Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x22

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Ich muss mit einer Jubelarie anfangen: Ich habe selten ein so fantastisches Staffelfinale (Obacht, nicht: Serienfinal) gesehen, wie es S.O.S. Part Two für diese zweite Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. ist. Die Kollegen in der Redaktion wurden Zeugen von mannigfaltigen Momenten, in denen ich manisch gelacht, die Kopfhörer auf den Tisch geworfen oder den Bildschirm angeschrien habe. Das ist mir in dieser Intensität als Reviewschreiber selten passiert.
Der Stoff, der hier präsentiert wird, hätte locker in fünf oder zehn letzte Folgen gepasst, und es ist auf gewisse Weise nur die Konsequenz der guten Arbeit, die die Autoren in den vorangegangenen Folgen geleistet haben. Diese waren nicht immer perfekt und manchmal auch etwas redundant, doch für mich ist das Endresultat das, was zählt. Und das hat mich hochgradig befriedigt und glücklich gemacht. S.O.S. Part One war bereits gut, aber der zweite Teil ist Perfektion. Darum verzeiht mir die Ausführlichkeit bitte.
Coulson und Cal kommen sich näher
Das fängt mit der Unterhaltung zwischen Coulson (Clark Gregg) und Cal (Kyle MacLachlan) an, während Cal aka Mr. Hyde im Auto klemmt und dem S.H.I.E.L.D.-Direktor erklärt, dass er alles nur für seine Familie und seine Tochter Daisy aka Skye (Chloe Bennet) getan hat.
Man kam als Zuschauer bereits ins Grübeln, als man im Irrglauben darüber gelassen wurde, was es mit Jiayings (Dichen Lachman) Ableben auf sich hat, und wollte Whitehall die Schuld in die Schuhe schieben. Tatsächlich war Jiaying ziemlich am Ende, doch ihre besonderen Inhuman-Fähigkeiten und Cals chirurgische Fertigkeit führten zu ihrer Wunderheilung, die sie dann „nur“ mit einigen Narben überstanden hat.
Cal erzählt mehr zu ihrer Hintergrundgeschichte. Demnach hat er sie Stück für Stück wieder zusammengesetzt, wobei sie jedoch nie wieder zu ihrem alten Selbst fand. Der Tradition nach musste sich immer ein Ältester opfern, damit sie dessen Energie aufsaugen und weiterleben konnte. Das führte schließlich dazu, dass Cal ein ganzes Dorf abgeschlachtet hatte, was ihr aber noch nicht genug war: Sie verlor den Respekt vor dem Leben. Normale Menschen waren ihr nicht mehr genug, und so musste auch Cal sich modifizieren, weswegen er zum Serum griff, das er selbst erfunden, aber nie perfektioniert hatte. Seine oberste Priorität gilt jedoch dem Wohl seiner Tochter, die er immer beschützen will, und darum bittet er Coulson, ihm helfen zu dürfen. Und ich innerlich nur so: Yes!
Mein Herz!
Mack (Henry Simmons) holt Skye (Chloe Bennet) aus ihrer Zelle. Die hat jedoch kräftedämpfende Handschellen um, die Mack knacken möchte. Doch er hat zunächst andere Probleme.
Die Inhumans können ohne Coulson, der mit Simmons (Elizabeth Henstridge) und Fitz (Iain De Caestecker) nach Lösungen für die akuten Probleme werkelt, nicht den Beacon erweitern, und so wird der bärtige S.H.I.E.L.D.-Agent Oliver (Mark Allan Stewart) geopfert, um deutlich zu machen, dass die Inhumans zu allem bereit sind. Sein Tod erfolgt mit einem der Kristalle. Das führt dazu, dass auch Lincoln (Luke Mitchell) die Methoden seines Volkes zu hinterfragen beginnt.
Simmons hat derweil Cal wie auf Normalgröße geschrumpft, während Hunter und May schon die Kommunikation abgeschaltet haben, um sich auf ihre Rettungsaktion zu konzentrieren.
