Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x03

Endlich! Nachdem die Macher der Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. die Zuschauer in den ersten zwei Episoden dieser zweiten Staffel im Fall von FitzSimmons ordentlich emotional manipuliert haben, kommt in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. nun der wahre Grund heraus, warum Simmons (Elizabeth Henstridge) eine Pause vom Team eingelegt hat.
Hydras Hirnwaschsalon
Die Hirnwäsche durch Hydra spielt in dieser Episode eine große Rolle. Agent 33 (Maya Stojan) versucht sich zwar der Manipulation im Stil von „Uhrwerk Orange“ zu erwehren, doch die Hydra-Bosse rund um Daniel Whitehall (Reed Diamond) und Sunil Bakshi (Simon Kassianides) bleiben standhaft und versuchen es weiter. Wie sich im weiteren Verlauf der Episode herausstellt, ist diese Methode der „Verbündetengewinnung “ wirklich sehr effizient, wenn sie einmal funktioniert.
Wo ist Simmons und was macht sie da?
Mit einer schönen Musikmontage sehen wir, was Simmons inzwischen macht. Sie arbeitet tatsächlich bei Hydra, auch wenn sehr bald aufgelöst wird, dass sie es nicht aus Überzeugung tut, sondern alles zu einem (hoffentlich) gut überlegten Plan von Director Coulson (Clark Gregg) gehört. Sie ist also undercover im Lager des Feinds und tut nun in etwa das, was Ward (Brett Dalton) bei S.H.I.E.L.D. gemacht hatte: einschleusen, beobachten und Informationen sammeln.
Außerdem kann sie dort forschen und so schnell ihren Wert beweisen. Es ist eine interessante Wahl, dass ausgerechnet diejenige direkt an der Quelle ermitteln soll, die gemeinhin als schlechteste Lügnerin und Schauspielerin im Team gilt, was auch Skye kritisch anmerkt. Dennoch gelingt es ihr bei der Mission rund um Donald Gill (Dylan Minette), ihre Tarnung aufrechtzuerhalten und ihre Bosse von ihren Qualitäten zu überzeugen. Auch wenn das bedeutet, Hypnosetrigger auszulösen, damit er auf die Seite von Hydra wechselt.
Eigentlich hat das junge, ehemalige S.H.I.E.L.D.-Wunderkind nämlich keine Lust, zum Spielball von Hydra zu werden und droht, alle zu vereisen, die versuchen, ihm zu nahe zu kommen. Da er Simmons aber noch kennt, lässt er sich von ihr einlullen.
Skye an ihren moralischen Grenzen
Skye übt in dieser Episode das Schießen - sie kann in Situationen ohne Druck das Ziel hervorragend treffen, ohne dass ihr Puls ansteigt. In der Missionssituation wurde das aber bisher noch nicht geprüft. Allerdings ist sie es später, die Gill per Scharfschützengewehr bei der anschließenden Mission in Marokko abknallt und ihn leblos (?) in den Ozean driften lässt. Immerhin gerät der Junge, der mit Kältekräften ausgestattet ist, so nicht in die Klauen des Feindes. Doch der potentielle Mord macht Skye moralisch zu schaffen. Allerdings ergeben ihre Recherchen, dass noch kein Körper gefunden wurde, was uns wohl mitteilen soll, dass das sicherlich nicht sein letzter Auftritt gewesen sein wird.
Apropos moralisch fragwürdig: In dieser Episode trifft Skye gleich mehrfach auf Ward. Wieder einmal soll er etwas zu den Hydra-Protokollen verraten und wieder einmal ist er Skye gegenüber aufrichtig. Bemerkenswert ist Wards Aussage, dass er nicht etwa Hydra gegenüber loyal, sondern eher Gareth (Bill Paxton) als Person verpflichtet war. Ob man das einem Verräter nun glaubt oder nicht, sei dahingestellt. Dennoch stellt er sich nach außen hin so dar, dass er um Buße bemüht ist.
