The Orville 2x07

The Orville 2x07

Mit der Episode Deflectors liefert The Orville erneut die konsequente Studie einer uns heute mehr als fremden (und leider doch so vertrauten) Kultur ab, die insbesondere dadurch punkten kann, dass die Figuren sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten jederzeit nachvollziehbar verhalten.

„The Orville“ (c) FOX
„The Orville“ (c) FOX
© ??The Orville“ (c) FOX

Was passiert?

Mit Hilfe der Moclaner will die Crew der Orville ihre Schilde verbessern. Der leitende Ingenieur bringt jedoch ein kulturelles Problem mit an Bord, das schnell zu verschiedenen Brandherden fĂŒhrt...

Dies & das

  • Man mag es kaum glauben, aber Groogen, das Pflanzen-Alien, wird im Original von Bruce Willis gesprochen. Die Serie setzt damit die kleine Tradition hochkarĂ€tiger Gaststars fort.
  • Viele Fanlieblinge sind wieder mit dabei: Klyden, Dann, Topa, Yaphit und sogar Cassius alias Chris Johnson - dieser vermutlich jedoch zum letzten Mal.

Spruch

Oh, no!“ (Ed zeigt sich als ganz mieser Schauspieler, als er von der Trennung von Kelly und Cassius erfĂ€hrt.)

Don't you (forget about me)

Immer wenn man denkt, das Beziehungsgeflecht könnte nicht mehr komplizierter werden, tauchen neue Ex-Freunde auf. Diesmal in Person von Lokar, dem hellsten Kopf der Moclaner, der nicht nur die Schilde der Orville verbessern soll, sondern auch seine Beziehung zu Bortus (Peter Macon) verbessern möchte. Dieser ist darĂŒber jedoch gar nicht erfreut (wenn auch aus anderen GrĂŒnden, als wir zunĂ€chst annehmen), wĂ€hrend Klyden (Chad L. Coleman) den Gast willkommen heißt (was jedoch nicht lange Bestand haben soll).

Erneut nimmt sich die Serie einem brisanten Thema an, fĂŒr das wie schon in About a Girl die Moclaner herhalten mĂŒssen. Lokar zeigt Interesse an Talla (Jessica Szohr), was bei einer Spezies, die nur aus MĂ€nnern besteht (oder Frauen umoperieren lĂ€sst) nicht alltĂ€glich ist. Doch lebt Lokar mit diesen fĂŒr sein Volk unnatĂŒrlichen BedĂŒrfnissen und GefĂŒhlen und offenbart sich der Sicherheitschefin der Orville.

Als er nach einem TĂ€nzchen im Holo-Simulator in New York des Jahres 1945 von Klyden ĂŒberrascht wird und vermeintlich stirbt, muss Talla ermitteln. Der Lebenspartner von Bortus (der schon in der Topa-Angelegenheit keine gute Figur abgegeben hatte) gerĂ€t zunĂ€chst unter Verdacht und befeuert mit seinem Hass gegen jeden der anders ist und denkt als er die vorgefassten Meinungen der Crew. Doch handelte es sich in Wirklichkeit um den Versuch Lokars, seiner Verurteilung zu entgehen. Klyden hĂ€tte ihn enttarnt und Lokar die Sache daher wie Mord aussehen lassen. Da er aber auch kein Leben im Asyl fĂŒhren möchte und Talla ihn nicht gehen lassen kann, muss er sein Schicksal annehmen und auf die Heimatwelt zurĂŒckkehren...

Die Episode tut gut daran, die Moclaner ernst zu nehmen. Das zeigt sich auch im diplomatischen Geschick von Ed Mercer (Seth MacFarlane), der Talla stoppen muss (obwohl sie uns und allen anderen aus der Seele spricht) und in erster Linie die Allianz zwischen den Völkern im Blick hat. Diese Kultur ist uns fremd, die Sichtweisen scheinen veraltet und borniert, dennoch bleibt es notwendig, sie zu respektieren.

