Mad Men 7x08

Mad Men 7x08

And so we face the final curtain... Mad Men kehrt für seine letzten sieben Episoden mit einer bisweilen kryptischen, aber gleichzeitig auch vielsagenden Episode zurück, die uns eindringlich vor Augen führt, wie bemitleidenswert einige der handelnden Charaktere in Wirklichkeit sind.

Jon Hamm als Don Draper in der „Mad Men“-Episode „Severance“ / (c) AMC
Jon Hamm als Don Draper in der „Mad Men“-Episode „Severance“ / (c) AMC

Dem Auftakt der zweiten Hälfte der siebten Staffel von Mad Men haben vor allem langjährige Fans des Dramas erwartungsfroh entgegengefiebert, um von Serienschöpfer Matt Weiner nach über sieben Jahren endlich erleuchtet zu werden, was am Ende des Weges für die Werber von der Madison Avenue um Hauptfigur Don Draper (Jon Hamm) stehen wird. Doch das letztendliche Ziel vom besagten Weg hat bekanntermaßen nie wirklich den großen Reiz von „Mad Men“ dargestellt. Der Weg selbst ist es, dem die treue Zuschauerschaft immer wieder das meiste abgewinnen konnten.

So auch in Severance, die wie so viele Episoden des Dramas gewohnt plotbefreit vor sich hindämmert, aber dennoch die altbekannte Faszination ausstrahlt, die von den verschiedenen Charakteren, deren derzeitiger Situation sowie ihrem emotionalen Befinden ausgeht. Bisweilen fühlt sich „Severance“ wie eine sehr klassische Auftaktepisode einer neuen Staffel an, in der uns ein wenig auf die Sprünge geholfen wird, um uns daran zu erinnern, wo wir unsere Figuren im Sommer letzten Jahres nach der Episode Waterloo verlassen haben. Gleichzeitig gehen Weiner und sein Autorenteam aber auch ungebremst in die Vollen und arbeiten einige der zentralen Themen der Serie ab. So wird wiederum deutlich, wie traurig und pessimistisch es um gleich mehrere Charaktere steht, die nach außen hin versuchen den Schein zu wahren, innerlich jedoch verlorener denn je sind.

Let's keep dancing

Das Lied der Episode Is That All There Is? (geschrieben von Jerry Leiber und Mike Stoller, 1969 von Peggy Lee gesungen) wird nicht umsonst zum Anfang als auch zum Ende von „Severance“ angespielt, stellt es doch exakt die Frage dar, die sich die unterschiedlichen Charaktere in „Mad Men“ auf ihrem Lebensweg stets selbst gestellt haben: Kann das wirklich alles sein? Hat das Leben nicht mehr zu bieten, als das, was ich gerade erfahre? Allen voran wird Don dieser Gedanke mehr als nur einmal durch den Kopf geschossen sein, war er doch nie wirklich in der Lage dazu, sein Glück zu finden, das ihn tatsächlich erfüllen und zufrieden stellen kann.

Jon Hamm als Don Draper in %26bdquo;Severance%26ldquo;. © AMC
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Doch in „Severance“ ist es nicht nur Don, der insbesondere am Ende der Episode realisiert, dass er nach wie vor nur eine Illusion lebt, eine Scheinvorstellung, in der er sich ein glückliches Dasein vorgaukelt, obwohl er in Wirklichkeit auf der Suche nach etwas (beziehungsweise jemanden) ist, das ihn aus dieser Misere befreien kann. Auch Peggy (Elisabeth Moss) findet sich in einem ähnlichen Dilemma wie ihr langjähriger Mentor wieder. Ebenso wie Joan (Christina Hendricks) oder auch Kenny (Aaron Staton), die unsanft auf den Boden der Tatsachen geholt werden und erkennen müssen, wie unglücklich sie doch trotz ihres materiellen Reichtums und aufgebauten Stolzes ob ihrer vergangenen Verdienste sind.

Back to work

Wir setzen im April 1970 ein, in etwa neun Monate nach den Ereignissen in „Waterloo“. Roger (John Slattery) hat es erfolgreich fertiggebracht, die Werbeagentur an die Konkurrenz von McCann Erickson zu verkaufen, jedoch gleichzeitig sicherstellen können, dass Sterling Cooper & Partners weiter als eigenständige Werbefirma arbeiten kann. Während Roger der speziellen Bartmode des neuen Jahrzehnts sowie seinen altbekannten Lastern frönt, entsteht auch bei Don der Eindruck, dass er sich wieder auf dem aufsteigenden Ast befindet.

How about a little dignity?

