The Orville 2x06

© ??The Orville“ (c) FOX
Was passiert?
Dr. Finn entdeckt Gefühle für Isaac. Obwohl sie weiß, wie es um dessen fehlende Emotionen steht, lässt sich auf den Versuch ein. Doch stellt sich die Frage: Ist die Romanze für den Roboter mehr als nur ein Experiment?
Dies & das
- Erneut gibt es ein Stelldichein beliebter Nebenfiguren. Als da wären: Klyden, Topa sowie Cassius und Dann. Dazu kommen noch die Finn-Söhne Ty und Marcus sowie Yaphit.
- Als besonderer Clou dürfen Mark Jackson alias Isaac und Norm MacDonald alias die Stimme von Yaphit diesmal in Fleisch und Blut auftreten.
- Für Seth MacFarlane ist es bereits das elfte Drehbuch bei insgesamt achtzehn Episoden. Er führte zudem bereits zum zweiten Mal Regie.
Spruch
„You say you are better with me ... than without me?" (Dr. Finn zu Isaac)
Das hättest du bei Star Trek sicher nicht gesehen
Regen auf der Brücke, während „Singin in the rain“ dudelt. Gordon hat schon recht: Das IST das verrückteste Schiff der Flotte.
Wir machen das jetzt anders!
Es ist an der Zeit, einen Kurswechsel vorzunehmen. Genau wie die Serie nach dem arg kalauerlastigen Start die Prioritäten immer mehr in Richtung Charakterzeichnung und Story verschoben hat und den Humor teilweise sogar an den Rand drängte, werden sich nun auch diese Rezensionen verändern.
Denn obwohl die Serie eindeutig und mit jeder Faser ein Fest für Trekkies ist, stellt die genaue Kenntnis der fast 750 Abenteuer aus dem anderen SF-Universum auch eine Last darf. Immer wieder wird überdeutlich, dass die Autoren beliebte und bekannte Stoffe nahezu kopieren oder zumindest für ihren Cast und ihr Setting adaptieren. Doch wie will man das bewerten? Will man jedes Mal darüber lamentieren? Ich nicht mehr. Ab sofort werden die Episoden also frei von den Vorbildern bewertet, da die Vorgehensweise der Macher eindeutig in der DNA der Serie verankert und somit offensichtlich gewollt ist.
Dafür gibt es dann jetzt immer einen Einschub namens „Der Trek-Faktor" nach der eigentlichen Besprechung, der auf ähnliche Geschichten aus dem anderen Universum eingeht. Das muss reichen und wird diesen Besprechungen eine Bürde nehmen, die auf Dauer für Schreiber und Leser unattraktiv ist.
In Love with an Alien
Als in der vergangenen Staffel Isaac zum Freund und Beschützer der beiden Finn-Jungs Ty und Marcus wurde und danach sogar begann, dem jüngeren Spross der kleinen Familie Klavierunterricht zu geben, durfte man schon hellhörig werden. Bisher hatte bei der Serie noch jeder kleine Kniff später eine Bedeutung gehabt - so nun auch hier.
Dr. Finn, die man bisher als toughe, selbstbewusste und kompetente Offizieren sowie als wunderbar ehrliche und fröhlich-herbe, alleinerziehende Mutter skizziert hatte, verliebt sich ausgerechnet in den emotionsbefreiten Blechmann, der alles an Bord der Orville nur als ein großes, spannendes Experiment unter niederen Lebewesen ansieht. Von vorneherein war somit klar: Das musste irgendwie in die Hose gehen.
It does what it does
Wie es dann jedoch in die Hose ging und am Ende eben doch nicht, ist das wahrlich erfreuliche an der Episode. Die Serie praktiziert erneut die vollständige Entschleunigung und Konzentration auf ein kleines Detail ihrer Figuren. MacFarlane macht sich daher auch gar nicht die Mühe, in seinem Drehbuch noch irgendeine SF-Handlung unterzubringen, die das reine Beziehungsgeflecht stören würde. Stattdessen wählt er als B-Handlung die Frage aus, ob Bortus sich einen Schnurrbart stehen lassen sollte und wer das dann am Ende toll oder nicht so toll findet. Herrlich albern und sinnlos.
So stellt MacFarlane dann wie so oft in der Serie lieber die Crew als Familie in den Vordergrund. Die einen dürfen Dr. Finn beraten, die anderen Isaac mit ein paar Tipps unter die Arme greifen.