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Don't give me those eyes

Wenig passend kommt derweil der Handlungsstrang um Kelly (Adrianne Palicki) und Cassius (Chris Johnson) daher. Bisher waren sich die TurteltĂ€ubchen genug gewesen, nun redet der sympathische Lehrer aber von einem gemeinsame Liebensurlaub und einer Hochzeit. FĂŒr Kelly ist das zu viel, ihre Reaktion gerĂ€t aber rĂ€tselhaft heftig und erinnert eher an einen verwirrten Teenager. Warum diese doch eigentlich so hĂŒbsche Beziehung so plötzlich vor dem Aus steht, kann eigentlich nur einen Hintergrund haben: Man will Ed und Kelly zeitnah wieder zusammenbringen. Ob das jedoch eine gute Idee ist, muss man mir erst noch beweisen.

In dieser Episode war das Ganze in jedem Fall fehl am Platz. Erstens passt die seichte Geschichte nicht zum Rest der Episode, zweitens gibt man sich inhaltlich so wenig MĂŒhe, dass der traurige Abgang von Cassius samt Versetzung auf ein anderes Schiff nicht nur aus dem Nichts kommt, sondern auch verpufft. So gut der Hauptteil der Episode also auch gelungen ist, hier fehlt es dem Drehbuch an Liebe zum Detail und dem Willen, eine Idee auch konsequent zu durchdenken. Da retten auch die hĂŒbschen Buddy-Szenen mit Talla, LaMarr (J. Lee) und Malloy (Scott Grimes) oder die Beziehungsberatung von Ed nichts mehr.

Don't stop believin'

Insgesamt betrachtet darf man sich ebenfalls wundern, wie stark die Spezies der Moclaner in der zweiten Staffel in den Mittelpunkt rĂŒckt. Erst ging es um Bortus und sein Pinkel-Ritual, dann um die Pornosucht des Offiziers und jetzt erneut um die Sichtweisen seines Volkes zur HeterosexualitĂ€t. Innerhalb von neunzehn Episoden geht es also bereits zum vierten Mal (wenn man die erste Staffel einbezieht) um die Kultur dieses Volkes. Eventuell bereiten die Autoren damit aber auch etwas GrĂ¶ĂŸeres vor? Werden die kulturellen Unterschiede vielleicht zeitnah zu weiteren Probleme fĂŒhren, die nicht mehr diplomatisch zu lösen sind? Leider ist es nĂ€mlich bisher so, dass - je mehr wir ĂŒber die Landsleute von Bortus erfahren - uns das Volk nicht wirklich sympathischer wird.

Das wirklich Frustrierende an der Episode ist aber, dass die Moclaner ein weiteres Mal nicht bereit sind, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Klyden steht sinnbildlich fĂŒr dieses verbohrte und rĂŒckstĂ€ndige Denken, wĂ€hrend Bortus uns immerhin (erneut) ein wenig Hoffnung macht, dass irgendwann die Chance auf Besserung besteht. Mit allem was passiert, wird sein Partner allerdings erneut Ă€ußerst negativ belegt, was jedoch nur konsequent ist und uns hoffen lĂ€sst, dass an dieser Front noch weitere Entwicklungen auf uns warten.

FĂŒr den Moment bleibt indes alles beim Alten und es kommt, wie es kommen musste. Klyden ist wieder frei, muss sich jedoch von Talla in aller Deutlichkeit anhören, was diese darĂŒber denkt. Hier hĂ€lt auch das Drehbuch Wort und lĂ€sst die prinzipientreue Sicherheitschefin exakt das sagen, was sich aus ihrem Verhalten ergibt. Nebenbei wird sie dadurch auch ein weiteres Mal zum Sprachrohr der Zuschauer. Die erste richtige Episode fĂŒr die Figur der Talla Keyala darf man daher als sehr gelungen bezeichnen.

Auch Klydens RĂŒckkehr in sein Quartier zu Bortus lĂ€sst erahnen, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Was Lokar angeht, muss er sich erwartungsgemĂ€ĂŸ dem Gericht stellen. Bleiben die Moclaner bei ihrer strikten Vorgehensweise, dĂŒrfte ihm kein allzu langes Leben mehr beschieden sein.

