The Orville 2x05

The Orville 2x05

Mit All the World Is Birthday Cake liefert The Orville eine liebenswert-naive Episode über den missglückten Erstkontakt mit einer nicht alltäglichen Spezies ab, die man aber besser nicht auf innere Logik oder Aussagewert abklopfen sollte.

Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „All the World Is Birthday Cake“ (c) FOX
Szenenfoto aus der „The Orville“-Episode „All the World Is Birthday Cake“ (c) FOX
© zenenfoto aus der „The Orville“-Episode „All the World Is Birthday Cake“ (c) FOX

Was passiert?

Während die Crew den Erstkontakt mit einer bisher unbekannten Spezies durchspielt und dabei in arge Bedrängnis gerät, mischt auch die neue Sicherheitschefin der Orville gleich kräftig mit...

Dies & das

  • Viele kleine Auftritte beliebter Figuren sind zu vermelden. Als da wären: Chad L. Coleman als Klyden, Blesson Yates als Topa sowie Chris Johnson als Cassius und Mike Henry als Dann, der wie Topa aber keinen Text hat.
  • Ein weiteres Mal liefert die Serie einen witzigen Gastauftritt. Ted Danson spielt den Admiral in einer ungewohnt ernsthaften Rolle.
  • Tom Paris von der Voyager alias Robert Duncan McNeill führte Regie. In der ersten Staffel hatte er den Job bei der Episode Command Performance übernommen.
  • Für Seth MacFarlane ist es bereits das zehnte Drehbuch bei insgesamt siebzehn Episoden.

Spruch

Very nice.“ (Bortus haut ein weiteres Mal erfolgreich einen Worf-Oneliner raus)

Das hättest du bei Star Trek sicher nicht gesehen

Der Captain und sein erster Offizier denken kurz vor dem Erstkontakt mit einer Spezies darüber nach, sich lustige Fake-Namen zu geben. Einfach nur, weil es Spaß machen würde und niemand es nachprüfen könnte.

First contact gone bad

Es gibt Episoden, die man nach den ersten 15 Minuten einschätzen kann. Und dann gibt es Episoden wie diese, die man bis zur letzten Minute abwarten muss, um ein finales Urteil zu fällen.

Das spricht einerseits für das Material, da es unvorhersehbar genug ist, um den Ausgang nicht komplett vorab schon zu kennen. Auf der anderen Seite spricht es aber auch für sehr viele Haken, die weder sinnvoll sein noch in den Flow der Handlung passen müssen.

So durfte man zunächst annehmen, dass es sich abseits der Frage, ob Kelly (Adrianne Palicki) und Bortus (Peter Macon) ihren baldigen Geburtstag zusammen feiern wollen, um eine typische Erstkontakt-Situation handelt, die die Crew mit großer Begeisterung annimmt. Die heimische Spezies des Planeten Regor 2 entspricht dabei in vielen Zügen der Menschheit des 20. Jahrhunderts. Knuffig ist, wie simpel die Kontaktaufnahme vonstattengeht. Man schickt einfach ein „Huhu, ist da wer?“ ins All und hat wenige Stunden später bereits Besuch von einer Delegation der Union. Wenn es doch so einfach wäre!

Zunächst geht dann auch alles glatt und man preist gemeinsam die Freundschaft, bis Kelly sich bei einem festlichen Bankett ins größtmögliche Fettnäpfchen setzt. Sie erwähnt ihren nahenden Geburtstag (und den von Bortus)! Huch? Was ist da los? Darf man auf dieser Welt etwa seinen Jahrestag nicht begehen? Eigentlich schon - man darf nur nicht im Sternzeichen des „Gilliac“ geboren sein. Da sind die Bewohner von Regor 2 nämlich ziemlich eigen! Jeder weiß: „Gilliacs“ sind gefährlich, aggressiv und neigen zu ungesundem Verhalten. Aus diesem Grund werden sogar Babys, deren Geburt in diese Phase des Jahres fallen würden, extrem viel früher per Kaiserschnitt auf die Welt geholt; ohne Rücksicht auf mögliche Risiken für Kind oder Mutter. Man muss schließlich die Welt vor Bösem bewahren! Laufen doch nochmal welche von der Sorte herum, werden sie direkt festgesetzt - zum Schutz der anderen.

Somit haben wir es bei dieser Spezies mit einer übersteigerten Form unserer eigenen Kultur zu tun, bei der der Aberglaube die Kontrolle übernommen hat. Kelly und Bortus, die beide unter das „böse“ Sternzeichen fallen würden, landen dann auch konsequenterweise in einer Art Arbeitslager (mitsamt einer Kennzeichnung auf dem Overall, die sicher nicht ganz unbeabsichtigt an den Judenstern erinnert) und sollen dort den Rest ihres Lebens verbringen - mit allen einheimischen „Gilliacs“. Für die restliche Delegation der Orville ist die Party ebenfalls vorbei. Schließlich hat man gefährliche Subjekte eingeschleust!

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What shall we do with a superstitiuos society?