Ward (Brett Dalton) erwartet May (Ming-Na) schon und will sich persönlich um sie kümmern. Bobbi (Adrienne Palicki) hört derweil, dass Hunter (Nick Blood) sich in der Nähe befinden muss (das will uns zumindest der Tonschnitt deutlich machen), denn zunächst stürmt er den falschen Raum, bis er seine Geliebte schließlich findet. Als er dann den richtigen Raum erreicht - wir erinnern uns alle bitte an die Selbstschussanlage - schafft es Bobbi, den Stuhl so zum Wackeln zu bringen, dass sie sich eine Kugel in den Herzbereich einfängt! Goddamnit, denke ich mir in diesem Moment! Und das, obwohl ich weiß, dass die Darstellerin als Publikumsliebling sicher sein müsste. Doch die Tatsache, wo der Schuss trifft - ich musste es zwei mal schauen - hat mein Herz auch kurz aussetzen lassen.
Arme verblendete Kara!
May stellt derweil Kara über den Funk eine Falle, denn Melinda weiß, dass Agent 33 mithört, und lässt sie ins offene Messer beziehungsweise die geladene Pistole laufen. Da Ward May Rache schwört, schießt er einfach blindlings auf die erste Person mit Mays Gesicht, die ihm über den Weg läuft, und tötet dabei seine Weggefährtin mit mehreren Schüssen. Tragische ausgleichende Gerechtigkeit! Kara stirbt also in seinen Armen und muss ohne Genugtuung oder closure, wie er im Englischen sagt, auskommen.
Danach kümmert sich May erst einmal mit Hunter um die schwerverletzte Bobbi. Hier übernimmt Simmons ihre Behandlung und gibt ihr Bestes, sie zu stabilisieren.
Lincoln kippt um - Gordon goes Dark Gordon
Gordon (Jamie Harris) ist auch voll auf der mörderischen Seite angekommen und versucht Lincoln von den Methoden zu überzeugen, indem er daran erinnert, was sie für ihn getan hat. Dennoch ist es ein wenig befremdlich, nun zu sehen, wie die vermeintlich verständnisvollen und geduldigen Inhumans-Mentoren zu eiskalten Menschenkillern werden, die keine Rücksicht auf Verluste nehmen.
Derweil hat Fitz einen Weg gefunden, um den Teleporter Gordon Einhalt zu gebieten. Und Simmons hinterfragt, warum Coulson Cal vertraut - dabei ist es sicherlich nicht die verrückteste Person, der Coulson in dieser Staffel vertraut hat (das wäre eindeutig Ward).
Lincoln braucht finale Überzeugungsarbeit von Skye, deren Erklärung von Jiayings Plan für ihn verständlicherweise verrückt klingt, sodass Mack einfach mit einem beherzten Schlag eingreift. Toll ist darüber hinaus Macks rote Axt, die allzeit bereit ist.
Emotionen haben trotzdem ihren Raum
Die stressige und gefährliche Situation nimmt May als Gelegenheit, um ihren Exmann Andrew anzurufen - das erste Mal seit dem Vorfall in Bahrain. Auch diesen emotionalen Moment erlauben sich die Autoren also neben der ganzen Action und bereiten außerdem den Epilog für die Figuren vor.
Apropos emotional: Auch FitzSimmons dürfen in diesem Bereich nicht fehlen, wobei sich Simmons in Fitz' Augen den denkbar ungünstigsten Zeitpunk ausgesucht hat, um über das gemeinsame traumatische Ereignis in der Zelle unter Wasser zu reden. Simmons meint damit allerdings, dass die beiden demnächst ihre romantischen Gefühle erörtern sollten, was Simmons, als er auf die gefährliche Mission geht, zu Tränen rührt.
Loose Canon
May macht ihren Bedenken bezüglich Cal ebenfalls Luft, wobei Coulson ihr versichert, dass man den unberechenbaren Cal einfach unberechenbar sein lässt, wenn es benötigt wird.
