Masters of Sex 2x11

Masters of Sex 2x11

Die neue Episode von Masters of Sex, One for the Money, Two for the Show, ist zweigeteilt. Zu Beginn sorgen viele witzige Szenen und Dialoge fĂŒr Auflockerung, am Schluss werden mehrere HandlungsstrĂ€nge zu ihrem dramatischen Höhepunkt gefĂŒhrt.

Schwarzweiß, 4:3-Format: Fernsehen in den frĂŒhen Sechzigern / (c) Showtime
Schwarzweiß, 4:3-Format: Fernsehen in den frĂŒhen Sechzigern / (c) Showtime

Bisher gab es keine Episode in der zweiten Staffel von Masters of Sex, bei der ich so oft herzhaft auflachen musste. Gleichzeitig war ich selten so ergriffen am Ende einer Episode dieser tollen, bisweilen mÀandernden, aber immer höchst zufriedenstellenden Dramaserie. One for the Money, Two for the Show vereint deren beste Elemente und kann nur deshalb nicht mit der Höchstwertung bemessen werden, weil einige Handlungsbögen trotz ihres eleganten (und teilweise vorhersehbaren) Abschlusses weiterhin nicht besonders gut funktionieren.

How could you possibly want to be with me?

Es ist der Tag des großen Interviews mit dem amerikanischen Network CBS, das Bill Masters (Michael Sheen) und Virginia Johnson (Lizzy Caplan) den entscheidenden Vorteil vor ihren Forschungskonkurrenten geben soll. Vorher erfahren wir aber noch, dass Bill nach dem dramatischen, gewalttĂ€tigen Ausfall mit seinem Bruder Frank so erregt war, dass er hernach mit Virginia zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Sex haben konnte. Nun will er die Erinnerung daran nutzen, um erneut mit ihr intim werden zu können. Der Versuch scheitert.

Vielleicht trĂ€gt dieses Erlebnis und die schwelende Gewissheit ĂŒber die eigene (teilweise) Impotenz zu seiner NervositĂ€t vor dem Interview bei. Bill schwitzt, Bill stottert, Bill kann sich nicht konzentrieren. Seinen Ärger darĂŒber lĂ€sst er an denjenigen aus, die ihn eigentlich in einem positiven Licht portrĂ€tieren sollen. Es stellt sich nĂ€mlich als große Schwierigkeit heraus, die Ausrichtung und das Anliegen der Studie an der amerikanischen Zensurbehörde vorbei zu manövrieren. Der Moderator macht schnell klar, dass sĂ€mtliche Begriffe sowohl fĂŒr „Masturbation“ als auch fĂŒr „Orgasmus“ nicht verwendet werden dĂŒrften.

Bill befĂŒrchtet daraufhin, dass er ohne sein Fachvokabular missverstanden werden könnte: „I'm just gonna come off a sweaty degenerate groping for sexual euphemisms.“ („Ich werde aussehen wie ein schwitziger Perverser, der nach sexuellen Beschönigungen sucht.“) Sowohl Virginia als auch Medienberater Shep Tally (Adam Arkin) und seine Ehefrau Libby (Caitlin Fitzgerald) versuchen, ihn zu beruhigen - ohne Erfolg. Erschwerend kommt hinzu, dass das Interview kurze Zeit nach dem Faustkampf mit seinem Bruder stattfindet und Bill ein stattliches Veilchen mit sich herumtrĂ€gt.

Libby (Caitlin Fitzgerald) ist gelangweilt. © Showtime
Libby (Caitlin Fitzgerald) ist gelangweilt. © Showtime

Trotz all dieser Hindernisse gelingt es Bill und Virginia aber, ihre Botschaft - wenn auch verklausuliert - anzubringen: „The goal is to provoke conversations about human sexuality.“ („Ziel ist, Konversationen ĂŒber die menschliche SexualitĂ€t herauszufordern.“) Und: „The vocabulary of sex should be commonplace.“ („Das Vokabular des Geschlechtsverkehrs sollte alltĂ€glich sein.“) Denn: „Censorship perpetuates shame.“ („Zensur verstĂ€rkt das SchamgefĂŒhl.“) Der dauersnackende Tonassistent - ein großer comic relief dieser Episode - nickt wissend.

The king is dying

Kameramann Lester (Kevin Christy) ist mit der neuen, massenkompatiblen Ausrichtung von Masters' Botschaft indes Ă€ußerst unzufrieden und scheut auch nicht davor zurĂŒck, seine Bedenken gegenĂŒber Bill zu verbalisieren: „So the end justifies the means?“ („Der Zweck heiligt also die Mittel?“) Sein Grund, sich so lautstark zu echauffieren, liegt jedoch auch in einer kleinen persönlichen Niederlage begrĂŒndet. Er hatte sich nĂ€mlich ausgemalt, gemeinsam mit einem CBS-Redakteur das Archivmaterial zu sichten und zu schneiden.

