Masters of Sex 1x02

Masters of Sex 1x02

Die Dramaserie Masters of Sex enttäuscht auch in der zweiten Episode nicht, die den Titel Race to Space trägt. Während der Protagonist Masters auch weiterhin kaum Sympathiepunkte sammelt, faszinieren zu diesem Zeitpunkt bereits viele der Nebencharaktere.

William Masters (Michael Sheen) wirkt bei seiner Arbeit im Bordell oft etwas überfordert. / (c) Showtime
William Masters (Michael Sheen) wirkt bei seiner Arbeit im Bordell oft etwas überfordert. / (c) Showtime

Das Ende des Serienpiloten von Masters of Sex brachte Virginia Johnson (Lizzy Caplan), die Assistentin des Sexualwissenschaftlers William Masters (Michael Sheen), in die Bredouille. So hatte Masters postuliert, dass künftig der Sex zwischen Virginia und ihm selbst ein wesentlicher Bestandteil ihrer Forschung werden müsse - im Dienste der Wissenschaft, versteht sich. Die Episode Race to Space beginnt so auch damit, dass Virginia im Geiste ihre verschiedenen Optionen abwägt. Doch schnell manifestiert sich ein ungleich größeres Dilemma: Masters Vorgesetzter Barton Scully (Beau Bridges) hat von den Pärchenversuchen erfahren und die Studie kurzerhand auf Eis gelegt.

Virginias schweres Los

Virginia hat es beim besten Willen nicht leicht. Ihr Freund und Geliebter Dr. Ethan Haas (Nicholas D'Agosto) möchte sich zwar bei ihr entschuldigen. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass er sie in der Auftaktepisode aus einem eifersüchtigen Anfall heraus beschimpft und sogar geschlagen hatte.

Auch an der Arbeitsfront gibt es für sie Probleme, seit ihr Chef William Masters ihr nicht länger vertraut. Er gibt Johnson die Schuld dafür, dass seine Studie des Krankenhauses verwiesen wurde. In der Episode Race to Space manifestiert sich zudem in einer Tagtraumsequenz von William, dass er sich insgeheim stark von seiner Assistentin angezogen fühlt. Dadurch erscheint sein Vorschlag, künftig selbst mit ihr den Beischlaf zu vollziehen, in einem gänzlich anderen Licht. Während Masters in seinem merkwürdigen Zwiespalt aus sexueller Pionierarbeit und überdurchschnittlicher Prüderie zuvor in dieser Hinsicht noch schwer einzuschätzen war, wirkt er nun schlichtweg wie ein Lustmolch.

Neben ihrer Arbeit muss sich Virginia Johnson (Lizzy Caplan) auch um ihre Kinder kümmern. © Showtime
Neben ihrer Arbeit muss sich Virginia Johnson (Lizzy Caplan) auch um ihre Kinder kümmern. © Showtime

Masters Fehlverhalten

Im Zweifelsfall könnte man Masters in diesem Zusammenhang aber eventuell die Härte zugutehalten, die er gegenüber Johnson fortan an den Tag legt. So wäre es möglich, dass er Virginia nicht nur ersetzen möchte, weil er durch ihre mangelnde Diskretion gegenüber Dr. Haas sein Lebenswerk in Gefahr sieht. So könnte seine schroffe Abwehrhaltung zusätzlich als Versuch gedeutet werden, sich vor ihren Reizen abzuschotten, um dadurch sein Ehegelübde zu schützen. Gegenüber seiner Frau Libby (Caitlin FitzGerald) hat der Wissenschaftler ohnehin einiges wiedergutzumachen. Nach wie vor hält William sie nicht nur körperlich auf Distanz („I love you too much. You don't have to do this.“) und verschweigt ihr zudem die prekäreren Details seiner Arbeit. Wesentlich schlimmer wiegt die Tatsache, dass er seine Ehefrau darüber belügt, warum sie nicht schwanger wird. Ob er seine Unfruchtbarkeit aus Scham verheimlicht oder ob es vielleicht noch einen anderen Grund gibt - in jedem Falle lässt sein grausames Verhalten Masters in dem denkbar schlechtesten Licht erscheinen.