Im Verlauf der zugegeben vorhersehbaren Handlung durchläuft das ungleiche Paar verschiedene Stadien einer Beziehung vom ersten Date bis zum Kuss und leidenschaftlichen Sex über erste Probleme und das Schlussmachen bis hin zu einer zweiten Chance. Gerade letzteres stellt einen erfreulichen Aspekt dar, weil Isaac über seine Programmierung und letztlich auch seine Limitierung siegt und erkennt, dass es auch für jemanden wie ihn einen Mehrwert haben kann, auf andere Art und Weise zu agieren, als er es gewohnt ist oder man ihm es eingepflanzt hat.
Das turbulente Liebestreiben wird neugierig von der restlichen Crew im stillen Kämmerlein und auch ganz offen auf der Brücke kommentiert und begleitet. Die Szenen im Kommandozentrum des Schiffes stellen dabei erneut das Herz der Episode dar, da hier viele Meinungen und One-Liner aufeinandertreffen, die einfach Spaß machen. Wenn ein Cast so sympathisch daherkommt wie dieser, machen eben auch simple Geschichten Freude, wobei ich auch vollstes Verständnis für die Sichtweise habe, dass eine Raumschiff-Show auch gelegentlich mal SF-Stoffe anbieten darf. In diesem speziellen Fall muss es aber ausreichen, dass einer der beiden Verliebten ein Roboter ist.
Der Trek-Faktor
Keine Frage: MacFarlane kennt sein Trek. Nicht nur ist Isaac eine ziemlich deutliche Hommage an Data aus Star Trek: The Next Generation (oder genaugenommen sogar an eher an dessen „Bruder" Lore), auch darf der wunderbar direkte Roboter nun eine Geschichte durchspielen, die wir mit Data in der Hauptrolle in der Episode In Theory aus Star Trek: The Next Generation erleben durften. Der Verlauf ist sehr ähnlich, wenn das Ende bei „The Orville“ auch eindeutig als kreatives Alleinstellungsmerkmal durchgeht.
Anleihen bei der wunderbaren Episode Someone to watch over me aus Star Trek: Voyager bei der unser beliebter Holodoc der Borg Seven of Nine Dating-Unterricht gibt und sich in sie verliebt, sind ebenso erkennbar.
Witzig ist, dass der Autor sogar einen Seitenhieb auf Data unterbringt, der an einer Stelle in der Serie erklärt, dass sich seine mentalen Pfade an gewisse Inputmuster gewöhnen und, dass der Input manchmal sogar vermisst wird. Genau die gleiche Erklärung (plus die Erkenntnis, dass er in Finns nähe effektiver arbeiten kann) führt bei Isaac dazu, dass er der Beziehung eine zweite Chance gibt. Eine wirklich schöne Variation des Motivs.
Daher gilt an dieser Stelle wie so oft: Ja, die Macher klauen sich durch den Gemüsegarten und machen daraus irgendwie ihr eigenes Ding. Mal mehr oder mal weniger erfolgreich. Schaltet man diesen Faktor im Kopf jedoch aus, kann man den gebotenen Stoff viel leichter genießen.
Beobachtungen
Die neue Sicherheitschefin Talla Keyali ist bereits problemlos in den Cast integriert worden. Ganz unaufgeregt hat man ihr einen dramaturgischen Platz zugewiesen, den Jessica Szohr auch auszufüllen vermag.
Seth MacFarlane nimmt sich in seinem Drehbuch erneut sehr zurück, was ich äußerst angenehm und sympathisch finde.
Die Episode bietet viele klassische Außenansichten der USS Orville und beschwört damit schönstes Trek-Retro-Feeling herauf.

Technisch betrachtet
Visuell geschieht diesmal nicht viel. Einzig die Brückenszene am Ende mit dem gedämpften Licht, der Musik und dem Regen sticht heraus. Insgesamt also eindeutig eine Bottle-Show in visueller Hinsicht.
Schauspielerisch begeistert Penny Johnson Jerald mit einer differenzierten und rührenden Vorstellung - nicht zum ersten Mal! Außerdem ist es wunderbar, Mark Jackson und Norm MacDonald einmal vollkommen menschlich zu erleben.
Das Drehbuch von MacFarlane ist fraglos ein Klischeegeschoss, trifft aber emotional alle richtigen Töne und tütet das Thema mit sanfter Finesse ein. Seine unaufgeregte Regie tut ihr Übriges. Tolle Arbeit vom Chef!
Gib dem Kind einen Namen
A Happy Refrain: Jeder von uns kennt das. Es gibt so Lieder, die einem über Jahrzehnte nicht aus dem Kopf gehen. Bands wie ABBA oder Roxette stehen für die heutige Ü40-Generation wie keine anderen für diese Eingängigkeit bei den Refrains. Doch auch in den letzten Jahrzehnten gab und gibt es immer wieder diese Musiker und Bands, die den Bogen raushaben, einen Refrain zu komponieren, der sich sofort und für alle Zeiten festsetzt. Man liebt ihn - und hasst ihn irgendwann. Denn nutzt er sich auch oft nach dem x-ten Mal hören ohne Frage ab. Trifft man ihn dann nach Jahren wieder, ist er aber eigentlich immer noch genauso schön wie beim ersten Mal.
Gleiches gilt auch für Storys wie diese. Wir kennen sie bereits, können uns aber immer wieder daran erfreuen. Vielleicht handelt es sich beim Episodentitel also auch um einen kleinen Wink des Autors MacFarlane, der uns sagen will, wie seine Serie zu verstehen ist: Einfach in das Gebotene einwickeln wie in eine kuschelige Decke, eine gute Zeit haben und glücklich sein!
Fazit
Obwohl man für eine Geschichte wie diese nicht zwangsläufig eine SF-Raumschiff-Show benötigen würde, beweist „A Happy Refrain“ aber, dass die Charaktere das Gold der Serie sind. Seth MacFarlane entzieht sich mit Episoden wie diesen allen Mainstream-Mechanismen und Erwartungen und macht einfach das, was ihn im Herzen anrührt. Beim Zuschauer bleibt ein kleines Lehrstück über die Liebe haften, was ehrlicherweise mehr ist, als andere aktuelle Serien zu leisten im Stande sind. Die Erkenntnis: Es ist nicht wichtig, wer oder was dich liebt. Es ist wichtig, wer oder was dich glücklich macht. „The Orville“ hat unsere Liebe in jedem Fall verdient.
Nächsten Donnerstag ist Pause, bevor es in vierzehn Tagen mit der Episode „Shields" weitergeht.
Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 2. Februar 2019The Orville 2x06 Trailer
(The Orville 2x06)
Schauspieler in der Episode The Orville 2x06
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