Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x20

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Zum Ende der Staffel geht es bei Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. weiterhin ganz ordentlich zur Sache. Die Episode Scars legt, was die Verzahnung mit dem Marvel-Cinematic-Universe und „The Avengers 2: Age of Ultron“ angeht, noch eine ordentliche Schippe drauf, sodass das Anschauen des Films fast schon zum Pflichtprogramm wird. Darüber hinaus ist die Folge mit einigen Wendungen und Überraschungen gespickt, die das Tempo hoch werden lassen und die Neugier auf das Staffelfinale anheizen.
Theta-Protokoll aka Crossing all Over
Das fängt schon bei der stimmigen Eingangsszene an, in der wir Sam Koenig (Patton Oswalt, „Long live the Koenig!“) in seiner Star-Wars-Bettwäsche beim Morgenritual beobachten. Wobei er von Doppelgänger (LMD?!) Billy angerufen wird. Kurz darauf erfahren wir, dass die Szene vor knapp einem Jahr spielt, wo die neuen Mitglieder wie Hunter (Nick Blood), Mack (Henry Simmons) und Co. zum Team stoßen und Coulsons gaaaanz großer Plan aufgedeckt wird. Schon da lässt Coulson (Clark Gregg) nach Agent Robert Gonzales (Edward James Olmos) suchen, der bekanntlich beim Hydra-Angriff verletzt wurde und seitdem als vermisst gilt, während May (Ming-Na) glaubt, dass Coulson nach neuen Rekruten sucht. Außerdem erfahren wir die wahre Bedeutung des Theta-Protokolls: Es handelt sich um den Helicarrier, mit dem Nick Fury (Samuel L. Jackson) in „The Avengers 2: Age of Ultron“ den Leuten in Sokovia bei der Evakuierung hilft. Meine Notiz, als ich das gesehen habe: Fucking A!

Hätte man schon in den Episoden davor sagen können, dass es gewisse Crossover und Referenzen gibt, dann ist das in den ersten Minuten dieser Episode die konsequente Fortsetzung davon. Es ist Fanservice durch und durch, aber in einer Art, die treue Fans aller MCU-Produktionen einfach mit so einem kleinen Extrarausch erfüllt, sodass man innerlich Purzelbäume schlägt.
Manch andere Stimme könnte hier anmerken, dass man dabei nicht allzu sehr zum Sklaven der großen Filmmaschinerie werden sollte. Aber meiner Meinung nach gelingt den Autoren auch in dieser Episode wunderbar die Balance aus Anspielung und Weiterentwicklung der eigenen Figuren. Es ist schön, dass der Bogen gespannt wird, aber man will halt auch wissen, was mit Skye und den Inhumans, Coulson und den beiden S.H.I.E.L.D.s oder Psycho-Ward ist.
Coulson entschuldigt sich für seine Alleingänge. Aber am Ende des Tages behält er in fast allen Fällen recht und trägt maßgeblich dazu bei, dass die Avengers nicht zu Strucker (Thomas Kretschmann) finden, sondern dass humanitäre Hilfe gegen Ultron (James Spader) geleistet wird. Und in dem Fall sind ein paar Geheimnisse nicht weiter schlimm. Coulson schlägt ein vereintes S.H.I.E.L.D. mit ihm als Director vor, während der Rat weiterhin beratend tätig bleiben darf. Was, wie es aussieht, von den Beteiligten mit leichtem Zähneknirschen akzeptiert wird. Doch bald tauchen neue Probleme auf.
Die Zeit heilt alle Wunden?
Simmons (Elizabeth Henstridge) teilt Kara (Maya Stojan) mit, dass alle Spuren von ihrer Hydra-Hirnwäsche verschwunden sind. Ihre Diagnose: Sie ist wieder ganz sie selbst. Das sollte man sich für später merken. Laut ihrer eigenen Aussage hat der Tod von Bakshi ihr beim Überwinden des Traumas geholfen. Lincoln (Luke Mitchell) warnt derweil davor, dass S.H.I.E.L.D. es womöglich auf Afterlife abgesehen haben könnte, womit er gar nicht mal so falsch liegt.
