Mad Men 7x04

Mad Men 7x04

Mad Men befindet sich in der siebten Staffel weiter auf dem Pfad zurück zu alter Stärke. In Monolith verknüpfen die Autoren meisterlich die gesellschaftlichen Veränderungen der ausgehenden Sechziger mit popkulturellen Elementen und der Arbeitsrealität der Protagonisten.

Stan Rizzo (Jay R. Ferguson), Peggy Olson (Elisabeth Moss) und Michael Ginsberg (Ben Feldman) sind skeptisch. / (c) AMC
Stan Rizzo (Jay R. Ferguson), Peggy Olson (Elisabeth Moss) und Michael Ginsberg (Ben Feldman) sind skeptisch. / (c) AMC

In der sechsten Staffel konzentrierte sich Mad Men voll und ganz auf die politischen Umwälzungen im Amerika des Jahres 1968. Vielleicht lag es daran, dass die Serie etwas von ihrem melancholisch-leichten Schwung verloren hatte. In der neuen Staffel liegt der Fokus nun wieder auf gesellschaftlichen Umwälzungen und vor allem auf der neuen Arbeitsplatzrealität der einzelnen Charaktere. Hinzu kommen viele - mehr oder weniger subtil eingestreute - popkulturelle Referenzen, die die Serie in den früheren Jahren so charmant und sehenswert gemacht hatten.

Zurück zu alter Stärke

1969 war ein ereignisreiches Jahr für die amerikanische Popkultur. Die Hippies feierten Woodstock, Stanley Kubricks Film aus dem Jahr zuvor - „2001: Odyssee im Weltraum“ - entfaltete seine Wirkung als düsteres Zukunftsorakel, die New York Mets gewannen völlig überraschend die World Series (die Endspielserie um die amerikanische Baseballmeisterschaft) und Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. All diese Ereignisse werden in Monolith verarbeitet beziehungsweise werfen ihre Schatten voraus. Verpackt sind diese Anspielungen in der gewohnt meisterlichen Verquickung mit der Lebensrealität der Protagonisten.

Zu Beginn treffen Pete Campbell (Vincent Kartheiser) und seine neue Freundin Bonnie (Jessy Schram) in Los Angeles auf George Payton. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zusammenarbeit für die Werbekampagne von Vick's. Petes Schwiegervater Tom Vogel hatte die Kooperation seitens Vick's geleitet und diese aufgekündigt, nachdem es mit seinem Schwiegersohn zum Streit gekommen war. Nun erfährt Pete, dass Tom einen Herzinfarkt erlitten habe, es ihm aber trotzdem gut gehe. Für einen kurzen Moment kam bei mir die Hoffnung auf, wir würden Petes Nochehefrau Trudy (Alison Brie) in dieser Episode wiedersehen - dem ist leider nicht so.

Weil Payton gute Erinnerungen an die Arbeit mit Pete hat, stellt er ihm eine Kooperation mit seinem neuen Arbeitgeber Burger Chef in Aussicht. Die Fast-Food-Kette feierte am Ende der Sechzigerjahre in den USA große wirtschaftliche Erfolge, seit 1996 existiert sie aber nicht mehr. Bonnie bewundert Petes Geschäftstüchtigkeit, wobei er - wie er selbst ganz richtig bemerkt - gar nicht viel tun musste, um Payton von einer erneuten Kooperation zu überzeugen. Pete setzt sich bei der Telefonbesprechung mit den Partnern später vehement dafür ein, Don (Jon Hamm) in die Kreativarbeit einzubeziehen. Bis auf Roger Sterling (John Slattery) - Dons einzigem Verbündeten im Büro - ist niemand wirklich von der Idee begeistert. Trotzdem stimmen sie zu, Don wieder eine Aufgabe zu geben.

