Supergirl 1x02

Supergirl 1x02

Stronger Together stellt nach der Auftaktepisode von Supergirl die richtigen Fragen und gefällt somit sogar etwas besser als der gelungene Staffelstart aus der Vorwoche. Der Ablauf der Handlung ist bisweilen etwas formelhaft, doch dies gleicht man mit großartiger Unterhaltung aus.

Melissa Benoist als Kara Danvers aka Supergirl in „Stronger Together“ / (c) CBS
Melissa Benoist als Kara Danvers aka Supergirl in „Stronger Together“ / (c) CBS

Der Höhenflug geht weiter: Nach einer überzeugenden Pilotfolge setzt der CBS-Serienneustart Supergirl seinen positiven Trend fort und präsentiert uns mit Stronger Together eine Episode, die den Auftakt aus der letzten Woche oftmals überflügelt. Dies liegt (ironischerweise) daran, dass die Serienmacher um Greg Berlanti, Ali Adler und Andrew Kreisberg ihre frischgebackene Superheldin erst einmal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen und erden. Nach ihrem ersten „Ausflug“ in ungeahnte Höhen muss sich die titelgebende Figur des Formats nämlich auch sehr schnell ihren neuen Verantwortungen sowie Grenzen bewusst werden - eine Aufgabe, bei der sie tatkräftige Unterstützung von ihren Nächsten bekommt.

Die Autoren verfolgen damit genau den richtigen Ansatz, denn niemand kann wirklich davon ausgehen, dass Kara aka Supergirl (Melissa Benoist) von jetzt auf gleich ihrer Rolle als Schutzpatronin von National City gerecht wird. Das Entdecken und Wahrnehmen ihrer Kräfte ist ein Prozess und wir als Zuschauer kommen in „Stronger Together“ in den Genuss davon, wie unser Hauptcharakter diesen durchläuft, Hindernisse übrwindet sowie eine eigene Agenda entwickeln muss, die mitnichten der ihres allseits bekannten Cousins gleicht. Das vielseitige „Training“ Karas gestaltet sich dabei fast schon spielerisch, mit sehr charmanten Darbietungen der beteiligten Darsteller. Doch auch für die etwas ernsteren Zwischentöne nimmt man sich Zeit und feilt dadurch erfolgreich an dem Profil der neuen, vielversprechenden Serie. Einzig eine Nebenhandlung sowie der Auftritt der vermeintlichen Antagonistin der Staffel wirft einige Fragen auf.

Full control

Bevor es zu dem eher dunkleren und mysteriösen Finale der Episode kommt, folgen die Autoren in „Stronger Together“ einer Devise, die im Drehbuch-Handwerk gerade zu Beginn eines Filmes oder einer Serie gang und gäbe ist: fun and games - Spaß und Spiele. Und warum auch nicht, die jugendliche Kara darf nach Jahren ihre Superkräfte endlich frei einsetzen, was ihr sichtlich Freude bereitet. Dabei schwingt jedoch stets ein Hauch von Sorglosigkeit und Naivität mit, was insbesondere DEO-Leiter Hank Henshaw (David Harewood) übel aufstößt. So richtig mag er Kara nocht nicht vertrauen und für die DEO in den Einsatz schicken, weshalb er sie erst einmal durch ein paar Testübungen scheucht.

Ein nachvollziehbarer Schritt, wie sich kurze Zeit später herausstellt, als Kara bei einer Rettungsaktion zwar eine fatale Feuerexplosion verhindert, dafür aber im gleichen Zug eine neue Katastrophe auslöst. Dass die junge Dame an dem Öltanker zieht, wodurch wiederum der Bug abbricht und Öl ausläuft, und den Kahn nicht schiebt, begründen wir einfach mal mit ihrer Unerfahrenheit im Superheldengewerbe...

Calista Flockhart als Cat Grant in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS
Calista Flockhart als Cat Grant in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS

Miracle or menace?

