The Orville 3x08

The Orville 3x08

Die achte Episode der dritten Staffel von The Orville fĂŒhrt den Plot um Bortus' Tochter Topa weiter und beleuchtet die Entwicklung der Beziehung zwischen der Union und Moclus. Trotz vieler toller Szenen erweist sich die Episode dabei allerdings vornehmlich als zu stark in die LĂ€nge gezogen.

Szenenfoto aus der Folge Midnight Blue der Serie The Orville (3x08) (c) Hulu/FOX/Walt Disney
Szenenfoto aus der Folge Midnight Blue der Serie The Orville (3x08) (c) Hulu/FOX/Walt Disney
© zenenfoto aus der Folge Midnight Blue der Serie The Orville (3x08) (c) Hulu/FOX/Walt Disney

Das passiert

Die Orville erhĂ€lt den Auftrag, gemeinsam mit dem Moclan-Commander Kodon und dessen Team das Sanctuary, ein FlĂŒchtlingscamp fĂŒr Moclanerinnen, zu inspizieren. Dort lebt auch Haveena, die einen gefĂ€hrlichen Plan hat. Sie treibt eine Revolution voran und will weibliche Babys von Moclus befreien, um diesen ein Leben in der Zuflucht zu ermöglichen. Doch Kodon hat lĂ€ngst Wind bekommen und als Haveena Topa rekrutiert, die zusammen mit Bortus und Grayson zu Besuch ist, entfĂŒhrt der moclanische Offizier das MĂ€dchen, um die Namen der Verschwörer aus ihr herauszupressen.

Dies und das

Dolly Partons wundersame VerjĂŒngung in der Episode aktuellen Episode von The Orville ist nicht etwa auf operative Eingriffe zurĂŒckzufĂŒhren, sondern rein technischer Natur.

Um die Szenen mit der kultigen SÀngerin und Haveena-Darstellerin Rena Owen realisieren zu können, wurde ein erheblicher Aufwand betrieben. Aufgrund der Corona-Pandemie wollte Parton nicht nach Los Angeles fliegen, so dass ein Teil der Aufnahmen in Nashville auf dem eigens per Truck herangeschafften Set stattfanden.

Dr. Finn taucht in der Episode nicht auf und die von Anne Winters gespielte Ensign Burke bleibt ohne eine Zeile.

Spruch

Haveena zu Topa: „You soldiered through the storm of a repressive system that smothered your identity and emerged into the sunlight at the woman you were ment to be.

Ein humoriger Beginn

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Hulu/FOX/Walt Disney - © Hulu/FOX/Walt Disney

In Midnight Blue geht es um Prinzipien und inwieweit man bereit ist, sie fĂŒr die Sicherheit einer Komfortzone zu beugen. HierfĂŒr fokussiert sich die Season in ihrem letzten Drittel auf die Beziehungen zwischen Moclus und der Union. Das ergibt auch Sinn, da der MĂ€nner-Planet als stĂ€rkster militĂ€rischer BĂŒndnispartner aufgebaut wurde. Insofern erscheint der Kaylon-Konflikt bislang mehr wie ein Trigger, als als eigenstĂ€ndiger Plot. Symbolisch fĂŒr den Disput steht Bortus' Tochter Topa, die nach A Tale of Two Topas erneut die Hauptlast der Geschichte trĂ€gt. Das MĂ€dchen hat sich prĂ€chtig gemacht und erlebt nun ihre erste SchwĂ€rmerei, mit der ihr Vater nur schwer umgehen kann. Deshalb ist Graysons Angebot, mit ihr zu reden, herzlich willkommen.

Es ist vorprogrammiert, dass Kellys Tipps nach hinten losgehen. In ihrem BemĂŒhen, eine gute Mentorin zu sein, fragte sie nicht, auf wen Topa ein Auge geworfen hat. Als diese den erhaltenen Tipp, ihrem Angebeteten von ihrer Sympathie zu erzĂ€hlen, in die Tat umsetzt, stellt sich heraus, dass niemand Geringeres als Gordon Malloy das Objekt der Begierde ist. Es ist amĂŒsant zu erleben, welch Riesenbrett der Lieutenant vor dem Kopf hat. Es dauert eine gefĂŒhlte Ewigkeit, bis er begreift, dass ihn gerade ein Teenager-Moclan-MĂ€dchen zu einem Date einlĂ€dt. Das ist ein sympathischer Beginn mit einem feinfĂŒhligen Humor, der nichts mehr von den Holzhammer-Gags der ersten Folgen spĂŒren lĂ€sst. Auch in dieser Hinsicht ist „The Orville“ erwachsen geworden.