Im zweiten - und deutlich interessanten Dialog zwischen Skye und ihm - gelingt es Ward tatsächlich, etwas loszuwerden, was er zuletzt schon sagen wollte. Er weiht sie darüber ein, dass ihr Vater am Leben ist und nach ihr sucht. Blieb Skyes Blutdruck zuvor auf einem konstanten Pegel, bringt das ihren Pulsmesser nun zum Anschlag. Mit dieser Offenbarung hat sie ganz sicher nicht gerechnet. Allerdings hat sie momentan keine wirklich Veranlassung, Wards Worte infrage zu stellen, da er zuletzt stets die Wahrheit gesagt hat. Auch verneint er, dass er selbst einer Gehirnwäsche unterzogen wurde. Vielmehr hat er alles, was er bisher getan hat, aus freien Stücken gemacht.
Fitz vs. Ward

Bleiben wir bei Ward, wechseln aber seinen Gesprächspartner. Das Team macht nämlich ein Geheimnis daraus, wer der asset ist, von dem Skye spricht, als man beschließt, Gill zu suchen, bevor Hydra ihn findet. Doch Fitz (Iain De Caestecker) kann schnell kombinieren, dass es sich um Ward handeln muss und schleicht sich in dessen Gefängnisverlies, da Ward Schuld an seinem Zustand ist und an der Tatsache, dass Fitz aktuell nicht mehr mit auf die Missionen genommen wird. Dort angekommen kann Caestecker einen schönen emotionalen Moment darstellen, als er seinen Peiniger konfrontiert. Der Moment der Machtlosigkeit und der Hyperventilation schlägt nach einem kurzen Austausch um in einen Moment der Rache und der Vergeltung.
Wards Legitimationsversuche, die nicht mehr als eine halbgare Entschuldigung („Ich habe dir eine Chance zum Kämpfen gegeben.“) sind, führen dazu, dass der hochintelligente Fitz ihm den Sauerstoff abdreht und ihm so seine eigenen Mittel vorführt. Natürlich verschont Fitz ihn. Doch die kurze Genugtuung tut gut und Ward sieht ein, was seine Aktion bei ihm bewirkt hat, denn Fitz stottert dabei vor sich hin. Allerdings hat diese Konfrontation auch etwas Gutes: Sie gibt Fitz den entscheidenden Hinweis zur Gehirnwäsche, die Hydra benutzt. Das jüngste Opfer: Donnie Gill, der per Codephrase reaktiviert wird.
Simmons Cover in Gefahr
Simmons lässt sich bei ihrer Konfrontation mit Donnie zum Instrument und Sprachrohr von Bakshi machen und, da Coulsons Team bald das vereiste Schiff erreicht, droht kurzzeitig auch ihre Mission mehrfach aufzufliegen. Hunter hat sie etwa kurz im Visier, was nur durch Mays (Ming-Na) beherzten Schuss, der gleichzeitig eine Retourkutsche für die letzte Episode ist, verhindert wird. May gehört bekanntlich zu Coulsons engstem Kreis.
Der bereits angesprochene Schuss von Skye beendet dann Gills frostigen Auftritt. Zumindest sind Hunter und May nun also quitt. Vorerst. Im Endeffekt bleibt das Cover jedoch erhalten, auch wenn nun weitere Teammitglieder wissen, dass Simmons in Coulsons Auftrag handelt (köstlich hier etwa Skyes Reaktion). Gleichzeitig steigt der Druck: Simmons wird wegen ihrer erfolgreichen Arbeit von Bakshi befördert, gerät nun aber in unmittelbare Gefahr, wenn sie sich daneben benehmen sollte.
Wie Ward nämlich gegenüber Skye verrät, gibt es bei Hydra nur zwei Wege: Zusammenarbeit oder Ausschaltung. Ob Coulson weiß, in welche Gefahr er Gemma Simmons geschickt hat? Am Ende der Episode gelingt es den Hydra-Kommandanten Whitehall und Bakshi außerdem tatsächlich, Agent 33 zu knacken, die nun ihrerseits „Happy to comply“ ist, also jeden Wunsch erfüllt, der ausgesprochen wird.
