Masters of Sex 1x11

Masters of Sex 1x11

In der Masters of Sex-Episode Phallic Victories arbeitet Virginia nicht länger an der Seite von William Masters. Dennoch dominiert der Geist ihres Charakters jede Szene - was unter anderem sogar wörtlich zu verstehen ist.

Virginia Johnson (Lizzy Caplan) ist in „Phallic Victories“ allgegenwärtig. / (c) Showtime
Virginia Johnson (Lizzy Caplan) ist in „Phallic Victories“ allgegenwärtig. / (c) Showtime

In der Episode Fallout (1x10) hatten sich die Wege der Masters of Sex-Protagonisten Virginia Johnson (Lizzy Caplan) und William Masters (Michael Sheen) getrennt. In Phallic Victories halten die beiden die neue Distanz nur mühsam aufrecht, wobei besonders Virginias Charakter in gänzlich positives Licht getaucht wird.

Wer hat den Größeren?

Die Episode Phallic Victories bringt viele packende Passagen und ausgeklügelte Dialoge mit sich. Am ehesten hätte dabei wohl der Erzählstrang, in dem Ethan Haas (Nicholas D'Agosto) auf Virginias Exmann George (Mather Zickel) trifft, vernachlässigt werden können.

So wäre auch ohne George als fleischgewordenes Beispiel dafür, wer nicht der Richtige für Virginia ist, deutlich geworden, dass es sich bei Ethan rein theoretisch um eine glückversprechende Partie für sie handelt. Er kümmert sich so liebevoll um die Kinder seiner Freundin und gibt sich auch sonst verständnisvoll und unterstützend. Auch wenn Dr. Haas vielleicht nicht vollkommen versteht, wie wichtig Virginia ihre Karriere tatsächlich ist, steht er ihrer weiteren Ausbildung nicht im Wege und möchte tatsächlich nur das Beste für sie.

Aufgrund der biografischen Grundlage für die Serie darf sich der Zuschauer sicher sein, dass Virginia irgendwie über kurz oder lang wohl doch in den Armen von William landen wird. Und während Ethan auf wirkungsvolle Weise ein „Was wäre wenn...“-Szenario heraufbeschwört, mutet die Präsenz von George dementsprechend recht überflüssig an.

23 Male...

Libby (Caitlin FitzGerald) springt kurz entschlossen als zusätzliche Sekretärin in dem Büro ihres Mannes ein, in dem nach Virginias Kündigung ein wesentlicher Bestandteil fehlt. Doch weder sie noch Jane (Heléne Yorke) - die von Masters versehentlich und konstant als „Vir-jane“ betitelt wird - können trotz aller Mühe deren Abwesenheit kompensieren.

Sehr schön ist inszeniert, wie Virginia lange vor Masters zu dem Schluss kommt, dass er sich bei den Vorbereitungen für den Vortrag, in dem er die Sexstudien endlich der wissenschaftlichen Öffentlichkeit präsentieren will, allzu sehr in statistischen Werten verzetteln wird. Virginias etwas überzogen anmutende Auftritte als Geist in Williams Vorstellung wären überhaupt nicht nötig gewesen. Schließlich gelingt es an anderer Stelle wesentlich subtiler, zu verdeutlichen, wie unersetzlich Virginia ist - egal, ob für die Arbeit oder für Williams privates Glück.

Überall Virginia

Selbst als anonymes Forschungsobjekt drängt sich Virginia unverwunden in den Vordergrund, als sich Libby und Jane neugierig über die verschiedenen Probanden austauschen. So wittert Libby zwischen den beiden Testpersonen, die in der Studie bereits 23 Mal miteinander geschlafen haben, instinktiv eine große Romantik - wohl, ohne dabei zu ahnen, welche Folgen diese Verbindung noch für ihr eigenes Leben haben wird.

In einem der Höhepunkte dieser Episode von Masters of Sex fragt Libby ihren Mann im Halbdunkel des ehelichen Schlafzimmers, ob die beiden Probanden denn verliebt gewesen seien. Während schon Bills Antwort („I have no idea. That was outside the area of our inquiry.“) perfekt ausgearbeitet ist, und trotz der distanzierten Formulierung auf eine tiefe Wehmut schließen lässt, ist es in diesem Moment jedoch der vielsagende und ungemein bedeutungstragende Blick von Masters, der seine Gefühle am besten ausdrückt.

Ein neues Team

Ganz besonders kann sich in dieser Episode der Charakter der Lillian DePaul (Julianne Nicholson) hervortun. Zum einen bringt ihr Charakter für Virginia die Möglichkeit mit sich, außerhalb ihres gewohnten Umfelds zu brillieren und ihre ausgezeichneten zwischenmenschlichen Fähigkeiten ebenso unter Beweis zu stellen wie ihr strategisches Denken. Zum anderen ist Lillian selbst trotz ihrer kühlen Art als Figur sehr schnell so lebendig und greifbar geworden, dass das Schicksal der Todkranken tief zu berühren vermag.

Gleichzeitig ist es zudem DePaul zuzuschreiben, dass auch diese Episode über einige kleine humoristische Highlights verfügt: „You know men - it is easier to change their diapers than their minds.

Die Figur der Lillian DePaul (Julianne Nicholson) hat sehr schnell Gestalt angenommen. © Showtime
Die Figur der Lillian DePaul (Julianne Nicholson) hat sehr schnell Gestalt angenommen. © Showtime

Fazit

Virginia ist in der Episode Phallic Victories omnipräsent. Nicht nur als ihr zielgerichtetes, von vielen begehrtes Selbst dominiert sie die Handlung, sondern auch als medizinische Akte, als kompetente Ratgeberin für DePaul - und selbst als Geist. In diesem Zusammenhang ist die Lobbyarbeit um den PAP-Abstrich so interessant wie - dank Lillians persönlicher Betroffenheit - bewegend.

Mit Ethan an ihrer Seite würde Virginia und ihren Kindern zwar ein sorgenfreies Leben ermöglicht werden. Doch abseits der Fakten aus der reellen Vorlage künden auch Johnsons sehnsüchtige Blicke auf Masters vor dem Fahrstuhl bereits davon, dass sie sich am Ende nicht für diese bequeme Option entscheiden kann. Diese leidenschaftliche Frau ist weder in ihrer Arbeit noch in Liebesdingen länger bereit, Kompromisse einzugehen.

Obwohl man in dieser Episode von Masters of Sex Charaktere wie Margaret Scully (Allison Janney) vermisst und der Humor generell ein wenig zu kurz kommt, blickt man dem Finale der ersten Staffel nun noch gespannter und optimistischer entgegen. Wird es Masters auch ohne seine Partnerin Johnson gelingen können, sein Publikum zu überzeugen?

Das Ende der Ehe zwischen William und Libby ist genauso unausweichlich wie eine Versöhnung der beiden Forschenden. Doch diese Gewissheiten tun dem ungemeinen Reiz dieses qualitativ hochwertigen Dramas glücklicherweise keinen Abbruch.

Verfasser: Thordes Herbst am Montag, 16. Dezember 2013

Masters of Sex 1x11 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 11
(Masters of Sex 1x11)
Deutscher Titel der Episode
Phallische Siege
Titel der Episode im Original
Phallic Victories
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 8. Dezember 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 13. Februar 2014
Autor
Amy Lippman
Regisseur
Phil Abraham

Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x11

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