Supergirl 1x03

Supergirl 1x03

Fight or Flight stellt eine solide Episode des Serienneustarts Supergirl dar, in der sich alles um eine weitere Lektion für die frischgebackene Superheldin dreht. Dabei müssen die Autoren aber Acht geben, dass sie sich nicht zu sehr verzetteln und wiederholen.

Melissa Benoist als Kara Danvers aka Supergirl in „Fight or Flight“ / (c) CBS
Melissa Benoist als Kara Danvers aka Supergirl in „Fight or Flight“ / (c) CBS

Wenn die Episode Fight or Flight vor allem eines deutlich macht, dann, dass der Lernprozess für Kara (Melissa Benoist) in ihrer neuen Rolle als Supergirl gerade erst begonnen hat und noch zahlreiche Herausforderungen auf sie warten. Die größte davon stellt nach wie vor ihr Selbstfindungsprozess und die damit einhergehende Abgrenzung von ihrem weltbekannten Cousin Superman dar, was in der Folge abermals prominent in den Vordergrund gerückt wird.

Die Serienmacher lassen sich erneut einige interessante Kunstgriffe einfallen, um klarzustellen, dass dies nicht die Geschichte des Mannes aus Stahl, sondern von Kara Danvers aka Kara Zor-El ist, die ihren eigenen Weg als Superheldin finden muss. Man bekommt aber gleichzeitig auch den Eindruck, dass wir uns bereits jetzt schon ein wenig im Kreis drehen und sich gewisse Erkenntnisse für unsere Hauptfigur wiederholen. Dies macht sich wiederum in „Fight or Flight“ mehrfach bemerkbar und kann sogar etwas ermüdend sein.

Just friends

Andererseits wird Karas punktuelle Entwicklung zur Retterfigur National Citys durchaus glaubhaft gezeichnet, können wir doch mitnichten davon ausgehen, dass sie sich von jetzt auf gleich in ihrer neuen Rolle akklimatisiert. Einzelne Momentaufnahmen zeigen treffend auf, was von ihr in Zukunft verlangt werden wird und welchen Verantwortungen sie sich stellen muss, um eben nicht von anderen als weiblicher Superman definiert zu werden, sondern als Supergirl, die auf eigenen Beinen stehen kann. Gemischte Gefühle rufen unterdessen einige der Charaktermomente auf, die annehmen lassen, dass sich das Verhältnis zwischen bestimmten Figuren etwas zu früh in eine ganz bestimmte Richtung entwickeln könnte, die die Meinungen spalten wird.

Kara (Melissa Benoist) und James (Mehcad Brooks) in %26bdquo;Fight or Flight%26ldquo; © CBS
Kara (Melissa Benoist) und James (Mehcad Brooks) in %26bdquo;Fight or Flight%26ldquo; © CBS

Tensed

Die Rede ist natürlich von einem möglichen Liebesdreieck, welches nun doch zwischen Kara, James (Mehcad Brooks) und Winn (Jeremy Jordan) aufgespannt wird. In der letzten Episode (Stronger Together) hatte ich mich noch positiv überrascht gezeigt, dass man dieses Thema anscheinend erst einmal ruhen lassen würde. In „Fight or Flight“ stürzt man sich nun wiederum kopfüber in diese beliebte Fernsehtrope, welche bekanntermaßen etliche Komplikationen mit sich bringt, hier zum Beispiel durch den überraschenden Auftritt von James' Exfreundin Lucy Lane (Jenna Dewan Tatum), Schwester von Lois.

Ich möchte unseren jungen Charakteren ja keine Romanzen verbieten, da diese eben nun mal auch Teil ihrer Realität sind. Ich hätte nur nicht erwartet, dass die Serienmacher so früh in ihrer Serie dieses Fass aufmachen. Für mein Empfinden nimmt die sexuelle Anspannung sowie peinliche Berührtheit einiger Charaktere (allen voran Kara im Umgang mit James) etwas zu viel Platz in dieser Episode ein. Auch Winns Rolle als unglücklich verliebter Arbeitskollege (der einem schon fast leidtun kann) haben wir so schon tausendmal im Fernsehen gesehen, was mitunter dazu beiträgt, dass viele Szenen bezüglich der zwischenmenschlichen Beziehungen sich nicht besonders frisch und ein wenig generisch anfühlen. Man erkennt als Zuschauer eine gewisse Formelhaftigkeit, wenn es um das Liebesleben von Kara und Co geht und ich hoffe einfach, dass man hier in naher Zukunft nicht zu sehr ins Klischee abdriftet und es etwas dezenter angehen lässt.

