The Orville 1x05

The Orville 1x05

Erneut variiert man in The Orville bekannte Trek-Themen, garniert sie mit anarchischem Humor, guten Twists sowie Charaktermomenten und muss sich am Ende nur dezent der eigenen Zeitreise-Logik geschlagen geben.

The Orville
The Orville
© Hulu

Was passiert?

Die Crew der Orville rettet Captain Pria Lavesque vor der Zerstörung ihres Schiffes und entgeht danach dank ihr nur haarscharf einem Sturm aus dunkler Materie. Gut, dass sie an Bord war, oder? Abwarten. Nebenbei versucht sich Malloy darin, dem Roboter Isaac Humor näherzubringen...

Dies & das

    Erneut war Seth MacFarlane federführend für die Story - bereits zum fünften Mal in Serie.

    Als Regisseur jedoch wucherte man dieses Mal mit keinem Geringeren als Riker-Darsteller Jonathan Frakes.

    Als Captain Pria Lavesque durfte man zudem Charlize Theron bestaunen.

    Isaacs Augen sind laut seiner Aussage nur ästhetischer Natur.

    Yaphit alias „der grüne Blob“ wird zur Abwechslung mal in seinem dienstlichen Kontext gezeigt und trägt dort sogar zur Entdeckung von Prias Vorrichtung bei.

Spruch

Did you read her diary too?“ - „No, we couldn't find it.“ (Ed & Kelly)

Das hättest du bei Star Trek sicher nicht gehört

How is your room?“ - „It does not smell like hamster.“ (Ed & Pria)

Das hättest du bei Star Trek sicher nicht gesehen

Data amputiert Wesley im Schlaf ein Bein, um ihm zu zeigen, dass er ein Scherzkeks ist. Hier geschehen mit Isaac und Malloy. Gut, dass Dr. Finn so etwas wieder hinbiegen kann.

Pria and the rescue

Wie in guten alten Trek-Zeiten muss mal wieder ein plötzliches Notsignal herhalten, um die Handlung auf den Weg zu bringen. Diesmal ist ein Schiff auf einem Kometen abgestürzt, der vor der Zerstörung steht. In einer waghalsigen Rettungsaktion mit viel Situationskomik wird die ebenso dankbare wie attraktive Captain Pria (Theron) an Bord geholt. Zur großen Freude von Ed, der endlich seinen ersten love interest bekommt - Post-Scheidung versteht sich.

Bei einem „cocktail thing“ im Quartier des Captains kommt man sich näher, ein erster Kuss führt zu einem Holodeckausflug und schließlich lässt man es ganz ruhig angehen - und hat Sex. Gönnen wir es dem Captain mal - schließlich leidet er immer noch furchtbar unter dem Betrug seiner Ex-Frau, den wir allerdings nun langsam verinnerlicht haben. Seth MacFarlane zeigt seinen Ed Mercer hier sanft und verletzlich und macht dabei zwar keine Klasse-Figur, aber eine bessere, als viele ihm sicher zugetraut hatten. Das geäußerte Vertrauensproblem, das er nun ausgerechnet durch Pria in den Griff bekommt, wird uns aber direkt auf einem überdimensionalen Warnschild präsentiert. Ed, das wird böse ausgehen.

Halston Sage und Adrianne Palicki in „The Orville“
Halston Sage und Adrianne Palicki in „The Orville“ - © FOX

Pria and the problem

Einen anderen Haken hat die Sache aber natürlich auch noch: Und dieser Haken heißt Kelly (Adrianne Palicki). In fast schon rasender Eifersucht sucht sie das Haar in der Suppe. Und obwohl Pria das Schiff scheinbar spielerisch durch einen plötzlich auftretenden Sturm dunkler Materie manövriert und rettet, bleibt die Ex-Frau des Captains skeptisch. Dabei gefallen alle Dialogszenen zwischen ihr und Ed durch Authentizität und Timing. Als sie jedoch Alara (Halston Sage) mit in ihre kleine Verschwörung holt und nichts als eine kleine unscheinbare Box aus Metall findet, hat Ed genug gesehen. Leider wissen wir aber, dass er selber der Geprellte in diesem Spiel ist. Nur warum?