Harry Crane (Rich Sommer) könnte glücklicher nicht sein: Endlich hat das Büro einen Computer. © AMC
Harry Crane (Rich Sommer) könnte glücklicher nicht sein: Endlich hat das Büro einen Computer. © AMC

Wie tief Don in der Wertschätzung seiner Kollegen gefallen ist, lässt sich daran ablesen, dass er offensichtlich keine Ahnung hat, dass im Büro eine Feier zur Einweihung des ersten Computers der Firma ansteht. Harry Cranes (Rich Sommer) Bitten sind wohl angekommen. Die weiterhin bestehende Skepsis der meisten Angestellten kommentiert Roger in seiner unnachahmlich arrogant-jovialen Art: „It's gonna do magical things, like make Harry Crane seem important.

Der Triumph des Harry C.

Gelang es Mad Men bisher meist, seine Symbolik auf möglichst sublime Art unter die Zuschauer zu schicken, so trägt die Serie in dieser Episode ziemlich dick auf. In Analogie zum Plot von „2001: Eine Odyssee im Weltraum“ (in dem die Skepsis vor dem Supercomputer „HAL-9000“ geschürt wird), befragt Don Lloyd, den Chef der Computerinstallationsfirma ganz direkt: „Who's winning? Who's replacing more humans?“ Der versucht, die Vorteile eines Computers in philosophisch-verquaster Form hervorzustellen: „Isn't it God-like that we've mastered the infinite?

Doch die Skepsis bleibt. Später, nachdem sich Don aus Rogers Büro eine Flasche Wodka geklaut hat (zu seinen Auflagen gehört schließlich, dass er im Büro keinen Alkohol trinken darf) und sich damit volllaufen lässt, tritt er Lloyd (Robert Baker) höchst konfrontativ entgegen und spricht kaum verhohlen eine Drohung aus. Don hat überhaupt erst zur Flasche gegriffen, weil er gleich doppelt vor Augen geführt bekommen hat, wie überflüssig er für das Florieren des Unternehmens ist, an dessen Aufbau er maßgeblich beteiligt war.

Zunächst macht sich sein Nachfolger und neuer Vorgesetzter Lou Avery (Allan Havey) die Rivalität zwischen Don und Peggy (Elisabeth Moss) in meisterlicher strategischer Manier zu eigen, indem er Peggy eine Gehaltserhöhung zuspricht und sie zur kreativen Chefin des Burger Chef-Projekts ernennt. Der chinesische Kriegsstratege Sun Tsu würde vor Stolz platzen. Don muss sich also fortan von Peggy dirigieren lassen, was er damit beantwortet, Solitär zu spielen und Philip Roth („Portnoy's Complaint“, ein sexuell expliziter Roman, der 1969 zur literarischen Sensation wurde) zu lesen, statt an den geforderten Werbeslogans zu arbeiten. Armer John Mathis (Trevor Einhorn) - die gesamte Arbeit bleibt an ihm hängen. Er ist das erste Kollateralopfer im Kalten Krieg zwischen den einstigen Verbündeten Don und Peggy.

Die Demütigung gegenüber seinem einstigen Protegé ist jedoch nicht der einzige Tiefschlag für Don. Nach einer Unterhaltung mit Computerinstallateur Lloyd kommt ihm die Idee, dessen Firma eine Werbekampagne zu verkaufen. Ganz richtig hat Don erkannt, dass der Computerindustrie die Zukunft gehört - und dass die Marketingbemühungen dieser Industrie noch in den Kinderschuhen stecken. Von Bert Cooper (Robert Morse) bekommt er für sein Vorpreschen jedoch eine verbale Ohrfeige. Er macht Don schmerzlich deutlich, dass er bei SC&P lediglich geduldet wird - kreative Impulse setzen jetzt andere.

