The Orville 1x04

The Orville 1x04

Das neue Abenteuer der Orville bringt klassische Motive auf den Tisch, garniert sie mit Gags, guten Gastdarstellern und Sentimentalitäten, drückt sich aber auch etwas um einen frischen Ansatz.

The Orville
The Orville
© Hulu

Was passiert?

Die Crew der Orville trifft auf ein gigantisches Schiff mit eigenem Ökosystem, das im All treibt. Da diesem in Kürze die Zerstörung droht, geht Captain Mercer mit einem Team an Bord. Derweil muss die restliche Crew der Orville sich mit einer Krill-Attacke befassen...

Dies & das

    Auch die vierte Episode wurde von Seth MacFarlane geschrieben. Als Regisseur wählte man diesmal in James L. Conway einen Veteranen, der an allen modernen „Trek“-Serien gearbeitet hat.

    Hamelac alias Robert Knepper kennt man aus seiner Rolle in Prison Break sowie aus Homeland, Twin Peaks und auch aus diversen „Trek“-Rollen.

    Als Special Guest hatte man diesmal Liam Neeson an Bord.

    Kelly erwähnt das „Central Perk“, als Hamelac sie verhört - dabei handelt es sich um das fiktive Café aus der Serie Friends.

Spruch

Aside from shooting your dad, we don't mean you any harm.“ (Mercer)

Das hättest du bei „Star Trek“ sicher nicht gehört

Our ship looks like crap now.“ (Mercer)

Das hättest du bei „Star Trek“ sicher nicht gesehen

Einen Offizier, der nach der Zerstörung eines Feindes aufspringt und sich abfeiert wie ein Irrer („Boom, bitch!“). Okay - Data war in „Star Trek: Generations“ zumindest nahe dran.

Fascinating

Es war Ralph Waldo Emerson, der mit einem wunderbaren Satz nicht nur diesen Episodentitel inspiriert, sondern auch eine der schönsten Beschreibungen der Faszination des Weltalls auf den Menschen geliefert hat:

If the stars should appear one night in a thousand years, how would men believe and adore; and preserve for many generations the remembrance of the city of God which had been shown! But every night come out these envoys of beauty, and light the universe with their admonishing smile.

Und wirklich schafft es „The Orville“ mit der vierten Episode, diese Faszination ein wenig einzufangen. Das Generationenschiff, auf das man wie zufällig trifft, ist nicht das, wofür man es zunächst hält. Rein oberflächlich handelt es sich um ein sich selbst versorgendes Ökosystem mit der Größe von New York, 2.000 Jahren auf dem Buckel und Millionen von humanoiden Lebewesen, das einfach so wie eine Stadt im Weltall vor sich hin treibt.

Doch erfährt man ganz am Schluss, dass diese Kultur eigentlich nur geplant hatte, innerhalb von drei Generationen eine neue Welt zu erreichen. Durch einen Schaden wurde man jedoch manövrierunfähig und trieb seitdem über 2.000 Jahre durchs All. Die Bewohner vergaßen über die lange Zeit in der Isolation ihre Herkunft, die Crew samt Captain starb und unter der Kuppel (Gruß an Stephen King, siehe Under the Dome) entwickelte sich eine landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft mit einer autoritären Theokratie und einem sadistischen Anführer namens Hamelac, der Ideen der sogenannten Reformer - es könnte mehr geben als den bekannten Lebensraum -, mit Folter und Tod bestrafte.

Penny Johnson Jerald, Seth MacFarlane, Max Burkholder und Mark Jackson in „The Orville“ /
Penny Johnson Jerald, Seth MacFarlane, Max Burkholder und Mark Jackson in „The Orville“ / - © FOX

Das alles ist natürlich nicht wirklich neu und wird exakt wie in beliebigen Episoden von „Star Trek“ (oder „Stargate“) heruntergespult, macht dabei aber dennoch Spaß. Man fühlt sich an Patterns of Force ebenso erinnert wie an For the World is Hollow and I have Touched the Sky. Der Witz ist jedoch: Wenn man eine Episode wählen müsste, die das Thema am stimmigsten durchgezogen hat, wäre es diese. Auch eine Leistung, wenn auch keine allzu kreative.

The Way to Eden

Auf dem Weg von A nach B gibt es Schüsse auf Alara, eine kompetente Rettung der jungen Frau durch Finn, Prügel und Folter für Kelly (die dabei mit Kirk-Gehabe und viel Sarkasmus punktet) und eine sentimentale Schlussszene in der der längst verstorbene Captain des Schiffes die Situation aufklärt.

Pluspunkte konnte im Verlauf des Ganzen eindeutig Isaac gewinnen, der entgegen den ersten Meinungen gar nicht rassistisch oder verbohrt wirkt, sondern vollkommen offen und kooperativ mit der Situation umgeht und eine große Hilfe darstellt. Sein Borg-Mode, als er die Tür am Ende öffnet, wurde zudem technisch gut umgesetzt, wenn die Figur auch sonst eher einen hohen Trash-Faktor besitzt.

In einer Nebenhandlung darf die Rumpfcrew um Bortus, Malloy und LaMarr noch punkten, indem sie einen Krill-Konflikt (der nicht weiter beschrieben wird) löst. LaMarr erhält dabei eindeutig die Sahnesequenz, in der er seine Genialität wunderbar zelebriert. Erneut zeigt sich hier auch Bortus sehr sympathisch, als er LaMarrs gewagten Vorschlag annimmt und ihm einfach in seinem Urteilsvermögen vertraut.

