The Orville 2x08

© Hulu
Was passiert?
Isaac kollabiert! Während Finn ihm ihre Liebe gesteht, setzt die Orville Kurs auf die mysteriöse Heimatwelt der Kaylon, um dem Kameraden zu helfen...
Dies & das
- Inzwischen eine schöne Gewohnheit: Klyden, Topa, Dann, Yaphit und die Finn-Jungs sind wieder mit dabei. Dazu gesellt sich ein weiteres Mal auch Victor Garber alias Admiral Halsey.
- Dies ist der erste Zweiteiler der Serie.
- Für Brannon Braga und André Bormanis ist es das zweite Drehbuch nach Into the Fold aus der ersten Staffel. Dort ging es auch um Isaac und die Finns.
- Regisseur Jon Cassar saß das vierte Mal auf dem großen Stuhl: Er war für Krill, Home und Nothing Left on Earth Excepting Fishes verantwortlich und wird auch beim zweiten Teil dieser Doppelfolge Regie führen.
Spruch
„Set a course for earth." (Selten war dieser ausgelutschte Satz so effektvoll)
Das Liebes-Ding
Zu Beginn der The Orville-Episode Identity; Pt. I geht es wie so oft in dieser Staffel um die Liebe. Wenn ich hier nur schon geahnt hätte, was noch folgen sollte! So macht man es sich dann auch schnell gemütlich im Beziehungseinerlei der Serie, das den einen gefällt, andere aber auch langweilt.
Finn und Issac beichten den beiden Jungs der Ärztin, dass sie eine Beziehung führen. Wenig überraschend weiß es aber bereits das ganze Schiff und somit auch die Finn-Sprösslinge. Der Zeitpunkt ist allerdings auch wenig glücklich gewählt: Kurz darauf kippt Isaac nämlich bildlich gesprochen aus den Latschen und scheint komplett deaktiviert zu sein. Ist er tot?
Niemand an Bord kann etwas über seinen Zustand sagen, weshalb Admiral Halsey zustimmt, dass die Orville die lange Reise nach Kaylon antritt. Eine gewagte Kiste, da die Kaylon kein Teil der Union sind und bisher nicht an Gesprächen interessiert waren. Wie sagte ein weiser Mann einmal (sinngemäß)? Du kannst nach Kaylon-1 gehen, aber du wirst sterben! Hoffentlich sollte er diesmal nicht recht behalten...
Das Diplomatie-Ding

Die Ankunft auf der Heimatwelt der Kaylon verläuft fast reibungslos. Zwar deaktivieren die Wesen humorlos die Schiffsfunktionen und scannen alles, laden dann aber eine Delegation auf ihren Planeten ein. So weit war die Union noch nie! Und der Besuch lohnt sich: Wir bekommen es hier mit einer eindrucksvollen und hochentwickelten Zivilisation zu tun. Ehrfürchtig schreiten Ed Mercer und seine Leute durch die sterilen Hallen. Stühle gibt es selbstverständlich keine. Doch wenn Komfort so unwichtig ist, wofür brauchen künstliche Lebensformen dann Handläufe an Treppen?
Captain Mercer - ganz Staatsmann - nutzt die Gelegenheit, um den Kaylon erneut einen Eintritt in die Union schmackhaft zu machen. Und das gelingt ihm so gut, dass die Delegation sich zu längeren Beratungen zurückzieht. Doch wie Kelly einmal sagt: Warum brauchen derart hochentwickelte Lebewesen eigentlich so lange für eine simple ja/nein-Entscheidung? Was kann da so lange dauern? Jeder heutige PC ist vermutlich schneller. Wird man etwa hingehalten? Auch interessant ist übrigens, wie eindrucksvoll die Kaylon die Menschen aufgrund ihrer Vergangenheit bewerten.