Masters Umwelt

Glücklicherweise bietet die Welt von Masters of Sex eine Vielzahl von Gestalten, mit denen man sich von dem unbekömmlichen Protagonisten ablenken kann. Zum einen gibt es hier selbstverständlich die warmherzige Virginia, die im Kampf um Masters Gunst schließlich mütterliche Privilegien abtreten muss. Anstatt mit ihrem Sohn Henry (Cole Sand; Parenthood, Austin & Ally) die letzte Ausgabe der titelgebenden „Race to Space“-Comics zu lesen, muss sie sich die Nacht mit einem unzugänglichen Masters im Bordell um die Ohren schlagen.

Dr. Haas und der Sex

Doch auch die weniger zentralen Charaktere machen in dieser zweiten Episode einen vielversprechenden Eindruck. Amüsant sind die trotzigen Bemühungen von Dr. Haas, ein Substitut für Virginia und ihren freimütigen Sex zu finden. Doch während die erstbeste Krankenschwester von den neumodischen oralen Praktiken allzu überfordert ist, scheint die mit allen promiskuitiven Wassern gewaschene Bernadette (Kristin Slaysman) für Haas wiederum etwas zu experimentierfreudig zu agieren.

William Masters (Michael Sheen) weist die Annäherungsversuche seiner Frau Libby (Caitlin FitzGerald) zurück. © Showtime
William Masters (Michael Sheen) weist die Annäherungsversuche seiner Frau Libby (Caitlin FitzGerald) zurück. © Showtime

Zwischen Lust und Emanzipation

Die Charaktere Dr. Austin Langham (Teddy Sears) und Jane Martin (Heléne Yorke), die in der Auftaktepisode als erstes „Versuchspärchen“ für Masters fungiert hatten, können durchaus auch bekleidet Interesse generieren. Während Langhams Teilnahme an der Forschung in erster Linie den physischen Benefizen geschuldet ist, mausert sich Jane zu einer wahren Feministin. Sie wehrt zum einen Langhams allzu unwissenschaftliche Annäherungen forsch ab. Dadurch gibt Mrs. Martin zu verstehen, dass sie die potentielle Bedeutung von Masters Studien für die Welt - und insbesondere die Frauen - verstanden hat. Damit niemandem der moderne Esprit ihrer Figur entgeht, rezitiert Jane zudem noch ein paar Passagen aus Simone de Beauvoirs „The Second Sex“.

Betty

Während auch die Interaktion zwischen den anderen Nebencharakteren immer wieder zum Schmunzeln anregt, kann besonders die Prostituierte Betty DiMello (Annaleigh Ashford) mit ihrer scharfen Zunge als verlässlicher Garant für Humor aufwarten. Allerdings ist sie keinesfalls als comic relief zu betrachten, sondern weist durchaus auch tiefergehende Konflikte auf. So wählt sie als lesbische Frau, die noch dazu glücklich verliebt ist, dennoch lieber einen reichen Mann, um dank seiner materiellen Sicherheit ihr Glück zu finden.

Fazit

Sowohl die Protagonisten als auch die übrigen, recht abwechslungsreich gestalteten Charaktere aus Masters of Sex werden nicht nur interessanter, sondern machen dabei auch einen recht natürlichen Eindruck. Masters als konstanter Pool der Unzulänglichkeiten macht neugierig auf die Motivation, die seiner Figur zugrunde liegt. Charaktere wie Ethan Haas oder Betty können durch Stümperhaftigkeit auf der einen und erquickliche Aufmüpfigkeiten auf der anderen Seite für humoristische Lichtblicke sorgen.

Zur gleichen Zeit kann man in der Serie quasi live an der Emanzipation des weiblichen Geschlechts teilhaben und sich auch sonst an den Eigenheiten der späten 1950er Jahre erfreuen. Das „Cathouse“ bringt nicht nur interessante Figuren in die Handlung, sondern erweist sich schon insofern als erfreuliches Setting, als dass es den zugeknöpften William ins Straucheln bringt. Obwohl die Episode Race to Space keine emotionalen Höhenflüge hervorruft, scheint sich die Serie doch in die richtige Richtung zu entwickeln. So darf Masters of Sex gerne weitergehen.

Verfasser: Thordes Herbst am Mittwoch, 23. Oktober 2013
Episode
Staffel 1, Episode 2
(Masters of Sex 1x02)
Deutscher Titel der Episode
Mission ins Unbekannte
Titel der Episode im Original
Race to Space
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 6. Oktober 2013 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. Dezember 2013
Autor
Michelle Ashford
Regisseur
Michael Dinner

Schauspieler in der Episode Masters of Sex 1x02

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