Outlander 2x04

Die männliche Kontrollgruppe links neben mir auf der Couch schaute mich bei der Folge sehr entgeistert an und fragte, was denn mit der Serie passiert sei und seit wann sie denn um alles in der Welt so dermaßen langweilig geworden wäre. Genau das ist die Sache: Wir sind bei Outlander gerade an einem Punkt angekommen, an dem man nicht mal eben reinschauen kann. Man muss die Serie verfolgen, um zu begreifen, dass das, was auf dem Schirm abgeht, eben nicht langatmiges Gefasel ist, sondern dass hier Stück für Stück aufgebaut wird. Im Fall von La Dame Blanche in drei Akten.
Vergiftung
Während des Schachspiels mit dem Finanzminister Duverney (Marc Duret) trinkt Claire (Caitriona Balfe) unter den Augen des Comte St. Germains (Stanley Weber) etwas Wein, der offensichtlich vergiftet ist. Zwar war Claires Leben niemals wirklich in Gefahr, aber der Schock steckt ihr tief in den Knochen. Und so erzählt sie Jamie (Sam Heughan), dass Randall lebt. Was dieser erstaunlich freudig aufnimmt. Denn jetzt hat er einen Grund zu leben - nämlich den, Randall sterben zu sehen. Was Claire in diesem Moment noch nicht wirklich richtig begreift, denn sollte der Fokus eines werdenden Vaters nicht eigentlich ein ganz anderer sein? Nämlich sein Kind in den Händen zu halten?
Doch Claire hat andere Probleme, sie geht zu Master Raymond (Dominique Pinon) und will herausfinden, wer sie umbringen wollte. Im Verdacht hat sie den Comte St. Germain. Zwar findet sie das nicht heraus, wohl aber, dass Master Raymond die eine oder andere hellseherische Seite in sich hat. So prophezeit er ihr, dass sie eine bestimmte Person, Frank, wiedersehen wird. Was verständlicherweise nicht so gut bei Claire ankommt.

Versöhnung
Am Abend kommt Jamie sehr gut gelaunt heim und will seit langer Zeit wieder mit seiner Frau schlafen, die zwar willig ist, aber nur bis sie die Bisse an den Oberschenkeln ihres Gatten sieht. Die stammen eindeutig von einer anderen Frau, die er, wie er glaubwürdig versichert, zwar gerne gehabt hätte, aber abgewehrt hat. Was bei einer Schwangeren, die einen sehr traumatisierten Mann ihr Eigen nennt, den sie emotional versorgen muss, nicht ganz so gut ankommt.
Denn hier prallen zwei Bedürfniswelten aufeinander. Auf der einen Seite Jamie, der immer noch unter dem Randall-Trauma leidet und der jetzt endlich Licht am Ende des Tunnels sieht. Auf der anderen Seite Claire, die ihm den Rücken seit Wochen freihält, ihre eigenen Bedürfnisse und Hormonschwankungen hintenangestellt hat und sich jetzt betrogen vorkommt.
Da beide jedoch erwachsene Menschen sind, versuchen sie ihre Probleme zu lösen. Und hier macht Ron Moore meines Erachtens eine gute Figur - er vermittelt dem Zuseher beide Seiten so, dass man sie verstehen kann. Keiner von beiden trägt hier mehr Schuld als der andere, man kann beide Seiten hervorragend verstehen und somit ist die Versöhnung nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus logisch nachzuvollziehen. Genauso übrigens wie die Abstinenz von Sexszenen in den ersten Folgen der zweiten Staffel jetzt Sinn ergibt.
Verschwörung
Doch während die beiden noch ihr Bonding betreiben, fällt ihnen neues Ungemach buchstäblich ins Haus. Bonnie Prince Charles (Andrew Gower) musste über die Dächer der Stadt flüchten, weil seine Geliebte ihn nicht mehr empfängt, die zufällig Claires Freundin Louise (Claire Sermonne) ist, die auch noch von Charles schwanger ist. Was dieser aber nicht weiß.

Und so plotten unsere beiden Zukunftsveränderer vor sich hin: Wenn Charles auf einer Party, auf der auch Louise und ihr Mann anwesend sein werden, erfährt, dass Louise ein Kind bekommt, dann wird er sich vor Eifersucht so lächerlich machen, dass ihn niemand mehr ernst nehmen kann und er nicht mehr an das so dringend benötigte Geld für den Sturz des englischen Königs kommt. Doch wie das mit Verschwörungen so ist, man geht mit ihnen ein hohes Risiko ein. Fast wäre es gelungen, wenn nicht eine Vergewaltigung dazwischen gekommen wäre.
Vergewaltigung
Am Tag der Fundraising-Party für Charles verliert die Kutsche von Claire ein Rad und so muss sie mit Louises kleiner Freundin Mary (Rosie Day) zu Fuß vom Hospital heimgehen. Wobei, ganz ehrlich, dafür, dass sie in Eile sind, lassen sie sich ganz schön viel Zeit. Aber auch wenn sie schneller gewesen wären, sie wären trotzdem überfallen worden. Ganz eindeutig war es ein Hinterhalt, Mary wird vergewaltigt und die Männer, die zwar maskiert sind, aber offensichtliche Zeichen wie ein Geburtsmal von sich preisgeben, lassen erst von ihr ab, als sie Claire erkennen und sie für die Dame Blanche halten.
Zuhause angekommen, wird Mary ausgerechnet mit einem Mann, auch wenn es ihr Schwarm und Black Jacks Bruder Alex Randall (Laurence Dobiesz) ist, in ein Zimmer gelegt, während Claire unten repräsentiert. Es kommt wie es kommen muss, Mary wacht auf, kriegt Panik ob des Kerls in ihrem Zimmer und rennt runter. Randall versucht sie aufzuhalten, die Partygesellschaft kriegt alles mit und das Chaos ist perfekt.
Genau hier gibt es einen logischen Fehler, niemand, der auch nur ansatzweise medizinische Ahnung hätte, würde ein Vergewaltigungsopfer mit einem Mann allein in einem Zimmer lassen. Nicht, wenn genug weibliches Personal im Haus ist. Aber dann wäre das wohl alles nicht passiert.

Fazit
Nein, die Folge ist nicht die, die ich jemandem zeigen würde, um ihn von Outlander zu begeistern. Jedoch ist sie mitnichten langweilig. Es passiert eine Menge und noch mehr wird vorbereitet, allerdings muss man im Stoff sein, um die Tragweite dessen zu begreifen.
Wenn man das aber ist, dann bleibt es durchaus spannend.
Verfasser: Sabine Stevenson am Montag, 2. Mai 2016Outlander 2x04 Trailer
(Outlander 2x04)
Schauspieler in der Episode Outlander 2x04
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