Derweil geht es aber wieder um Isaac. Dieser wurde nach Abschluss seiner Mission an Bord der Orville dem Protokoll entsprechend deaktiviert, darf aber auf Wunsch von Ed noch einmal mit der Crew sprechen. Was folgt, ist eine herzzerreißend traurige, weil emotionslose Aufarbeitung der Beziehung zu Claire Finn und ihren Jungs sowie eine hübsch gemeinte Verabschiedungsparty an Bord der Orville, die Isaac immerhin noch bestmöglich nutzt. Das gemalte Bild von Ty wirft er dafür kurz darauf aber wieder achtlos weg. Man muss diese Roboterwesen für ihren Pragmatismus einfach lieben!

Während all diese Dinge passieren, bemerkt Bortus, dass die Kaylon irgendetwas in großer Zahl bauen. Zu diesem Moment wandert dann auch das erste Mal die Augenbraue nach oben. Ging hier etwa noch mehr vor sich, als eine traurige Liebesgeschichte und eventuell der erneute Abschied von einer Figur?
Das dicke Ding

Ab diesem Moment kippt die Stimmung. Der kleine Ty ist derart deprimiert von Isaacs Abgang, dass er sich auf den Planeten schleicht und aus Angst vor einer Patrouille in einen tiefen Schacht klettert. Was er dort findet, erfahren wir jedoch erst später. Als Finn, Talla und Bortus ihm nachfolgen, dürfen auch sie einen Blick auf die Unterwelt des aufgeräumten, sauberen Kaylon-1 werfen. Dort im Angebot: Die Knochen von Milliarden von humanoiden Lebewesen, feinsäuberlich gelagert. Ein echter Schocker!
Die Kaylon haben aber keine große Lust, das Thema zu erörtern. Es ist dann genaugenommen auch eher als wagemutig zu bezeichnen, dass Ed die Sache überhaupt anspricht. Die Quintessenz der Antwort: Früher lebte eine humanoide Spezies auf dem Planeten und erschuf die künstlichen Lebensformen (die wir als Kaylon kennen), bis diese ihrerseits entschieden, dass Koexistenz nicht möglich ist. Somit gibt es jetzt nur noch die Blechmänner, während das komplette ehemalige Volk unter der Erde liegt. Grüße an die Zylonen. So macht man das!
Dieser Genozid wird von Isaac dann auch lapidar erläutert. Auch wird deutlich, was er an Bord der Orville wirklich sollte: Man wollte herausfinden, welche Spezies es wert sind, „erhalten zu werden". Die Menschen offenbar nicht. Die Crew wird festgenommen (oder bei Gegenwehr getötet), das Schiff von Horden der Kaylon überrannt und schließlich teilt man sich mit Ed & Co die Aussicht auf der Brücke. Das Schiff startet gemeinsam mit Dutzenden der Fluggeräte, die man in großer Zahl gebaut hat. Es wird ein Kurs zur Erde gesetzt. Ob man dort wohl nur kurz Hallo sagen will?
Der Cliffhanger gelingt exzellent und macht seinen Kollegen der Vergangenheit alle Ehre. Neben der Frage, wie die Orville-Crew und die Menschheit aus dieser Nummer wieder herauskommen werden, fragt man sich aber natürlich auch, was aus Issac werden kann, sollte es einen Frieden, eine Einigung oder gar einen (aktuell nicht glaubhaften) Sieg gegen die Kaylon geben. Die Autoren haben sich verdammt große Mühe gegeben, aus Isaac eine liebenswerte und spannende Figur zu machen. Dass sie ihn seinen Leuten und uns nun derart um die Ohren hauen, schmerzt. Für den Moment ist das rein dramaturgisch natürlich einfach großartig, doch wird nur die weitere Vorgehensweise entscheiden, wie gut diese Sache am Ende durchdacht war.
Isaac ist genaugenommen Locutus, nur, dass er im Gegensatz zum Captain der Enterprise nicht gezwungen wurde. Er wurde willentlich zum Trojanischen Pferd; ob ihm noch Zweifel kommen, müssen wir abwarten. Ein paar Anflüge von Zweifel konnte man sich in einigen Momenten bereits einbilden. Vielleicht hat der gute Mann ja doch mehr von den Menschen an Bord der Orville gelernt, als nur ihre Bedeutungslosigkeit zu bewerten?
