Supergirl 1x05

Supergirl 1x05

Die Episode How Does She Do It? hat anfänglich aufgrund ihrer verspäteten Ausstrahlung mit einigen Kontinuitätsproblemen zu kämpfen, welche dann einer soliden Erzählung mit einigen interessanten Parallelen zwischen den Charakteren weichen. Etwas frischen Wind könnte die Serie dennoch vertragen.

Melissa Benoist als Supergirl in „How Does She Do It?“ / (c) CBS
Melissa Benoist als Supergirl in „How Does She Do It?“ / (c) CBS

Aufgrund der fürchterlichen Attentate in Paris vor etwas mehr als einer Woche hatten die Serienmacher hinter Supergirl veranlasst, die Episode How Does She Do It?, in der es zu mehreren Bombenanschlägen in National City kommt, um eine Woche zu verschieben. Dafür sahen wir letzte Woche die fünfte Episode dieser ersten Staffel, Livewire, die naturgemäß ein paar Fragen ob der Kontinuität der Geschichte aufwarf, da man ja eine Episode übersprang. Fast schon wie erwartet können jetzt auch in der nachgereichten vierten Episode „How Does She Do It?“ einige sehr irritierende Momentaufnahmen für den Zuschauer entstehen, da dieser bereits mehr weiß, als die Handlungsstränge in „How Does She Do It?“ hergeben. Dies ist ohne Frage zunächst extrem gewöhnungsbedürftig und könnte Teile der Zuschauerschaft ein klein wenig auf dem falschen Fuß erwischen.

Positiv ist hingegen, dass diese Kontinuitätsprobleme, für die die Serienmacher im Grunde genommen nicht viel können, relativ schnell ignoriert werden können und größtenteils zu Beginn der Episode ins Gewicht fallen. Viel wichtiger ist hier der nächste Schritt in Karas (Melissa Benoist) Entwicklung, den sie im Rahmen einer abwechslungsreichen Geschichte vollführt. Dieser mag nicht immer sehr originell sein und über einige schwächere Nebenhandlungsstränge verfügen, verspricht in den richtigen Momenten jedoch einiges an Spannung und unterhält auf konstant gutem Niveau.

Juggle it all

How Does She Do It?“ steht unter anderem im Zeichen der Selbstwertschätzung und Evaluation der eigenen Position in den Augen anderer. Der Fokus wird dabei allen voran auf Hauptfigur Kara gelegt, die immer sicherer in ihrem Tun und Handeln als Superheldin wird, gleichzeitig aber noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen ist. Die Rahmenhandlung der Episode bildet dabei eine weitere Lektion für die aufstrebende Superheldin, die lernen muss, ab und zu auch etwas egoistischer zu denken sowie zu versuchen, es nicht jedem immer wieder recht zu machen. Widmet sie sich zu vielen Baustellen - seien es ihre eigenen oder die ihrer Freunde - steigt die Belastung. Physische Schäden dürfte sie davon keine davongetragen haben, aber, wie ihre Stiefschwester Alex (Chyler Leigh) anmerkt, könnte Karas Mentalität und Psyche darunter leiden.

Hank Henshaw (David Harewood) und Supergirl (Melissa Benoist) in %26bdquo;How Does She Do It?%26ldquo; © CBS
Hank Henshaw (David Harewood) und Supergirl (Melissa Benoist) in %26bdquo;How Does She Do It?%26ldquo; © CBS

Girl of Steel

Die bisherigen Episoden von Supergirl laufen zumeist nach einem ähnlichen Schema ab: Kara muss sich Woche für Woche einer neuen Bedrohung stellen, bei deren Bekämpfung sie eine weitere wichtige Lektion erlernt, die sie benötigt, um die Superheldin zu werden, die sie sein möchte. Dieser Ansatz einer eigenen origin story ist klassisch, funktionell und nachvollziehbar. Nach fünf Episoden würde ich mir jetzt aber wünschen, dass die Autoren mal eine andere Richtung einschlagen und vielleicht einen anderen Handlungsstrang mehr beleuchten - zum Beispiel die Geschichte um Hank Henshaw (David Harewood) oder die schon wieder fast vergessene Tante Karas, Astra (Laura Benanti), die seit ihren anfänglichen Auftritten keine richtige Rolle mehr gespielt hat.