Wie fragt Ed Mercer an einer Stelle so richtig? Wie lange können Allianzen mit derartigen Kulturen halten? Wie weit darf das „der Zweck heiligt die Mittel“ gehen, wenn „wir brauchen sie“ das einzige Argument fĂŒr eine FortfĂŒhrung der Zusammenarbeit ist? Oder muss man die kulturellen Unterschiede als gegebenen Faktor hinnehmen und Toleranz beweisen? Nur wie weit darf diese dann gehen? Die Episode gibt keine Antworten auf diese im Subtext versteckten wichtigen Fragen. Inzwischen vertrauen wir der Serie aber insoweit, dass die Autoren vermutlich zu einem spĂ€teren Zeitpunkt noch darauf eingehen werden.

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Der Trek-Faktor

Die Episode spielt keine explizite „Trek“-Episode nach, enthĂ€lt aber durchaus bekannte Motive verschiedener Abenteuer aus Star Trek: The Next Generation. Zu nennen wĂ€ren hier Identity Crisis, Peak Performance und The Outcast.

Beobachtungen

Trotz der Pause ist die Serie erneut mit knapp ĂŒber drei Millionen Fans ins TV zu FOX zurĂŒckgekehrt. Ein gutes Zeichen fĂŒr den Rest der Staffel! Laut Informationen von ProSieben dĂŒrfen wir uns im Sommer auf die zweite Staffel im deutschen Free-TV freuen.

Die Episode ist in ihrer Machart eine der vermutlich bisher klassischsten „Trek“-Episoden der Serie.

Musik aus unserer eigenen Erd-Vergangenheit ist inzwischen eindeutig ein wesentlicher Bestandteil der Dramaturgie der Serie.

Technisch betrachtet

Visuell köchelt die Episode auf Sparflamme. Einzig die gelungene Blumen-Spezies fÀllt auf.

Schauspielerisch zeigen Jessica Szohr als Talla Keyala und Chad Coleman als Bortus was in ihnen steckt.

Das Drehbuch von David A. Goodman ist sein zweites nach der starken Episode Krill im ersten Jahr. Erneut enttÀuscht er nicht, auch wenn der Handlungsstrang um Kelly und Ed nicht nur aus dem Nichts kommt, sondern auch insgesamt mehr als blutleer ausfÀllt.

Die dritte Regiearbeit von Seth MacFarlane an der Serie ist zudem erneut gelungen und solide.

Gib dem Kind einen Namen

Deflectors: Das ist doch wirklich einmal richtig niedlich. Ein Ein-Wort-Titel (die ich normalerweise ĂŒberhaupt nicht mag), der aber alles Notwendige aussagt. Die Crew der Orville testet ihre Schilde und in Sachen Bortus, Klyden, Lokar, Talla, Cassius, Ed und Kelly geht es um den Schutzpanzer, der uns umgibt und uns davon abhĂ€lt, andere Individuen emotional an uns heranzulassen. Das gilt zudem fĂŒr die Moclaner, die sich hinter ihren Traditionen verstecken und nur wenig Mut fĂŒr Andersdenkende zeigen. Vielleicht sollten alle Beteiligten ihre Schilde nicht immer nur zu optimieren versuchen, sondern gelegentlich auch mal senken? Ganz nebenbei gelang es Lokar auch noch, sich mit einer Art persönlichem Schutzschuld unsichtbar an Bord der Orville zu machen, was auch eine kleine Anspielung auf den Titel darstellen könnte.

Fazit

Die Serie bietet uns erneut eine starke Themenepisode rund um die Moclaner an, die kulturelle Unterschiede in den Vordergrund rĂŒckt, sich nicht vor schwierigen Fragen und Antworten scheut, die Figuren auf realistische Weise agieren lĂ€sst und einzig an einer zu seichten Nebenhandlung krĂ€nkelt.

NĂ€chsten Donnerstag gibt es den ersten Teil des ersten Orville-Zweiteilers zu bewundern. Anschnallen!

Trailer zur nĂ€chsten Episode von „The Orville“, Identity; Pt. I:

Verfasser: Björn SĂŒlter am Montag, 18. Februar 2019

The Orville 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(The Orville 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Deflektoren
Titel der Episode im Original
Deflectors
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 14. Februar 2019 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 29. Juli 2019
Autor
David A. Goodman
Regisseur
Seth MacFarlane

Schauspieler in der Episode The Orville 2x07

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?