Zusätzlich, auch wenn man es Kara vielleicht nicht auf den ersten Blick anmerkt, stellen wohl auch die immer wiederkehrenden Vergleiche zwischen Supergirl und Superman eine Belastung für Kara dar, die sich im Gegensatz zu ihrem Cousin erst noch finden muss. Viele Zuschauer (meine Wenigkeit inbegriffen) haben eventuell nach wie vor die Sorge, dass der Mann aus Stahl in Supergirl zu oft zu einem Thema gemacht werden könnte. Auf diese Befürchtung antworten die Macher nun mit einigen wunderbaren Szenen (Calista Flockhart in ihrer Rolle als Medienmogul Cat Grant wird dabei die beste Szene zuteil), in denen man unmissverständlich klarmacht, dass man sich von Superman distanzieren möchte. Natürlich wird es immer wieder Parallelen zwischen Kara und ihrem Cousin geben, äußerst positiv ist jedoch, dass man deutlich kommuniziert, Supergirl werde ihren eigenen Weg gehen, der sich von dem von Superman unterscheiden wird.

Während dieser nämlich seine Heldentaten größtenteils im Alleingang vollbringt, strebt Kara ein funktionierendes Teamgebilde an, das gemeinsam National City zu einem besseren Ort macht. Überhaupt lässt man ein paar Spitzen gegen die große DC-Ikone fallen, zum Beispiel in Person des mündigen Unternehmers Maxwell Lord (Peter Facinelli), der öffentlich auf all das Chaos hinweist, welches der Superheld in Rot und Blau über Metropolis bringt, da er wie ein Magnet auf all seine Feinde wirkt. Kara obliegt es, ihre eigene Vorgehensweise zu finden und dabei auch ein Stück weit aus dem Schatten ihres bekannten Familienangehörigen herauszutreten - ein Ansatz der Serienmacher, der mir persönlich sehr gut gefällt. Ich möchte nicht wissen, wer Superman ist. Dafür gibt es genügend Spielfilme (gute wie schlechte), die sich dem Helden widmen. Ich möchte wissen, wer Supergirl ist, wie sie ihre Fähigkeiten meistert und die ihr gestellten Herausforderungen bewältigt.

Hit me with your best shot

Doch jeder fängt mal klein an. Wie wir sehen, übernimmt sich Kara zu Beginn ihrer Superheldenkarriere, was zur Folge hat, dass Supergirl von den Medien komplett verrissen wird. Umso überraschender ist es, dass der wertvollste Ratschlag vom Oberaasgeier der Branche höchstpersönlich kommt, der emanzipierten Cat Grant, der Kara eine wichtige Lektion für Supergirl entlocken kann: Die junge Heldin sollte es nicht überstürzen und mit kleinen Schritten beginnen, hart an sich arbeiten und somit langsam, aber sicher zur Retterin von National City aufsteigen. Wer braucht dann noch Superman? Die exzellent aufgelegte Calista Flockhart überzeugt in Stronger Together auf ganzer Linie und meistert ihre Rolle als gnadenlose Chefin sowie starke Vertreterin ihres Geschlechts mit Bravour.

Aber nicht nur Flockhart hinterlässt einen sehr guten Eindruck, generell kann man sich immer mehr an der sehr guten Chemie unter den verschiedenen Darstellern und Darstellerinnen erfreuen, was man bereits in der Pilotepisode spüren konnte. Die kleine Montage von „Team Supergirl“ mit James (Mehcad Brooks) und Winn (Jeremy Jordan) als „Co-Piloten“ für Kara sorgt für gute Laune und unterhält auf sehr hohem Niveau, kleine amüsante Momentaufnahmen inbegriffen (Stichwort Fluffy, die Schlange). Darüber hinaus verzichtet man auf ein allzu erzwungenes Liebesdreieck und so macht es auch nicht den Anschein, dass es zwischen Kara, Winslow und James in nächster Zeit zu amourösen Spannungen kommen könnte. Die Beziehung der drei wirkt vielmehr freundschaftlich, wobei man sich bei Winslow noch nicht ganz sicher sein kann, wo die Reise hingehen wird. Es heißt abwarten, ob die Autoren dieses Fass in naher Zukunft noch aufmachen werden.