Karas Lernprozess wird immer ein Teil der Episoden und nur schwer auszublenden sein, was ich persönlich auch gut und richtig finde, da die Figur so immer mehr Profil annimmt. Eine Folge, die jedoch mal nicht nur eine weitere Lehrstunde für Supergirl ist, wäre jetzt aber mal wünschenswert und eine Abwechslung. Dass die Macher durchaus in der Lage dazu sind, Abwechslung anzubieten und aufregende, kurzweilige Geschichten zu entwerfen, zeigen sie mehrfach in „How Does She Do It?“. Entscheidend ist jetzt nur, die richtige Aufteilung und Mischung an Erzählelementen zu finden, um etwas mehr Varianz schaffen, Langeweile zu vermeiden und die Spannung hochzuhalten.

A new kind of hero

Im Grunde genommen bietet man uns hier mit „How Does She Do It?, Supergirl“ eine bunte Episode an, die einiges für uns bereithält. Während Kara eigentlich auf den introvertierten Sohnemann von Chefin Cat Grant (Calista Flockhart) aufpassen soll, terrorisiert ein unbekannter Bombenleger National City, dem Supergirl Paroli bieten muss, bevor die Bewohner der Stadt ernsthaft zu Schaden kommen. Zur gleichen Zeit etabliert man einen geheimnisvollen Plot um Techmogul und Unternehmer Maxwell Lord (Peter Facinelli), der eine Obsession für die neue Heldin der Stadt und ihre wahre Identität entwickelt, während die mysteriöse Nebengeschichte um den zwielichtigen Hank Henshaw und dessen augenscheinlichen Superkräften an Momentum gewinnt.

Bei dieser ist es wiederum ein klein wenig schade, dass wir bereits aus der letzten, eigentlichen fünften, Episode wissen, dass Kara und Alex Zweifel an Henshaws Motivation haben. Der Aufbau dahin wäre im Zuge der regulären Ausstrahlung der vierten und fünften Folge durchaus gelungen gewesen, sehen wir in „How Does She Do It?“ doch, dass Kara zunächst wesentlich besser mit dem Boss des DEO zurechtkommt und sich eine gewisse Vertrauensbasis zwischen den beiden aufgebaut hat, die am Ende der Episode sowie durch die neuen Erkenntnisse aus Livewire - Henshaw war verantwortlich für den Tod von Alex' Vater beziehungsweise Karas Ziehvater - ins Wanken kommt.

Girl trouble

Vergleichbare Probleme in der Kontinuität zeigen sich in der Nebengeschichte zwischen James (Mehcad Brooks) und seiner Exfreundin Lucy (Jenna Dewan Tatum), mit der er am Ende der Episode wieder zusammenkommt. Bei diesem Handlungsstrang fällt aber vor allem etwas anderes eher negativ auf: dass die hier gezeigte Liebesgeschichte recht abgedroschen ist und bei mir deshalb nicht wirklich Interesse wecken kann.

Das Beste daran ist wohl noch Karas Rolle, die nach Alex' Hinweis bestimmter im Umgang mit James auftritt, um nicht in der friend zone zu enden. Ob sie irgendwann mit ihm in einer Beziehung landet, sei mal dahingestellt. Viel wichtiger ist, dass sie in diesen Szenen an sich denkt und lernt, sich in Zukunft weniger abhängig von anderen zu machen. Sie muss nicht ständig den Feuerwehrmann spielen. Letzten Endes zeigt sie charakterliche Größe und bleibt ihrer hilfsbereiten Art sowie ihrer Figurenzeichnung treu, indem sie James darauf hinweist, dass er der Beziehung mit Lucy eine zweite Chance geben soll. Beide haben Fehler gemacht und es ist James anzusehen, dass er noch lange nicht über die Militäranwältin aus Metropolis hinweg ist.