Raina (Ruth Negga) nimmt inzwischen ihre Fähigkeit als Gabe war und freut sich, anderen potentiellen Inhumans über die tollen Aspekte dieses Lebens zu erzählen und in ihre Zukunft zu blicken. Außerdem warnt sie Gordon (Jamie Harris), da sie eine neue Vision hatte. Diesmal vor einem gewaltigen Stein, von dem Gefahr auszugehen scheint. Als Gordon eine Detailfrage nach den Einkerbungen des Steines stellt, wird schnell klar, dass das eine Sache ist, in die Jiaying (Dichen Lachman) involviert werden muss. Der Stein ist eine Waffe der Kree, die dazu bestimmt ist, die Inhumans auszulöschen, weil sie nach ihrer Schöpfung für einen Fehler gehalten werden. Trotz einiger Bedenken sollen Gordon und Raina der Sache auf den Grund gehen und landen im S.H.I.E.L.D.-Hauptquartier.
Wem kann man trauen?
Eine zentrale Frage der Episode und eigentlich auch der Staffel und der Serie ist, wem man vertrauen kann und aus welchem Grund. Geheimnisse lauern an jeder Ecke. Dabei können Figuren, die vertrauenswürdig wirken, plötzlich die Seiten wechseln oder unvorhergesehen handeln. Problematisch ist es zudem auch anders herum: Wenn man sich ein negatives Image aufgebaut hat, ist es ziemlich schwer, sich davon zu befreien. So auch bei Raina.

Jiaying befragt Cal (Kyle MacLachlan) erneut wegen seines ehemaligen Mündels (?) und wiederholt grob, was er ihr schon einmal sagte, unterlegt das aber mit neuen Beweisen. Sie konnte sich in der Vergangenheit mit ihren überzeugenden Überredungskünsten und ihrem Mundwerk einiges holen. Ob nun Essen oder immer feinere Kleidung, sie kriegt den Hals nicht voll, ihre Ansprüche werden immer höher und ihr Egoismus wächst. Das gilt auf jeden Fall für die alte Raina. Aber auch für die verwandelte? Mit diesem Thema spielen die Autoren der Episode sehr geschickt. Will sie sich mit ihrer Gabe bereichern oder ihrem neuen Volk wirklich helfen? Diesmal ist das gar nicht so eindeutig.
Im Hauptquartier werden die beiden von Hunter (Nick Blood) entdeckt, der den Alarm auslöst. Allerdings entdecken sie die rote Tür mit der Nummer 47, die Raina in ihrer Vision gesehen hat und hinter der sich tatsächlich ein Artefakt befindet. In dem Moment, als sie auftauchen, „verdünnisiert“ es sich aber quasi, denn es wird zur Flüssigkeit und auch die beiden teleportieren sich in Sicherheit.
Laut Gonzales wurde der Stein schon vor 100 Jahren (da gab's es noch kein S.H.I.E.L.D) in einer Ausgrabungsstätte gefunden und auch Hydra hat schon danach gesucht. Gut also, dass sie ihn nicht gefunden haben. Denn er scheint einer Massenvernichtungswaffe gleichzukommen. Skye (Chloe Bennet) selbst tappt im Dunkeln und kann Coulson nicht helfen, der in seiner Befragung ein wenig feindseliger als sonst rüberkommt. Aber vielleicht hakt er auch nur genauer nach, weil die kritische May dabei ist, die Lincoln gleich als Gefahr einstuft und sich selbst von Skye anhören muss, dass sie selbst als solche klassifiziert werden kann, wenn man an Bahrain denkt und an das, was sie dort mit den beiden Inhumans getan hat.
Auch the real S.H.I.E.L.D. kann man nicht so recht vernachlässigen, denn mit Hilfe der Hydra-Technologie gelingt es, Gordons Spur aufzunehmen und ihn zu orten. Schnell wird ein Schlachtplan entwickelt, ohne Coulson vorher zu fragen. Denn Bobbi und der Director sind gegen übereilte Schnellschüsse, vielmehr könnte man ja auch mal reden, bevor man direkt einschüchtert. Skye soll als Liaison fungieren und May sitzt derweil zwischen den Stühlen. Fest steht, dass Coulson selbst nicht verhandeln soll. Als Argument bringt er - Crossover-Alarm - Tony Stark (Robert Downey Jr.), der als Einzelner für die Schaffung Ultrons verantwortlich zeichnet und deswegen fast die Erde zerstört hätte. So kommt es, dass Gonzales die Organisation repräsentiert, was durch Mays Stimme so beschlossen wird.