Failure to launch

Bei all dem Spaß, den man an Stronger Together nicht nur wegen der Figuren, Supergirls Entwicklung sowie den nach wie vor sehenswerten Effekten haben kann, werden hier aber auch teilweise sehr ernste Töne angestimmt. Vor allem die Beziehung der beiden Schwestern Alex (Chyler Leigh) und Kara wird dabei prominent in den Vordergrund gerückt. Während Alex sich naturgemäß Sorgen um Kara macht, ist diese Feuer und Flamme, ihrer Bestimmung als Superheldin nachzugehen. Die Basis für die Zusammenarbeit der beiden bildet wiederum gegenseitiges Vertrauen, was gerade von Alex' Seite nur zögerlich kommt.

Die schwesterliche Beziehung zwischen Alex und Kara ist nachvollziehbar gestaltet und fügt sich nahtlos in die vielen kleinen Parallelen ein, die die Autoren in ihre Geschichte integrieren, siehe zum Beispiel das Verhältnis von Karas Mutter Alura mit ihrer eigenwilligen Zwillingsschwester Astra, die sich ebenfalls oft nicht einig waren. Um eine ähnliche Entfremdung wie zwischen Karas Mutter und Tante zu vermeiden, müssen Kara und Alex an einem Strang ziehen, so stressig die neuesten Entwicklungen für die beiden auch sein mögen.

Supergirl (Melissa Benoist); Alex (Chyler Leigh) und Henshaw (David Harewood) in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS
Supergirl (Melissa Benoist); Alex (Chyler Leigh) und Henshaw (David Harewood) in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS

Start small, get better

Gut ist hier, dass man Kara und Alex auf eine Stufe stellt, was man in gleich mehreren Szenen in der Episode beobachten kann. Alex mag zwar keine Superkräfte besitzen, verfügt aber über andere Fähigkeiten, die sie gewinnbringend einsetzen kann. Dadurch verkommt sie wiederum nicht zu einem hilfsbedürftigen Charakter, der auf Supergirl angewiesen ist, sondern vielmehr ihre eigene Geschichte schreibt. Dies zeigt sich unter anderem im Zweikampf mit dem schurkischen Hellgrammite, ein insektenähnliches Alien, das in National City für Unruhe sorgt sowie im Bunde mit Karas Tante Astra und deren geheimnisvollem Zirkel steht.

Bei diesem Teil der Episode müssen meinerseits jedoch ein paar Einschränkungen gemacht werden. Die Effektarbeit sagt mir zu, wobei man natürlich mit allen möglichen Tricks arbeitet (viele Szenen im Dunkeln, rasante Schnitte), um zu kaschieren, dass man eben nicht über das größte Budget bezüglich der Spezialeffekte verfügt. Die Art und Weise, wie der Hellgrammite letztlich instrumentalisiert wird, ist wiederum etwas simpel, ebenso wie die Durchführung des Plans von Henshaw, diesem eine Falle zu stellen. Das DEO geht hier unerwartet blauäugig vor und sollte sich eigentlich nicht wundern, als ihre „Falle“ (irgendwie lässt sich dem Insektenwesen doch sicherlich besser ein Bein stellen) nach hinten losgeht und Alex entführt wird.

Ready enough

Dieser einfache Aufbau der Handlung und des Dramas ist indes natürlich zweckdienlich für die Lernkurve unserer Hauptfigur, die am Anfang der Episode noch naiv und sorglos war, dann lernt, ihre Ressourcen besser einzusetzen und jetzt im Zweikampf mit ihrer Tante ihr erlerntes Wissen sinnvoll anwendet - wobei sie erneut recht ungestüm agiert, als sie blindlings in die Falle von Astra marschiert. Deren Motivation bleibt nach wie vor im Verborgenen, zum einen möchte sie Rache üben, da sie von ihrer eigenen Schwester verraten wurde, zum anderen scheint es noch einen großen Plan im Hintergrund zu geben, der sich erst langsam entfalten wird.