Er hat sich nun endgültig von Megan (Jessica Pare) getrennt und sein altes Büro in der Firma bezogen, gewohnt selbstbewusst und charmant wickelt er die Frauenwelt um seinen kleinen Finger, lässt sich auf schnelle Affären und unverbindliche Liebesbeziehungen ein. Allein die erste Szene der Episode funktioniert als eine Art Symbolbild für die Person, als die sich Don ausgibt: Eine junge, verführerische Dame macht leicht bekleidet von einem Pelzmantel bedeckt unserem Protagonisten schöne Augen. Wo wir uns gerade befinden, ob vielleicht in einem Hotelzimmer oder Dons Apartment, ist zunächst nicht klar erkennbar. Unmissverständlich ist nur, dass Don in sein altes Muster verfällt und dieser Augenblick der Beginn einer heißen Liebesnacht mit einer flüchtigen Bekanntschaft sein könnte, die gerade einmal halb so alt wie Don ist.

Erst ein cleverer Schnitt offenbart uns dann, dass wir uns in den Räumlichkeiten von SC&P befinden, wo ein Casting für eine neue Werbekampagne abgehalten wird. Don hat seine einzigartige Magie wieder, jedoch wird keine Zeit verschwendet, um der Figur sofort wieder ihren neuen alten Zauber zu rauben. Am vielsagendsten ist hier wohl der Blick auf das kalte, leere Apartment, zu dem Don nach einer feuchtfröhlichen Feierei mit Roger alleine zurückkehrt. Man empfindet hier schon Mitleid für Don, der weiterhin eine Lüge lebt und im Laufe der Episode erst noch erkennen wird, wie miserabel es ihm wirklich geht.

Just a job

Der Groschen fällt in dieser Hinsicht zum einen etwas überraschend für Ken Cosgrove, der über die Jahre immer wieder kleine Glanzmomente zugeschustert bekam, für die meiste Zeit jedoch als klassische Nebenfigur im Hintergrund stand. Kenny ist zweifellos ein hart arbeitender Angestellter, der sich müßig hochgearbeitet hat und dafür so manchen Preis zahlen musste - unter anderem körperlich. Da nun sein Schwiegervater (ein gerngesehener Gastdarsteller: Ray Wise) in den Ruhestand geht, kommen bei Kenny neuerliche Überlegungen auf, ob er überhaupt zufrieden mit seiner Tätigkeit ist oder ob er nicht doch lieber dem öden Leben als Kundenbetreuer in einer Werbeagentur den Rücken kehren möchte, um wieder zu Stift und Papier zu greifen und als Autor seinen Traum zu leben.

Aaron Staton als Ken Cosgrove in %26bdquo;Severance%26ldquo;. © AMC
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The life not lived

Dass er nun gefeuert werden soll, da einer der leitenden Köpfe von McCann Erickson aufgrund seiner Vergangenheit mit ihm ein persönliches Problem mit Kenny hat, scheint eine Art Zeichen für ihn zu sein. Im Gespräch mit Don berichtet er diesem von den neuen Chancen, die sich ihm jetzt auftun: Vielleicht kann er nun endlich das Leben leben, dass er sich immer erhofft hatte und das ihm die persönliche Erfüllung geben kann, die seine bisherige Tätigkeit nicht zu bieten hatte. Zwar wird er sich letzten Endes nicht als Schriftsteller probieren, jedoch einer neuen Berufung hingeben, mit der er sich identifizieren kann und die ihm mit Stolz erfüllt. In einer amüsanten kleinen Szene verschafft sich Kenny Genugtuung, als er Roger und Pete (Vincent Kartheiser) (der immer mehr Konkurrent als Kollege war) mitteilt, er würde nun die Seiten wechseln und eine hochrangige Position im Unternehmen seines Schwiegervaters übernehmen, wodurch er nun Kunde von SC&P sei - ein Kunde, den man nur schwer zufriedenstellen kann.

Kenny gelingt es, seinem ewigen Trott zu entkommen, während Don gleichzeitig an all seine verpassten Möglichkeiten erinnert wird, die sein Leben in andere Bahnen hätten lenken können. Neben Kennys Selbstfindung wird Don darüber hinaus von der Erscheinung seiner alten Liebe Rachel Katz (Maggie Siff) heimgesucht, die womöglich einer der vielen Auswege für ihn dargestellt hatte, seinem deprimierenden Dasein zu entrinnen. Doch das erneute Treffen mit ihr bei einem Casting ist nur eine Traumvorstellung, denn wie sich später herausstellt, ist Rachel an Leukämie verstorben, was Don etwas aus der Fassung wirft.

