Outlander 3x09
Doch zuerst liegt in der Episode The Doldrums zumindest eine neuerliche Trennung in der Zukunft. Das ist aber auch schon das einzig Positive an ihrer Situation. Wir erinnern uns, in der Episode First Wife ist Young Ian beim Versuch, den Schatz für die Auszahlung Laoghaires zu bergen, verloren gegangen und befindet sich jetzt an Bord eines Schiffes. Genauer: auf der Bruja, die auf dem Weg nach Jamaika ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der junge Mann dort als Sklave verkauft werden, wie der immer wieder hilfreiche Cousin Jared (Robert Cavanah) Claire (Caitriona Balfe) und Jamie (Sam Heughan) erklärt. Und weil Jared eben ein sehr hilfreicher Cousin ist, hat er gleich auch eine Möglichkeit, die beiden nebst Fergus (Cesar Domboy) und zwei von Jamies Kumpeln aus Ardsdumier, Hayes (James Allenby-Kirk) und Lesly (Keith Fleming), sowie Willoughby (Gary Young) mit der Artemis ebenfalls nach Jamaika einzuschiffen.
Wie der Herr, so das Gescherr
Doch halt, fehlt da nicht noch wer? Richtig, Jamies Adoptivtochter Marsali (Lauren Lyle) hat sich mithilfe Fergus' auf das Schiff geschmuggelt. Und nicht nur das: Sie und Fergus sind „handfastet“, eine Art bindende schottische Verlobung. Klugerweise zeigt sie sich erst, nachdem das Schiff abgelegt hat und Jamie keine Möglichkeit mehr hat, das Mädchen nach Hause zu schicken. Abgesehen davon, dass Marsali aus dem Holz ihrer Mutter gemacht ist und sich nicht einfach heimschicken lassen würde. Entweder sie bleibt oder sie würde jedem erzählen, mit Fergus geschlafen zu haben und somit sei sie ihren guten Ruf dann für immer los. Man sieht Jamie förmlich an, dass er eigentlich keinen Bock mehr auf sture, eigensinnige Frauen hat, aber es hilft nicht.
Um zu retten, was zu retten ist, ordnet er an, dass Marsali mit Claire in einer Kabine schläft - was weder bei der einen noch der anderen gut ankommt, können die beiden einzigen Frauen auf dem Schiff sich doch nicht ausstehen. Die beiden liefern sich mehr als ein Wortgefecht, was nicht nur witzig, sondern auch durchaus interessant anzusehen ist, wie Marsali der älteren Claire immer wieder Kontra gibt. Witzig auch, dass Jamie allen Ernstes denkt, dass er Fergus und dessen Verlobte vom Sex abhalten könnte, nur weil er sie räumlich des Nachts trennt. Schließlich finden Claire und er ja auch ein Eckchen für ein kleines Schäferstündchen. Selbst wenn Fergus standhaft, also heldenhaft, widerstehen wollen würde, scheint er mir nicht die Art Mann zu sein, der einem ernsthaften Verführungsversuch von Marsali länger als zwei Minuten entfernt bleiben könnte.
Alte chinesische Weisheiten
Mr. Willoughby ist einer der Randcharaktere, die viel versprechen, bisher aber noch nicht wirklich zeigen konnten, was sie wert sind. In „The Doldrums“ hat zumindest er eine tragende, nicht zu unterschätzende Rolle. Da wären zum einen seine medizinischen Fähigkeiten, die zumindest im Falle der Seekrankheit denen von Claire überlegen sind. In einer Folge, in der es zu einer schier unfassbaren Menge an Magenentleerungen kommt, erspart er uns zumindest weitere von Jamie, indem er ihm Nadeln setzt. Während Claire noch an die Wirkung ihres Ingwertees glaubt, erkennt Jamie die Wunder der traditionellen chinesischen Medizin. Gut, Jamie hat Claire wieder einmal was verschwiegen, aber zumindest dieses Mal war der Grund nachvollziehbar - er wollte nicht das zarte Pflänzchen des aufkeimenden Zusammenseins zerstören.