Keeping up with the Kryptonians

Zurzeit gibt es nämlich weitaus interessantere Aspekte in „Supergirl“ zu ergründen, so zum Beispiel die bereits erwähnte Entwicklung, die unsere Heldin durchmacht. Im Rahmen des Auftritts von Superman-Nemesis Reactron wird diese nicht nur schwer auf die Probe gestellt, sie muss auch den Beweis antreten, dass sie den Vergleich mit Superman nicht scheut und dessen Hilfe nicht notwendig ist. Eine Szene, in der Superman seiner Cousine letztlich zur Rettung eilt, nachdem ihr von Reactron hart zugesetzt wurde, ist zunächst ein klein wenig enttäuschend, weil es eben doch so scheint, dass Supergirl nicht alleine bestehen kann und hilfsbedürftig ist. Die Autoren geben diesem Vorfall jedoch im Laufe der Episode eine nette Wendung, die letzten Endes darin resultiert, dass Supergirl sehr wohl unabhängig ist - nur der Weg dorthin ist eben kein einfacher.

Letztlich war es James, der seinen übernatürlichen Freund kontaktiert hatte, weil er in Sorge um Kara war, diese würde sich mit dem Kampf gegen Reactron übernehmen. Erneut gelingt es den Machern, zwei verschiedene Seiten mit nachvollziehbaren Argumenten auszustatten: Natürlich können wir James verstehen, der für Kara nur das Beste will und nicht riskieren möchte, dass ihr etwas zustößt. Immerhin hat sie gerade erst ihre Kräfte wiederentdeckt. Auf der anderen Seite versteht man auch die etwas dickköpfige Kara, die alles versucht, um eben nicht ständig mit Superman verglichen zu werden und selbstständig Probleme zu lösen. James' Eingreifen zeugt ihrer Ansicht nach davon, dass er (noch) nicht an sie glaubt, was es für sie nur umso schwieriger macht, sich als Superheldin mit eigener Agenda zu verwirklichen.

Reflex

Man arbeitet also weiter wichtige Facetten der origin story unserer Superheldin ab, wie sie schlussendlich zu der Person und Figur werden kann, die sie sein und darstellen möchte. Das finde ich persönlich nach wie vor positiv und relevant, auch wenn man den Hauptcharakter der Serie hier und da gerne ein klein wenig subtiler etablieren könnte. Mein größter Kritikpunkt an Fight or Flight ist jedoch, dass sich manche Dialogszenen etwas repetitiv anfühlen, als würde man diese schon aus der ersten oder zweiten Episode kennen. Ja, wir Zuschauer haben es langsam verstanden, dass Supergirl ihres eigenen Glückes Schmied ist und einen ganz anderen Weg als ihr Cousin gehen muss. Dieses Thema wird hier für meinen Geschmack ein wenig zu breitgetreten, was im Grunde genommen gar nicht nötig ist.

Calista Flockhart als Cat Grant in %26bdquo;Fight or Flight%26ldquo; © CBS
Calista Flockhart als Cat Grant in %26bdquo;Fight or Flight%26ldquo; © CBS

Context

So wird die Person Superman mehrfach zu einem alles überstrahlenden Thema gemacht, was nicht nur für Kara, sondern auch für uns Zuschauer frustrierend sein kann. Umso erfreulicher ist es dann, dass Kara schließlich Reactron mit der Hilfe von ihrer Schwester Alex (Chyler Leigh) und deren Boss Hank Henshaw (David Harewood) (seine roten Augen sehen alles...) aufhalten kann - etwas, was ihrem Cousin nie gelungen ist. Während sich die Effektarbeit für Networkverhältnisse weiterhin auf sehr gutem Niveau befindet (mal von einigen seltsam aussehenden „Schwebe“-Szenen mit Supergirl abgesehen, wie bereits auch schon einige Leser letzte Woche festgestellt haben), punktet man am Ende der Episode noch mit einer netten kleinen Chatunterhaltung zwischen Kara und Clark Kent, die auf charmante Art und Weise deutlich macht, dass letzterer hinter Kara steht und darüber hinaus möchte, dass sie ihre eigene Geschichte schreibt.

Dies übernimmt in „Fight or Flight“ zunächst wiederum niemand Geringeres als Cat Grant (Calista Flockhart) höchstpersönlich, die nicht nur ihr Exklusivinterview mit Supergirl bekommt, sondern dieser auch noch die Info entlocken kann, dass sie die Cousine von Superman ist. Dieser verbale Ausrutscher Karas stellt sich als relativ unbedacht heraus, beherrscht dieses Thema wenig später doch die gesamte Medienwelt und trägt unweigerlich zu den ständigen Vergleichen zwischen dem Held aus Metropolis und Kara bei. Calista Flockhart präsentiert sich erneut in guter Verfassung, während ihr Charakter nicht nur treffend den Faktor Medien in unseren modernen Zeiten und den damit verbundenen Sensationalismus verkörpert, sondern in gewisser Weise auch als verkappte, indirekte Mentorin für Kara fungiert.