Als das Schiff den Kurs wechselt und man die kleine Box als Grund ausfindig macht, erhalten wir endlich eine Aufklärung. Und diese überrascht durchaus. Pria stammt aus dem 29. Jahrhundert und reist in die Vergangenheit, um Schiffe, die ohnehin dem Untergang geweiht sind (die Orville sollte im Sturm zerstört werden), mitzunehmen und in der Zukunft an Sammler zu verkaufen. Man denke hierbei an den umgekehrten Ansatz aus A Matter of Time, als Dr. Berlinghoff Rasmussen aus der Vergangenheit kam (und das Gegenteil behauptete), um Technik zum Forschen mit zurück zu nehmen - übrigens eine Rick-Berman-Episode.

Charlize Theron und Seth MacFarlane in „The Orville“
Charlize Theron und Seth MacFarlane in „The Orville“ - © FOX

Die Idee hier ist jedoch durchaus clever und frisch. Die Crew bleibt dabei ziemlich erfolglos in ihren Bemühungen, die Zwangsreise durch ein Wurmloch anzutreten. Dass der Chefingenieur dabei aber fast den Tag mit seinem alten Akkubohrer rettet, nachdem die Handwaffen wirkungslos geblieben sind, wird sicher viele Heimwerkerherzen höher schlagen lassen. Leider stirbt dabei Isaac (Mark Johnson) - oder?

Im 29. Jahrhundert angekommen möchte Pria den Deal just finalisieren - das Alien, welches als Käufer bereit steht, wurde dabei samt seinem imposanten Schiff wunderbar visualisiert.

In letzter Sekunde gelingt dann Isaac durch einen Transfer seines Programms in den Schiffscomputer (auch nicht so neu) und mit einer schönen Querverbindung zum Auftakt mit Seinfeld (clever) ein Hinweis an den Captain per Konsole (wiederum alter Hut) und somit die Rettung des Schiffes, bei der Kelly die Widersacherin Pria dann auch noch richtig vermöbeln darf und keinen Kratzer abbekommt.

Pria and the paradox

So ist die Krise also beendet. Die Orville kehrt in ihre Zeit zurück. Doch was soll mit Pria geschehen? Hier stellt das Drehbuch dann sogar noch spannende Fragen, die Captain Janeways Kopfschmerzen zu höchsten Touren laufen lassen würden. Am Ende gibt es jedoch nur zwei Möglichkeiten: Das Wurmloch bleibt offen und andere werden weiterhin kommen, um diese Zeitebene auszuschlachten. Dann könnte der verliebte (wenn auch enttäuschte) Ed aber immerhin Pria behalten. Oder man verschließt das Wurmloch (in der Vergangenheit), sorgt dafür, dass all das nie passiert ist und Pria auch nie in diese Zeit gelangen konnte (samt ihrer fingierten Krise zu Beginn und dem Sturm aus dunkler Materie). Ed entscheidet sich gegen sein Herz (oder Schmerz) und für die sichere Lösung. Dass Pria sich nach Zerstörung des Wurmlochs auflöst, ist ganz „Zurück in die Zukunft“ (man denke an Marty und das Bild seiner Geschwister), dass Ed aber offenbar danach noch weiß, was gerade passiert ist, leider auch. In beiden Fällen hinkt die Logik ein wenig, lässt sich aber mit dem bereits in Star Trek: Enterprise von Daniels erwähnten Ripple-Effekt (den Braga persönlich ausgefressen hat) erklären. In fünf bis drölfzig Minuten hat der gute Captain samt Crew also bestimmt alles vergessen. Das ist dann ja auch gut für sein geschundenes Herz.

Haha. I got you.

Für die wunderbare B-Story sorgen diesmal primär Malloy (Scott Grimes) und Isaac, auch wenn alle dabei eine gute Figur abgeben. Zu Beginn schaut die Brückencrew Ausschnitte aus Seinfeld um Isaac Humor zu erklären, beziehungsweise das Motiv, jemanden reinzulegen. Isaac macht jedoch den idealen Data - und zwingt Malloy dazu, ihn bei Gelegenheit zu überraschen. Die Fortsetzung dieses Auftakts hat diesen Rezensenten dann lachend unter den Tisch befördert. Ob es daran liegt, dass ich Mr. Potato Head aus „Toy Story“ so gerne mag?

