The Orville 3x09

© zenenfoto aus der The-Orville-Folge Domino (3x09) (c) Hulu/FOX/Walt Disney
Das passiert
Die Union hat eine mächtige Waffe entwickelt, die das Potential zur Vernichtung der Kaylon in sich birgt. Die verheerende Wirkkraft löst im Unions-Rat eine Debatte aus, die zu Friedensverhandlungen mit den künstlichen Lebensformen führt. Diese Entscheidung veranlasst Admiral Perry (Ted Danson) dazu, die Waffe zu stehlen und sie den Krill in der Hoffnung zu überlassen, dass sie sie einsetzen werden. Als die Vernichtung der Kaylon kurz bevorsteht, entschließt sich Captain Mercer dazu, mit den K.I-Wesen eine Allianz einzugehen, die sich auf die Zukunft der gesamten Galaxie auswirken wird.
Dies und das

Anne Winters spielte neun Folgen lang die Figur der Ensign Charly Burke.
Ted Danson, der hier zum letzten Mal als Admiral Perry zu sehen ist, dürfte Fans vor allem durch seine Auftritte als D. B. Russell in CSI: New York, CSI: Vegas und CSI: Cyber sowie dem TV-Film „CSI: Immortality“ bekannt sein.
Spruch
Ensign Burke: „I am here, Amanda.“
Atemberaubend gut
Was für eine grandiose Folge, welch geniales Storytelling uns The Orville mit Domino doch schenkt. Die Geschichte hat alles: Witz, Dramatik, Action, Spannung und Emotionen. Darüber hinaus führt sie gleich vier Storyarcs stimmig und hoch spannend zusammen und vereint die Staffel damit zu einem großen Ganzen.
Die Moclaner gehen nach ihrem Rauswurf aus der Union den für sie einzig sinnvollen Weg und verbünden sich mit den Krill, die sich daraufhin der Planetengemeinschaft gegenüber im Vorteil sehen. Teleya und Ed treffen erneut aufeinander und klären am Ende der Episode die Fronten. Die Kaylon haben aufgrund der machtvollen, von Ensign Burke und Isaac entwickelten Waffe keine andere Wahl, als einem brüchigen Frieden zuzustimmen und müssen sich auch noch nach dem Diebstahl der zerstörerischen Vorrichtung mit ihren Feinden verbünden.
Last but not least opfert sich Burke in einer dramatischen und mitreißenden Heldentat, um einen Genozid an der Spezies zu verhindern, die ihre Liebste auf dem Gewissen hat. Das alles ist mit grandiosen Actioneinlagen und einer moralischen Debatte über den Wert des Lebens an sich und dem Sinn von Demokratien verknüpft, die zum Nachdenken anregt.
Der Reiz der Macht
Schauen wir uns die Hauptblöcke im Einzelnen an. Die Episode beginnt sozusagen mit einem Vorschlaghammer. Eine riesige Kaylon-Armada greift eine kleine Unionsflotte an, die sich zu einer Art Sternformation zusammenschließt. Charly und Issac treffen im Maschinenraum Vorbereitungen, eine neue Waffe feuerbereit zu machen. Als es schließlich soweit ist, folgt Staunen und Stille. Die Vorrichtung hat binnen einer Sekunde über 45 Kaylon-Schiffe und tausende Maschinenwesen ausgelöscht. Zu Recht stehen Ed und Kelly geschockt auf der Brücke und starren sprachlos auf die Trümmer.
Die Analogie zur Atomwaffenpolitik der Großmächte auf der Erde ist offensichtlich, denn kurz drauf entbrennt im Regierungsrat eine Debatte darüber, ob man solch ein verheerendes Machtinstrument mit der Begründung des Selbstschutzes einsetzen darf. Was wäre, wenn die USA mit China oder Russland in einen offenen Konflikt geriete? Sicherlich, der Feind wäre nach dem Einsatz der Raketen vernichtet, doch um welchen Preis? Das moralisch-ethische Dilemma liegt auf der Hand. Wie weit darf man gehen, um sich zu verteidigen, und sollte es nicht selbst im härtesten Krieg Regeln geben?
Kompromisse
Die Union entscheidet sich letztlich für einen Kompromiss, der sich als echte Option und Mittelweg des Friedens herausstellt. Die Orville fliegt zur Heimatwelt der Kaylon, um Verhandlungen mit vorgehaltener Waffe zu initiieren. Man mag darüber debattieren können, ob das ethisch ist. Doch was wäre die Alternative? Auch, wenn die Gespräche zunächst nicht auf Augenhöhe verlaufen, was für eine dauerhafte Beilegung eines Konflikts essentiell ist, offenbart sich durch den Waffenstillstand eine Möglichkeit.
Man kann den Kaylon nun beweisen, dass ihre Schlussfolgerungen bezüglich der Biologischen falsch sind, denn letztlich schafft nur Vertrauen echten Frieden. Und so ist es beinahe eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet Ensign Burke, die die Androiden zutiefst hasst, mit ihrer selbstlosen Tat genau das erreicht. Damit sind wir erneut bei der Frage angekommen, ob die Bedürfnisse von vielen tatsächlich denen von wenigen vorrangig sind. In diesem Fall stellt sich heraus, dass eine einzige Person mit all ihren vermeintlichen Fehlern den Mut aufbringt, sich zu opfern, um Milliarden zu retten. Das ist ein überaus starkes Statement von Brannon Braga und Andre Bormanis dafür, dass jedes Individuum wertvoll und ein wichtiger Baustein für die Gesellschaft ist, in der wir leben.
Auszeit mit Burke

