Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x01

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x01

Die US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. meldet sich krachend mit ihrer zweiten Staffel zurĂŒck. Die Folge Shadows könnte im Prinzip auch als Einstieg fĂŒr neue Zuschauer funktionieren. Hier ist nĂ€mlich einiges anders.

Szenenfoto aus der Episode „Shadows“ der US-Serie „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ / (c) ABC
Szenenfoto aus der Episode „Shadows“ der US-Serie „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“ / (c) ABC

Mit der Episode Shadows geht es bei der US-Serie Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. weiter und den Autoren gelingt es sehr gut, das Momentum aus der zweiten HÀlfte der ersten Staffel zumindest im Auftakt aufrechtzuerhalten. Es passiert nÀmlich einiges.

Agent Carter und die SSR

Die Episode beginnt mit einem Flashback ins Österreich des Jahres 1945, wo wir einigen Hydra-Schergen begegnen, die nach dem Tod des Red Skulls weiter an ihren Machenschaften arbeiten und einen Obelisken bergen. Agent Carter (Hayley Atwell) und die MĂ€nner vom SSR (Strategic Scientific Reserve), darunter Dum Dum Duggan (Neal McDonough), unterbrechen die Nazi-Party und unterbinden, dass weiterhin „Seriendeutsch“ gesprochen wird.

Zwar sind die Hydra-Oberen davon ĂŒberzeugt, dass ihr Geheimbund unaufhaltbar ist - frei nach dem aus den Comics bekannten Motto „Schlag einen Kopf ab und zwei neue wachsen nach“ -, dennoch feiern Carter und Co einen Teilerfolg oder glauben zumindest, dass dies die letzte offene Basis war. Sie machen sich daran, ihr Inventar einzulagern und dort zu verstecken, wo hoffentlich nie jemand rankommt. Aber als Zuschauer weiß man natĂŒrlich, dass solche Versprechen nie lange halten. Fast 70 Jahre spĂ€ter ist die Unterwanderung durch Hydra bekanntlich komplett.

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Shadows%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Marvel%26#039;s Agents of S.H.I.E.L.D.%26ldquo; © ABC
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S.H.I.E.L.D. 2.0

In der Gegenwart hat sich einiges geĂ€ndert: Skye (Chloe Bennet) wurde unter die Fittiche von May (Ming-Na) genommen und ist nun im Feld im Einsatz, was erstaunlich gut funktioniert. Gemeinsam mit Agent Triplett (B. J. Britt) beobachten sie ein GeschĂ€ft zwischen den neuen VerbĂŒndeten Isabelle „Izzy“ Hartley (Lucy Lawless), Lance Hunter (Nick Blood) und einem InformationshĂ€ndler, der ein Objekt mit Level-10-Klassifikation zum Kauf anbietet. Doch der Handel wird jĂ€h unterbrochen - von einem Mann, der sich im weiteren Verlauf der Episode als Carl „Crusher“ Creel (Brian Patrick Wade) herausstellen soll. Coulson gibt daraufhin den Befehl zum RĂŒckzug.

In der temporĂ€ren S.H.I.E.L.D.-Basis, die von einem der Koenigs (Patton Oswalt) verwaltet wird, treffen sich die alten und neuen Teammitglieder zur Lagebesprechung. Dazu gehört nun auch Alphonso „Mack“ Mackenzie (Henry Simmons), der im Fernsehen mitbekommt, dass General Talbot (Adrian Pasdar) seinen öffentlichen Feldzug gegen Hydra, die er mit S.H.I.E.L.D. in einen Topf wirft, restlos tilgen möchte.