Rein inhaltlich hält man sich erneut sehr bedeckt und belässt vieles an der Oberfläche. Gedanken wie die Unterdrückung von aufrührerischen Ideen durch ein gewaltbereites Regime werden zwar angerissen, aber schnell fallengelassen. Doch erinnert dieses Streifen von spannenden Denkansätzen eben auch an ein Vorbild, das in diesem konkreten Fall weniger die Crew um Captain Picard war...

Halston Sage in „The Orville“ /
Halston Sage in „The Orville“ / - © FOX

Back in time

Hatten die ersten drei Episoden nämlich eindeutig „TNG“-Flair verbreitet, haben wir es hier nun ohne Frage mit einem „TOS“-Ausflug zu tun, den Kirk, Spock & McCoy ohne wirkliche Änderungen exakt so hätten durchleben können. Wie Ed sich kalauernd an der Wache vorbeischummelt, ist dem großen James T. würdig, die aufgemalten Punkte auf der Stirn und Alaras Stirnband sind mehr als eine Verbeugung und die Kulissen schreien in jedem Moment nach den Pappmaché-Versionen des Vorbilds. Da die Classic-Serie auch die „Trek“-Inkarnation mit dem - zumindest auf Deutsch - höchsten Humoranteil war, fallen nicht mal die teils debilen Gags ins Gewicht, wenn man von der ständigen Penisfixiertheit aller Beteiligten einmal absieht.

It's in the details

Was Seth MacFarlane ebenfalls sehr gut macht, ist, die kleinen Geschichten innerhalb der Serie lose weiterzuerzählen. So eröffnet die Episode mit Bortus und Klyden, die sich über die häufige Abwesenheit des zweiten Offiziers in die Wolle kriegen. Als Bortus daraufhin weit vor seiner Schicht zum Dienst geht, tröstet sich sein Gefährte mit Eis von der Erde und einem Filmklassiker („The Sound of Music“). Das Lied am Ende der Szene spiegelt die nachfolgende Handlung (und irgendwie auch die Situation von Klyden) übrigens perfekt, als es dort heißt: „... unprepared for the world outside.“

Auch nett sind die erneuten Versuche der Brückencrew, private Angelegenheiten zu diskutieren. LaMarr und Malloy sind hier mindestens so engagiert wie Alara, die bei der Außenmission direkt noch Kelly nach der Vergangenheit mit Ed ausfragt. Auch die Anekdote, dass Männer von Alaras körperlicher Kraft abgeschreckt werden, gefällt. Ohnehin reden hier normale Menschen (und normale Aliens) miteinander, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Stand jetzt sind die Charaktere eindeutig der goldene Kern der Serie.

Und zuletzt werden Dr. Finn ein weiteres Mal Avancen von ihrem Gelatinefreund zuteil - Glück hat er aber leider wieder nicht.

Robert Knepper in „The Orville“ /
Robert Knepper in „The Orville“ / - © FOX

Technisch betrachtet

Sieht das Generationenschiff zunächst aus wie ein Borg-Würfel oder Sternenzerstörer, zeigt uns die Totale kurz danach eher eine riesige, dicke Schildkröte. Dafür begeistern aber die Kommandozentrale und der tolle Score umso mehr. Robert Knepper spielt den Fiesling Hamelac mit Freude, überzieht aber auch ein wenig. Seine letzte Szene, als er fast erleichtert ob der Enthüllung der Sterne scheint, spielt Knepper aber toll. Dazu verleiht der sehr überraschende Gaststar Liam Neeson seinem Captain Würde und Weisheit. Ansonsten bietet die Episode noch viele typische „Trek“-Elemente: Location-Aufnahmen von Tälern und Wäldern, einfache Hütten und eine Stadt, die wie der legendäre Paramount-Lot aussieht.

Gib dem Kind einen Namen

And the Stars Should Appear: Ein wunderschöner Titel aus einem wunderschönen Zitat, der alles über die Bewohner dieser Welt und ihre Geschichte aussagt.

Fazit

Mit „And the Stars Should Appear“ wird „The Orville“ zu einer modernisierten Version der Star Trek-Originalserie, zitiert munter gängige Klischees und Ideen, präsentiert die Crew als sympathische Familie und sorgt nebenbei für einige emotionale Noten. Dass das alles weder neu noch kreativ oder irgendwie frisch ist, stört nur am Rande. Viel zu sehr ist man damit beschäftigt, sich zu fragen, warum es von den klassischen „Star Trek“-Serien nicht noch hunderte an Episoden gibt, die man noch nicht gesehen hat. Hier schafft „The Orville“ mit Ausflügen wie diesem immerhin so gut Abhilfe wie kein anderes Format.

Trailer zur nächsten Episode der US-Serie „The Orville“, „Pria“ (1x05):

Verfasser: Björn Sülter am Freitag, 29. September 2017

The Orville 1x04 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 4
(The Orville 1x04)
Deutscher Titel der Episode
Verschollen im Weltraum
Titel der Episode im Original
If the Stars Should Appear
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 28. September 2017 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 13. März 2018
Autor
Seth MacFarlane
Regisseur
James L. Conway

Schauspieler in der Episode The Orville 1x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?