The Orville 1x08

© ark Jackson, Kai Wener und BJ Tanner in âThe Orvilleâ (c) FOX
Was passiert?
Dr. Finn will mit ihren Söhnen und Pilot Isaac einen Ausflug machen, stĂŒrzt jedoch auf einem von feindseligen Wesen bewohnten Planeten ab. WĂ€hrend sie selber in Gefangenschaft gerĂ€t, muss sich Isaac mit den Kids herumschlagen. ZunĂ€chst ahnt man auf der Orville noch nichts von den Problemen...
Dies & das
Diesmal durften Brannon Braga und Andre Bormanis gemeinsam das Drehbuch schreiben. Brannon Braga fĂŒhrte auch zum zweiten Mal nach About a Girl selbst Regie.
Spruch
„The only thing we are going to die from is boredom.“ (Kelly ahnt was)
Das hÀttest du bei Star Trek sicher nicht gehört
„If you wish, I will vaporize them.“ (Isaac denkt pragmatisch)
Das hÀttest du bei Star Trek sicher nicht gesehen
Erschreckend: Alles - vielleicht bis auf den âGlory Holeâ-Gag - hĂ€tte man exakt so in Star Trek sehen können.
Isaac, just hold his hand
So so, Dr. Finn hat also zwei halbstarke Söhne, die mit ihr auf der Orville leben. Und es gibt keinen Vater dazu! Das ist sicher eine Meldung fĂŒr ISN wert - oder war das ein anderes Universum? Wie auch immer: Das allein ist schon mehr Charakterentwicklung fĂŒr die Ărztin der Orville, als wir in den bisherigen Episoden gesehen haben - und somit aller Ehren wert. Mit ihren Söhnen will sie sich nun also eine schöne Zeit machen und muss ausgerechnet den ĂŒberlegenen Androiden Isaac als Piloten mitnehmen.
Nun zĂ€hle man mal bitte kurz eins und eins zusammen. Brannon Braga als Drehbuchautor und ein Shuttle-Ausflug. Das riecht nicht nur, das stinkt nach dem Shuttle-Crash der Woche. Und obwohl dieses Klischee eigentlich schon seit einer gefĂŒhlten Ewigkeit auf den Index und die schwĂ€rzeste Liste gehört, gelingt zumindest die Umsetzung des Absturzes an sich mit einer Mischung aus Lost und der Sequenz aus âStar Trek: Generationsâ (in klein) ganz gut.
Kommt man dann ĂŒber diesen gnadenlos verbrauchten AufhĂ€nger hinweg, wartet bereits der nĂ€chste: Das Shuttle bricht nĂ€mlich in zwei HĂ€lften (als Finn just hinten was Dringendes erledigen musste) und lĂ€sst den Doktor somit alleine sowie ihre Söhne mit Isaac abstĂŒrzen. Man zĂ€hle erneut zusammen: Zwei nervtötende Kids und ein ĂŒberheblicher Roboter - zusammen in einem Boot. Auch hierfĂŒr gibt es nur einen gĂŒnstigen Blumentopf aus dem Baumarkt.
Dennoch: Die Szenen mit Isaac sind die besten der Episode. Die Autoren holen erstaunlich viel aus dem gesichtslosen Blechmann heraus und seine Interaktionen mit den Kindern sind gröĂtenteils charmant, wenn auch - ihr ahnt es schon - vorhersehbar.
Ganz nett ist insbesondere, wie er ihr Verhalten beobachtet und einordnet, eine Geschichte am Feuer erzĂ€hlt (die keine ist) oder wie er und die Kinder gegenseitig etwas voneinander lernen (inklusive HĂ€ndchenhalten). Keine groĂe Kunst, aber immerhin fĂŒrs Herz.

You will be alone again
Finn trifft es wĂ€hrenddessen aber auch nicht besser - sie hat zwar mal eine Weile Mami-Pause, wird dafĂŒr aber verschleppt und landet in einem kargen Raum. Dass ihr EntfĂŒhrer unlautere Absichten hat, weiĂ man nicht erst, wenn man Brian Thompson erkennt, der in The X-Files den auĂerirdischen KopfgeldjĂ€ger und in Star Trek: Enterprise einen fiesen Romulaner gespielt hatte. NatĂŒrlich wĂŒnscht sich dieser einsame KĂ€mpfer eine GefĂ€hrtin und natĂŒrlich ist sein Weg zu diesem Ziel völlig falsch. Es kreist der Holzhammer, was diesen Teil der Handlung auch nicht besonders aufregend werden lĂ€sst.
Doch Finn ist fokussiert, clever, einfallsreich und besitzt Kampfgeist. Dank dieser Mischung entgeht sie der Falle. Ob sie ihren Gegenspieler am Ende ersticht und erschieĂt oder nur ein wenig verletzt und betĂ€ubt bleibt offen. Interessant ist in diesem Zusammenhang aber, dass sie ihren Sohn spĂ€ter anweist, nur mit BetĂ€ubungseinstellung zu feuern, da die Menschen Leben wertschĂ€tzen wĂŒrden - auch wenn die Einwohner dieser Welt das offenbar nicht mehr tun. Sonderbare Doppelmoral? Elterliche Pflicht vs. harte RealitĂ€t? Hier darf sich jeder seinen eigenen Reim machen.
HĂŒbsch ist aber natĂŒrlich, wie Isaac am Ende ihre Hand nimmt und wie sie ihn im Herzschmerzfinale in die Familie Finn - und auch ein wenig in die Crew der Orville - aufnimmt. Das Ganze ist zugegeben viel zu rĂŒhrselig, vorhersehbar (wie oft kam dieses Wort schon vor?) und plump, sorgt aber auch fĂŒr ein ganz kleines LĂ€cheln. Ja, auch MĂ€nner haben GefĂŒhle.

