Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x04

© zenenfoto aus der Episode âFace My Enemyâ der US-Serie âMarvel's Agents of S.H.I.E.L.D.â / (c) ABC
Bisher habe ich an dieser Stelle bemÀngelt, dass von allen Figuren in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. vor allem May bisher in der zweiten Staffel zu kurz gekommen ist. Das Àndert sich schlagartig mit der Folge Face My Enemy, wo sie nicht nur im Mittelpunkt steht, sondern auch Seiten von ihr prÀsentiert werden, die wir so nicht kennen.
(Anzeige)Alienschrift auf dem uralten GemÀlde
Das Objekt der Woche ist ein uraltes GemĂ€lde, das in Miami gefunden wird und zu einer Versammlung von Geistlichen fĂŒhrt. Es ist nicht nur besonders, weil es mehr als 500 Jahre auf dem Buckel hat, sondern auch, weil sich auf der RĂŒckseite die immer wieder auftauchende unbekannte Schrift befindet, die sowohl Coulson (Clark Gregg) als auch Gareth (Bill Paxton) schon in diverse OberflĂ€chen geschnitzt haben und die Coulsons Crew noch immer RĂ€tsel aufgibt. Die Beschaffung des GemĂ€ldes ist Chefsache: Coulson und seine Vertraute May (Ming-Na) nehmen den Job persönlich an und geben sich dafĂŒr als Paar aus, um am âRebuild Santa Mariaâ-Event teilzunehmen.
AmĂŒsant ist dabei, wie sehr May aus ihrer normalen Rolle als ernste Agentin weniger Worte herausgerissen wird, plötzlich ein schickes Kleid trĂ€gt, ĂŒberhaupt einmal lacht und sich benimmt, wie ein ânormalerâ Mensch es auf so einer gesellschaftlichen Veranstaltung tut. Nicht nur Skye (Chloe Bennet) ist geschockt, als sie diese merkwĂŒrdigen GerĂ€usche aus Mays Mund vernimmt, die wie ein Lachen klingen. Ebenso wunderbar ist ihr Spruch, dass sie May noch nie so viel hat reden hören wie bei dieser Veranstaltung.
Da Coulson und May nicht nur Interesse an Kunst haben, sondern auch den Geisteszustand des S.H.I.E.L.D.-Direktors besprechen mĂŒssen, schalten sie dort die Kommunikation mit dem Rest des Teams, das im Bus unterwegs ist, ab. Weiterhin steht die Frage im Raum, was May im Ernstfall mit Coulson machen soll. Beide machen sich Sorgen, weil Coulsons Symptome offenbar schlimmer werden. Das sehen wir zwar nicht, aber Coulson gibt das May gegenĂŒber zu Protokoll. Wahrscheinlich wĂŒrde hier helfen, wenn man das als Zuschauer nicht nur gesagt, sondern auch gezeigt bekommt.
Insgesamt sind die Szenen bei der Gala sehr unterhaltsam gestaltet. Die kleine Tanzeinlage, bei der die Sicherheitsbegebenheiten des Raums analysiert werden, bringt einem ein LĂ€cheln ins Gesicht und der dazugehörige Dialog rund um Mays Tanzkurs in der S.H.I.E.L.D.-Academy macht einfach SpaĂ. Genauso wie Mays Anmerkungen zum Thema „flache Schuhe“ und die Schmerzen im Gesicht, nachdem sie das Lachen vortĂ€uscht.
Ansonsten spielen die Autoren wieder geschickt mit den Erwartungen der Zuschauer. Auch Talbot (Adrian Pasdar) ist nĂ€mlich auf der Veranstaltung zugegen, benimmt sich jedoch von Beginn an auffĂ€llig. Statt den Konflikt mit Coulson zu suchen, lĂ€sst er ihn gewĂ€hren und trinkt lieber einen Drink zu viel. Könnte man zunĂ€chst annehmen, dass er und Hydra gemeinsame Sache machen, ist die ErklĂ€rung doch etwas komplexer. Der Talbot, dem Coulson begegnet, ist ein getarnter Bakshi (Simon Kassianides), der mithilfe Tarntechnologies, wie man sie aus „Mission Impossible“ kennt, die IdentitĂ€t des Generals stiehlt.
Hydra ist nÀmlich auch an der mysteriösen Schrift interessiert und der Fake-Talbot bietet die Zusammenarbeit mit Coulson an. Der S.H.I.E.L.D.-Boss erbittet aber Zeit, um das Team einzuweihen und wittert, dass etwas faul sein muss.
Wer ist wer?