Es wirkt so, als wĂ€re das Team, seitdem wir es zuletzt gesehen haben, stark gewachsen. Neben Izzy, Hunter, Mack, Koenig ist auch Idaho (Wilmer Calderon) nun so vertrauenswert, dass Coulson ihn nach dem Verrat Zugang gewĂ€hrt. Sehr genau lernen wir die einzelnen Figuren jedoch nicht kennen. Vielmehr wird sich auf die VerĂ€nderungen in Team Coulson konzentriert. Coulson (Clark Gregg) selbst verbringt viel Zeit im BĂŒro mit administrativen Aufgaben und dem Versuch, neue VerbĂŒndete zu rekrutieren. Das hat aber auch damit zu tun, dass May ihm zwei Regeln auferlegt hat: keine Missionen im Feld und regelmĂ€ĂŸige Checks alle paar Tage. Doch daran hat er sich schon seit zwei Wochen nicht gehalten, was May gar nicht gefĂ€llt.

Was ist mit Fitz?

Die Preisfrage ist jedoch, was mit Fitz (Iain De Caestecker) passiert ist, der durch Wards (Brett Dalton) Aktionen am Ende der DebĂŒtstaffel arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Er hat sein eigenes Wohl klar hinter das von Simmons (Elizabeth Henstridge) angestellt, als es nur einen Sauerstofftank in ihrem UnterwassergefĂ€ngnis gab. Das hat nun Auswirkungen auf seine mentale Leistung zur Folge. Ihm fallen vermeintlich einfache Worte nicht mehr ein und er ist auch handwerklich als Forscher eingerostet. Wirkt es zunĂ€chst so, als wĂŒrde Simmons seine StĂŒtze sein, stellt sich in einer „WtF“-mĂ€ĂŸigen Wendung am Ende heraus, dass Simmons das Team verlassen hat und er sie sich nur einbildet. Doch wo ist sie hin? Kann Fitz im Team bleiben oder könnte der Fakt, dass er nicht auf der Höhe ist, sich noch rĂ€chen?

Ward in Vault D

Ward wird derweil hinter Gittern des Vault D bewahrt. Coulson hĂ€lt nĂ€mlich den Hydra-VerrĂ€ter fĂŒr eine wichtige Informationsquelle. Ausgerechnet Skye muss mit ihm sprechen. Dabei wirkt Ward wie ein Hannibal Lecter oder Red Reddington, also ein Schurke mit Insiderinformationen, der aber eine eigene Agenda verfolgt und den man am besten an der kurzen Leine hĂ€lt. Ward kommt sehr unheimlich - oder wie man im Englischen sagen wĂŒrde: creepy - daher. Seine verblendete Liebe zu Skye scheint aufrichtig - oder aber er spielt seine Rolle wieder sehr gut. Jedenfalls verspricht er, ihr gegenĂŒber stets ehrlich sein zu wollen, solange er lebt.

Dazu kommt, dass er bereits mehrere Versuche unternommen hatte, sich das Leben zu nehmen. Ob mit Hemdknöpfen oder Papier, Ward suchte in seiner Gefangenschaft mehrmals den Ausweg per Freitod und Skye hĂ€tte nichts dagegen, wenn er erfolgreich wĂ€re. Dass es ein Risiko darstellt, Ward und Skye miteinander sprechen zu lassen, weiß auch Coulson, der das Ganze per Überwachungskamera verfolgen lĂ€sst und mit Sicherheitstechnik abschottet, so dass BerĂŒhrungen nicht möglich sind. Weiterhin bleibt festzuhalten, dass es auf Autorenseite eine gute Entscheidung war, Ward zur dunklen Seite zu ziehen. Fest steht auch, dass das sicherlich kein Dauerzustand bleibt.

Besonders interessant ist der Teaser, dass Ward Skye gerne mehr ĂŒber ihren Vater verraten will, Skye diesen Halbsatz aber schon gar nicht mehr hören kann, weil sie als Schutz vor seinen Manipulationen die undurchsichtige Schutzwand hochzieht. Ward wusste also die ganze Zeit Bescheid. Aber bedeutet das auch, dass die Aufnahme beendet wird? Coulson beobachtet das ganze doch? Oder weiß der neue Director, dass Ward mehr weiß?