Until we meet again

Man kann der Mimik Hamms die Überlegungen sowie die Irritation Don Drapers deutlich ansehen, seine Gedanken daran, was alles hätte anders sein können, wäre aus seiner Beziehung zur Rachel, mit der er ein ähnliches Schicksal teilte (der frühe Tod der Mutter), mehr geworden. Nun holen ihn diese Gedankenspiele an ein vielleicht einfacheres, aber schöneres Leben ein, was sich auch in dem Handlungsstrang um ihn und die Bedienung eines Diners darstellt, mit der er aus nicht genaueren Gründen plötzlich anbandelt. Was sieht Don in ihr? Vielleicht einen verlockenden Kontrast zu seinem wilden, unbeständigen Leben mit zig Frauen und zwei gescheiterten Ehen?

Ist es nicht bezeichnend, wie er am Ende der Episode gedankenverloren und einsam in dem Diner sitzt, wo er am Anfang der Folge noch mit Roger und drei jungen Frauen im feinen Zwirn in aller Lässigkeit einen alten Schwank aus seinem Leben erzählt hatte? Das war jedoch nicht Don Draper, sondern nur eine Fassade. Der echte Don Draper sitzt nun im einfachen Anzug allein am Tresen, ratlos, was eigentlich das Lebenswerte an seinem Leben ist, das sich am Ende des Tages so leer und unerfüllt anfühlt.

Signs

Wie bereits erwähnt ist Don Draper aber nicht die einzige Figur, die zu dieser ernüchternden Erkenntnis kommt, selbst wenn er in Severance deutlich im Fokus der Handlung steht. So muss zum Beispiel auch Joan leidvoll erfahren, dass sie weiterhin auf ihre äußere Erscheinung reduziert wird und sich ihr Leben nicht wirklich zum Besseren verändert hat, auch wenn sie nun eine gemachte Partnerin der Firma ist. Im Gegensatz zu Don flüchtet sie sich doch in ihren neuen Reichtum, mit dem sie ihre Wunden heilen will. Ähnlich wie Don wird sie wohl aber auch erkennen müssen, dass kostspielige Besitztümer kein erfülltes Leben nach sich ziehen werden.

Christina Hendricks und Elisabeth Moss als Joan Harris und Peggy Olson in %26bdquo;Severance%26ldquo;. © AMC
Christina Hendricks und Elisabeth Moss als Joan Harris und Peggy Olson in %26bdquo;Severance%26ldquo;. © AMC

Always another hurdle

Peggy kauft sich derweil zwar keine extravaganten Kleider, sucht sich aber ein anderes Ventil, um der Festgefahrenheit ihres Daseins zumindest ein wenig zu entkommen. Peggy war stets ein Arbeitstier, wenn die erste Hälfte der siebten Staffel uns jedoch eines gelehrt hat (so zu sehen in Time Zones, als sie verzweifelt in Tränen ausbricht), dann, dass sie auch unglaublich einsam ist und eine gänzlich andere Vorstellung von ihrem Leben hatte. Der gesellige Abend mit dem Schwager von Arbeitskollegen Mathis (Trevor Einhorn) stellt genau das dar, was Peggy verzweifelt sucht: Zweisamkeit, jemand der sie liebt und zu dem es sich lohnt, nach einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause zurückzukehren. Doch auch sie scheint in ihrem Leben gefangen und ich bezweifle stark, dass dieser „Fluchtversuch“ von Erfolg gekrönt sein wird, wie ja bereits im Gespräch mit Stan (Jay R. Ferguson) angedeutet wird, als Peggy den Abend herunterspielt, wobei sie doch offensichtlich eine ganze Menge Spaß daran hatte.

Es ist letztlich eine gute Entscheidung der Macher, neben Don auch Peggy und Joan als komplexe, tragische Charaktere Handlungszeit einzuräumen und prominent in Erscheinung treten zu lassen. Beide haben einen langen Weg hinter sich gebracht und sich dabei mehr als nur einmal gegenseitig unterstützt. Dass sie nun nach dem Meeting mit ein paar unflätigen Chauvinisten ein wenig aneinandergeraten, zeigt vor allem, wie frustriert die beiden aufgrund der Tatsache sind, dass sie trotz ihrer Verdienste immer noch nicht ernst genommen werden. Auf den ersten Blick haben sich ihre Leben im Vergleich zu früher grundlegend verändert. In Wahrheit stecken sie aber wie Hauptfigur Don Draper in einem unbefriedigenden Teufelskreis fest, aus dem sie nur schwer einen Ausweg finden können. Oder vielleicht doch? Die letzten Episoden der finalen Staffel von Mad Men werden es uns zeigen.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 6. April 2015

Mad Men 7x08 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 8
(Mad Men 7x08)
Deutscher Titel der Episode
Enttäuschung
Titel der Episode im Original
Severance
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 5. April 2015 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 6. April 2015
Autor
Matthew Weiner
Regisseur
Scott Hornbacher

Schauspieler in der Episode Mad Men 7x08

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