Scheinidylle

Die Stimmung Ă€ndert sich, als Captain Mercer den Auftrag erhĂ€lt, das Sanctuary, eine Zuflucht fĂŒr moclanische Weibliche, zu inspizieren. Über die Entscheidung Admiral Halseys, ausgerechnet die Orville zu schicken, mag man aus logischer Sicht streiten. Immerhin haben Grayson, Mercer, und Dr. Finn dazu beigetragen, dass die Beziehungen zu den Moclanern stark angespannt sind. Noch unverstĂ€ndlicher ist, Bortus und Kelly zu entsenden, auf die die Aliens nun wirklich nicht gut zu sprechen sind.

Allerdings erweist sich die Kombination fĂŒr den Plot als unabdingbar, denn Topa erhĂ€lt die Erlaubnis, das Sanctuary zu besuchen. Die Zuflucht selbst ist ein idyllisches Konglomerat des Ba'ku-Dorfes aus „Star Trek: Insurrection“ und dem Lager aus der Star Trek: The Next Generation-Doppelfolge „Birthright“. Es ist eine tolle Idee, Haveena als intellektuelle FĂŒhrerin in Position zu bringen. Der Charakter ist ein starkes Statement fĂŒr Frauenrechte, der eine besondere Beziehung zu Topa hat.

Moralisch verstĂ€ndlich und ĂŒberaus mutig, aber auch streitbar ist die RevolutionĂ€rs-Rolle, in die die Figur geschoben wurden. Haveenas Wunsch, weibliche SĂ€uglinge vor dem auf Moclus immer noch praktizierten operativen Eingriff zur Geschlechtsumwandlung zu retten, ist ethisch verstĂ€ndlich, ihre Herangehensweise jedoch verwerflich. Sie rekrutiert Topa, ein Kind, das sie wie eine „Göttin“ verehrt und die deshalb leicht zu manipulieren ist. Damit torpediert die grĂ¶ĂŸte Denkerin ihres Volkes ihre guten Absichten und macht sich nicht weniger schuldig, als diejenigen, die sie bekĂ€mpft. Die Rechnung fĂŒr die Skrupellosigkeit zahlt letztlich Topa, wie sich noch zeigt. Das ist ein moralisches Dilemma par exellence, wie wir es beispielsweise aus „In the Pale Moonlight“ („Star Trek: Deep Space Nine“, 6x19) kennen.

Dolly-Parton-Fan-Event

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Die großartige Intention hĂ€tte durchaus die lange Laufzeit von 86 Minuten gerechtfertigt. Das Problem ist allerdings, dass sich die Folge zu sehr in NebensĂ€chlichkeiten ergeht und deshalb im Mittelteil stark an Tempo verliert. Den Löwenanteil an dieser Kritik trĂ€gt der Auftritt Dolly Partons, der fĂŒr Fans vielleicht eine wundervolle Liebesbekundung seitens Seth MacFarlanes darstellt, aber im Grunde genommen ein riesiger „MacGuffin“ ist. Wenn im Sanctuary „9 to 5“ lĂ€uft, wenn Topa, Bortus und Kelly Haveenas bescheidenes Heim betretenen, ist das recht lustig.

Noch witziger ist, wĂ€hrend der Doppelvollmondparty eine Moclan-Version von „Jolene“ im Anden-Style zu erleben. Doch welchen tieferen Sinn Partons Cameo-Auftritt fĂŒr die Story hat, erschließt sich nicht wirklich. Die Szenen hinterlassen einen arg konstruierten und partiell unlogischen Eindruck. Warum lĂ€sst sich die hochintelligente Haveena von dem Hologramm einer menschlichen SĂ€ngerin des 20. und 21. Jahrhunderts dazu ĂŒberreden, vor den Rat zu treten und ihre Schuld einzugestehen, obwohl dies zur Vernichtung der Zuflucht fĂŒhren könnte? Immerhin begeht die Schriftstellerin aus Sicht der Moclaner Hochverrat. So ehrenvoll es auch ist, Dolly Parton fĂŒr ihr soziales Engagement und viele wunderbare Songs zu ehren, so wenig tut der Part der Geschichte als solches gut.

Der Action-Part

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Zum Vergleich: Die Szenen im Sanctuary sind insgesamt vielleicht ebenfalls etwas lang, dafĂŒr aber fantastisch gefilmt und ergeben zudem Sinn. Haveena ĂŒberredet Topa am Rande des Festes dazu, die Kommunikationseinrichtungen auf der Orville zu nutzen, um ihre Verbindungsperson auf Moclus zu kontaktieren. Sie erzĂ€hlt ihr die Geschichte der blauen Luminte, das Seltenste der auf dem Planeten lebenden GlĂŒhwĂŒrmchen-Wesen, die in sĂ€mtlichen Farben erleuchten. Topa ist in der Tat etwas Besonderes. Sie setzte sich gegen alle WiderstĂ€nde durch und ist in jeder Hinsicht liebenswert.