Derweil bemerkt Fitz auf dem Weg zum Einsatz, dass Skye per Morsecode eine Botschaft sendet. Also werden die restlichen S.H.I.E.L.D.-Flieger beauftragt, umzukehren - nur Coulson und Co. bleiben in der Luft. Dabei warnt sie vor den modifizierten Kristallen, die für alle Nicht-Inhumans tödlich sind. Cal will sich selbst um seine Frau (und Familie) kümmern, während Coulson die Kristalle ausfindig machen soll. Cal hat wenig Erfolg, obwohl er plötzlich das vernünftige Elternteil ist und ihr Vorwürfe macht, dass sie versagt hat, bis der lästige Gordon ihn wegteleportiert.
Es kommt zu weiteren Kämpfen: Mack trifft auf Gordon („I am the guy who kills Gordon“, „No Eyes“) und erhält bald Unterstützung von Coulson („Big boat with poor signage“, ach Coulson!) und Fitz, der nur noch sein Anti-Teleportgerät fertig machen muss. „Science, Biatch! YES!“ Gemeinsam überwinden sie auch Gordons Kräfte.
Skye kriegt es - machtlos - mit Multi-Girl zu tun und wird wieder mit Slo-Mo-Effekten inszeniert, die cool, aber nicht so cool wie der One-Take von zuletzt sind. Anschließend, als Lincoln und May ihre Kampfpartnerin übernehmen, darf sie zu ihrer Mutter aufschließen.
Holy Shit!
Wenn das alles noch nicht verrückt genug war, dann folgt jetzt ein Kracher nach dem anderen. Denn Jiaying könnte auch Inhuman für skrupellos heißen. Da sie sich nicht von den Argumenten ihrer Tochter beeindrucken lässt, benutzt Skye ihre Kräfte, um das Flugzeug mit der Kristallladung ins Wasser zu schicken. Anschließend zapft Jiaying ihre Tochter Skye kurzerhand als Revitalisierungsquelle ein. Hardcore! Die immer schwächer werdende Skye sieht einfach unheimlich aus, und als Fan der Figur geht einem ihr Schicksal und der ultimative Verrat der eigenen Mutter ganz, ganze nah. Die Autoren haben hier einen Moment geschaffen, der sich bei mir einbrennen wird und der meine Hochachtung verdient.

Da stinkt fast schon die Tatsache dagegen ab, dass Lincoln Multi-Girl mit einem Stromschlag kurzschließt. Beim Kampf mit Gordon ist es derweil Fitz, der den Inhuman erdolcht. Da Gordon jedoch einen der Kristalle hält, ist die Gefahr nicht gebannt und Coulson fängt ihn mit einer Hand auf, sodass seine Kollegen verschont bleiben. Kurz dachte ich, dass Coulson wegen des Alienbluts überlebt, doch dann beginnt die typische Versteinerung einzusetzen, und die Angst um den Direktor steigt. Doch genau da kommen die feuerrote Axt und Mack ins Spiel, der beherzt die Hand abhackt, ehe es zu spät ist. Es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie, dass es Mack ist - Coulsons schärfster Kritiker -, der ihm nun das Leben rettet. Aber wir erhalten so einen weiteren Glanzmoment in diesem vorzüglichen Finale.
Meine Sprunghaftigkeit muss mir verziehen werden, doch ich habe mir bewusst bei Familie Johnson die Klimax bis hierhin aufgehoben. Denn Skye wird ebenfalls noch von ihrem Vater Cal gerettet, der sich - wie herrlich tragisch und traurig - gezwungen sieht, seiner Frau und der Mutter seines Kindes die Knochen zu brechen und sie für immer unschädlich zu machen. Puh! Durchatmen! Beruhigen! Grandios finden! Gänsehaut! Pipi in den Augen...
Epilog

Wieder einmal ist im Finale vieles anders. Mit einem Epilog, in dem Coulson mit Andrew spricht, erfahren wir, was die Teammitglieder planen. Bobbi wacht auf und scheint nach ihren Erfahrungen keine Lust mehr auf die Agententätigkeit zu haben. An ihrer Seite: Hunter, der ihr wohl bis ans Ende der Welt folgen wird. Fest steht, dass aus dem Spin-off der beiden nichts wird und sie wohl in der nächsten Staffel dabei bleiben.
