastet und aufregt. Nur so kann sie mit sich selbst ins Reine kommen.

Kara (Melissa Benoist) und James (Mehcad Brooks) in %26bdquo;Red Faced%26ldquo; © CBS
Kara (Melissa Benoist) und James (Mehcad Brooks) in %26bdquo;Red Faced%26ldquo; © CBS

Frankenstein's Monster

Jenes „Ventil“, das Abhilfe schaffen soll, stellt in „Red Faced“ derweil die androide Kampfmaschine Red Tornado des Wissenschaftlers Thomas Oscar Morrow (Iddo Goldberg) dar. Mit dieser wischt Supergirl zu Beginn der Episode noch ordentlich den Boden auf, was angesichts der Tatsache, dass unglaublich viel Geld und Zeit in die Entwicklung von Red Tornado geflossen ist, ein klein wenig komisch wirkt. Doch Supergirls Übereifer löst ein Notfallprogramm in der Maschine aus, die dann eine Gefahr für National City darstellt und, wie sich später herausstellt, von seinem Erfinder ferngesteuert wird.

Während die Effekte rund um Red Tornado recht passabel sind, stellt sich zwangsläufig mal wieder die Frage nach der Motivation des Widersachers der Woche. Diese ist nämlich recht dürftig, so hält der rotgefärbte Androide maximal als besserer Sparingspartner her. Stark sind wiederum die Kampfszenen zwischen Kara und diesem, vor allem am Ende der Episode. Der Zweikampf ist schön wuchtig inszeniert, darüber hinaus lässt man sich eine gelungene Parallelmontage einfallen, indem Alex gegen Morrow kämpft, während Supergirl es mit Red Tornado zu tun bekommt. Das große Finale, als Supergirl ihre zerstörerischen Laseraugen einsetzt, ist dann atmosphärisch sehr intensiv. Allein wie Benoist beziehungsweise Supergirl voller Inbrunst schreit und wie sie all die bereits erwähnte, gesammelte Wut auf ihren Gegner fokussiert, ist extrem packend. Bei dem Anblick der festentschlossenen Kara und ihren glühenden Augen bekommt man es ja fast mit der Angst zu tun.

Lady in Red

Eine Szene wie diese unterstreicht wiederum auch noch einmal, wie mächtig Supergirl ist und wie gefährlich sie sein kann. Eine Erkenntnis, die auch Kara selbst nach dem Kampf mit Red Tornado hat. Neben diesem Aspekt ist es für den Charakter darüber hinaus natürlich auch immens wichtig, dass sie sich selbst kontrollieren, rational Entscheidungen treffen und ihre Emotionen richtig einordnen kann. Dieses Kapitel in der Entwicklung Karas zur Superheldin Supergirl wird somit rund abgeschlossen und überzeugt mich in seiner Gänze schon weit mehr als einige andere Lektionen aus den letzten Wochen.

Welche Themen die Macher weiterhin ein wenig stiefmütterlich behandeln, sind die vielversprechenden Handlungsstränge um Hank Henshaw und Maxwell Lord (Peter Facinelli). Hier habe ich aber Verständnis dafür, dass man es etwas ruhiger angehen lassen will, da man sein Pulver einfach nicht zu früh verschießen will. Langsam reicht es aber mit den sich wiederholenden Aufnahmen von Hank und seinen glühend roten Augen. Ich hoffe einfach mal, dass diese Geschichte nun weiter Fahrt aufnimmt, vor allem, nachdem Alex und Kara dank der Mithilfe Winns neue Informationen bezüglich ihres Vaters erhalten haben. Dieser ging nämlich einst gemeinsam mit einem weiteren Agenten in Diensten der DEO in Südamerika verschüttet, jedoch tauchte der Kollege von Alex' Vater später wieder auf, ohne dass es wirklich Informationen zu dessen Verschwinden gab. Sein Name: Hank Henshaw.

Faust ins Gesicht: Supergirl (Melissa Benoist) gegen Red Tornado (Iddo Goldberg) © CBS
Faust ins Gesicht: Supergirl (Melissa Benoist) gegen Red Tornado (Iddo Goldberg) © CBS

Not the bad guy

Comicleser dürften sicherlich schon ein paar Vermutungen bezüglich des kantigen DEO-Chefs haben, der sich in „Red Faced“ ein paar Mal ganz großartig hinter Kara stellt und General Lane die Meinung geigt („Technology from those Kryptonians you're so scared of.“). Ich bin gespannt, in welche Richtung sich dieser Teil der Handlung entwickelt. Ähnlich verräterisch sieht es derweil an der Maxwell-Lord-Front aus, der hier nur kurz in Erscheinung tritt, den man aber ständig im Hinterkopf hat. Zwischen ihm und Alex scheint sich tatsächlich etwas anzubahnen - welche Rolle er in naher Zukunft noch spielen wird, lädt zum Spekulieren ein. Wie von einigen Kommentatoren bereits angemerkt, erkennt man einige Parallelen zum Superman-Erzfeind Lex Luthor, also wäre es denkbar, dass sich die Serienmacher hier etwas bedienen und einen ähnlichen Konflikt zwischen Lord und Supergirl etablieren wollen.

Ein hochinteressantes Detail wartet dann noch in der abschließenden Szene der Episode auf uns, als Cat und Kara noch einmal ein kurzes Gespräch miteinander führen. Letztere stellt sich dann etwas schusselig an und so geht ein Glas zu Bruch. Überraschend ist dann, dass sich Kara an diesem schneidet und plötzlich blutet - ist die Maid aus Stahl doch verwundbar? Was könnte ihre Kräfte aufheben und sie anfällig für Verletzungen machen? Vielleicht ist einem der Leser ja ein kleines Detail in der Folge aufgefallen, das mir entgangen ist und ein Indiz auf die Beantwortung dieser Frage geben könnte.

Fazit

Red Faced stellt für mich persönlich eine Besserung zu der Folge aus der letzten Woche dar, auch wenn sich nach wie vor einige Kritikpunkte finden lassen, die sich Woche für Woche wiederholen. Die Lektionen für unsere Hauptfiguren kommen weiterhin mit dem Holzhammer daher - in „Red Faced“ schafft man es aber, eine neuerliche Lehrstunde für Kara unterhaltsam zu verpacken und stimmig auf Film zu bannen. Auf den ganz großen Durchbruch, was eine übergreifende, fesselnde Handlung angeht, muss man weiterhin warten, doch das Potential für eine solche ist klar erkennbar. Ein Extralob verdient sich derweil Melissa Benoist, die hier sehr gut aufspielt und die die verschiedenen Probleme ihrer Figur authentisch wiedergibt. Es geht wieder aufwärts mit Supergirl.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 1. Dezember 2015
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Supergirl 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Der rote Tornado
Titel der Episode im Original
Red Faced
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 30. November 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 12. April 2016
Autoren
Michael Grassi, Rachel Shukert
Regisseur
Jesse Warn

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x06

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