May geht der Sache auf den Grund und erwischt die von Hydra einer HirnwĂ€sche unterzogene Agent 33 (Maya Stojan) dabei, wie sie in den Akten der Terrororganisation blĂ€ttert. Es kommt zum Kampf mit ihr und Bakshi/Talbot, der dazu stöĂt. May verliert, obwohl sie sich wie immer gut schlĂ€gt und so wird sie selbst Opfer eines IdentitĂ€tsdiebstahls. Der Effekt, der die Transformation von 33 zu May zeigt, ist fĂŒr NetworkverhĂ€ltnisse durchaus ordentlich und hebt sich ab von dem, was wir in den ersten drei Episoden zu sehen bekamen. Als Fake-May gelingt es 33, sich an Bord des Busses zu schummeln und dort Coulson zu ĂŒberzeugen, mit ihr zu gehen. Nebenbei bringt sie im mobilen S.H.I.E.L.D.-Flieger ein Gadget an, das sich in die Sicherheitssysteme an Bord schmuggelt und alle dort in Gefahr bringt.
Wieder am Treffpunkt angekommen braucht Coulson nicht sonderlich lange, um Fake-May zu durchschauen. ZunĂ€chst spricht er erneut mit ihr ĂŒber seine Probleme, doch, als diese ihm einige verdĂ€chtige Antworten gibt, testet er Agent 33 mit einer Einladung auf ein Kaffeedate. Da May dieses GetrĂ€nk verabscheut, fliegt sie dann auch auf. Diese Auflösung ist vielleicht etwas plump, aber dann doch effektiv, um zu beweisen, dass es mehr braucht, um Phil Coulson aufs Kreuz zu legen.
Die gesamte Episode wird durchzogen von einigen sehenswerten Kampfsequenzen, in denen oft May im Mittelpunkt steht. Ihr Kampf gegen 33 hat es in sich, auch wenn man manchmal doch sehen kann, dass hier etwas jĂŒngere Stuntfrauen am Werk sind, wenn es ganz hart zur Sache geht. Doch bei so einem DoppelgĂ€ngerkampf ist es auch Ă€uĂerst schwierig, das anders zu lösen. Gelungen ist auch der Fast-Finishing-Move, als May ihre Gegnerin wuchtig mit dem Kopf gegen den Tisch stöĂt.
Dass Ming-Na mit ihren 50 Jahren allerdings so gut in Schuss ist, muss an dieser Stelle einfach positiv hervorgehoben werden. Das gilt nicht nur fĂŒr das fantastische Kleid, das sie auftrĂ€gt, sondern natĂŒrlich besonders fĂŒr die Actionszenen. Endlich darf ihre Figur auch einmal im Scheinwerferlicht stehen und neue Facetten prĂ€sentieren. Beispielsweise ihren weichen Kern, als sie am Ende der Episode als exit strategy fĂŒr Coulson vorschlĂ€gt, ihn ins australische Outback zu schicken. Die Geste findet Coulson zwar nett, er selbst aber möchte, dass sie bereit ist, harte Entscheidungen zu treffen, sollte er jemals drohen, so abzudriften wie Gareth. Hier wird wahrscheinlich wieder ein Grundstein fĂŒr eine spĂ€tere Auflösung gelegt. Man kann sich kaum vorstellen, dass er erneut stirbt, also mĂŒssen sich die Autoren eine entsprechend kreative Lösung einfallen lassen. Man darf gespannt sein.
Das GemĂ€lde, um das es vordergrĂŒndig geht, ist tatsĂ€chlich ĂŒber 500 Jahre alt, aber die Einkerbungen an der RĂŒckseite sind neu. Sie mĂŒssen also von einer dritten (oder vierten) Person stammen, die Ă€hnlich wie Coulson und Gareth ist. Ob es sich dabei um Rainas Auftraggeber oder jemand anderes handelt, muss sich zeigen.
Das neue Team wÀchst zusammen
WĂ€hrend Coulson und May mit dem GemĂ€lde beschĂ€ftigt sind, wĂ€chst das neue Team ĂŒber Geschichten rund um Verflossene zusammen. Hunter (Nick Blood) erzĂ€hlt von seiner Ex, mit der es im Streit auseinanderging. Gleichzeitig fragt man sich, ob die stĂ€ndigen Geschichten rund um sie auf etwas hinarbeiten. Skye hatte natĂŒrlich auch nicht den besten Riecher bewiesen, als sie sich in Ward verschossen hatte, der sich dann als mordender VerrĂ€ter herausstellte. Mac (Henry Simmons) meint, zunĂ€chst nie Probleme mit „Exen“ gehabt zu haben, hat aber einer ehemaligen Freundin zuliebe so getan, als wĂŒrde er auf Quinoa stehen.