Natürlich ist der Chinese auch der erste, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass das Schiff in eine Flaute gerät und das Wasser schlecht wurde. Nicht nur, dass Frauen und Rothaarige an Bord sind, nein, auch noch seltsame Ausländer und keiner weiß, ob er das Hufeisen berührt hat oder nicht. Es ist also besser, ihn zu opfern. Doch bevor es dazu kommt, gesteht ein anderer aus Jamies Entourage, Hayes, nicht genau zu wissen, ob er dem Aberglauben Folge geleistet hat. Also fordert die Crew seinen Kopf und, betrunken wie er ist, ist er gewillt, ihnen ihren Willen zu geben.

Während Jamie noch versucht ihn zu retten, ist es Willoughby, der seine Umgebung beobachtet und die Zeichen des aufkommenden Windes erkennt. Um Zeit zu gewinnen, sucht er sich diesen aufgeladenen Moment aus, um seine traurige Geschichte zu erzählen, etwas, was er vorher immer verweigert hatte. Eine Geschichte von Talent, Traditionen, Flucht und Rassismus. Tatsächlich, selbst die hartgesottensten Seeleute hören ihm zu. Was sehr leicht unglaubwürdig hätte wirken können, bekommt durch den wunderbaren Gary Young eine Intensität, dass man ihm alles abgenommen hätte. Mit den wegfliegenden Blättern, auf die er seine Poesie geschrieben hat, kommt nicht nur der Wind wieder, sondern auch Regen, der die Wasservorräte wieder auffüllt.
Bye-Bye, Claire - again
Alles könnte nun gut sein, wäre da nicht das britische Schiff Porpoise, dessen sehr junger Captain Leonard (Charlie Hiett) an Bord kommt und nach einem Arzt fragt, um zumindest die letzten Reste seiner erkrankten Crew zu retten. Nach einem kleinen, unvermeidlichen Gespräch unter vier Augen setzt Claire über auf die Porpoise, um erste Hilfe zu leisten. Natürlich mit der Intention, wieder zurück zur Artemis zu kommen, sobald sie der Crew gezeigt hat, wie sie den per Ferndiagnose prognostizierten Typhus - gegen den sie selbst natürlich geimpft ist - in den Griff bekommt.
Doch der junge Captain hat andere Gedanken. Er lässt die Segel setzen, sobald Claire mit den ersten Hygienemaßnahmen beschäftigt ist, und fährt mit ihr davon. Kurs ebenfalls Jamaika. Jedenfalls hofft man das.

Und sonst noch?
Man neigt ja dazu, Menschen, die unpopuläre Entscheidungen treffen, zu verurteilen. Doch hier nimmt man sich die Zeit und hinterfragt die Entscheidung des Kapitäns der Artemis (Richard Dillane). Warum er den Aberglauben auf seinem Schiff zulässt, bis hin zur Duldung eines eventuellen Menschenopfers. Und siehe da, seine Gründe sind nicht von der Hand zu weisen. Eine sehr interessante und gute Einsicht in die Gedanken eines Kapitäns, der Shakespeare liebt.
Die Szene, in der Jamie und Claire zum Mond hinaufschauen, hat was klassisch Romantisches - etwas, was nicht mehr so oft zwischen den beiden vorkommt. Ja, eigentlich noch nie eine große Rolle gespielt hat. Doch gerade deswegen wirkt es nicht aufgesetzt, sondern gibt dem Zuschauer Hoffnung, dass irgendwie doch noch alles zwischen den beiden gut wird. Wenn sie denn hoffentlich wieder vereint werden. Irgendwann.
Fazit
Eine Folge, die sehr auf einen engen Raum begrenzt ist. Vielleicht wirkt die Handlung deswegen intensiver als in so manch anderer Episode. Auch die Porpoise unterscheidet sich ja nicht gravierend von der Artemis und so bleibt man dem Muster treu - zudem ist man sehr froh, dass das Geruchsfernsehen noch nicht erfunden ist. In einem Wort: Die Folge ist wesentlich mitreißender als die vorherigen - auch oder vielleicht gerade, weil die wirklich großen Gefühle nicht so im Fokus stehen. Einzig die doch etwas sehr stereotype Geschichte von Mr. Willoughby könnte vielleicht nicht ganz so - nun - stereotyp sein. Aber sonst eine sehr sehenswerte Episode.
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 13. November 2017Outlander 3x09 Trailer
(Outlander 3x09)
Schauspieler in der Episode Outlander 3x09
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