Isaac mit Faschingsmaskerade war auf jeden Fall eine herrlich schräge Idee. Auch die damit verbundenen Erkenntnisse, dass er regeneriert (wie die Borg?) und dabei nichts mitbekommt oder dass seine Augen nur aus ästhetischen Gründen vorhanden sind machten Spaß. Zum Schluss forderte Malloy ihn dann noch auf, nun seinerseits Malloy reinzulegen - wenn er nicht damit rechnet und mit höchster Kreativität. Nun, das hätte er besser nicht gesagt, wacht er doch im Laufe der Episode mit amputiertem Bein auf. Die Szene, in der Malloy Isaac auf der Brücke lautstark zur Rede stellt ist toll gespielt und vollkommen verrückt. Auch, wie Isaac zugibt, den guten Kollegen selbstverständlich betäubt zu haben. Ja, ist doch auch logisch! Soll der Arme dabei aufwachen, als ihm das Bein abgenommen wird? An dieser Stelle sprengt The Orville jegliche Geschmacksgrenze, bleibt aber auch charmant. Ein irrer Spagat.

Charlize Theron
Charlize Theron - © Seth MacFarlane und Halston Sage in „The Orville“ FOX

Technisch betrachtet

In diesem Falle ein Hit and Miss: Der Komet und das Shuttle zu Beginn sehen aus wie zu Zeiten der vierten Staffel von „Star Trek: Enterprise“. Plastiklook lässt grüßen. Dafür gelang der neue Maschinenraum jedoch genauso gut wie der Sturm aus dunkler Materie. Richtig toll wurde es mit dem Wurmloch und dem außerirdischen Schiff samt Bewohner aus der Zukunft. Hier leistete man wundervolle Arbeit.

Der Score von John Debney stampft und hämmert in allen actionreichen Szenen vor sich hin und lässt keine Verschnaufpause. Mitreißend und definitiv angelehnt an die Arbeiten von John Williams und James Horner. Dazu das immer wieder eingestreute Motto der Titelsequenz - das passt.

Schauspielerisch gefällt Charlize Theron als Pria mit Kühle und Power. Einzig beim Technobabble zu Beginn konnte man ihr einige Probleme anmerken. Die größere Überraschung jedoch ist diesmal Seth MacFarlane, der besonders in den stillen Momenten überzeugt und zudem einige starke Humorszenen hinlegt. Doch gilt hier allgemein: Die Serie hat einen tollen, sympathischen Cast, der Woche für Woche das Einschalten verdient hat. Da mögen die Storys noch so bärtig sein, Malloy, LaMarr, Alara, Kelly, Finn, Isaac, Bortus und Ed machen einfach Spaß!

Gib dem Kind einen Namen

Pria: Exakt so heißt die Dame, die Ed um den Finger wickelt. Doch war es das schon? Nein. Pria bedeutet im Indischen auch „die Schöne“. Nun ja - besonders clever macht es das dann auch nicht.

Fazit

Die Hauptstory bedient sich ein weiteres Mal schamlos an bekannten Stoffen, streut aber ein paar nette Twists ein, die keine Langeweile aufkommen lassen. Dass der Humor dazu in diesem Fall zum Schreien gut ist, bringt weitere Pluspunkte. Einzig mit der fiktiven temporalen Logik scheint man es in allerletzter Sekunde mal wieder locker zu nehmen - hier hat Zeitanomalie-Experte Brannon Braga entweder geschlafen oder keine große Lust gehabt. In der Summe bleibt es dennoch bei einer mehr als soliden Dreiviertelstunde mit Lachgarantie und einem starken Gaststar.

Verfasser: Björn Sülter am Samstag, 7. Oktober 2017

The Orville 1x05 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 5
(The Orville 1x05)
Titel der Episode im Original
Pria
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Oktober 2017 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 20. März 2018
Autor
Seth MacFarlane
Regisseur
Jonathan Frakes

Schauspieler in der Episode The Orville 1x05

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