Coulson und Fitz
Der Director spielt gegenüber Fitz endlich mit offenen Karten - beziehungsweise fast. Er weiht ihn darüber ein, dass Simmons gegangen ist, weil sie einen speziellen Geheimauftrag für ihn verfolgt. Was genau das ist, lässt er allerdings offen. Gleichzeitig spricht er mit ihm über Ward, dessen Anblick er auch nicht erträgt, der für ihn aber ein notwendiges Übel darstellt, weil sein Team zu wenige Informationen über Hydra hat. Dem armen Fitz wird kaum eine Verschnaufpause gegönnt: körperliches Trauma, seelisches Trauma durch den Abgang von Simmons und nun die Mischung aus beidem, als er Ward von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht. Immerhin wird wieder deutlich, dass Mac (Henry Simmons), der nach wie vor mehr zu tun braucht, ihm im Ernstfall mit Rat und Tat zur Seite steht. Im Moment wirkt Mac wie ein glorifizierter Hausmeister. Aber seine Einzelepisode kommt sicherlich noch.
Blizzard in the Skye
Über Donald Gill aka Blizzard als Gegner der Woche wurde hier deswegen so wenig geschrieben, weil dieser Aspekt wahrscheinlich nur bedingt interessant ist. Der Kräfteeinsatz ist nett, die Effekte zweckmäßig. Ich frage mich allerdings, warum die Versteinerungseffekte bei ihm und dem Absorbing Man fast austauschbar aussehen. Etwas mehr Abwechslung wäre nicht verkehrt. Der Konflikt, in den Gill reingezogen wird, ist Mittel zum Zweck, um noch einmal die Unterschiede zwischen Hydra und S.H.I.E.L.D. zu unterstreichen. Allerdings mit einer ironischen Verkehrung: Es ist Hydra, die Gill retten und nutzen will, und S.H.I.E.L.D. sind die, die den Abzug drücken.
Klar macht sich Skye das zum Vorwurf, das ändert aber nichts am Ablauf der Geschichte. Allerdings problematisiert es die Figur Skye, die nun auch vor vielerlei Hürden gestellt wird: Sie muss sich als Agentin beweisen, die nicht zur Academy gegangen ist, was Mac und Hunter leicht stutzig macht. Sie ist außerdem im Feld wenig erprobt und in Ernstfällen wenig zureichend vorbereitet, vor allem emotional. Und mit ihren Gefühlen wird auf mehreren Ebenen gespielt. Der Mann, für den sie durchaus Gefühle hegte, manipuliert sie und gibt Informationen, nach denen sie eine lange Zeit gesucht hat, einfach mal so raus. Da wird das neue Selbstvertrauen in sich schnell in die Grundfesten erschüttert.
Fazit

Die Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. fällt im Vergleich zu den ersten beiden Episoden leicht ab. Es war anzunehmen, dass hinter Simmons' Abwesenheit mehr steckt, als man zunächst annimmt - und die Lage, in die sie gebracht wird, bringt viel Geschichtenpotential mit sich.
Weiterhin ist die Figurenentwicklung für mich positiv zu bewerten und der derzeit spannendste Aspekt der Serie. Obwohl man langsam, aber sicher doch etwas mehr erfahren will oder zumindest möchte, dass gewisse Treffen eingeleitet werden. Doch eigentlich sind wir noch am Anfang der langen Staffelreise und vielleicht ist ein langsamer Aufbau im Endeffekt doch befriedigender, als wenn die ganze Zeit mit voller Geschwindigkeit gearbeitet wird.
Immerhin wirkt das Team nun nicht mehr gänzlich unbesiegbar, wie es lange Zeit in der ersten Staffel der Fall war. Im Gegenteil: Jedes einzelne Mitglied muss immer wieder Rückschläge hinnehmen, aus denen es zu lernen gilt.
Videotrailer zur Episode Face My Enemy (2x04):
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 8. Oktober 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x03 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x03)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x03
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