Fitz (Iain De Caestecker) passt da zunĂ€chst gar nicht rein oder traut sich nicht, ins GesprĂ€ch einzusteigen. Er kommt mit der Gesamtsituation nicht klar und trauert immer noch Simmons (Elizabeth Henstridge) hinterher, was er etwa darin Ă€uĂert, dass er das alte Labor vermisst, obwohl man inzwischen auf eine viel modernere Version zugreifen kann. Der bereits angesprochene Angriff von Agent 33 sorgt dafĂŒr, dass Fitz wieder aus sich herauskommt und der entscheidende Faktor fĂŒr die Rettung des Fliegers ist. Diesmal hilft ihm nicht nur Mac auf die SprĂŒnge, sondern mit ihm gleich Hunter, Skye und Triplett (B. J. Britt) als Einheit. Ein wenig wirkt diese Szene so wie eine Partie âActivityâ oder âScharadeâ und ist durchaus bittersĂŒĂ.
Doch an diesem Handlungsstrang ist das Danach ohnehin am interessantesten. Fitz ist nun nĂ€mlich wieder aktiver ins Team integriert oder scheint es zumindest zu sein. Hunter bietet ihm ein Bier und ein offenes Ohr an. Dabei kommt Pikantes zum Vorschein: Fitz ist der Ăberzeugung, dass Simmons das Team verlassen hat, weil er ihr ihre GefĂŒhle gestanden hat. Zu seinen physischen und psychischen Problemen kommt nun auch noch dieser emotionale Tiefschlag dazu, den er sich aber immerhin endlich von der Seele reden kann. Auch wenn Fitz durch seine Probleme als Figur deutlich tiefgrĂŒndiger und faszinierender daherkommt, ist ihm doch ein baldiger weiterer Teilerfolg zu wĂŒnschen.
Raina vs. Whitehall
In der letzten Szene der Episode kommt es zur Konfrontation zwischen Raina (Ruth Negga) und Whitehall (Reed Diamond). Der Hydra-Boss macht ihr klar, dass sie sich nicht mit ihm anlegen sollte, betĂ€ubt sie mit einem Gadget, das ihr groĂe Schmerzen bereitet, und fordert sie auf, ihm den Obelisk innerhalb von 48 Stunden auszuhĂ€ndigen. An sich ist das eine interessante Szene, die verdeutlicht, dass Raina eigene Interessen verfolgt. Knickt sie ein? Oder teilt sie nun aus? Wird sie sich an S.H.I.E.L.D. wenden?
Leicht problematisch finde ich in den bisherigen Episoden, dass Hydra es offenbar andauernd auf Frauen als Opfer abgesehen hat. Soll die Botschaft sein, dass Frauen einfacher zu beeinflussen sind? Das wĂ€re irgendwie Ă€rgerlich. Izzie, Agent 33, May und nun Raina waren hier bisher im Fadenkreuz. Dazu gibt es im Fall von May noch die Folterimplikation durch die Elektrokabel, die aber nicht explizit gezeigt wird und damit endet, dass May damit 33 ausschalten kann. Hoffentlich ist das kein Trend und es gibt in dieser Hinsicht auch einmal etwas Gleichberechtigung. Ansonsten fĂŒhlt sich dieses erzĂ€hlerische Mittel billig und in gewisser Weise wenig kreativ an, weil es in der Popkultur so weit verbreitet ist.
Fazit

Face My Enemy ist eine weitere weitestgehend unterhaltsame Episode von Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. mit leichten AbzĂŒgen in der B-Note. Besonders gelungen ist der Fokus auf May, der sie mal anders zeigt und fĂŒr schöne humorvolle Momente sorgt. Auch Fitz macht Fortschritte und fĂŒgt sich besser ins Team ein und sorgt erneut fĂŒr die Dramatik und EmotionalitĂ€t.
Mit den Erwartungen der Zuschauer wird vor allem in Bezug auf die Allianzen gespielt. Talbot ist zwar immer noch ein Antagonist, aber er arbeitet wohl nicht mit Hydra zusammen. Raina könnte hingegen zur Zusammenarbeit mit dem groĂen Gegner gezwungen werden oder aber - wie so oft - ihr eigenes Ding durchziehen. Ich wĂŒrde mir letzteres wĂŒnschen und hoffe auf einen beeindruckenden Auftritt von Kyle MacLachlan, der das MachtgefĂŒge vielleicht noch einmal auf den Kopf stellt.
Videovorschau auf die Episode A Hen in the Wolf House der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.:
Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 15. Oktober 2014Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x04 Trailer
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x04)
Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x04
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