Ward ist auch derjenige, der dem Zuschauer, der nicht mit Creel und seinen KrĂ€ften vertraut ist, die Exposition dazu gibt. Kurz: Die Eigenschaft jedes Materials, das er anfasst, kann er spĂ€ter annehmen und deswegen beispielsweise hart wie ein Diamant werden oder - als Hommage an den Comicursprung mit „Ball & Chain“ - als Stahlkugel und Kette um sich schlagen. Creel selbst wurde damals von John Garrett (Bill Paxton) zu S.H.I.E.L.D. gebracht, was Coulson dazu fĂŒhrt, ihn als Bedrohung ernst zu nehmen. Ward vermittelt ebenso die Information, dass Hydra die white noise der S.H.I.E.L.D. fĂŒr geheime Transmissionen genutzt hat, was das Team einen Schritt nĂ€her zum Ziel bringt.

Das Objekt der Woche: Obelisk

Szenenfoto aus der Episode %26bdquo;Shadows%26ldquo; der US-Serie %26bdquo;Marvel%26#039;s Agents of S.H.I.E.L.D.%26ldquo; © ABC
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Das Team sucht - und hier wird die Verbindung zum Flashback gezogen - nach dem Obelisk der Hydra-Schergen. Dabei handelt es sich um das allererste 0-8-4, also ein „Object of Unknown Origin“. Dazu entfĂŒhrt das Team Glenn Talbot, der nicht zu einer Zusammenarbeit bereit ist - und das, obwohl Coulsons Argumente eigentlich ĂŒberzeugend sind. Der General will davon nichts hören. Einen wunden Punkt trifft Coulson, als er Talbots Sohn erwĂ€hnt. Warum werden wir hoffentlich noch erfahren. Doch lieber wĂŒrde er sterben, als zu kooperieren. Ein interessantes Detail am Rande ist, dass das Team rund um Coulson schon einen ganzen Winter im Untergrund verbracht hat.

Also stehlen das Coulson-Striketeam - mit einer List und der Hilfe der BetĂ€ubungspistole - Talbots IdentitĂ€t und dessen Zugangscode. Damit schleichen sie sich in eine MilitĂ€rbasis, um nicht nur den Obelisk zu finden, denn es gibt noch ein sekundĂ€res Ziel. Isabelle Hartley findet das gesuchte Objekt und nimmt es in die Hand, was sie mit Schmerzen bezahlen soll. ZusĂ€tzlich kommt Crusher Creel hinzu. Als der Alarm losgeht, suchen die neuen Rekruten das Weite, wĂ€hrend der Teamkern das SekundĂ€rziel verfolgt. Es geht darum, einen Quinjet in ihren Besitz zu bringen, mit dem sie sich in die Schatten verziehen und unbemerkt weiterhin die Welt beschĂŒtzen können.

Durch Fitz' Zustand und Simmons' Abwesenheit drÀngt nÀmlich die Zeit und das Team muss im Verborgenen agieren können, was wiederum das Flugzeug ermöglichen kann. Das Team ist nun der absolute Underdog und muss sich wieder aufs Wesentliche konzentrieren, auch wenn das bedeutet, dass man improvisieren muss.

Die geflohenen Neuen, die in einem Auto unterwegs sind, haben ihre eigenen Probleme. Hartley glaubt, dass der Obelisk sie töten wird und bittet ihren langjĂ€hrigen Partner darum, ihren Arm abzutrennen, damit sie leben kann. Doch alsbald erscheint Creel auf der Straße und verursacht einen Unfall, der - wie es aussieht - Hartley und Idaho tötet und nur ihren Fahrer Hunter - im Wrack eingesperrt - am Leben lĂ€sst. Creel kann mit dem Obelisk verschwinden und damit Hydra einen Triumph verschaffen.

Es bleibt abzuwarten, ob der absorbing man, wie Creel in den Comics heißt, eine Ă€hnlich große Rolle spielen wird wie Deathlok alias J. August Richards in der ersten Staffel. Sein Aussehen und die Effekte dazu sehen zwar nicht immer toll aus (beispielsweise bei der Ball-and-Chain-Szene), sind an anderen Stellen aber durchaus visuell interessant (als er die Eigenschaften von Glas annimmt oder sich an der Wand tarnt). Doch im Prinzip gibt es hier enorm viel Potential zu erforschen.