Ghost

Grants Bericht über die junge Superheldin ist vernichtend und in den Augen von Kara sogar recht unfair, im Großen und Ganzen trifft die Unternehmerin (und leicht eingerostete Journalistin) aber den Nagel auf dem Kopf. In diesen Momenten gefällt mir die etwas subtilere Erzählweise sehr gut, denn man liest schon zwischen den Zeilen, dass Cat Grant sich erhofft, Supergirl könnte für National City zu der strahlenden Persönlichkeit werden, die Superman für Metropolis ist - zum einen, weil sie dadurch ihre Verkaufszahlen steigern kann, zum anderen aber auch, dass sie genug vom Mann aus Stahl hat und ihrer Meinung nach die Zeit für einen neuen Superhelden gekommen ist. Oder besser: eine neue Superheldin.

Darüber hinaus nutzen die Autoren die Zeit, um mit Maxwell Lord (Peter Facinelli) einen neuen Charakter etwas genauer einzuführen, welcher sehr wahrscheinlich in nächster Zeit eine größere Rolle spielen wird. Man bekommt einen soliden ersten Eindruck von dem hochbegabten Techmogul, für den Versagen ein Fremdwort ist, insgesamt wirkt sein erster richtiger Auftritt aber eher nebensächlich. Etwas auffälliger ist da schon Gastdarsteller Chris Browning, dessen Antagonist zwar eine recht simple Hintergrundgeschichte inklusive einfacher Motivation verpasst bekommt, an und für sich aber eine ordentliche Darbietung abliefert und das Bestmögliche aus dieser Rolle herausholt.

Jeremy Jordan als Winn Schott in %26bdquo;Fight or Flight%26ldquo; © CBS
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The great hero

Was mich wiederum etwas irritiert, ist der neue „Unterschlupf“ von Team Supergirl, der von Winn technisch ausgerüstet wurde, als wäre es das Einfachste der Welt. Eine genaue Erklärung, wie der Kollege Karas dies vollbracht hat, bleibt aus. Ansonsten ist es auch etwas gewöhnungsbedürftig, wie mit verschiedenen Geheimidentitäten umgegangen wird. James posaunt einfach mal so das Alter Ego von seinem guten Kumpel Superman heraus und Kara verhält sich ebenfalls etwas arg sorglos, was ihr Doppelleben betrifft. Bei letzterer bin ich aber noch kulant, da man ihr unsicheres und bisweilen impulsives Verhalten durchaus damit erklären kann, dass ihr Dasein als Superheldin komplett neu für sie ist und sie keinerlei Erfahrungen hat, wie sie damit umgehen soll.

Hier liegt bis jetzt auch definitiv die Stärke des Formats, das nach zwei sehr interessanten Episoden jetzt mit „Fight or Flight“ eine insgesamt etwas schwächere leistet, weil man sich eventuell zu vielen Baustellen auf einmal widmet. Karas Findungsphase ist nach wie vor ein spannender Prozess, nun will man die Figur schlagartig komplexer machen (so zum Beispiel über ein verzwicktes Liebesleben), was vielleicht etwas verfrüht kommt. Die Serienmacher sollen sich ruhig die Zeit nehmen, ihre Hauptfigur von allen Seiten zu beleuchten. „Fight or Flight“ fühlt sich im Gegensatz dazu oft so an, als hätte man sich für eine Episode ein bisschen zu viel vorgenommen.

Fazit

Fight or Flight ist eine eher durchschnittliche Folge der neu gestarteten Superheldenserie Supergirl, nicht mehr und nicht weniger. Nach einem beschwingten und sehr unterhaltsamen Auftakt geht es jetzt an die Feinjustierung des Formats. Ähnlich wie die Entwicklung der Hauptfigur ist es auch für die Produzenten ein Prozess, den richtigen Weg für ihre Heldin zu finden. Es ist nur logisch und nachvollziehbar, dass man die Hauptfigur von allen Seiten betrachten will, immerhin ist sie nicht nur Supergirl, sondern auch Kara Danvers - zwei verschiedene Personen mit ganz unterschiedlichen Leben.

In „Fight or Flight“, das ohne Frage auch viele unterhaltsame Momente zu bieten hat, will man aber zu früh zu viel - so zumindest mein Eindruck. Da hätte ich mich anstelle einer möglichen Liebesgeschichte etwas mehr über weitere Szenen zwischen Kara und ihrer Schwester gefreut, deren Verhältnis bisher weitaus interessanter ist - die schöne kleine Schlussszene der Episode steht exemplarisch dafür. Es wird sich zeigen, in welche Richtung einige der neuen Entwicklungen gehen werden. Das allgemeine Potential der Serie bleibt jedoch zweifelsohne bestehen.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 10. November 2015
Episode
Staffel 1, Episode 3
(Supergirl 1x03)
Deutscher Titel der Episode
Bewährungsprobe
Titel der Episode im Original
Fight or Flight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 9. November 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 22. März 2016
Autoren
Michael Grassi, Rachel Shukert
Regisseur
Dermott Downs

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x03

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