Der mit ordentlichen Computereffekten gespickte Schlagabtausch zwischen Kara und Astra unterhält zumindest prächtig, die offensichtlichen Drahtseilszenen nimmt man gerne in Kauf, kann man die wuchtigen Schläge der beiden Damen doch förmlich spüren. Letztlich wird Astra dank Mithilfe von Henshaw in die Flucht geschlagen, der der Kryptonierin mit einer radioaktiven Stichwaffe schwer zusetzt. Ich persönlich bin noch etwas abwartend, was die finstere Bösewichtin und ihre Beweggründe angeht. Laura Benanti macht sich schon einmal nicht schlecht, nun hoffe ich auf ein originelles Motiv oder zumindest eine originelle Umsetzung eines solchen.

Limits

Etwas irritierend finde ich derweil das kleine Geschenk für Kara von Alex, als diese ihre Schwester im DEO-Hauptquartier in einen Raum führt, wo ein Hologramm von Karas Mutter dank kryptonischer künstlicher Intelligenz der jungen Superheldin fortan beistehen wird. Als Informationsquelle sicherlich sehr nützlich, doch emotional stelle ich mir ein Abbild meiner verstorbenen Mutter, das keinerlei Gefühle zeigt oder formulieren kann, mehr als Qual denn wirkliche Linderung der Schmerzen vor. Aus diesem Grund sehe ich die Einführung dieses Elements mit eher gemischten Gefühlen.

Fragen gibt es indes auch bezüglich Hank Henshaw, der mir als harter Hund und Skeptiker eigentlich gut gefällt. In Stronger Together verweisen die Macher bereits darauf, dass dieser mit der Wahrheit hinterm Berg hält und eventuell auch über besondere Fähigkeiten verfügt. Der Name des DEO-Chefs sollte vor allem bei Comickennern ein paar Alarmglocken aufschrillen lassen, ist Hank Henshaw doch das Alter Ego des Schurken und Superman-Erzfeindes Cyborg Superman. Seine tragische Familiengeschichte wird ebenfalls kurz thematisiert und sicherlich in naher Zukunft noch etwas mehr behandelt werden.

James (Mehcad Brooks) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS
James (Mehcad Brooks) und Kara (Melissa Benoist) in %26bdquo;Stronger Together%26ldquo; © CBS

Fazit

Der einzige richtige Vorwurf, den sich die zweite Episode von Supergirl gefallen lassen muss, ist der recht einfache, textbuchartige Aufbau der Handlung, die dadurch ein wenig vorhersehbar wird. Andererseits gibt es kaum einen besseren Weg, die Hauptfigur mit ihren Kräften vertraut werden zu lassen, als sie erst ins Stolpern zu bringen, damit Supergirl dann im Laufe der Episode wichtige Entwicklungsschritte macht, um ihre ganz eigene Heldenagenda zu formen und ihre Stärken sinnvoll einzusetzen. Das Zusammenspiel der Charaktere sowie die Effektarbeit bleiben ebenfalls auf hohem Niveau, so dass man schlichtweg sehr gut unterhalten wird.

Interessant ist darüber hinaus die Rolle der Medien, genauer gesagt Cat Grant, die James die Pistole auf die Brust setzt, um an ein Interview mit Supergirl zu kommen. Dieses bekommt sie schließlich auch, nachdem Melissa Benoist und Mehcad Brooks noch in einer schönen kleinen Szene zu sehen sind, die verdeutlicht, dass in „Supergirl“ der Teamgedanke über dem Individuum steht. Im Normalfall sollte Cat eigentlich ihre Assistentin Kara erkennen, aber, wie wir wissen, hat die sehr einfache Verkleidung mit Brille auch schon bei einem gewissen Clark Kent sehr gut funktioniert. Man darf gespannt sein, welche Folgen das Aufeinandertreffen zwischen der Superheldin und Unternehmerin haben wird.

Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 3. November 2015
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Supergirl 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Zusammen sind wir stark
Titel der Episode im Original
Stronger Together
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 2. November 2015 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 15. März 2016
Regisseur
Glen Winter

Schauspieler in der Episode Supergirl 1x02

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