Mack bleibt dem Team doch noch erhalten und ist nun für alles, was mit Aliens zu tun hat, zuständig, denn seine Kritik und seine Bedenken haben sich als begründet herausgestellt.
May nimmt zum ersten Mal Urlaub und bereist mit Andrew die Welt außerhalb von S.H.I.E.L.D., wobei sie das nicht ganz ohne Waffe tun kann. Manche Dinge ändern sich halt doch nicht.
Fitz arbeitet an einem neuen Design für eine mobile Einsatzstätte und Cal ist bereit, Buße zu tun.
Eine weitere wunderbare Szene ist sein Gespräch mit Daisy über den glücklichsten Tag seines Lebens, Daisys Geburtstag am 2. Juli 1988.
Coulson, der auf zweite Chancen steht, lässt Cal durch Projekt T.A.H.I.T.I. gehen und ermöglicht ihm einen Neuanfang als Tierarzt. Hier kann Skye sich davon überzeugen, dass er von seinem alten Leben nichts mehr weiß. Gehirnwäsche an sich ist natürlich problematisch, war sie auch schon bei Coulson, aber das scheint die einzige Möglichkeit für die Rehabilitation von Figuren zu sein, die mörderische Grenzen überschreiten.
Coulson plant überdies ein Projekt für die Inhumans, bei dem sie anonym Hilfe und Beistand erhalten können. Wie Raina es vorhergesagt hat, übernimmt sie eine Führungsrolle. Und Inhumans wird es wohl noch einige geben, denn Skypes Kraftakt mit dem Flugzeug hat Konsequenzen. Die Kristalle kommen ins Wasser und schließlich über den Fischfang ins Fischöl. Oy! Das ist eine Unterwasserbombe, die keiner hat kommen sehen. Coulson selbst steht nun ohne Hand da und hat eine Erinnerung für ewig, obwohl hier Fitz oder Mack sicherlich etwas bauen können, was ihm hilft - oder man bedient sich beim Deathlok-Design.
Ward versucht derweil, Hydra wieder aufzubauen, und sieht sich selbst als geeignete Führungspersönlichkeit, nachdem Strucker, List und Whitehall allesamt ausgeschaltet wurden und keine neuen Köpfe nachgewachsen sind. Wird er der Big Bad von Staffel 3? Er verlangt jedenfalls nach seiner eigenen closure und Genugtuung.
WTF hoch 10!

Fitz traut sich endlich, Simmons auf ein richtiges Date auszuführen und sie scheint auch einzuwilligen, sodass er sich an die Planungen machen kann. Dumm nur, dass sie dabei in der Nähe der Kree-Waffe sind und Simmons von dieser ins Ungewisse gezogen wird. WTF Leute?! Ehrlich?
Fazit
Ich will die nächste Folge sofort sehen! So gehen Cliffhanger und Epiloge. Jeder einzelne Strang birgt unglaubliches Potenzial und interessiert mich ungemein. Dazu hat man sich in den letzten beiden Episoden wieder vollständig von der Verbindung zum Marvel-Cinematic-Universe gelöst. So toll die Crossover mit „The Avengers 2: Age of Ultron“ auch funktioniert haben, ist es ein viel größeres Kompliment, dass mich diese Figuren mitreißen, emotional berühren und in jeder Sekunde mitfiebern lassen.
Für mich ist die zweite Staffel von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. in ihrer Gesamtheit sehr viel runder als der Vorgänger, da sie auf der langen Vorarbeit aufbauen und viele schöne Ideen einführen, ausbauen und erweitern konnte. Dabei kommt eine der aktuell besten Superhelden-Serien heraus, die vielleicht in meiner Gunst nur noch von Daredevil geschlagen wird. Meine Hochachtung, liebe Macher! Insgesamt zehn Sterne für diese Doppelfolge von mir.
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 13. Mai 2015Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x22 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x22)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x22
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