Immer mehr trauen kann man (vielleicht) Cal, der plötzlich im Chaos die Stimme der Vernunft darstellt und Rainas Verhalten als Taktik deutet, um Chaos zu verbreiten. Es kommt fast dazu, dass er sich mit Gordon anlegt. Dabei kommt allerdings heraus, dass er längere Zeit auf Entzug ist und auf sein Wutmittel, das ihn zu Mr. Hyde werden lässt, zuletzt verzichtet hat.
Skye traut Gonzales derweil nicht und will, dass Lincoln und sie die Vorhut bilden, um ihre Mutter behutsam auf den Plan vorzubereiten. Dabei teilt sie Coulson mit, dass Jiaying ihre Mutter ist. Ein Fakt, den May sofort dem Rat mitteilen möchte. Denn mittlerweile bereut sie, dass sie Coulson im Fall Skye und dem Tempel, nicht aufgehalten hat. Da hilft auch sein ausgiebiger Entschuldigungsversuch nicht weiter.
Die Vision

Raina versucht Gordon zu warnen, er scheint allerdings der Einzige zu sein, der ihren Worten bedingungslos glaubt, während Famile Johnson (aka Jiaying, Cal und Skye) durch ihre Erfahrungen mit ihr vorsichtig sind. Diesmal behauptet sie zu sehen, dass S.H.I.E.L.D. kommt, Afterlife brennen wird und es nicht Jiaying sein sollte, welche die Verhandlungen führt, sondern eher sie selbst. Die Anführerin lässt als Vorsichtsmaßnahme einige der Kristalle einpacken, die die normal aussehenden Menschen verwandeln können, wenn sie das Potential in sich tragen.
Simmons fühlt sich indes schlecht, weil sie die Chance nicht nutzen konnte, Ward (Brett Dalton) aus dem Verkehr zu ziehen. Sie erhält moralische Unterstützung von Fitz (Iain De Caestecker), der selbst gerne Genugtuung erhalten würde. Simmons geht allerdings weiter und glaubt, dass sie verantwortlich für seine nächsten Schandtaten sein wird. Mack verlässt S.H.I.E.L.D. nach 13 Jahren derweil aus eigenen Stücken und will sich auch nicht verlegen lassen. Coulson findet es schade, dass er sich so entschieden hat, macht seine Begründung (die gleiche, die er schon seit einer halben Staffel vorträgt) aber noch einmal deutlich.
Let's get those Quinjets in the air
Cal fungiert ein weiteres Mal als Berater für Jiaying und zeigt sich dabei überraschend fair, auch wenn er es nicht unterlassen kann, einen alten Tisch zu zerstören. Er kann die Agenten - allen voran natürlich Coulson - nicht besonders gut leiden, doch Daisy/Skye gegenüber waren sie immer vorbildlich. Jiaying fragt sich, wie sie einen Konflikt vermeiden kann, wobei Cal sich als Geste des guten Willens als Gefangener anbietet. Raina wird nach der Unterhaltung zunächst festgehalten, um den Schaden zu minimieren. Doch was ist, wenn sie Recht hat?
Skye legt bei ihrer Mutter erwartungsgemäß gute Worte für Coulson ein, denn er ist so etwas wie Familie für sie. Doch überraschenderweise taucht Gonzales auf, zeigt zunächst auch sein Verhandlungsgeschick und lässt seinen Charme spielen.
Skye freut sich derweil, dass sie doch noch die Gelegenheit genutzt hat, um ihren Vater kennenzulernen, der in manchen Belangen einfach nur missverstanden wurde. Das Foreshadowing in dieser Episode ist, wenn man sie komplett gesehen hat, sehr eindeutig. Denn im Gespräch zwischen Skye und May sagt Cavallry, dass sie für Skye hofft, dass ihre Mutter genau das ist, was sie sich erhofft hatte. Hier sieht es aber so aus, als ob sie sich zu früh gefreut hätte.