Margaret %26bdquo;Marigold%26ldquo; (Elizabeth Rice) muss schwere Geschütze auffahren; um ihren Vater zu überzeugen. © AMC
Margaret %26bdquo;Marigold%26ldquo; (Elizabeth Rice) muss schwere Geschütze auffahren; um ihren Vater zu überzeugen. © AMC

Daraufhin greift Don zur Flasche - und meldet sich kurze Zeit später völlig besoffen bei seinem verbliebenen Freund, Freddy Rumsen (Joel Murray). Glücklicherweise erkennt der sofort, dass Don sich abermals auf einem selbstzerstörerischen Pfad befindet und hievt ihn kurzerhand aus dem Büro auf die heimische Couch - zum Ausnüchtern. Am nächsten Morgen versucht er eindringlich, Don über seine momentane Lage und einen möglichen Ausweg aufzuklären. Die Formel ist laut Freddy sehr simpel: „Do the work, Don.“ Und so kommt es dann auch: Frisch geduscht, im Maßanzug und mit neuer Motivation scheint Don am Ende seine neue Rolle zu akzeptieren. Er fängt wieder als einfacher Werbetexter an. Wir alle wissen, dass das seine wahre Berufung ist.

Zurück zu den Wurzeln

Auch Roger Sterlings Tochter Margaret (Elizabeth Rice) scheint als „Marigold“ in einer Hippiekommune ihre wahre Berufung gefunden zu haben. Sie hat Ehemann und Sohn in New York zurückgelassen, um sich auf einer Farm der Hippieideologie hinzugeben. Rogers Ehefrau Mona (Talia Balsam, Slatterys Ehefrau im wahren Leben) und sein Schwiegersohn Brooks (Derek Ray) bitten ihn um seine Hilfe, damit Margaret wieder zu ihrer Familie zurückkehrt.

Die Rückholaktion gestaltet sich so schwierig wie erwartet. Zunächst landet Brooks bei seinem Versuch im Gefängnis, weil er sich aus lauter Frust über Margarets Lebenswandel mit mehreren Barbesuchern geprügelt hat. Auch hierfür hat Sterling die passende Handlungsanweisung parat: „Let Brooks spend another day in the slammer, he'll just get in the way.“ Dann scheitert Mona mit ihrem Appell an den Familiensinn ihrer Tochter (der von ihr übrigens reichlich kindisch mit „He can't be happy if I'm not happy“ beantwortet wird). Beleidigt stapft Mona von dannen, weshalb es nun an der Einfühlsamkeitstaktik von Roger liegt.

Seine Methode scheint zunächst Erfolg zu haben. Zwischendurch hat es sogar den Anschein, als gefalle Roger das Leben im Hippieparadies. Doch als er nachts mitbekommt, dass seine Tochter Sex mit einem Kommunarden hat, greift auch er wieder auf die Taktik des „Schlechtes-Gewissen-Einredens“ zurück. Am nächsten Morgen versucht er gar mit roher Gewalt, seine Tochter nach New York zurückzuschleppen. Nachdem beide im Matsch gelandet sind, liefert „Marigold“ ein Totschlagargument, auf das Roger keine Antwort mehr findet: Ihr Sohn könne prima ohne seine Mutter auskommen, schließlich habe es ihr auch nicht geschadet, dass ihr Vater nie dagewesen sei.

Roger ist alleine, Don ist alleine, Peggy ist alleine - und trotzdem endet diese Episode von Mad Men nahezu beschwingt. Es gibt die unbestimmte Hoffnung, als könnten die Charaktere ihre selbstzerstörerischen Zyklen endlich verlassen. Die siebte Staffel schafft es bisher jedenfalls meisterlich, die besten Elemente der Serie zu reproduzieren.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 5. Mai 2014
Episode
Staffel 7, Episode 4
(Mad Men 7x04)
Deutscher Titel der Episode
Neustart
Titel der Episode im Original
The Monolith
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. Mai 2014 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. September 2014
Autor
Erin Levy
Regisseur
Scott Hornbacher

Schauspieler in der Episode Mad Men 7x04

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?