Das wird durch die folgende Szene unterstrichen, in der das Teenager-MĂ€dchen inmitten der Luminiten steht und ihre Schönheit bewundert. Das ist ĂŒberaus Ă€sthetisch gefilmt und ein Genuss fĂŒr die Augen. Als dann endlich der fĂŒr die Episode titelgebende blaue KĂ€fer auftaucht und sie ihm folgt, wird sie von Kodon entfĂŒhrt. Ab hier wird es actionreich. WĂ€hrend Mercer Haveena zur Rede stellt und Admiral Halsey die diplomatischen KanĂ€le bemĂŒht, machen sich Kelly und Grayson auf, Kodon (ĂŒbrigens gespielt von Mark Berry) zu folgen und Topa zu befreien.

Nach einigen ansprechenden Actionszenen, zunĂ€chst in einer militĂ€rischen Geheimbasis, wo Bortus' Tochter gefoltert wird, gelingt die Befreiung. Die Flucht gerĂ€t anschließend zu einem klassischen, gut in Szene gesetzten Dogfight. Sowohl die Schießerei, als auch die LuftkĂ€mpfe sind unterhaltsam umgesetzt, peppen die zeitweilig abgeflaute Geschichte auf und fĂŒhren sie zum Höhepunkt des Abends.

Das Ende

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Das Finale ist gefĂŒhlvoll geschrieben und hĂ€lt eine kleine Überraschung bereit. WĂ€hrend der Befreiungsoperation gesteht Bortus Kelly seine Zuneigung, die sie offensichtlich erwidert. Der Gedanke, dass sich hier eine interessante Lovestory entwickelt, liegt auf der Hand. Manchmal kommt es indes anders, als man denkt, so auch hier.

ZunĂ€chst gilt es, die Moclaner als fundamentalistische LĂŒgner zu entlarven, die vor einem Verbrechen nicht zurĂŒckschrecken, um ihre Interessen durchzusetzen. Die VerbĂŒndeten drĂŒcken aus politischen BeweggrĂŒnden beide Augen zu, bis sie zu einer Entscheidung gezwungen werden. Brannon Braga, Andre Bormanis und Seth MacFarlane hatten wohl eine Analogie auf die UN im Sinn und plĂ€dieren dafĂŒr, dass es manchmal vielleicht besser ist, sich von einem Partner zu trennen, wie es nun mit den Moclanern geschieht.

Das ist sicherlich diskutabel, doch ethisch richtig. Der Mordversuch an Topa zieht aber noch ein weiteres Ereignis nach sich. Klyden erkennt, wie sehr er in den Konventionen seines Volkes gefangen war und findet seine Liebe zu Topa und Bortus wieder. Er verlĂ€sst seine Heimatwelt und kehrt in einer emotionalen Szene zu seiner Familie zurĂŒck. Als Zugabe versöhnt er sich noch mit Kelly und lĂ€dt sie zum Essen ein, Ende gut, alles gut.

Der Trek-Faktor

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Die Vernehmung Topas in der geheimen MilitĂ€rbasis im Zonari-System weist gewisse Ähnlichkeiten zu der Behandlung auf, die Miles O'Brien in „Tribunal“ (siehe Star Trek: Deep Space Nine) erfĂ€hrt.

Die Kolonie der weiblichen Moclaner erinnert in ihrer Idylle an das ehemalige klingonische Gefangenenlager aus der „The-Next-Generation“-Doppelfolge „Birthright“, in dem Klingonen und Romulaner friedlich Seite an Seite leben.

Fazit

Schade, dass sich der Mittelteil von Midnight Blue so gestreckt anfĂŒhlt. Die Intention der Episode ist super. Der Anfang ist wunderschön inszeniert und die hohen Actionanteile im hinteren Drittel wissen zu unterhalten. On top gibt es einige intelligente Dialoge, eine fehlgeleitete FreiheitskĂ€mpferin und die Versöhnung zwischen Klyden und Bortus.

Der Auftritt von Dolly Parton mag hingegen fĂŒr Fans ein Highlight sein, alle anderen lĂ€sst er indes kalt und wirkt sich insofern störend auf den ErzĂ€hlfluss auf. In einem Satz: 65 Minuten hĂ€tten vollkommen gereicht, um die Geschichte auszuerzĂ€hlen. Überhaupt fĂ€llt auf, dass sich die dritte Season immer mehr in Richtung Fernsehfilm bewegt. Schöner wĂ€re dabei aber eine Staffel-LĂ€nge von 13 Folgen gewesen. Schlecht macht das die Episode jedoch keineswegs. TatsĂ€chlich ist das Storytelling um LĂ€ngen besser, als man es derzeit aus einigen anderen Groß-Franchises gewöhnt ist. DafĂŒr gibt es vier von fĂŒnf Rangpins.

The Orville 3x09 Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur nĂ€chsten Episode der Serie „The Orville“, Domino (3x09):

Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 20. Februar 2023

The Orville 3x08 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 8
(The Orville 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Mitternachtsblau
Titel der Episode im Original
Midnight Blue
LĂ€nge der Episode im Original
1 Stunde 27 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 21. Juli 2022 (Hulu)
Autor
Seth MacFarlane

Schauspieler in der Episode The Orville 3x08

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?