Es ist toll, dass die Autoren dem Publikum bei der Schwere des Themas auch Zeit zum Durchatmen gewähren. Nachdem die Kaylon die Waffen gestreckt haben, trifft sich die Crew der Orville zu einer Feier in idyllischer Lage. Scott Grimes darf erneut zur Gitarre greifen und wird diesmal gesanglich von Anne Winters unterstützt. Die Szenen demonstrieren nicht nur die Erleichterung, die alle über den Waffenstillstand empfinden, sondern bringen uns Ensign Burke emotional so nah wie nie zuvor.
Auch deshalb rührt ihr späteres Opfer zu Tränen. Obwohl anfangs nicht ersichtlich war, wohin die Reise mit ihr gehen wird, ist sie doch zu einem wichtigen und sympathischen Teil der Mannschaft geworden. Sie mag ihre Gefühle nicht immer im Griff haben, doch entscheidet sich stets für das moralisch Richtige. Sie opfert ihr Leben für das Ideal der Menschlichkeit. Damit hinterlässt sie ein Erbe, das dazu angetan ist, wahren Frieden zu schaffen, denn Kaylon-Prime muss nun zwangsläufig die Theorie, dass die Spezies der Union sein Volk versklaven wollen, überdenken. Es ist großes Storytelling, eine vermeintlich harmlose und rein oberflächlich betrachtet als reines Füllmaterial geschriebene Szene so sinnvoll zu unterfüttern. Die Momente der Intimität sind es, die The Orville so grandios machen.
Der Verrat

Ganz im Gegensatz dazu stirbt Admiral Perry vollkommen sinnlos. Wie derzeit auch in Europa, gibt es Stimmen, für die nur die Vernichtung des Feindes Frieden schaffen. Der Weg zum Dialog ist viel zu oft mit Angst und Hass gepflastert und der in die Hölle mit guten Absichten. Menschen sind bisweilen fest davon überzeugt, das einzig Richtige zu tun, übersehen dabei aber die folgenschweren Konsequenzen für andere. Hier ist es Perry, der die Steine zum kippen bringt und eine unaufhaltbare Lawine des Todes in Gang setzen könnte, um in der Analogie des Titels zu bleiben. Er stiehlt die neue Waffe und überreicht sie der gerade neu entstandenen Krill-Moclan-Allianz, die für die Union den Todesstoß bedeuten könnte. Perry, glaubt, die Krill dafür benutzen zu können, sich der Kaylon endgültig zu entledigen. Doch was ist eine liberal-demokratische Gesellschaft noch wert, wenn sie ihre Existenz einem Völkermord verdankt?
Es ist gleichgültig, wer die Waffe abfeuert, Blut klebt in letzter Konsequenz an den Händen des Schützen genauso, wie an denen des Waffenlieferanten. Das heißt nicht, dass Gewalt nicht manchmal die einzige Möglichkeit zum Überleben darstellt. Doch jede Gesellschaft muss sich der Tatsache bewusst sein, dass sie endgültig ihre Unschuld verliert, sobald die von ihr hergestellten Waffen in einem Konflikt Leben fordern. Ausschlaggebend kann daraus folgernd nur die Motivation sein, einem unterlegenen Freund gegen einen übermächtigen Feind zu Hilfe zu eilen und somit dessen Souveränität zu sichern - und das möglichst, ohne den Respekt vor dem Aggressor zu verlieren.
Denn nur so kann man sich die notwendigen Kommunikationswege offenhalten, um eine friedvolle Lösung herbeizuführen. Diese Gedanken macht sich Perry leider nicht. Sein Friedensplan ist die Vernichtung einer ganzen Spezies, was ihn auf eine Stufe mit den Kaylon stellt. Damit verrät er nicht nur die Union als Instanz des Friedens, der Toleranz und der Gleichberechtigung, sondern belügt sich auch selbst, indem er behauptet, für die Ideale des Planetenbundes einzustehen. Wow!
Zwischen Star Trek und Star Wars