Levi Miller und Calista Flockhart in %26bdquo;How Does She Do It?%26ldquo; © CBS
Levi Miller und Calista Flockhart in %26bdquo;How Does She Do It?%26ldquo; © CBS

Frezzled

Auch wenn Kara sich nach wie vor sehr ungelenk in der Nähe von James präsentiert, was leichte Tendezen von Fremdscham in mir weckt, trägt die Episode dazu bei, dass sich Kara mehr von ihm löst. Ich habe dadurch nicht den Eindruck, dass sich für Kara alles nur darum dreht, mit James oder wem auch immer zusammenzukommen, sondern dass sie Schritt für Schritt erkennt und lernt, was sie wirklich will und dass das augenscheinliche Glück direkt vor ihrer Nase hinterfragt werden muss.

Geschickt finde ich dann wiederum den kleinen Querverweis auf Winn (Jeremy Jordan), der sich in einem ähnlichen Dilemma wie Kara wiederfindet, kommt er doch (bisher) nicht über den Status als Freund von ihr hinaus. Hier müssen die Autoren aber wiederum aufpassen, dass sich der Charakter nicht zu schnell abnutzt und man ihn bald nur noch auf eine Eigenschaft herunterbricht: seine Liebe für Kara. Auch bei ihm wäre es nachvollziehbar, wenn er irgendwann einfach über seinen Gefühlen zu Kara steht. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan, aber es wäre eine nur konsequente Entwicklung der Figur.

Special attention

Für den charmanten Teil der Episode ist derweil Cats verschlossener Sprössling Carter (Levi Miller) zuständig, auf den Kara Acht geben muss. Dieser entpuppt sich schnell als glühender Fan von Supergirl, was Kara deutlich schmeichelt. Als Zuschauer kann man sich in diesen Szenen dem breiten Grinsen und sympathischen Lachen von Melissa Benoist nur schwer entziehen. Absolut passend zum feministischen Ton der Serie, der immer wieder clever von den Serienmachern angeschlagen wird, gestaltet sich dann eine nette kleine, abschließende Szene zwischen Cat und ihrem Sohn, der beinahe in einem schrecklichen Attentat auf den neuen Hochgeschwindigkeitszug aus dem Hause Maxwell Lord ums Leben gekommen wäre.

Cat kann nur stolz auf ihren Sohn sein, der Supergirl eben nicht zu einem Sexobjekt mit wunderschönen langen Beinen macht, sondern in ihr einen vollwertigen, starken, mutigen Charakter sieht. Erneut verzichtet man auf eine subtile Herangehensweise, was aber nicht die Relevanz und bedeutende Quintessenz dieses Handlungsstrangs mindert, der neben ein paar sehr amüsanten Momenten (als comic relief-Figur finde ich Winn nach wie vor sehr charmant) auch gut ins Gesamtbild der Folge passt. An deren Ende bekommt Kara noch die obligatorische Lebensweisheit auf dem Silbertablett geliefert: Niemand ist in der Lage, von jetzt auf gleich und dann auch noch gleichzeitig alle Anforderungen an einen zu bewältigen und diesen gerecht zu werden.

Dies hat Cat vor vielen Jahren gelernt, dies muss nun Kara und auch Supergirl lernen. Auch diese Erkenntnis kommt etwas mit dem Holzhammer, jedoch zeigt die für Kara bisweilen turbulente Episode zwischen Superheldin, Bürofachkraft und Babysitter treffenderweise eben genau diesen Spagat auf, dem sich Kara stellen muss.