Gonzales versucht die Gemeinsamkeiten der beiden herauszustellen: Die Wunden und Narben, die Hydra verursacht hat, sind bei beiden sichtbar (im Gesicht und durch den Gehstock). Als Geschenk bringt er ihr die Kette mit, die Whitehall ihr gestohlen hatte und die eigentlich Skye vor bösen Geistern beschützen sollte. Doch bekanntlich hat Whitehall ihr die Organe entnommen und aufs Übelste an ihr experimentiert. Gonzales Vorschlag: S.H.I.E.L.D. möchte ihr Volk kennenlernen und sie katalogisieren/registrieren (Civil War, ich hör dich trapsen!), um sie zu beschützen, sollte ihnen irgendwer Böses wollen. Das ist für Jiaying eine unakzeptable Provokation, die dazu führt, dass sie ihr Geschenk hervorholt: einen modifizierten Kristall, der für Inhumans ungefährlich, aber für Menschen tödlich ist. In diesem Fall bedeutet dies das Lebensende von Gonzales und den Heel-Turn (Wechsel von Gut zu Böse) von Jiaying, die sich anschließend für alle hörbar in die Schulter schießt und den Menschen den Krieg erklärt.
Man kann verstehen, dass die Inhumans, die wegen der Bedrohung durch die Kree wahrscheinlich ohnehin stets gefährlich leben, Interesse an der Erhaltung der eigenen Rasse haben. Dass sie dabei nun aber zu solchen Mitteln greift, ist allerdings sehr schade, auch wenn sie mehr durchgemacht hat als Gonzales. Skye muss sich auf einiges gefasst machen, denn Cal hat sich auch einige Ampullen seines Mittels verpasst, als er sich ins S.H.I.E.L.D.-Gewahrsam begeben hat. Sicherlich will er die offene Rechnung mit Coulson klären. Werden beide Elternteile Skye also demnächst dermaßen enttäuschen? Arme Skye...
Damn you, Ward!
Bobbi wird derweil auf eine Mission geschickt, bei der sie glaubt, dass May sie begleitet. Dabei sprechen sie über die Gelegenheit S.H.I.E.L.D. der Liebe wegen zu verlassen. Bobbi hatte erst kürzlich das Angebot von Hunter mit ihm durchzubrennen und neu anzufangen, was sie jedoch ablehnte. May entpuppt sich jedoch als Kara, die das Flugzeug umleitet und dort zunächst die Oberhand im Kampf gewinnen kann, nur um dann von Ward mit dem Icer außer Gefecht gesetzt zu werden. Die beiden Lover sind also wiedervereint und die Leidtragende ist Bobbi, die aber für ihren geheimen Plan wohl noch gebraucht wird. Auch wenn sie mit ein paar weiteren Betäubungsschüssen dafür sorgen, dass sie vorerst nicht aufwacht.
Durch die vorbereitende Szene, dass Kara nicht mehr unter Hydra-Gehirnwäsche steht, wird verdeutlicht, dass sie aus freien Stücken handelt und Ward wohl tatsächlich liebt. Bei diesen beiden weiß man ja nicht so recht, was man zu erwarten hat.
Fazit

Scars bereitet nahezu perfekt das zweite Staffelfinale der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. vor, verarbeitet gleich auf mehreren Ebenen die Ereignisse aus „The Avengers 2: Age of Ultron“ (Helicarrier, Gespräche über Ultron, etc.) und überrascht so kurz vor dem zweiteiligen Finale noch mit einigen Wendungen, die man wohl so nicht auf dem Schirm hatte. Man weiß erneut nicht, wem man hier mehr als einen Meter weit über den Weg trauen kann, was das Finale überraschend gestalten könnte.
So tauschen Raina und Jiaying beinahe komplett ihre Positionen, während es bei Cal zumindest Andeutungen dazu gibt, die sich noch bewahrheiten müssen. Auch Ward kommt wieder ins Spiel und könnte das Zünglein an der Waage spielen beim Krieg zwischen S.H.I.E.L.D. und den Inhumans - oder einfach wieder sein eigenes Ding durchziehen. Denn warum genau Bobbi sein Ziel ist, dazu habe ich mal so gar keine Idee.
Verabschieden muss man sich von Gonzales, der zu viel Kontrolle wollte, und Mack (wobei bei ihm nicht das letzte Wort gesprochen ist). Wirklich erstaunlich ist es, zu welchen rabiaten Mitteln das vernarbte Gesicht der Inhumans greift und dabei auch vor Lug und Trug nicht zurückschreckt. Schade, dass es bald wieder vorbei ist.
Videopromo zum Staffelfinale S.O.S. Part One
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 6. Mai 2015Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x20 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x20)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x20
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