Die Abschlussszene zeigt erneut den im Flashback am Episodenanfang eingefĂŒhrten Dr. Daniel Whitehall aka Herr Reinhardt (Reed Diamond), der in der Gegenwart noch nichts von seiner Jugend eingebĂŒĂŸt zu haben scheint. Wie er das geschafft hat, werden wohl die folgenden Episoden ergrĂŒnden. Jedenfalls scheint er ein Strippenzieher hinter den Aktionen von Creel zu sein.

The Writings on the Wall

Auch die Kritzeleien an der Wand werden in der Episode thematisiert. Skye versucht diese nÀmlich - bislang ohne Erfolg - zu analysieren. Was sie Triplett und somit gleichzeitig auch dem Zuschauer mitteilt, ist, dass das etwas ist, womit erneut Garrett zu tun hatte. Schlauer sind wir durch diese Information nur bedingt. Allerdings wissen wir, dass Coulson daraus kein Geheimnis macht, aber es eben selbst nicht besser zu wissen scheint. Ein weiteres offenes RÀtsel bleiben die Koenigs, die sich offenbar zu vermehren scheinen, denn laut Triplett erscheinen immer mehr Versionen davon - und das ohne zufriedenstellende ErklÀrung.

Fazit

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Der Staffelauftakt Shadows macht einiges richtig. Manches konnte bisher noch gar nicht erwĂ€hnt werden. Beispielsweise, wie Coulson versucht, Talbot mithilfe eines Stimmenmodulators nachzuahmen. Es geht in dieser Episode gefĂŒhlt etwas dĂŒsterer zu, ohne aber den lockerleichten Grundton in gewissen Momenten beizubehalten. Da wird etwa die depressive Story von Ward mit Skyes sarkastischer Bemerkung aufgeheitert oder aber die bittersĂŒĂŸe Interaktion von Fake-Simmons mit Fitz, die Hoffnung aufkeimen lĂ€sst, wird per voice-over am Episodenende wieder zerstört, als klar wird, dass Simmons nur eine Einbildung ist. DafĂŒr verstehen sich Skye und Triplett blendend und auch Koenig aka Patton Oswalt tut der Serie gut.

ZunĂ€chst wurde der Eindruck vermittelt, dass das Team schlagartig zu groß wird, doch durch das wahrscheinliche Ableben von Hartley und Idaho ist diese Sorge sicherlich unbegrĂŒndet. Diese Namen wird man sich also nicht merken mĂŒssen. Schade nur um Lawless, die man ab und an sicherlich gerne sieht.

Doch das Kernteam ist ohnehin interessanter als plötzlich eingefĂŒhrte neue Figuren. Wenn neue Figuren eingefĂŒhrt werden, dann sollten sie auch organisch vorgestellt werden, wie es mit Triplett passiert war. Wer genau „Mack“ ist, wissen wir beispielsweise (noch) nicht unbedingt. Dennoch gefĂ€llt mir der Staffelauftakt alles in allem: ein bisschen RetrorĂŒckblick, eine neue Operationsgrundlage fĂŒr das Team, eine Bedrohung, die man ernst nehmen kann und interessante charakterliche VerĂ€nderungen, die die Dynamik frisch halten. Dazu eine gute Balance aus Licht und Schatten. Bis auf May sind alle sechs Kernmitglieder des Teams verĂ€ndert aus der Konfrontation zum Staffelende hervorgegangen, was neugierig auf die weiten Folgen macht.

Trailer zur Episode „Heavy Is the Head“ (2x02) der US-Serie „Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D.“:

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 24. September 2014

Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Höhle des Löwen
Titel der Episode im Original
Shadows
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. September 2014 (ABC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Juni 2015
Autoren
Jed Whedon, Maurissa Tancharoen
Regisseur
Vincent Misiano

Schauspieler in der Episode Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. 2x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?