Schnell stellt sich jedoch heraus, dass sĂ€mtliches Material unbrauchbar ist: „So all of this is footage of women using dildos?“ („All diese Aufnahmen zeigen also Frauen, die einen Dildo benutzen?“) Lester antwortet darauf wahrheitsgemĂ€ĂŸ: „A significant portion of it.“ („Ein signifikanter Teil davon, ja.“) Der Redakteur will schließlich nur die nichtexpliziten Teile der Aufnahmen verwenden, denn: „Innuendo I can work with.“ („Mit sexuellen Andeutungen kann ich arbeiten.“)

An solchen Passagen wird offensichtlich, wie humorgetrĂ€nkt der erste Teil dieser Episode ist. ZunĂ€chst dachte ich, Drehbuchautorin Amy Lippman hĂ€tte sich nun dazu entschlossen, den Witz in Masters of Sex noch einmal auf ein Höchstlevel zu drehen, bevor die Staffel im Finale ihren dramatischen Höhepunkt finden wĂŒrde. Doch dann kamen die letzten Minuten von One for the Money, Two for the Show. SĂ€mtliche ErzĂ€hlstrĂ€nge - mit Ausnahme desjenigen von Austin Langham (Teddy Sears) und Flo Packer (Artemis Pebdani) - steuern darin auf ihren grĂ¶ĂŸtmöglichen Konflikt zu.

Dramatischer Höhepunkt einer wunderbaren Episode: Virginia (Lizzy Caplan) hĂ€lt Bill (Michael Sheen) ganz fest im Arm. © Showtime
Dramatischer Höhepunkt einer wunderbaren Episode: Virginia (Lizzy Caplan) hĂ€lt Bill (Michael Sheen) ganz fest im Arm. © Showtime

ZunĂ€chst bricht Bill nach einem krĂ€ftezehrenden Tag in Virginias Armen zusammen, weil er sich selbst dafĂŒr verachtet, kein salesman und nicht auf Kommando freundlich und likeable sein zu können. In diesem Moment kulminiert all der Selbsthass, der sich seit seiner Kindheit und Jugend unter dem tyrannischen Vater angestaut hat. Er wird dabei laut, ausfallend, vulgĂ€r, fĂ€hrt richtiggehend aus seiner Haut. Virginia ist davon zunĂ€chst erschrocken, kennt dann aber das beste Mittel, um Bill zu beruhigen - sie nimmt ihn einfach nur fest in den Arm.

I don't know who I am

Ihr gelingt bei ihm, was ihr bei ihren Kindern nicht mehr so recht glĂŒcken will. In einem Nebenhandlungsstrang bittet ihr Exmann George (Mather Zickel), der mittlerweile wieder verheiratet ist, darum, die gemeinsamen Kinder (die wir ĂŒbrigens seit langer Zeit mal wieder sehen) mit auf seine sechswöchige Europatour nehmen zu können. WĂ€hrend sie mit dem eigenen Gewissen um eine Entscheidung ringt, realisiert sie, dass George nicht Unrecht hat, wenn er behauptet, dass es keinen großen Unterschied machen wĂŒrde, wĂ€ren die Kinder lĂ€ngere Zeit nicht da. Schließlich schaffe sie es meistens sowieso nur, sie abends zu Bett zu bringen. Im GesprĂ€ch mit ihren Kindern wird Virginia ĂŒberdies klar, dass deren Babysitterin mittlerweile eine beinahe mĂŒtterliche Bindung zu ihnen aufgebaut hat. Trotzdem - oder gerade deshalb - beschließt sie, den beiden das Abenteuer zu ermöglichen.

Am Ende des Tages aber, da sitzt sie immer noch im BĂŒro und hĂ€lt nicht etwa ihre Kinder im Arm, sondern eben Bill Masters. Gleichzeitig wird an anderer Stelle eine Grenze ĂŒberschritten, die unweigerlich in der Scheidung von Bill und Libby enden wird. Auch Libby hat einen emotionalen Ausbruch - gegenĂŒber Robert (Jocko Sims). Auch sie sucht in ihm ein Ventil, um ihre angestauten Aggressionen abzulassen: „I never got to be that. Dumb, maybe. But never a kid. They called me the little grown-up.“ („Ich durfte das nie sein. Dumm, vielleicht. Aber niemals ein Kind. Sie nannten mich immer die kleine Erwachsene.“) Ihre Eruption endet damit, dass die beiden miteinander schlafen, ein Ereignis, das seit langer Zeit absehbar war.

WĂ€hrend diese beiden Handlungsbögen von langer, humordurchsetzter Hand vorbereitet wurden, um dann in ein tiefes dramatisches Loch zu stĂŒrzen, verharrt der Handlungsbogen um Austin Langham und Flo Packer in seiner Albernheit. Sie fabuliert davon, sich einmal wie Scarlett O'Hara in „Vom Winde verweht“ zu fĂŒhlen, die von Clark Gable gegen den eigenen Willen verfĂŒhrt werde. Da ist es nur verstĂ€ndlich, dass sich Langham Ă€ußerst unwohl dabei fĂŒhlt, diese Szene nachzuspielen. Er erfĂŒllt ihr trotzdem diesen Wunsch. Wo dieser Handlungsbogen noch hinfĂŒhren soll, bleibt indes das grĂ¶ĂŸte RĂ€tsel dieser Episode. Alles andere befindet sich wieder auf gewohnt hohem Masters of Sex-Niveau.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 24. September 2014
Episode
Staffel 2, Episode 11
(Masters of Sex 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Alles nur Show
Titel der Episode im Original
One for the Money, Two for the Show
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. September 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 11. November 2014
Autor
Amy Lippman
Regisseur
Adam Bernstein

Schauspieler in der Episode Masters of Sex 2x11

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