So wird aus einem spannenden Trip also ein Alptraum. Wie soll man die Crewmitglieder retten, ohne gegen die Regeln zu verstoßen? Wie soll man einer ganzen Kultur sagen, dass ihr Glaube eigentlich Aberglaube ist?

Captain Mercer (Seth MacFarlane) versucht den diplomatischen Weg, er wird auch mal laut, am Ende aber sind ihm die Hände gebunden und sein Vorgesetzter schickt ihn wieder auf die Reise. Er soll die Sache den Diplomaten überlassen. Dabei übersieht das Drehbuch jedoch eine viel einfachere Lösung. Wenn Regor 2 schon den Kontakt mit der Außenwelt gar nicht mehr will, könnte man die beiden Gefangenen auch einfach gehen lassen und im Gegenzug auf weitere Besuche verzichten. Bortus und Kelly haben ja nicht aktiv etwas verbrochen, das es zu bestrafen gäbe. Dieser Aspekt wird jedoch nicht einmal angesprochen, vermutlich, weil die nötigen Gegenargumente konstruiert und dünn wären.

Interessant an der Kultur ist allerdings noch, dass explizit keinerlei Wert auf die Taten eines Individuums und nicht einmal auf Herkunft oder Genetik gelegt wird. Das Baby von zwei „Gilliacs“, das in einem anderem Zeitraum zur Welt kommt, wird vollkommen anders beurteilt und ist herzlich willkommen.

Sei fair und handle legal. Es sei denn, das klappt nicht. Dann sei clever und trickse.

So mag es im Handbuch für Captains der Union stehen. Oder vielleicht auch nicht. In jedem Fall ist Captain Mercer sonnenklar, dass er seine beiden Kollegen und Freunde nicht zurücklassen kann. Auch hat er offenbar kein Interesse daran, dem diplomatischen Geschick seiner Vorgesetzten zu vertrauen. Also nimmt er den Vorschlag seiner neuen Sicherheitschefin nur zu gerne an. Man konstruiert ein Sonnensegel, das auf dem Planeten wie ein leuchtender Stern wirken soll. Der Gedanke dahinter: Wenn der fehlende Stern des Sternenbildes „Gilliac“ nach einer Ewigkeit wieder am Himmel erscheint, wird sich das negative Denken über das Sternenbild ändern.

Ich kürze die Sache ab: Die Idee ist erstens gaga, klappt aber natürlich trotzdem. Im letzten Moment werden Kelly und Bortus vor der Hinrichtung gerettet und die Kultur überdenkt alles, an was sie immer geglaubt hat. Schöne, heile, einfache Welt! Zweitens ist die Sache aber auch noch ziemlich unschön, wenn man Captain Mercers Verantwortung bedenkt. Was macht er hier genaugenommen? Er trickst. Er täuscht ein ganzes Volk, verändert ihren Glauben und die Gesellschaft, um seine Leute zu retten. Die Frage, ob das gut war, stellt man sich zwar, sie wird aber mit einem kaiserlichen „Schaunmer mal!“ beantwortet. Was die Serie hier aussagt ist letztlich: War doch eh nur doofer Aberglaube. Ist doch nicht schlimm, wenn wir die armen Leute etwas früher erleuchten. Bis sie den Schwindel bemerken, sind sie eh so fortgeschritten, dass sie nicht mehr an den Quatsch glauben.

An dieser Stelle spielt die Crew also Gott. Und ob das im Sinne der Union ist, wollen wir zumindest in Frage stellen. Captain Picard hatte in der Episode Justice vor vielen Jahren den jungen Wesley Crusher mangels diplomatischer Alternativen gegen den Willen des Volkes der Edo gerettet. Für ihn war das allerdings die allerletzte Patrone und absolut alternativlos. Immerhin war es aber auch ehrlich. Mit offenem Visier sagte er diesem Volk, dass er deren Weg nicht akzeptieren kann und sich mit seiner Überlegenheit holt, was er für richtig hält.

Mercer und Cassius (Chris Johnson) diskutieren diesen Weg ebenfalls ganz offen und der Captain spricht sich eindeutig dagegen aus und fordert einen anderen Weg. Dieser besteht dann darin, das Volk im Geheimen zu manipulieren und die Konsequenzen dem Zufall zu überlassen. Ich denke nicht, dass MacFarlane als Drehbuchautor hier eine stimmige Lösung gefunden hat, wenngleich die Idee an sich natürlich durchaus clever ist. Während Picard aber wie ein aufrichtiger Hardliner skizziert wird, der schlicht an die Grenzen des Machbaren geraten ist und seiner Überzeugung folgt, wirkt Mercer eher wie ein Feigling, der den Weg des geringsten akuten Risikos geht. Ob das beabsichtigt war?

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Prost!

Während sich auf Regor 2 also alles verändert, kann die Crew doch noch den Geburtstag der beiden befreiten Helden begehen. Standesgemäß geschieht das auf der Brücke mit fetziger Musik aus längst vergessenen Zeiten. Der Humor in dieser Sequenz ist dann auch im besten Sinne Orville. Viele beliebte Figuren sind anwesend und viele Hintergrundgeschichten laufen mit (Cassius/Kelly, Bortus/Klyden/Topa). Wenn die Serie etwas perfekt kann, dann dieses launige Family-Feeling, diese Liebe zu den Figuren zu zelebrieren und das Gemütliche im Umgang zu zeigen. Alles was man für die gelöste Stimmung tun musste, war, einen kompletten Planeten ins Ungewisse zu schicken - ein kleiner Preis für eine schmissige Party mit Blick ins All, oder?