Es ist schon witzig: Während wir die ganze Zeit auf eine Eskalation mit den Krill (oder den Moclanern) gewartet haben, werden diese nun unter Umständen zukünftig noch sehr wichtig werden; als Verbündete gegen einen gemeinsamen und skrupellosen Feind.
Beobachtungen
Ihr denkt noch an meinen Kommentar über die Handläufe? Die ganze Zeit hatte ich angenommen, hier wäre man einfach nur nicht darauf gekommen, dass es Quatsch für eine Lebensform wie die Kaylons wäre, so etwas zu bauen. Nach dem finalen Twist wurde die Sache dann aber natürlich sogar in diesem vollkommen unwichtigen Detail klar. Die Stühle hatte man sicher inzwischen alle eingemottet, die Handläufe der ehemaligen Bewohner waren aber geblieben. Gaga, dass sogar so ein Detail passt!
Die Kaylon erinnern Ed und Kelly an „Mr. Potato Head" aus der ersten Staffel. Ein Brüller!
Das Holo-Schach ist eine hübsche Idee.
Die Gesangseinlage von Scott Grimes alias Gordon Malloy ist wirklich klasse.
Jetzt wissen wir, warum der Planet Kaylon-1 heißt. Die Kaylon wollen expandieren und haben schon einmal mit dem Nummerieren angefangen.
Der Trek-Faktor
Keine Frage: Die Kaylon waren schon immer irgendwie die Borg, obwohl wir uns Isaac eher wie einen Data gewünscht hätten. Aber was nicht ist, kann ja noch (wieder) werden. Somit ist diese Episode auch ohne Frage der Picard-wird-zu-Locutus-Moment der Serie. Wenn Brannon Braga sich schon immer geärgert haben sollte, dass nicht er The Best of Both Worlds geschrieben hat (das war nämlich der wunderbare Michael Piller), hat er nun gemeinsam mit Kollege Bormanis sehr kompetent Abhilfe geschaffen.
Technisch betrachtet
Die Episode bietet visuell eine ganze Menge! Dazu gehören die Welt der Kaylon mit all den gigantischen Bauten, die Schiffe, die Horden von Kaylon und die unterirdischen Knochenlager. Hinzu gesellt sich ein Score, der The Best of Both Worlds alle Ehre macht: Episch, verspielt, dramatisch, düster. Klasse!
Das Drehbuch schrieben erneut die beiden Trek-Veteranen Brannon Braga und André Bormanis. Ihnen gelingt ein potenzieller Gamechanger und der Beweis, dass The Orville inzwischen eine ausgewachsene Dramaserie ist, die auf verschiedenen Ebenen wunderbar funktioniert.
Die Regie von Jon Cassar wird dieser großformatigen und gleichzeitig so abwechslungsreichen Episode mehr als gerecht. Großes Kino!
Gib dem Kind einen Namen
Identity: Der Titel ist simpel aber trifft den Kern. Wer ist Isaac? Wer sind die Kaylon? Kennen wir unsere Mitmenschen oder Kollegen jemals wirklich? Was ist Nähe wert? Was Freundschaft? Was Liebe? Letztlich geht es aber auch um die Identität unserer Lebensweise. Warten wir ab, wohin die Geschichte noch führt.
Fazit
This is it, Freunde. Die Transformation der einst belächelten, vermeintlichen Trek-Parodie hin zur Dramaserie mit Herz, Hirn und epischer Aufmachung ist vollzogen. „Identity (1)“ hält spielerisch mit allen starken Trek-Cliffhangern mit, profitiert darüber hinaus aber noch vom mehr als überraschenden Handlungsverlauf und -aufbau und manövriert uns Zuschauer und die Serie in eine Situation, die kaum lösbar erscheint. Für den Moment ist das einfach nur stark und bringt uns (Stand jetzt) die mit Abstand beste Episode der Serie ein!
Nächsten Donnerstag läuft in den USA der zweite Teil. Gut, dass es keine längere Pause gibt!
Trailer zur Episode Identity der Serie The Orville (2x09):
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Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 23. Februar 2019The Orville 2x08 Trailer
(The Orville 2x08)
Schauspieler in der Episode The Orville 2x08
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