Ruse

Das letzte Drittel der Episode - als sich das Puzzle langsam zusammensetzt, wer hinter den Bomben in National City steckt - nimmt dann noch einmal ordentlich Fahrt auf. Dass es gleich an zwei verschiedenen Orten - zum einen am Flughafen, zum anderen bei der Jungfernfahrt von Lords neuem Zug - zu potentiellen Bombenanschlägen kommt, erhöht noch einmal die Spannung. Die Auflösung um den verzweifelten Ethan Knox (Scott Michael Campbell), Exangestellter von Lord, der eben nicht aufgrund eines simplen Rachemotivs seine ehemaligen Arbeitgeber zur Rechenschaft ziehen will, sondern eine Marionette von Lord ist, gefällt mir ebenfalls gut und kommt ein Stück weit unerwartet. Wie wir am Ende der Folge sehen, steckt Lord hinter all den Attentaten, wollte er Supergirl doch aus der Reserve locken, ihre Fähigkeiten testen und diese dokumentieren (unter anderem mit hochmodernen Drohnen).

Peter Facinelli
Peter Facinelli

Maxwell Lord finde ich als Figur durchaus interessant, da er bisher noch nicht wirklich greifbar ist. Alex muss sich mit ihm etwas befassen und es scheint so, als herrsche bereits jetzt schon eine gewisse Anspannung zwischen diesen beiden Figuren, die sehr unterschiedliche Standpunkte vertreten, aber die gleichen Ziele verfolgen. Dass Maxwell so viele Ressourcen verbraucht, geschweige denn dermaßen gefühlskalt Knox zu furchtbaren Taten zwingt (für Knox' Kollaboration lässt Lord dessen schwerkranke Tochter versorgen), ruft ein ungutes Gefühl hervor. Nämlich das, dass diese Figur weitaus gefährlicher ist, als sie bisher in Erscheinung trat. Sein perfider Plan (Supergirl rettete den Zug mit gut 100 Menschen an Bord, während am Flughafen tausende in Gefahr waren, also muss sich jemand im Zug befunden haben, der Supergirl etwas bedeutet), um einzugrenzen, wer Supergirl wirklich ist, zeigt derweil nur, wie skrupellos er ist.

Neben der Geschichte um Henshaw, der mit seinen geheimen Kräften die Bombe am Flughafen entschärft, die - wie Alex festellt - keine Attrappe ist, sondern scharf war, würde ich auch gerne mehr von Maxwell Lord sehen. Dessen Faszination für und leicht manische Fixierung auf Supergirl kann kein gutes Ende nehmen - für welche der beiden Seiten auch immer.

Fazit

Supergirl bleibt auch in seiner fünften (beziehungsweise vierten) Episode auf einem guten Weg, gleichzeitig muss man aber auch festhalten, dass sich ein paar frühe Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen. Einige der computergenerierten Effekte (Supergirl im Flug) werden sicherlich dem einen oder anderen etwas missfallen und ein paar Irritationen ob der umgedrehten Reihenfolge der letzten beiden Episoden sind schlichtweg nicht zu vermeiden. Dennoch wäre es in den nächsten Folgen darüber hinaus wünschenswert, wenn man etwas von der bisherigen Erzählstruktur abweicht und sich vielleicht mehr einem größeren Handlungsstrang widmen könnte, der sich über mehrere Episoden entfaltet.

Die stetige Entwicklung Karas zur Superheldin und was diese neue Verantwortung mit ihr macht, wird nach wie vor schlüssig aufgezeigt, ändert aber nichts daran, dass diese Prozesse oft nach ein und demselben Muster ablaufen. Mit der für mich persönlich sehr interessanten Nebengeschichte um Hank Henshaw und Maxwell Lord hat man nun potentiell hochspannende Möglichkeiten, um die Handlung voranzutreiben und das Format etwas variabler zu gestalten.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 24. November 2015
Episode
Staffel 1, Episode 5
(Supergirl 1x05)
Deutscher Titel der Episode
Bombe an Bord
Titel der Episode im Original
How Does She Do It?
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 23. November 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 29. März 2016
Autoren
Yahlin Chang, Ted Sullivan
Regisseur
Thor Freudenthal

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x05

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