Beobachtungen

Endlich ist die neue Sicherheitschefin mit von der Partie. Ed Mercer hatte offenbar explizit um eine weitere Xelayanerin gebeten. Jessica Szohr gefällt in der Rolle der Lt. Talla Keyali als herbere, erwachsenere, selbstsicherer Version von Alara Kitan und wird somit herzlich aufgenommen. Die Tage von Tharl (Patrick Warburton) dürften damit endgültig gezählt sein.

Ich finde es wenig glaubwürdig, dass die Orville wirklich einen Monat im Orbit bleibt, keinerlei Fortschritte macht und erst dann den Befehl erhält, abzureisen und den Diplomaten Platz zu machen. Diese Vorgehensweise ist hochgradig unrealistisch. Der einzige Grund für diesen Storykniff ist, dass man auch noch den nächsten Monat mit einem wünschenswerten Sternzeichen zeigen wollte und dafür dann eben die Logik opferte.

Der Humor in dieser Episode fühlt sich hingegen wieder vollkommen organisch an und macht durchweg Spaß, was eine eindeutige Verbesserung zu den letzten Versuchen darstellt. Vielleicht sollte MacFarlane doch lieber alle Drehbücher schreiben, er scheint den Spagat zwischen ernstem Thema und Gaga-Witzen einfach am natürlichsten hinzubekommen.

Hübsch gelingen außerdem die Verweise des Admirals auf die Sache mit dem Baby von Bortus und Klyden (About a Girl) sowie auf die verschiedenen Zusammentreffen mit den Krill, an denen man sich kein Beispiel nehmen möchte.

Technisch betrachtet

Visuell macht die Episode nichts falsch. Die neue Welt gefällt, erinnert aber stark an die Erde. Große Effekte oder ausgefallene Masken sucht man diesmal vergeblich, der Score bleibt atmosphärisch aber im Hintergrund.

Schauspielerisch erfreut Ted Danson als ernster Admiral und reiht sich in die Riege der hochkarätigen Gaststars ein. Dazu weiß John Rubinstein in der Rolle des Präfekten zu gefallen. Ihn kennt man aus unendlich vielen Auftritten in Serien und Filmen. Er war auch insgesamt viermal bei „Star Trek“ zu Gast.

Das Drehbuch von Mastermind MacFarlane bedient sich vieler bekannter Versatzstücke und setzt diese neu zusammen. Der Kniff mit den Sternzeichen ist witzig und geht gerade so als Alleinstellungsmerkmal der Episode durch.

Die Regie von Trek-Darsteller Robert Duncan McNeill ist gewohnt souverän, bleibt aber auch frei von kreativen Einfällen. Letztlich kurbelt der gute Mann ein solides Drehbuch solide herunter. Das wirkt im Vergleich zur parallel laufenden zweiten Staffel von Star Trek: Discovery herrlich und zugleich irritierend antiquiert.

Gib dem Kind einen Namen

All the World Is Birthday Cake“: Ob Seth MacFarlane sich manchmal wie der Captain eines gelben U-Bootes fühlt. ist nicht überliefert. Dass er auf Songzitate steht, wird aber immer deutlicher. Der Titel aus dem beliebten Beatles-Hit bezieht sich diesmal primär auf die Nebenhandlung rund um den Geburtstag von Kelly und Bortus. Doch passt er auch auf die Erstkontakt-Situation, da sich für das fremde Volk alles um die Frage dreht, wann der Geburtstagskuchen fällig ist. Dass am Ende der Episode dann jedoch „Celebration“ von Kool & The Gang lief, kam überraschend.

Fazit

Wenn man es genau nimmt, spielt auch diese Episode ausgelutschte Plots aus dem Trek-Fundus in der Light-Version nach und reichert sie mit treffendem Humor und ein paar neuen Ideen an. Dass sich das Ganze trotzdem nicht wie die neunzehnte Staffel von Star Trek: Voyager anfühlt, darf man der Serie durchaus positiv auslegen. Der Unterhaltungswert stimmt über die gesamte Laufzeit und über das Ende kann man vortrefflich diskutieren. Mehr sollte man von einer The Orville-Episode im oberen Mittelfeld nicht erwarten.

Nächsten Donnerstag läuft in den USA die sechste neue Episode namens A Happy Refrain. Danach ist vierzehn Tage Pause, bevor es mit der Episode Shields weitergeht.

Trailer zur nächsten Folge A Happy Refrain:

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Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 26. Januar 2019

The Orville 2x05 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 5
(The Orville 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Erstkontakt
Titel der Episode im Original
All the World Is Birthday Cake
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 24. Januar 2019 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Juli 2019
Autor
Seth MacFarlane
Regisseur
Robert Duncan McNeill

Schauspieler in der Episode The Orville 2x05

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