Now entering Glory Hole
Die C-Handlung auf der Orville ist diese Woche weitestgehend irrelevant. Irgendwelche Reparaturen finden statt und man hört Barry Manilow. Das war's! WÀhrend man auf der Discovery also just Wyclef Jean eingelegt hatte, hÀlt man es hier mit noch mehr Retrocharme.
So bleibt dem Rest der Crew am Schluss nur die Rettungsmission und ein paar Unterhaltungen ohne Wert. Ausnahme: Bortus mit dem One-Liner der Woche, als er Malloys derben Witz ungerĂŒhrt aufnimmt und staubtrocken âNow entering Glory Holeâ sagt.
Brannon, please report to Mr. McFarlane
The Orville ist eindeutig eine Serie, die gerne mal hier und da Anleihen nimmt. Böse Zungen werden sagen: Sie klaut, als wenn's kein Morgen gĂ€be. Das hat sie bisher jedoch so unterhaltsam getan, dass es zumindest fĂŒr mich keinen Grund darstellte, unnötig zu meckern.
Hier jedoch zeigt sich aber die Kehrseite der Medaille. Wenn das Drehbuch es sich zu einfach macht und nur per Storygenerator VersatzstĂŒck A zu B und C montiert und sich ausschlieĂlich auf seine Figuren verlĂ€sst, dann ist man auch als Zuschauer verlassen. Richtig schlecht ist das zwar nicht, doch hat die Serie schon bewiesen, dass sie mehr sein kann, als eine Clipshow mit einem Best-of oder Worst-of alter Trek-Schinken. Hier darf man die Messlatte in Zukunft gerne wieder höher hĂ€ngen.
Beobachtungen
Nach Ed Mercer, Gordon Malloy, Kelly Grayson, John LaMarr, Bortus und Alara Kitan erhalten nun endlich Dr. Claire Finn und Isaac die Chance, eine eigene Episode zu tragen, was sich fĂŒr beide Figuren klar ausgezahlt hat.
Die Geschichte der Welt erinnert an eine Mischung aus dem Film âThe Day Afterâ, der Enterprise-Episode Terra Nova und einer Prise The Walking Dead. Was im Fazit heiĂt: Irgendwie Endzeit. Halbgar trifft es am ehesten.
Technisch betrachtet
Die Autoren Brannon Braga und Andre Bormanis scheinen ihre Trek-Routine nicht wirklich abschĂŒtteln zu können - oder zu wollen. Die Episode fĂŒhlt sich durch die Bank weg an wie eine verlorene B-Seite von Star Trek: Voyager oder Star Trek: Enterprise.
In Sachen Regie gelingt Braga eine durchschnittliche Arbeit - am besten kommen noch alle Special-Effects (besonders der Shuttle-Absturz und die verlassenen HochhÀuser) sowie der Score weg.
Schauspielerisch kann Penny Johnson diesmal richtig loslegen und ĂŒberzeugt in der Rolle der Power-Mami. An ihrer Seite brilliert jedoch auch Mark Johnson als Isaac, der nur seine Stimme und Gestik zur VerfĂŒgung hat, damit aber eine Menge erreicht.
Nicht selbstverstÀndlich zudem: Die Kids sind klasse besetzt und mit Brian Thompson kann man als Finsterling auch nichts falsch machen.

Gib dem Kind einen Namen
Into the Fold: Ich unterstelle hier einmal eine Doppeldeutigkeit: Einerseits spielt der Titel natĂŒrlich auf die Reise durch die âFalte im Weltraumâ an, kann aber auch Issacs Aufnahme in die Finn-Herde und somit den ersten Schritt in die Crew meinen.
Fazit
Mit einem bunten StrauĂ bekannter Motive versehen, gerĂ€t die Episode zwar zu einem guten Vehikel fĂŒr Finn und Isaac, vergisst aber dabei komplett, eigene Ideen zu prĂ€sentieren. In Abwesenheit kreativer EinfĂ€lle und unter Zuhilfenahme von zu vielen Klischees definiert man somit unteres MittelmaĂ. Angesichts der bisher starken Staffel ist das aber problemlos zu verschmerzen - gerade weil die Serie damit immer noch brauchbar unterhalten kann.
Verfasser: Björn SĂŒlter am Sonntag, 5. November 2017The Orville 1x08 Trailer
(The Orville 1x08)
Schauspieler in der Episode The Orville 1x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?