Die oben angesprochenen Kernthemen stellen eine fantastische Diskussionsgrundlage dar. Das allein macht die Episode, die erneut in Filmlänge daherkommt, schon sehenswert, noch mehr, weil sie außerdem unterhaltsam verpackt ist. Die Krill und die Moclaner bilden eine so starke Kampflotte, dass die Union sie nicht allein bekämpfen kann. Dies ist jedoch notwendig, um den Einsatz, der Superwaffe zu verhindern, die inzwischen in einer Forschungseinrichtung einsatzbereit gemacht wird. Ein großer Verband aus Kaylon- und Unionschiffen trifft schließlich auf die geballte Power der gegnerischen Truppen und es entbrennt eine Raumschlacht, die optisch großen Spaß macht.
Doch nicht nur im Weltraum, auch im Orbit und am Himmel über der Forschungsanlage geht es heiß her. Die zuvor bereits vorgestellten neuen Abfangjäger der Union kommen zum Einsatz, was eine geballte Ladung rasanter Dogfights nach sich zieht. Die Inszenierung stellt dabei eine gelungene Hommage an „Star Wars IV“ dar, vornehmlich der Szenen, in denen Luke und Han mit Hilfe ihres Geschwaders den Todesstern zerstören. Die Sequenzen sind technisch zwar nicht perfekt, insgesamt aber doch toll umgesetzt und machen die Episode noch stärker, als sie ohnehin schon ist.
Teleya
Abschließend werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Beziehung zwischen Teleya und Ed, die in der Episode ebenfalls ihren (vorläufigen?) Abschluss findet. Als Kanzlerin der Krill ist sie nach Perry die zweite treibende Feder für den Waffendiebstahl. Zuvor hat sie der oben besprochenen Allianz mit den Moclanern zugestimmt, die das Potential hat, die Serie über die vierte Staffel zu tragen, sollte sich Hulu, beziehungsweise Disney für eine Fortsetzung entscheiden. Ausgerechnet Commander Grayson hat mit ein wenig Unterstützung von Keyali das zweifelhafte Vergnügen, Teleya gefangenzunehmen und sie auf die Orville zu bringen.
In einer unterkühlten Szene versucht Ed ihr klarzumachen, dass ihre gemeinsame Tochter bei ihm am besten aufgehoben wäre, weil sie ein Kriegsverbrechertribunal und eine lange Haftstrafe erwartet. Ob es wirklich so weit kommt, wird sich hoffentlich im großen Finale zeigen. Möglich ist, dass die Krill- Anführerin aus politischem Kalkül heraus freigelassen wird, wenn sie der Union dafür Zusicherungen macht. Doch zurück zu Ed. Teleya denkt gar nicht daran, ihm ihre Tochter zu überlassen, sondern setzt das Kind gezielt als Druckmittel ein, was tiefe Einblicke in ihre Gedankenwelt offenbart. Teleya mag ihre Geschichte haben, doch es zeigt sich immer mehr, dass sie ihren Machthunger über alles stellt, vielleicht auch über das Wohl ihres Volkes. Immerhin ist sie bereit, jedes legitime und illegitime Mittel einzusetzen, um sich den Platz an der Spitze zu sichern. Dass jene Prämisse nicht nur politisch motiviert, sondern geradezu Teleyas Lebensmaxime ist, wird nun umso deutlicher.
Der Star-Trek-Faktor
Der Diebstahl der Waffe durch Admiral Perry und seine Konspiration mit der neu geschaffenen Krill-Moclan-Allianz ruft Erinnerungen an „Star Trek VI: The Undiscovered Country“ wach, in der sich ebenfalls ein Admiral mit dem Feind verbündet, um den Status Quo aufrechtzuerhalten.
Auch in „Star Trek IX: Insurrection“ verbündet sich ein hochrangiger Sternenflottenoffizier mit dem Feind (hier: die Son'a) und stellt sich damit gegen die Prinzipien der Regierung.
Fazit

Mit Folge neun setzt so langsam der unweigerlich folgende Orville-Blues ein. Eins ist schon vor Ausstrahlung der finalen Episode klar: Die dritte Season von The Orville hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Man kann der Serie mangelnde Eigenständigkeit und zu große Gemeinsamkeiten mit Star Trek vorwerfen.
Doch war es nicht von Anfang an Seth MacFarlanes Ziel, das Franchise in Form einer Hommage neu zu beleben und zu zeigen, welche narrativen Möglichkeiten noch immer in dem Konzept stecken, das „TNG“ zu einer der besten Shows aller Zeiten gemacht hat? Das ist auf jeden Fall erneut gelungen. Domino und überhaupt die ganze Staffel zeigt, was möglich ist, wenn man mit Enthusiasmus, Fanliebe, künstlerischem Knowhow und einem starken Plan an eine Serie herangeht. „The Orville“ verliert durch die Reduzierung der Gags nicht an Charme, sondern gewinnt eindeutig.
Die Szene, als Bortus verzweifelt versucht, eine Walnuss zu knacken und sich deswegen mit Klyden in die nicht vorhandenen Haare gerät, ist stilvolle Comedy ohne jene Holzhammerattitüde, die vornehmlich in den ersten Folgen der Debüt-Season noch praktiziert wurde. Hinzu gesellt sich ein tiefsinniges Storytelling, wie man es heute in den Weiten der Streaming- und TV-Welt selten findet und ein steter Anstieg des technischen Niveaus. Besser geht es nicht. Fünf von fünf Rangpins.
Hier abschließend noch der Trailer zur nächsten Episode der Serie „The Orville“, Future Unknown (3x10):
Verfasser: Reinhard Prahl am Montag, 27. Februar 2023The Orville 3x09 Trailer
(The Orville 3x09)
Schauspieler in der Episode The Orville 3x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?